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Echte Kamille

Matricaria chamomilla
MATCH

Die Echte Kamille (Matricaria chamomilla, EPPO-Code: MATCH) ist eine der bedeutendsten Arznei- und Gewürzkulturen im mitteleuropäischen Anbau. Sie wird sowohl als einjährige Sommer- als auch als Winterkultur angebaut, wobei der Herbstanbau meist höhere Erträge und stabilere Wirkstoffgehalte liefert. Die Wertbestimmung der Ernte erfolgt primär über den Gehalt und die Zusammensetzung des ätherischen Öls (insbesondere Chamazulen und Bisabolol) in den getrockneten Blütenkörbchen.

Für den professionellen Anbau ist eine präzise Kulturführung entscheidend, da die mechanische Ernte hohe Anforderungen an die Bestandsgleichmäßigkeit stellt. Da Kamille ein Lichtkeimer ist, verlangt die Saatbettbereitung besondere Sorgfalt. Ein feines, rückverfestigtes Saatbett sichert den gleichmäßigen Feldaufgang, der für den optimalen Erntezeitpunkt unerlässlich ist.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
August bis September oder März bis April
Erntefenster
Juni bis August
Reihenabstand
25–30 cm
Typischer Ertrag
1,0–1,8 t/ha (Trockenblüten)
Wärmesumme (GDD)
1350 °C
Boden-pH
5,5–7,5

Bodenmanagement

Kamille stellt mäßige Ansprüche an den Boden, bevorzugt jedoch gut strukturierte, mittelschwere Böden mit guter Wasserführung. Da es sich um einen Lichtkeimer handelt, ist ein feinkrümeliges, gut abgesetztes Saatbett ohne tiefe Fahrspuren zwingend erforderlich. Eine flache Rückverfestigung vor der Saat sichert den Bodenschluss der feinen Samen. Die Stickstoffdüngung muss verhalten erfolgen (ca. 40–60 kg N/ha), da ein Überangebot zu starkem vegetativen Wachstum, Lagerneigung und einer Erschwerung der mechanischen Ernte führt. Nach der Ernte ist eine flache Bodenbearbeitung ratsam, um Ausfallsamen zur Keimung zu bringen und das Unkrautpotenzial für Folgekulturen zu minimieren.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz steht die Unkrautregulierung im Vordergrund, da Fremdkräuter wie das Einjährige Rispengras oder andere Korbblütler die Erntequalität massiv herabsetzen. Da nur wenige selektive Pflanzenschutzmittel für diese Kultur zugelassen sind, musst du mechanische Maßnahmen wie das Striegeln im frühen BBCH-Stadium konsequent nutzen. Gegen pilzliche Schaderreger wie Echten Mehltau oder Septoria helfen weite Fruchtfolgen und eine ausgewogene, nicht überzogene Stickstoffversorgung. Beim Auftreten von tierischen Schädlingen wie dem Kamillenrüssler oder Blattläusen ist ein rechtzeitiges Monitoring ab dem Knospenstadium (BBCH 51) entscheidend, um Schadschwellen zu überwachen. Achte bei jeder Applikation penibel auf die gesetzliche Wartezeit, um Rückstände im Erntegut absolut zu vermeiden.

Sorten

Bodegold

mittelfrüh

Hoher Blütenertrag mit aufrechtem Wuchs, ideal für die maschinelle Ernte.

Resistent gegen: Lagerung

Anfällig für: Echter Mehltau

Eine bewährte, diploide Sorte mit hohem Gehalt an ätherischem Öl, besonders reich an Bisabolol.

Bona

mittelspät

Sehr ertragreiche tetraploide Sorte mit großen Blütenköpfen.

Resistent gegen: Blütenausfall

Anfällig für: Falscher Mehltau

Zeichnet sich durch einen extrem hohen Anteil an Chamazulen im ätherischen Öl aus. Sehr wüchsig.

Zloty Lan

mittelfrüh

Stabiler, hoher Ertrag auch unter trockeneren Bedingungen.

Resistent gegen: Trockenstress

Anfällig für: Kamillenrüssler

Tetraploide Sorte aus polnischer Züchtung, die sich durch eine sehr gleichmäßige Blüte auszeichnet.

Manzana

früh

Kompakter Wuchs mit konzentrierter Blühphase für optimierte Einmalernte.

Resistent gegen: Lagerung, Blütenfäule

Anfällig für: Blattläuse

Diploide Sorte mit hervorragender Eignung für die pharmazeutische Gewinnung von reinem Levomenol.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie steuerst du den optimalen Erntezeitpunkt bei Kamille?

Der beste Zeitpunkt ist erreicht, wenn etwa 70 % der Blütenkörbchen voll aufgeblüht sind (BBCH 65 bis 67). Zu diesem Zeitpunkt ist die Konzentration an ätherischen Ölen am höchsten. Erntest du zu früh, fehlen Wirkstoffe; erntest du zu spät, zerfallen die Blüten beim Trocknen und der Anteil an unerwünschten Röhrenblüten steigt.

Warum ist die Regulierung von Einjährigem Rispengras (Poa annua) in dieser Kultur so kritisch?

Grasbeimengungen lassen sich nach der Ernte mechanisch kaum aus den Kamillenblüten separieren. Sie verschlechtern die Qualität der Droge drastisch und können zur Ablehnung der Charge durch Abnehmer führen. Nutze zugelassene Graminizide daher frühzeitig im Herbst oder zeitigen Frühjahr, solange das Gras noch klein ist.

Welche mechanischen Unkrautbekämpfungsmaßnahmen kannst du anwenden?

Vor dem Auflaufen kannst du das Blindstriegeln nutzen. Nach dem Auflaufen ist das Striegeln ab dem 2- bis 4-Blattstadium (BBCH 12–14) mit sehr leichter Einstellung möglich. Da Kamille flach wurzelt, musst du extrem vorsichtig arbeiten, um die Kultur nicht zu verschütten oder herauszureißen.

Wie wirkt sich die Aussaatzeit (Herbst- vs. Frühjahrssaat) auf den Wirkstoffgehalt aus?

Die Herbstsaat bildet kräftigere Rosetten aus, überwintert und blüht im Frühjahr gleichmäßiger ab. Dies führt meist zu einem höheren Gehalt an ätherischem Öl und Chamazulen. Die Frühjahrssaat ist hingegen flexibler in der Fruchtfolge, liefert aber bei sommerlicher Trockenheit oft geringere Wirkstoffkonzentrationen.

Wie vermeidest du Wirkstoffverluste direkt nach der Ernte?

Kamillenblüten sind extrem druck- und wärmeempfindlich. Nach der Ernte musst du das Erntegut innerhalb von maximal zwei Stunden zur Trocknungsanlage transportieren und die Trocknung bei maximal 40 °C starten. Höhere Temperaturen zerstören die thermolabilen Inhaltsstoffe wie das Chamazulen.

Wo findest du aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Kamille in unserem Portal?

Nutze die Suchfunktion auf farmable.tech und filtere gezielt nach der Kultur "Echte Kamille" oder dem EPPO-Code "MATCH". Da Kamille als Sonderkultur gilt, sind viele Zulassungen über Artikel 51 (Lückenindikation) geregelt – achte daher immer auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten.