Kohleule
Die Kohleule (Mamestra brassicae, EPPO-Code: BARABR), regional auch als Herzwurm bekannt, gehört zur Familie der Eulenfalter (Noctuidae) und ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im europäischen Gemüsebau. Der Schädling ist extrem polyphag, zeigt jedoch eine ausgeprägte Präferenz für Kreuzblütler (Brassicaceae). Besonders in intensiv bewirtschafteten Anbauregionen für Kopfkohl, Blumenkohl, Brokkoli und Rosenkohl kann ein starker Befall zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten führen.
Die wirtschaftliche Relevanz ergibt sich nicht nur aus dem oberflächlichen Lochfraß der Larven an den Blättern, sondern vor allem aus deren Verhalten, sich tief in das Innere der Kohlköpfe oder Blumenkohlköpfe einzubohren. Dieser Fraß im Herzbereich führt in Kombination mit den feuchten Kotablagerungen der Raupen rasch zu Sekundärfäulnis durch bakterielle oder pilzliche Erreger. Befallene Partien sind für den Frischmarkt komplett unverkäuflich und führen zu hohen Sortierkosten.
Biologie / Lebenszyklus
Die Kohleule überwintert als Puppe im Boden. Ab Mai schlüpfen die Falter der ersten Generation, die vorwiegend nachtaktiv sind und ihre Eier in typischen, flächigen Gelegen (oft 20 bis 100 Eier) an den Blattunterseiten ablegen. Nach dem Schlupf fressen die jungen Larven zunächst gesellig, während ältere Larvenstadien (L3 bis L6) sich vereinzeln, lichtscheu werden und sich tief in die Kultur einbohren. Im Hochsommer verpuppt sich diese Generation im Boden, woraufhin im Juli und August die meist noch schadrelevantere zweite Generation schlüpft, deren Larven bis in den Herbst hinein fressen, bevor sie sich zur Überwinterung in den Boden zurückziehen.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte ab dem Auspflanzen bzw. ab BBCH 12/14 beginnen und bis zur Ernte fortgesetzt werden. Der Einsatz von Pheromonfallen ab Mai dient dem Nachweis des Falterflugs und hilft dir, den optimalen Zeitpunkt für die Eiablagekontrolle zu bestimmen. Die Schadensschwelle im professionellen Anbau ist sehr niedrig angesetzt: Bei Kopfkohl liegt sie ab BBCH 41 (Beginn der Kopfbildung) oft bei nur 2 bis 5 % befallenen Kulturen (Präsenz von Eigelegen oder Jungraupen). Kontrolliere wöchentlich mindestens 50 repräsentativ über das Feld verteilte Kulturen, insbesondere die Herzblätter und Blattunterseiten.
Symptome
Typisch für den Erstbefall sind fensterartiger Schabefraß und kleine Löcher an den äußeren Blättern, verursacht durch die jungen Larvenstadien. Mit zunehmendem Alter der Raupen entstehen unregelmäßige, großflächige Fraßlöcher (Loch- und Skelettierfraß). Das diagnostisch wichtigste Symptom ist jedoch das tiefere Eindringen in den Kopf oder das Herz der Kultur, begleitet von feuchten, dunkelgrünen bis bräunlichen Kotballen in den Blattachseln und im Erntegut. Dies führt oft zu einer schnellen Nassfäule des Herzens, wodurch die Kultur im Inneren komplett verfault, während sie von außen anfangs noch gesund erscheinen kann.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches integriertes Management setzt auf eine Kombination vorbeugender und direkter Maßnahmen. Kulturtechnisch helfen eine tiefe Bodenbearbeitung im Spätherbst zur Zerstörung der Puppen im Boden sowie der Einsatz von feinmaschigen Insektenschutznetzen direkt nach dem Pflanzen, um die Eiablage zu verhindern. Biologisch lassen sich Schlupfwespen (Trichogramma-Arten) gegen die Eier oder Präparate auf Basis von *Bacillus thuringiensis* (Bt) sowie nützliche Nematoden gegen junge Larven einsetzen. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt gegen die jungen, noch freifressenden Larvenstadien (L1/L2) appliziert werden, da ältere Raupen im Kopfinneren kaum noch erreicht werden; dabei ist zur Vermeidung von Resistenzen ein strikter Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien (z. B. Wechsel zwischen Spinosynen, Diamiden und Pyrethroiden) einzuhalten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidest du die Raupen der Kohleule von anderen Kohlschädlingen?
Im Gegensatz zu den behaarten Raupen des Großen Kohlweißlings sind die Larven der Kohleule völlig unbehaart. Ihre Färbung variiert stark von grün über braun bis fast schwarz, und sie besitzen an den Flanken eine charakteristische, helle Längslinie. Ein sicheres Verhaltensmerkmal ist, dass sie sich bei Berührung sofort eng spiralförmig einrollen und im Gegensatz zu Kohlmottenlarven nicht an einem Spinnfaden abseilen.
Warum wirken chemische Pflanzenschutzmittel oft unzureichend gegen ältere Raupen?
Ältere Larven (ab Stadium L3) bohren sich tief in das Innere des Kohlkopfs oder in die Röschen von Brokkoli und Blumenkohl ein. Dort sind sie vor direktem Kontakt mit dem Spritzfilm geschützt. Systemische Pflanzenschutzmittel transportieren oft nicht genügend Wirkstoff in diese Gewebebereiche, weshalb Behandlungen zwingend vor dem Einbohren – also im Stadium L1 bis L2 – erfolgen müssen.
Welchen Einfluss hat das BBCH-Stadium der Kultur auf deine Bekämpfungsentscheidung?
Vor der Kopfbildung (bis BBCH 39) tolerieren die Kulturen einen gewissen Blattfraß, weshalb die Schadensschwelle hier höher liegt (ca. 10–15 % befallene Kulturen). Sobald die Kopfbildung beginnt (ab BBCH 41), sinkt die Toleranzgrenze drastisch auf 2–5 %, da eingedrungene Raupen direkt das Ernteprodukt zerstören und die Wartezeit der Pflanzenschutzmittel die späten Anwendungsmöglichkeiten stark einschränkt.
Wie kannst du den optimalen Spritztermin mithilfe von Pheromonfallen bestimmen?
Die Pheromonfalle zeigt dir den Beginn und den Höhepunkt des Falterflugs an. Da die Eiablage kurz nach dem Flug stattfindet und die Larven je nach Temperatur nach etwa 7 bis 14 Tagen schlüpfen, solltest du ca. eine bis zwei Wochen nach dem maximalen Falterfang intensiv nach Eigelegen suchen. Die Behandlung mit biologischen oder chemischen Mitteln erfolgt idealerweise genau zum Schlupfzeitpunkt der Jungraupen.
Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere nach dem Schaderreger „Kohleule“ (oder dem EPPO-Code BARABR) sowie deiner spezifischen Kultur (z. B. Blumenkohl). Das System zeigt dir alle aktuell in deinem Land registrierten Pflanzenschutzmittel an, inklusive der zugelassenen Aufwandmenge, der maximalen Anzahl der Anwendungen und der einzuhaltenden Wartezeit.
Welche Rolle spielt die Fruchtfolge bei der Regulierung der Kohleule?
Da die Kohleule als Puppe im Boden der Vorjahresfläche überwintert, ist ein jährlicher Flächenwechsel für deine Kulturen ratsam. Vermeide es, neue Kohlfelder direkt angrenzend an Vorjahresflächen anzulegen, um den Zuflug der frisch geschlüpften Falter im Frühjahr zu erschweren. Eine tiefe Bodenbearbeitung nach der Ernte hilft zudem, die im Boden liegenden Puppen an die Oberfläche zu befördern, wo sie Frost und natürlichen Feinden ausgesetzt sind.