Kohleule
Die Kohleule (Mamestra brassicae, EPPO-Code: BARABR) ist ein wirtschaftlich bedeutender Schädling aus der Familie der Eulenfalter (Noctuidae), der im europäischen Gemüsebau, insbesondere beim Anbau von Kreuzblütlern (Brassicaceae), erhebliche Schäden verursacht. Neben den Hauptwirten wie Blumenkohl, Brokkoli und Rosenkohl kann dieser polyphage Schaderreger auch an anderen Kulturen wie Salat, Erbsen oder Rüben auftreten.
Die wirtschaftliche Relevanz ergibt sich vor allem aus dem Fraßverhalten der älteren Larvenstadien. Während junge Raupen zunächst einen oberflächlichen Schabefraß verursachen, dringen ältere Larven tief in die Herzen der Kohlköpfe ein. Dies führt nicht nur zu direktem Ertragsverlust durch Kahlfraß, sondern macht die Ernteware durch massive Kotverschmutzungen und sekundäre Fäulniserreger oft vollständig unverkäuflich.
Biologie / Lebenszyklus
In Mitteleuropa bildet Mamestra brassicae in der Regel zwei Generationen pro Jahr aus, wobei die Überwinterung als Puppe im Boden erfolgt. Ab Mai schlüpfen die Falter der ersten Generation, die ihre Eier in typischen, einschichtigen Gelegen von bis zu 100 Stück auf den Blattunterseiten der Kulturen ablegen. Nach dem Schlupf durchlaufen die Larven sechs Stadien, wobei sich die Jungraupen zunächst gesellig ernähren, bevor sie sich vereinzeln und ab dem vierten Stadium lichtscheu werden. Die zweite Generation fliegt meist ab Ende Juli bis September und verursacht aufgrund der höheren Populationsdichte oft die gravierendsten Schäden im Spätkohlanbau.
Bonitur
Die Überwachung des Zuflugs erfolgt ab dem Frühjahr mittels Pheromonfallen, um den optimalen Zeitpunkt für die Eiablage und den Schlupf der Jungraupen zu bestimmen. Eine direkte Feldkontrolle durch visuelle Bonituren der Blattunterseiten ist ab dem BBCH-Stadium 15 (5. Laubblatt entfaltet) bis hin zur Kopfbildung (BBCH 41–49) unerlässlich. Als wirtschaftliche Schadensschwelle im professionellen Anbau gilt meist ein Befall von 5 bis 10 % der kontrollierten Kulturen mit Eigelegen oder jungen Larven, wobei bei Frischmarktware und sensiblen Kulturen wie Brokkoli eine deutlich niedrigere Toleranzgrenze anzusetzen ist.
Symptome
Typisch für den Anfangsbefall ist der sogenannte Fensterfraß an den Unterseiten der äußeren Blätter, der von den jungen, gesellig lebenden Larven verursacht wird. Mit zunehmendem Alter der Raupen entstehen unregelmäßige Loch- und Skelettfraßbilder, die sich schließlich zu einem massiven Kahlfraß ausweiten können. Ein diagnostisches Schlüsselmerkmal für die Kohleule ist das tiefe Einbohren der älteren, bräunlich-grünen Larven in das Herz der Kulturen (Herzwurmsymptomatik), begleitet von feuchten, dunkelgrünen Kotballen in den Blattachseln und im Kopfinneren, was häufig Sekundärfäulnis induziert.
Integriertes Management
Ein integriertes Management basiert auf einer Kombination aus kulturtechnischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Eine tiefe Bodenbearbeitung im Spätherbst oder zeitigen Frühjahr dezimiert die im Boden überwinternden Puppen effektiv. Der Einsatz von Kulturschutznetzen verhindert die Eiablage der Falter, sofern sie vor dem Flugbeginn aufgelegt werden. Biologische Bekämpfungsansätze umfassen den Einsatz von Trichogramma-Schlupfwespen zur Parasitierung der Eier sowie Anwendungen von Bacillus thuringiensis (Bt-Präparate) oder nützlichen Nematoden gegen junge Larvenstadien. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt gegen die empfindlichen Jungraupen (L1–L2) eingesetzt werden, bevor sich diese in die Köpfe einbohren; dabei ist zur Vermeidung von Resistenzen ein konsequenter Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien zwingend einzuhalten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung mit Bacillus thuringiensis gegen die Kohleule?
Der Einsatz von Bacillus thuringiensis (Bt) ist am effektivsten, wenn er unmittelbar nach dem Schlupf der Larven (L1- bis L2-Stadium) erfolgt. Ältere Larven, die sich bereits in die Kohlköpfe eingebohrt haben, werden von dem Fraßgift nicht mehr erreicht. Zudem sollte die Anwendung in den Abendstunden erfolgen, da Bt-Präparate UV-empfindlich sind.
Wie beeinflusst das BBCH-Stadium der Kultur die Wahl des Pflanzenschutzmittels?
In frühen BBCH-Stadien (z. B. BBCH 15 bis 35) können systemische oder teilsystemische Pflanzenschutzmittel mit längerer Dauerwirkung eingesetzt werden, da bis zur Ernte ausreichend Zeit für den Abbau der Wirkstoffe bleibt. Ab Beginn der Kopfbildung (BBCH 41) müssen aufgrund der einzuhaltenden Wartezeit (PHI) bevorzugt kurz wirksame, biologische Präparate oder Mittel mit sehr kurzen Wartezeiten gewählt werden, um Rückstände im Erntegut zu vermeiden.
Warum ist das IRAC-Wirkstoffgruppen-Management bei der Kohleule so wichtig?
Da die Kohleule pro Saison mehrere Generationen bildet, besteht ein hohes Risiko für die Selektion resistenter Populationen, insbesondere gegen Pyrethroide. Durch den konsequenten Wechsel zwischen verschiedenen IRAC-Klassen (z. B. Gruppe 5 wie Spinosad und Gruppe 28 wie Diamide) innerhalb einer Spritzfolge wird verhindert, dass überlebende Schädlinge einer Generation Resistenzen an die nächste Generation weitergeben.
Wie unterscheidet man Eigelege der Kohleule von denen anderer Kohlschädlinge im Feld?
Die Eier der Kohleule werden im Gegensatz zum Großen Kohlweißling (der gelbe, kegelförmige Eier in Gruppen ablegt) in flachen, einschichtigen Gelegen von 20 bis 100 Stück auf den Blattunterseiten abgelegt. Sie sind anfangs weißlich-gelb, färben sich später graubraun und weisen eine charakteristische radiale Rippung auf.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach dem Schaderreger "Mamestra brassicae" oder dem EPPO-Code "BARABR". Sie können die Ergebnisse zusätzlich nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Blumenkohl oder Brokkoli) und dem gewünschten BBCH-Stadium filtern, um nur aktuell zugelassene Anwendungen mit den passenden Wartezeiten angezeigt zu bekommen.
Welche Rolle spielt die Vorfrucht und Bodenbearbeitung bei der Regulierung der Kohleule?
Da die Puppen der Kohleule im Boden in einer Tiefe von etwa 5 bis 10 cm überwintern, hat die Bodenbearbeitung nach der Ernte einen entscheidenden Einfluss. Eine tiefe Pflugwendung im Spätherbst bringt die Puppen an die Oberfläche, wo sie Frost und natürlichen Feinden wie Vögeln oder Laufkäfern ausgesetzt sind, was den Ausgangsbefall im Folgejahr erheblich reduziert.