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Schädling

Apfelwickler

Cydia pomonella
CARPPO

Der Apfelwickler (Cydia pomonella, EPPO-Code: CARPPO) ist weltweit einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im Kernobstbau. Als Kleinschmetterling aus der Familie der Wickler (Tortricidae) befällt er vor allem den Kulturapfel (Malus domestica) und die Birne (Pyrus communis), kann aber auch an Quitten und Walnüssen erhebliche Schäden verursachen. Ohne gezielte Regulierungsmaßnahmen führt der Befall durch die Larven, die umgangssprachlich als „Obstmaden“ bekannt sind, oft zu einem Totalverlust der vermarktungsfähigen Ernte.

Die wirtschaftliche Relevanz ergibt sich nicht nur aus dem direkten Fraßschaden im Fruchtfleisch und an den Samen, sondern auch aus den Sekundärinfektionen durch pilzliche Schaderreger wie Monilinia, die über die Einbohrlöcher eindringen. Befallene Früchte reifen vorzeitig und fallen ab (sogenannter „Wurmstich“), was die Ertragssicherung im Erwerbsobstbau massiv gefährdet. Der Schädling ist in fast allen gemäßigten Anbaugebieten der Erde verbreitet und stellt Obstbauern jährlich vor große Herausforderungen im integrierten Pflanzenschutz.

Typ
Schädling
EPPO-Code
CARPPO
Wirte
6 Kulturen
Generationen
1–3 Generationen pro Jahr (temperaturabhängig)
Verbreitung
Kosmopolitisch verbreitet in allen bedeutenden Kernobstregionen weltweit, insbesondere in Europa, Nordamerika und Teilen Asiens, wo er ohne Bekämpfung Ernteverluste von bis zu 100 % verursachen kann.
Erstbeschreibung
Linnaeus, 1758

Biologie / Lebenszyklus

Der Apfelwickler überwintert als vollentwickelte Larve in einem dichten Gespinst unter Borkenschuppen oder im Boden. Im Frühjahr (etwa ab BBCH 53–57 der Wirtskulturen) verpuppen sich die Larven, und der Falterflug der ersten Generation beginnt meist ab Mai bei Abendtemperaturen von über 15 °C. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier einzeln auf Blätter und junge Früchte ab. Die schlüpfenden Larven bohren sich rasch in die Früchte ein, fressen sich zum Kerngehäuse durch und durchlaufen fünf Larvenstadien, bevor sie die Frucht zur Verpuppung verlassen. Je nach Witterung und Region entwickelt sich im Hochsommer eine zweite, in warmen Jahren oder südlichen Lagen sogar eine partielle dritte Generation, deren Larven bis in die Erntezeit hinein aktiv sind.

Bonitur

Für eine präzise Bekämpfung musst du den Falterflug ab Ende April mittels Pheromonfallen kontinuierlich überwachen. Die Schadensschwelle liegt im Erwerbsobstbau bei einem Fang von mehr als 5 Faltern pro Falle und Woche. Zur Absicherung der Termine für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln solltest du Temperatursummenmodelle (Gradtag-Modelle ab einem Schwellenwert von 10 °C) nutzen, um den optimalen Schlupfzeitpunkt der Larven zu prognostizieren. Ab BBCH 71 (Fruchtgröße bis 10 mm) ist zudem eine visuelle Kontrolle von mindestens 100 bis 200 Früchten je Parzelle auf Eiablage und erste Einbohrstellen (Einbohrkontrolle) unerlässlich, wobei eine Befallsschwelle von 0,5 % bis 1 % aktiven Einbohrungen als Richtwert für eine Behandlung gilt.

Symptome

Typisch für den Befall ist ein kleines, oft von rötlichem Gewebe umgebenes Einbohrloch an der Fruchtseite oder in der Kelchgrube, aus dem brauner, krümeliger Kot (Bohrmehl) ausgestoßen wird. Im Inneren der aufgeschnittenen Frucht zeigt sich ein Fraßgang, der direkt zum Kerngehäuse führt, wo die Samen befressen werden. Befallene Früchte färben sich vorzeitig gelb, zeigen Notreife und fallen häufig vor der eigentlichen Ernte vom Baum (vorzeitiger Fruchtfall).

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management erfordert eine integrierte Strategie. Als biologische Basis hat sich die Verwirrungstechnik (Pheromondispenser) in geschlossenen Anlagen ab einer Größe von etwa einem Hektar fest etabliert. Ergänzend können im biologischen und integrierten Anbau Granuloseviren (CpGV) hochselektiv gegen junge Larven eingesetzt werden, wobei du auf mögliche Resistenzbildungen achten musst. Chemische Pflanzenschutzmittel (z. B. Häutungsbeschleuniger, Neonicotinoide oder Pyrethroide) müssen exakt zum Schlupfzeitpunkt der Larven appliziert werden, bevor diese in die Frucht eindringen. Um Resistenzentwicklungen vorzubeugen, ist ein striktes Wirkstoffklassenmanagement gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten, indem du Wirkmechanismen zwischen den Generationen konsequent abwechselst. Kulturmaßnahmen wie das Entfernen von Fallobst und das Anbringen von Wellpappgürteln zur Larvenabsammlung unterstützen die Dezimierung der Überwinterungspopulation.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie berechnest du die Temperatursumme für den optimalen Behandlungszeitpunkt gegen den Apfelwickler?

Du startest die Berechnung der Temperatursumme (Gradtage) ab dem Biofix-Termin, also dem Tag, an dem der Falterflug in den Pheromonfallen konstant einsetzt. Addiere täglich die Differenz zwischen der Tagesmitteltemperatur und dem Entwicklungsnullpunkt von 10 °C (Tagesmittel - 10 °C). Der optimale Schlupfzeitpunkt der Larven der ersten Generation und somit der ideale Termin für den Einsatz von Larviziden liegt meist bei einer Summe von etwa 80 bis 120 Gradtagen nach dem Biofix.

Was musst du tun, wenn in deiner Anlage eine Resistenz gegen das Granulosevirus (CpGV) auftritt?

Bei Verdacht auf eine CpGV-Resistenz solltest du auf neuere Virusisolate (z. B. CpGV-Isolat der Resistenzklasse II oder III) ausweichen, die auch gegen resistente Populationen wirken. Zudem ist es dringend empfohlen, das Virus mit anderen Wirkstoffklassen wie physiologischen Insektiziden oder biologischen Gegenspielern wie Nematoden im Herbst zu kombinieren, um den Selektionsdruck zu senken.

Wie helfen Nematoden bei der Bekämpfung des Apfelwicklers im Herbst?

Du kannst nützliche Nematoden der Art *Steinernema feltiae* im Spätherbst (Oktober/November) bei feucht-warmer Witterung (über 8 °C) auf den Stamm und den Boden ausbringen. Diese dringen in die Kokons der überwinternden Larven ein und parasitieren sie. Dies reduziert die Ausgangspopulation für das Folgejahr erheblich, besonders in bekannten Befallshotspots.

Warum ist die Verwirrungstechnik in kleinen oder windigen Obstanlagen oft weniger wirksam?

Die Verwirrungstechnik basiert auf einer gleichmäßigen Pheromonwolke in der Baumkrone, die die Männchen bei der Partnersuche desorientiert. In sehr kleinen Anlagen (unter 1 ha) oder an windexponierten Hanglagen verflüchtigt sich der Duftstoff zu schnell, oder begattete Weibchen fliegen aus benachbarten, unbehandelten Flächen ein. In solchen Fällen musst du die Randbereiche zusätzlich mit gezielten Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln schützen.

Wie unterscheidest du den Befall des Apfelwicklers von dem der Apfelsägewespe?

Während die Larve des Apfelwicklers tief in die Frucht bis zum Kerngehäuse vordringt und trockenes, braunes Bohrmehl ausstößt, verursacht die Larve der Apfelsägewespe (*Hoplocampa testudinea*) oft spiralförmige Miniergänge auf der Schale (Primärbefall) und stößt feuchten, unangenehm riechenden Kot aus. Zudem tritt der Befall der Sägewespe deutlich früher im Jahr (direkt nach der Blüte, BBCH 69) auf.

Wo findest du im Portal die passenden Pflanzenschutzmittel für deine Kultur?

Nutze die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtere nach deiner spezifischen Kultur (z. B. Apfel) und dem Schaderreger *Cydia pomonella*. Dort werden dir alle aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen, Wartezeiten und den spezifischen Anwendungsbestimmungen übersichtlich angezeigt.