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Schädling

Apfelwickler

Cydia pomonella
CARPPO

Der Apfelwickler (Cydia pomonella, EPPO-Code: CARPPO) ist der wirtschaftlich bedeutendste Schaderreger im weltweiten und mitteleuropäischen Kernobstanbau. Als Kleinschmetterling aus der Familie der Wickler (Tortricidae) befällt er vor allem Kulturäpfel (Malus domestica) und Birnen (Pyrus communis), kann aber auch an Quitten und Walnüssen erhebliche Schäden verursachen. Ohne gezielte Regulierungsmaßnahmen führt der Befall durch die Larven, umgangssprachlich auch als „Obstmade“ bekannt, zu massiven Ernteverlusten und Qualitätsminderungen, die das Erntegut für den Frischmarkt unverkäuflich machen.

Die wirtschaftliche Relevanz des Schädlings ergibt sich aus dem direkten Fraßschaden im Fruchtfleisch und dem anschließenden vorzeitigen Fruchtfall (insbesondere bei der ersten Generation). Zudem begünstigen die Einbohrlöcher Sekundärinfektionen durch pilzliche Schaderreger wie Monilinia fructigena (Fruchtfäule). In intensiv bewirtschafteten Obstanlagen ist eine kontinuierliche Überwachung und Regulierung des Apfelwicklers daher eine Standardmaßnahme im jährlichen Pflanzenschutzprogramm.

Typ
Schädling
EPPO-Code
CARPPO
Wirte
5 Kulturen
Generationen
1–2 Generationen pro Saison (mitteleuropäisches Klima)
Verbreitung
Cydia pomonella ist weltweit in fast allen gemäßigten Anbaugebieten von Kernobst verbreitet und gilt global als der ökonomisch schädlichste Schaderreger im Apfelanbau.
Erstbeschreibung
Linnaeus, 1758

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überwintert als vollentwickelte Larve in einem dichten Gespinst unter Borkenschuppen am Stamm oder im Boden. Die Verpuppung beginnt im Frühjahr bei steigenden Temperaturen ab etwa BBCH 09 bis BBCH 53 der Hauptwirte. Der Falterflug der ersten Generation startet meist ab Mai (BBCH 69 bis 71), wobei die Eiablage in den Abendstunden bei Temperaturen über 15 °C auf Blättern und jungen Früchten erfolgt. Nach dem Schlupf bohren sich die Larven rasch in die Früchte ein, fressen sich bis zum Kerngehäuse durch und wandern nach etwa vier Wochen zur Verpuppung ab. In warmen Jahren oder Gunstlagen entwickelt sich ab Juli/August eine zweite Generation, deren Larven bis zur Ernte (BBCH 87 bis 89) fressen und die typischen späten Schäden verursachen.

Bonitur

Die Überwachung basiert auf einer Kombination aus Pheromonfallen (Delta-Fallen), Temperatursummenmodellen (Gradtag-Modelle ab 10 °C Basistemperatur) und visuellen Kontrollen. Der Einsatz von Pheromonfallen startet vor dem erwarteten Flugbeginn ab BBCH 59. Als wirtschaftliche Schadensschwelle gilt ein Fang von mehr als 5 Faltern pro Falle und Woche in der ersten Generation. Ergänzend wird ab BBCH 73 (Fruchtgröße bis 20 mm) eine visuelle Kontrolle von 100 bis 200 Früchten je Parzelle durchgeführt; wird hierbei ein Befall von über 0,5 % bis 1 % festgestellt, sind umgehend gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen einzuleiten.

Symptome

Typisch für den Befall sind kreisrunde Einbohrlöcher an den Früchten, die häufig von rötlich-braunem, krümeligem Kot (Bohrmehl) umgeben sind. Bei frühem Befall (erste Generation) verfärben sich die Früchte vorzeitig gelb und fallen ab (sogenannter Juni-Fruchtfall). Im Inneren der aufgeschnittenen Frucht zeigt sich ein Fraßgang, der direkt zum Kerngehäuse führt, wo die Samen gefressen werden. Später Befall durch die zweite Generation zeigt oft flache, saubere Einbohrstellen („Schnittschäden“), bei denen die Larve kurz nach dem Einbohren abgestorben ist oder die Frucht gewechselt hat.

Integriertes Management

Ein integriertes Management kombiniert biotechnische, biologische und chemische Verfahren. Die Verwirrungsmethode mittels synthetischer Pheromondispenser, die großflächig vor Flugbeginn (BBCH 57–59) ausgebracht werden, bildet das Fundament in vielen Erwerbsanlagen. Biologisch kommen Granuloseviren (CpGV) hochselektiv gegen junge Larven sowie nützliche Nematoden (Steinernema carpocapsae) zur Dezimierung der überwinternden Larven am Stamm zum Einsatz. Beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel (z. B. Larvizide oder Ovizide) ist ein striktes Wirkstoffwechsel-Management gemäß IRAC-Richtlinien zwingend erforderlich, um Resistenzbildungen vorzubeugen. Behandlungen müssen präzise auf den Hauptschlupf der Larven abgestimmt werden, der über Prognosemodelle ermittelt wird.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie beeinflusst das Wetter die Wirksamkeit der Verwirrungsmethode gegen den Apfelwickler?

Die Verwirrungsmethode basiert auf einer kontinuierlichen Pheromonsättigung der Luft. Bei anhaltend starkem Wind oder in extremen Hanglagen kann die Pheromonwolke abreißen, was die Wirksamkeit mindert. Zudem ist die Methode in kleinen, isolierten Parzellen unter 1 ha weniger effektiv, da begattete Weibchen aus benachbarten, unbehandelten Flächen einfliegen können.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Granuloseviren (CpGV)?

Der Einsatz von Granuloseviren muss exakt auf den Schlupf der Larven abgestimmt sein, da das Virus von den Larven oral aufgenommen werden muss, bevor sie sich in die Frucht einbohren. Dies entspricht meist dem Zeitraum kurz nach dem Überschreiten der Temperatursumme für den Ei-Schlupf. Da CpGV UV-empfindlich ist, empfiehlt sich die Anwendung in den späten Nachmittags- oder Abendstunden.

Wie kann ich im farmable.tech-Hub gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger finden?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur (z. B. Apfel) und dem Schaderreger "Cydia pomonella" oder "Apfelwickler". Das System listet Ihnen alle aktuell für diese Anwendung zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive der registrierten Aufwandmenge, maximalen Behandlungen und der einzuhaltenden Wartezeit auf.

Welche Rolle spielt die Resistenzentwicklung bei der chemischen Bekämpfung des Apfelwicklers?

Aufgrund der häufigen Anwendungen hat der Apfelwickler in vielen Regionen Resistenzen gegen ältere Wirkstoffklassen (z. B. Organophosphate, Pyrethroide) entwickelt. Um die Wirksamkeit moderner Wirkstoffe (wie Neonicotinoide oder Diamide) zu erhalten, müssen Wirkstoffe mit unterschiedlichen IRAC-Modi im Spritzprogramm konsequent rotiert werden.

Wie lässt sich der Befall durch die zweite Generation im Spätsommer vorhersagen?

Die Entwicklung der zweiten Generation hängt stark von den Temperaturen im Juni und Juli ab. Überschreitet die Temperatursumme (Basis 10 °C) einen bestimmten Schwellenwert und bleibt der Falterfang in den Pheromonfallen ab Mitte Juli hoch, ist mit einer starken zweiten Generation zu rechnen. Prognosemodelle berechnen hierzu tagesaktuell das Risiko für den späten Eiablage- und Schlupfzeitraum.