PIRIM
PIRIM ist ein hochwirksames Pflanzenschutzmittel zur gezielten Bekämpfung bedeutender Pilzkrankheiten im Kern- und Beerenobst. Mit dem bewährten Wirkstoff Pyrimethanil (400 g/l), formuliert als flüssiges Suspensionskonzentrat (SC), bietet das Präparat eine zuverlässige Protektion gegen wirtschaftlich verheerende Schaderreger wie Schorf (Venturia spp.) und Grauschimmel (Botrytis cinerea). Durch seine hervorragenden vorbeugenden Eigenschaften schützt es empfindliche Kulturen in kritischen Wachstumsphasen und sichert so Ertrag und Qualität.
Dank seiner ausgeprägten Translaminarität und der Fähigkeit zur Gasphasenwirkung verteilt sich der Wirkstoff optimal auf und in den Blättern sowie Blütenorganen. Dies macht PIRIM zu einem unverzichtbaren Baustein im modernen Pflanzenschutz, insbesondere bei wechselhaften Witterungsbedingungen im Frühjahr. Die Formulierung zeichnet sich durch eine hervorragende Pflanzenverträglichkeit in den zugelassenen Kulturen aus, zu denen neben Äpfeln und Birnen auch eine Vielzahl von Beerenobstarten wie Erdbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren gehören.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in PIRIM enthaltene Wirkstoff Pyrimethanil gehört zur chemischen Klasse der Anilinopyrimidine und ist in die FRAC-Gruppe 9 (Methionin-Biosynthese-Inhibitoren) eingestuft. Der biochemische Wirkungsmechanismus basiert auf der Hemmung der Biosynthese von Methionin, einer für den Pilz essenziellen Aminosäure. Ohne diese Aminosäure kann der Schaderreger keine Proteine synthetisieren, was das Wachstum des Keimschlauchs blockiert und das Eindringen des Pilzmyzels in das Pflanzengewebe verhindert. Zusätzlich hemmt Pyrimethanil die Sekretion von hydrolytischen Enzymen (wie Pektinasen und Laccasen) durch den Pilz, die dieser benötigt, um die pflanzliche Zellwand aufzulösen. Da dieser Prozess für die Etablierung einer Infektion entscheidend ist, bietet PIRIM eine starke präventive und kurative Wirkung in der frühen Infektionsphase. Die ausgeprägte Dampfphase (Gasphase) sorgt zudem dafür, dass auch unbehandelte oder heranwachsende Pflanzenteile in unmittelbarer Nähe des Spritzbelags geschützt werden.
Resistenzmanagement
Um das Risiko einer Resistenzbildung gegen Wirkstoffe aus der FRAC-Gruppe 9 zu minimieren, solltest du PIRIM stets im Rahmen einer vorausschauenden Antiresistenzstrategie einsetzen. Dies bedeutet, dass du die Anzahl der Anwendungen pro Saison konsequent begrenzt und PIRIM im Wechsel mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen anwendest. Auch die Kombination in Tankmischungen mit Partnern aus anderen FRAC-Gruppen ist ein wirksames Werkzeug, um die Selektion resistenter Stämme von Botrytis cinerea und Venturia spp. nachhaltig zu verhindern.
Mischbarkeit & Tankmischung
PIRIM ist im Allgemeinen gut mit gängigen Fungiziden, Insektiziden und Blattdüngern mischbar. Bei der Erstellung von Tankmischungen solltest du jedoch stets die Gebrauchsanleitungen aller Mischpartner beachten und vorab eine physikalische Mischprobe in einem kleinen Gefäß durchführen. Achte auf eine ausreichende Wasserqualität (neutraler bis leicht saurer pH-Wert) und vermeide extreme Wassertemperaturen. Die Zugabe von Netzmitteln ist in der Regel nicht erforderlich, kann aber bei extrem wachsartigen Blattoberflächen die Benetzung verbessern; stimme dies jedoch genau auf die jeweilige Kultur ab, um Phytotoxizität zu vermeiden.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit PIRIM ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Schutzhandschuhen und Augenschutz, während der Anmischung und Anwendung obligatorisch. Da für dieses Produkt keine spezifische Bienengefährdungsklasse im Datenblatt hinterlegt ist, solltest du aus Gründen des vorsorgenden Umweltschutzes Anwendungen in blühenden Beständen oder an Orten, an denen Bienen aktiv auf Trachtsuche sind, vermeiden. Verlege die Behandlungen vorzugsweise in die späten Abendstunden, wenn der Bienenflug beendet ist. Achte zudem penibel darauf, dass keine Abdrift in angrenzende Gewässer oder Saumbiotope gelangt, um aquatische Organismen und die lokale Fauna zu schonen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Apfel | Schorf (Venturia spp.) | 7–99 | 0.375 LITER_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 56T |
| Rote Johannisbeere | Botrytis cinerea | — | 2 LITER_PER_HECTARE | 21T |
| Brombeere | Botrytis cinerea | — | 2 LITER_PER_HECTARE | 21T |
| Erdbeere | Botrytis cinerea | 58–97 | 2 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Schwarze Johannisbeere | Botrytis cinerea | — | 2 LITER_PER_HECTARE | 21T |
| Himbeere | Botrytis cinerea | — | 2 LITER_PER_HECTARE | 21T |
| Birne | Schorf (Venturia spp.) | 7–99 | 0.375 LITER_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 56T |
| Weiße Johannisbeere | Botrytis cinerea | — | 2 LITER_PER_HECTARE | 21T |
| Forstpflanzen | Botrytis cinerea | — | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Stachelbeere | Botrytis cinerea | — | 2 LITER_PER_HECTARE | 21T |
| Forstpflanzen | Botrytis cinerea | — | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Heidelbeere | Botrytis cinerea | — | 2 LITER_PER_HECTARE | 21T |
| Zierpflanzen | Botrytis cinerea | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zierpflanzen | Botrytis cinerea | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Beeinflusst die Temperatur die Wirkung von PIRIM bei der Anwendung?
Ja, die Wirkung von PIRIM profitiert von milden Temperaturen, da sich die vorteilhafte Gasphase (Dampfphase) des Wirkstoffs Pyrimethanil erst ab etwa 10 bis 12 °C optimal entfaltet. Bei sehr kühlen Temperaturen unter 5 °C ist die Gasphasenwirkung eingeschränkt, weshalb du die Behandlung an wärmeren Tagen oder in den milderen Mittagsstunden einplanen solltest.
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Behandlung gegen Botrytis im Beerenobst?
Die kritischste Phase für Botrytis-Infektionen ist die Blüte (BBCH 61 bis 69), da der Pilz über absterbende Blütenorgane in die junge Frucht eindringt. Du solltest PIRIM daher präventiv ab Beginn der Blüte einsetzen, um die Blütenknospen und offenen Blüten vor einer Infektion zu schützen, bevor sichtbare Symptome auftreten.
Wie regenfest ist PIRIM nach der Ausbringung auf der Kultur?
Dank der schnellen translaminaren Aufnahme des Wirkstoffs in das Pflanzengewebe ist PIRIM bereits etwa zwei Stunden nach dem Antrocknen des Spritzbelags regenfest. Einsetzender Niederschlag nach diesem Zeitraum beeinträchtigt die Schutzwirkung in der Regel nicht mehr.
Wie kann ich eine Resistenzbildung bei Schorf im Kernobst verhindern?
Da Pyrimethanil (FRAC-Gruppe 9) ein mittleres bis hohes Resistenzrisiko aufweist, solltest du PIRIM im Kernobst nie solo bei hohem Infektionsdruck einsetzen. Mische es idealerweise mit einem Kontaktfungizid (z. B. einem Multisite-Inhibitor) und beschränke die Anzahl der Anwendungen pro Saison auf das registrierte Minimum, um die Selektion resistenter Schorfeinzeller zu verhindern.
Worauf muss ich bei der Düsenauswahl und Wassermenge achten?
Für eine optimale Wirkung von PIRIM ist eine lückenlose Benetzung der Kultur entscheidend. Verwende daher feine bis mitteltropfige Düsen (unter Beachtung der Abdriftminderungsklassen) und passe die Wassermenge an die Laubwandfläche bzw. die Dichte des Beerenbestandes an, damit auch das Innere der Sträucher und die Blüten gut erreicht werden.
Warum variiert die Wartezeit bei PIRIM so stark zwischen 3 und 56 Tagen?
Die Wartezeit ist streng kulturabhängig geregelt. Bei schnell reifenden Beerenobstarten wie Erdbeeren oder Himbeeren beträgt sie oft nur wenige Tage (z. B. 3 Tage), um einen flexiblen Schutz bis kurz vor der Ernte zu ermöglichen. Bei Kernobst (wie Äpfeln), wo späte Behandlungen nicht mehr üblich sind, sichert die lange Wartezeit von bis zu 56 Tagen, dass keine unzulässigen Rückstände im Erntegut verbleiben.