LIVARTI
LIVARTI ist ein hochspezialisiertes, protektives Fungizid zur Bekämpfung von wirtschaftlich bedeutenden Oomyceten-Erkrankungen in einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen. Mit dem Wirkstoff Cyazofamid (160 g/l), formuliert als modernes Suspensionskonzentrat (SC), bietet das Pflanzenschutzmittel eine herausragende vorbeugende Wirkung gegen Erreger wie die Kraut- und Braunfäule an Kartoffeln und Tomaten sowie Falschen Mehltau an Kürbisgewächsen und Zierpflanzen.
Dank seiner exzellenten Formulierung haftet LIVARTI nach dem Antrocknen hervorragend auf der Blattoberfläche und ist extrem regenfest. Dies sichert einen langanhaltenden Schutz der Kultur auch unter feuchten, infektionsfördernden Witterungsbedingungen. Der Wirkstoff verteilt sich gleichmäßig auf den behandelten Pflanzenteilen und schützt den Neuzuwachs effektiv vor dem Eindringen von Pilzsporen.
Als wichtiger Baustein in Spritzfolgen trägt LIVARTI maßgeblich zur Ertragssicherung und Qualitätssteigerung bei. Durch seine gezielte Wirkung auf die Sporenstadien der Schaderreger wird die Weiterverbreitung im Bestand frühzeitig und nachhaltig unterbunden, was das Mittel zu einem unverzichtbaren Werkzeug im integrierten Pflanzenschutz macht.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in LIVARTI enthaltene Wirkstoff Cyazofamid gehört zur chemischen Gruppe der Cyanoimidazole und wird innerhalb des FRAC-Codes in die Gruppe 21 (QiI-Fungizide) eingestuft. Er greift gezielt in die mitochondriale Atmungskette der Oomyceten ein, indem er den Komplex III an der Qi-Stelle blockiert. Dies führt zu einer schnellen Unterbrechung der Energieproduktion (ATP-Synthese) im Schaderreger. Dieser biochemische Mechanismus wirkt hochspezifisch auf Oomyceten wie Phytophthora infestans und Pseudoperonospora cubensis. Cyazofamid entfaltet seine Wirkung primär in den frühen Entwicklungsstadien des Pilzes: Es hemmt die Sporenkeimung, die Ausbildung von Sporangien sowie die Bewegung der Zoosporen, wodurch der Infektionszyklus erfolgreich unterbrochen wird, noch bevor der Schaderreger in die Kultur eindringen kann.
Resistenzmanagement
Um das Risiko einer Resistenzbildung gegen Wirkstoffe der FRAC-Gruppe 21 zu minimieren, muss LIVARTI strikt im Rahmen einer vorausschauenden Antiresistenzstrategie eingesetzt werden. Dies bedeutet, dass die Anwendung von LIVARTI im Wechsel mit Pflanzenschutzmitteln erfolgen sollte, die über einen anderen, nicht kreuzresistenten Wirkungsmechanismus verfügen (z. B. Multi-Site-Inhibitoren oder Wirkstoffe aus anderen FRAC-Gruppen). Zudem darf die empfohlene Anzahl an Behandlungen pro Kultur und Vegetationsperiode nicht überschritten werden, und das Mittel sollte niemals kurativ auf bereits stark befallenen Flächen ausgebracht werden.
Mischbarkeit & Tankmischung
LIVARTI ist im Allgemeinen gut verträglich und mit vielen gängigen Fungiziden, Insektiziden und Blattdüngern mischbar. Vor der Ansetzung größerer Mengen im Spritztank wird jedoch dringend empfohlen, eine physikalische Mischbarkeitsprobe (Kübeltest) durchzuführen. Bei der Herstellung von Tankmischungen ist der Spritztank zunächst zu mindestens zwei Dritteln mit Wasser zu füllen, bevor LIVARTI unter ständigem Rühren hinzugegeben wird. Erst danach sollten weitere Mischungspartner beigefügt werden. Die fertige Spritzbrühe ist umgehend auszubringen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Bei der Anwendung von LIVARTI sind die gesetzlich vorgeschriebenen Auflagen zum Anwenderschutz strikt zu beachten; das Tragen von Standard-Schutzkleidung (inklusive Schutzhandschuhen und Schutzbrille) bei der Handhabung des Konzentrats ist obligatorisch. Zum Schutz von Gewässern und aquatischen Organismen sind die vorgegebenen Abdriftsminderungsklassen und länderspezifischen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern exakt einzuhalten. Das Pflanzenschutzmittel ist bei bestimmungsgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte ein direkter Kontakt mit blühenden Kulturen oder Unkräutern während des Bienenflugs vermieden werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Tabak | Blauschimmel (Peronospora tabacina) | — | 0.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Tomate | Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Tomate | Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) | 21–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Riesenkürbis | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Gurke | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Zucchini | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Patisson | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Moschus-Kürbis | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Kartoffel | Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) | 31–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Zucchini | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Zierpflanzen | Falsche Mehltaupilze (Peronosporaceae) | 11–59 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Flaschenkürbis | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Gurke | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Zierpflanzen | Falsche Mehltaupilze (Peronosporaceae) | 11–59 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Aubergine | Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) | 21–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Garten-Kürbis | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Behandlung mit LIVARTI im Kartoffelanbau?
Der optimale Einsatzzeitpunkt liegt konsequent präventiv vor dem ersten Infektionsdruck, idealerweise ab dem Reihenschluss der Kartoffeln (BBCH-Stadium 31–39). Da der Wirkstoff Cyazofamid die Keimung der Zoosporen blockiert, schützt eine frühzeitige Anwendung die Kultur effektiv vor dem Primärbefall durch Kraut- und Knollenfäule.
Wie verhält sich LIVARTI bezüglich der Regenfestigkeit nach der Anwendung?
LIVARTI zeichnet sich durch eine hervorragende Regenfestigkeit aus. Bereits kurze Zeit nach dem Antrocknen des Spritzbelags auf den Blättern der Kultur – in der Regel nach ein bis zwei Stunden – ist der Wirkstoff fest in der Wachsschicht verankert und bietet auch bei anschließenden Niederschlägen zuverlässigen Schutz.
Kann LIVARTI auch im geschützten Anbau (Gewächshaus) eingesetzt werden?
Ja, LIVARTI ist für spezifische Kulturen sowohl für das Freiland als auch für den Anbau unter Glas (Gewächshaus) registriert. Die genauen Anwendungsbestimmungen und zugelassenen Kulturen wie Tomaten oder Gurken sollten stets anhand der aktuellen Zulassungsdaten im BVL-Register abgeglichen werden.
Warum ist die rein protektive Anwendung bei diesem Pflanzenschutzmittel so entscheidend?
Der Wirkstoff Cyazofamid besitzt keine kurativen oder heilenden Eigenschaften. Seine Stärke liegt in der Verhinderung der Sporenkeimung und der Freisetzung von Zoosporen. Ist der Schaderreger erst einmal in das Gewebe der Kultur eingedrungen, kann das Mittel den Befall nicht mehr stoppen. Daher ist eine vorbeugende Spritzung zwingend erforderlich.
Wie lässt sich LIVARTI am besten in ein Antiresistenzmanagement integrieren?
Da Cyazofamid zur FRAC-Gruppe 21 gehört, sollte LIVARTI im Block oder im Wechsel mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen (z. B. Carbonsäureamide oder Kontaktfungizide) eingesetzt werden. Zudem sollte die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison und Kultur konsequent eingehalten werden, um die Selektion resistenter Schaderreger-Stämme zu verhindern.
Welchen Einfluss hat die Wasserqualität auf die Stabilität der Spritzbrühe?
LIVARTI ist in einem breiten pH-Bereich des Spritzwassers stabil. Extrem saures oder stark alkalisches Wasser sollte jedoch vermieden werden, um eine optimale Verteilung und Haftung auf der Kultur zu gewährleisten. Ein neutraler bis leicht saurer pH-Wert des Wassers ist für die Applikation ideal.