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Pilz

Blattfleckenkrankheit (Cercospora beticola)

Cercospora beticola
CERCBE

Die Cercospora-Blattfleckenkrankheit, verursacht durch den pilzlichen Schaderreger Cercospora beticola (EPPO-Code: CERCBE), ist weltweit die wirtschaftlich bedeutendste Blattkrankheit im Anbau von Zuckerrüben und anderen Rübenkulturen. Der Pilz befällt vor allem die Blätter der Kulturen und kann bei starkem Auftreten zu einer fast vollständigen Zerstörung des Blattapparates führen. Dies zwingt die Kultur zu einem ständigen Neuaustrieb, was erhebliche Ertrags- und Zuckergehaltsverluste nach sich zieht.

Die Krankheit tritt vor allem in Regionen mit warm-feuchtem Sommerklima auf. In Mitteleuropa hat sich die Intensität und das Schadpotenzial des Erregers in den letzten Jahrzehnten aufgrund veränderter klimatischer Bedingungen und milder Winter deutlich erhöht. Neben Zuckerrüben werden auch Futterrüben, Rote Bete und Mangold regelmäßig infiziert, was eine konsequente Überwachung und ein integriertes Management in den betroffenen Anbaugebieten unerlässlich macht.

Typ
Pilz
EPPO-Code
CERCBE
Wirte
3 Kulturen
Generationen
Mehrere überlappende Generationen pro Saison
Verbreitung
Weltweit in fast allen Rübenanbaugebieten verbreitet; besonders hohe wirtschaftliche Schäden entstehen in warm-feuchten Regionen Mitteleuropas, Nordamerikas und Südeuropas, wo Ertragsverluste von bis zu 40 % und drastische Einbußen beim Zuckergehalt drohen.
Erstbeschreibung
Saccardo, 1876 (Italien)

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überwintert als widerstandsfähiges Myzel oder in Form von Pseudothezien auf infizierten Ernterückständen im Boden oder auf Unkräutern. Im Frühjahr, sobald die Temperaturen über 10–12 °C steigen und eine hohe Luftfeuchtigkeit (über 90 %) oder freies Wasser auf den Blättern vorliegt, beginnt die Sporenproduktion (Konidien). Diese Primärinfektionen werden durch Wind und Regenspritzer auf die unteren Blätter der jungen Kulturen übertragen. Nach der Infektion und einer temperaturabhängigen Inkubationszeit von 7 bis 21 Tagen entstehen neue Konidienträger, die für eine rasche, sekundäre Ausbreitung im gesamten Bestand sorgen. Dieser Zyklus wiederholt sich bei warmer, feuchter Witterung (optimal sind 25–35 °C tagsüber und über 16 °C nachts) mehrfach pro Saison, was zu einer epidemischen Ausbreitung führt.

Bonitur

Das Monitoring im Bestand sollte ab dem Reihenschluss der Kulturen (ca. BBCH 39) intensiviert werden, besonders bei feucht-warmer Witterung. Für eine gezielte Behandlung nutzt du am besten das Schadschwellenprinzip, das sich nach dem BBCH-Stadium und dem regionalen Infektionsdruck richtet. Bis Ende Juli liegt die kritische Schadschwelle in der Regel bei 5 % befallener Blätter (Bonitur von 100 repräsentativ im Feld entnommenen Blättern aus dem mittleren Blattbereich). Im August steigt diese Schwelle meist auf 15 % und ab September auf 45 % befallene Blätter an. Die Nutzung von computergestützten Prognosemodellen hilft dir, den optimalen Behandlungszeitpunkt präzise zu bestimmen und unnötige Anwendungen zu vermeiden.

Symptome

Typisch für den Befall sind kreisrunde, etwa 2–5 mm große, aschgraue Flecken auf den älteren Blättern, die von einem charakteristischen rotbraunen bis dunkelvioletten Rand scharf abgegrenzt sind. Bei hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich im Zentrum der Flecken ein feiner, grauer Pilzrasen aus Konidienträgern, der unter der Lupe als kleine schwarze Punkte (Pseudothezien/Stroma) erkennbar ist. Im weiteren Krankheitsverlauf fließen die einzelnen Flecken zusammen, wodurch große Teile des Blattes vergilben, vertrocknen und schließlich absterben. Bei starkem Befall bricht das gesamte Laubwerk zusammen, und die Kultur treibt aus dem Rübenkopf neue, gesunde Blätter aus, was wertvolle Energie kostet.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches integriertes Management basiert auf einer weiten Fruchtfolge (mindestens 3–4 Jahre Abstand zu anderen Rübenkulturen) und dem konsequenten Unterpflügen von Ernterückständen, um das Primärinokulum zu reduzieren. Der Anbau toleranter oder resistenter Sorten ist die wirksamste pflanzenbauliche Maßnahme, auch wenn diese im Ertragspotenzial unter völlig gesundem Zustand manchmal leicht abweichen. Beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel musst du unbedingt die FRAC-Richtlinien zur Vermeidung von Resistenzen beachten. Da Cercospora beticola in vielen Regionen bereits Resistenzen gegen Strobilurine (QoI, FRAC-Gruppe 11) und verminderte Sensitivitäten gegenüber Triazolen (DMI, FRAC-Gruppe 3) zeigt, ist ein Wirkstoffwechsel sowie die Kombination mit Kontaktwirkstoffen (z. B. Kupfer oder Schwefel, sofern zugelassen) dringend empfohlen. Halte dich stets an die maximal zulässige Anzahl an Anwendungen pro Saison.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie kann ich im Feld eine Cercospora-Infektion von anderen Blattflecken wie Ramularia oder Phoma unterscheiden?

Achte auf die Details der Flecken: Cercospora-Flecken sind meist klein (2–5 mm), kreisrund mit einem sehr deutlichen rotbraunen Rand und zeigen im Zentrum oft winzige schwarze Punkte (Stromata). Ramularia-Flecken sind meist größer, unregelmäßiger geformt, hellbraun und haben einen verwaschenen Rand ohne dunkle Begrenzung. Phoma-Flecken weisen oft konzentrische Ringe auf und treten meist erst an geschwächten oder älteren Blättern auf.

Warum ist die Einhaltung der Fruchtfolge bei diesem Schaderreger so wichtig?

Der Pilz überdauert als widerstandsfähiges Myzel auf infizierten Blattresten im Boden. Wenn du Rüben zu häufig auf derselben Fläche anbaust, erhöht sich das Ausgangsinokulum im Frühjahr massiv. Ein Anbauabstand von mindestens drei, besser vier Jahren gibt den Ernterückständen genügend Zeit, vollständig zu verrotten, wodurch die Überlebenschancen des Erregers drastisch sinken.

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen Cercospora?

Nutze die Such- und Filterfunktion in unserem Hub. Filtere dort nach deiner spezifischen Kultur (z. B. Zuckerrübe) und wähle unter der Kategorie Schaderreger "Cercospora beticola" aus. Das System listet dir alle aktuell in deinem Land registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Aufwandmenge, der maximalen Anwendungen und der einzuhaltenden Wartezeit auf.

Welche Rolle spielt die Stickstoffdüngung beim Befall mit Cercospora?

Eine übermäßige oder zu späte Stickstoffdüngung führt zu einem üppigen, weichen Blattapparat und verzögert die Abreife der Kultur. Dies schafft ein feuchtes Mikroklima im Bestand, das die Keimung der Sporen begünstigt. Achte daher auf eine ausgewogene, bedarfsgerechte Düngung, um das Laub trocken und widerstandsfähig zu halten.

Wie gehe ich vor, wenn in meiner Region bereits Resistenzen gegen bestimmte Wirkstoffklassen bekannt sind?

In diesem Fall solltest du den Einsatz von Solo-Strobilurinen komplett vermeiden. Setze stattdessen auf Kombinationen aus verschiedenen Wirkstoffklassen (z. B. Triazole gemischt mit Carboxamiden oder Kontaktwirkstoffen). Achte streng darauf, Wirkstoffe mit unterschiedlichen FRAC-Codes im Spritzprogramm abzuwechseln, um den Selektionsdruck zu minimieren und die Wirksamkeit der verbleibenden Pflanzenschutzmittel zu sichern.

Beeinflusst der Erntezeitpunkt die Schadwirkung von Cercospora?

Ja, erheblich. Wenn du einen frühen Erntetermin planst, ist der späte Befall im September oft wirtschaftlich zu vernachlässigen, da die Rüben kaum noch an Masse zulegen. Bei einer späten Rodung (ab November) hingegen kann ein unkontrollierter Spätbefall den Zuckerertrag massiv mindern, da die Kultur wertvolle Reserven für den permanenten Blattschmuck-Neuaustrieb verbraucht. Passe deine Behandlungsstrategie daher immer an den geplanten Liefertermin der Fabrik an.