Leindotter
Leindotter (Camelina sativa, EPPO-Code: CMASA), auch als Saatdotter oder Saatleindotter bekannt, ist eine traditionsreiche Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), die in Mitteleuropa eine bedeutende Renaissance als nachhaltige Ölpflanze erlebt. Die Kultur zeichnet sich durch eine extrem kurze Vegetationszeit von nur 100 bis 120 Tagen sowie eine bemerkenswerte Genügsamkeit aus. Sie eignet sich hervorragend für extensive Standorte und stellt ein umweltschonendes Glied in engen Fruchtfolgen dar.
Neben der Reinsaat hat sich der Anbau von Camelina sativa im Mischfruchtanbau – insbesondere als Gemengepartner mit Erbsen oder Sommergerste – als äußerst vorteilhaft erwiesen. In diesen Systemen dient die Kultur als natürliche Stützfrucht, unterdrückt effektiv Unkräuter und reduziert das Lagerrisiko der Leguminosen. Das gewonnene Öl ist reich an Alpha-Linolensäure und wird sowohl im Humanbereich als auch als hochwertiger Rohstoff für Biokraftstoffe und technische Anwendungen geschätzt.
Aus pflanzenbaulicher Sicht bietet der Saatdotter den Vorteil, dass er im Vergleich zu Raps deutlich geringere Ansprüche an die Nährstoffversorgung stellt und eine hohe Toleranz gegenüber Spätfrösten im Jugendstadium aufweist. Die geringe Anfälligkeit für die typischen Rapsschädlinge macht die Kultur zu einer wertvollen Alternative im integrierten Pflanzenschutz, die ohne intensiven Pflanzenschutzmitteleinsatz stabile Erträge liefern kann.
Bodenmanagement
Für den Erfolg der Kultur ist ein sehr feinkörniges, gut rückverfestigtes Saatbett entscheidend, da die feinen Samen eine flache Ablagetiefe von nur 0,5 bis 1,0 cm erfordern. Leindotter stellt geringe Ansprüche an den Boden und gedeiht auch auf sandigen oder flachgründigen Standorten, auf denen Raps keine wirtschaftlichen Erträge mehr liefert. Die Stickstoffdüngung sollte moderat ausfallen; typischerweise reichen 40 bis 60 kg N/ha aus, um ein optimales Ertragsniveau zu sichern, während Überdüngung das Lagerrisiko drastisch erhöht. Aufgrund der schnellen Jugendentwicklung trägt die Kultur hervorragend zur Bodenschattierung und zum Erosionsschutz bei. Nach der Ernte hinterlässt Leindotter eine gut garende Bodenstruktur, die sich ideal für nachfolgende Wintergetreidekulturen eignet.
Schaderreger-Management
Im Vergleich zu anderen Brassicaceen zeigt Leindotter eine bemerkenswerte Robustheit gegenüber klassischen Schaderregern, weshalb der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln meist nicht erforderlich ist. Dennoch können in feuchten Jahren Pilze wie Alternaria brassicae (Alternaria-Schwärze) oder Sclerotinia sclerotiorum (Sklerotinia-Stängelfäule) auftreten, weshalb auf eine weite Fruchtfolge zu anderen Kreuzblütlern geachtet werden sollte. Da für diese Nischenkultur nur sehr wenige Pflanzenschutzmittel offiziell zugelassen sind, kommt der mechanischen Unkrautregulierung im frühen BBCH-Stadium eine Schlüsselrolle zu. Gegen tierische Schädlinge wie den Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus) oder den Kohlschotenrüssler (Ceutorhynchus obstrictus) ist die Kultur weitgehend tolerant, da ihr Blühzeitpunkt oft vor dem Hauptzuflug liegt oder die Schädlinge die Bitterstoffe der Kultur meiden.
Sorten
Lindo
früh bis mittelKonstant mittlere bis hohe Kornerträge bei hohem Ölgehalt.
Resistent gegen: Lagerung
Anfällig für: Falscher Mehltau
Die in Deutschland am weitesten verbreitete Sorte, besonders bewährt im Mischfruchtanbau mit Erbsen.
Ligena
frühStabile Erträge auch auf leichteren Standorten.
Anfällig für: Alternaria-Schwärze
Eine bewährte, sehr frühreife Sorte mit schneller Jugendentwicklung, die sich ideal für den ökologischen Landbau eignet.
Calena
mittelSehr hohe Korn- und Ölerträge unter guten Bedingungen.
Resistent gegen: Lagerung
Züchtung mit optimiertem Fettsäuremuster (hoher Anteil an Alpha-Linolensäure) und guter Standfestigkeit.
Sonja
mittel bis spätGute, ausgeglichene Ertragsleistung.
Anfällig für: Sclerotinia-Stängelfäule
Robuste Sorte mit guter Unkrautunterdrückung und gleichmäßiger Abreife der Schoten.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie wird Leindotter erfolgreich im Mischfruchtanbau (Gemenge) etabliert?
Im Gemenge mit Erbsen wird Leindotter meist mit einer reduzierten Aussaatstärke von ca. 3 bis 4 kg/ha (ca. 30–40 % der Reinsaatstärke) beigemischt. Die Aussaat kann in einem Arbeitsgang erfolgen, sofern die Drillmaschine eine getrennte Tiefenablage ermöglicht (Erbse tief auf 4–5 cm, Leindotter flach auf max. 1 cm). Alternativ wird das Saatgut vorab gemischt, wobei während der Fahrt auf Entmischung im Saatkasten geachtet werden muss.
Welche Herbizide sind für den Einsatz in Leindotter zugelassen?
Die chemische Unkrautbekämpfung in Leindotter ist aufgrund fehlender Standardzulassungen stark limitiert. Landwirte müssen primär auf Genehmigungen nach Art. 51 VO (EG) 1107/2009 (Lückenindikation) zurückgreifen, beispielsweise für bestimmte Graminizide gegen einkeimblättrige Schaderreger wie Elymus repens oder Apera spica-venti. Vorrangig sollte die Unkrautregulierung daher über ein sauberes falsches Saatbett und mechanisches Striegeln im frühen Nachauflauf erfolgen.
Worauf muss bei der Mähdrusch-Einstellung geachtet werden, um Verluste zu vermeiden?
Wegen der extrem kleinen und leichten Samen (Tausendkorngewicht ca. 0,8 bis 1,5 g) muss der Wind am Mähdrescher stark gedrosselt werden (oft auf Minimum), um ein Ausblasen der Samen über die Siebe zu verhindern. Es empfiehlt sich die Verwendung von feinen Sieben (Draht- oder Rundlochsibe mit 1,5 bis 2,0 mm) und eine sorgfältige Abdichtung aller Ritzen am Schneidwerk und den Elevatoren.
Wie unterscheidet sich die Winterform von der Sommerform des Leindotters im Anbau?
Winterleindotter wird Ende August bis September gesät und überwintert als Rosette. Er nutzt die Winterfeuchtigkeit optimal aus, blüht bereits im Mai und wird oft schon Ende Juni reif, was ihn ideal für Doppelnutzungssysteme macht. Sommerleindotter wird ab März gesät, hat eine noch kürzere Vegetationszeit und passt flexibel als Zwischen- oder Zweitfrucht in die Fruchtfolge.
Wie wird der optimale Erntezeitpunkt bei Leindotter bestimmt?
Der optimale Erntezeitpunkt ist erreicht, wenn sich die Schötchen goldgelb bis hellbraun verfärben und die Samen im Inneren eine rötlich-braune Farbe aufweisen (BBCH-Stadium 89). Die Pflanzen sollten beim Schütteln hörbar rascheln. Da Leindotter im Vergleich zu Raps sehr platzfeste Schoten besitzt, ist das Risiko von vorzeitigen Ernteverlusten durch Ausfall gering, was eine vollreife Ernte erleichtert.