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Kultur

Gewürzfenchel

Foeniculum vulgare var. dulce
FOEVD

Der Gewürz- bzw. Knollenfenchel (Foeniculum vulgare var. dulce, EPPO-Code: FOEVD) ist eine anspruchsvolle, wärmeliebende Doldenblütler-Kultur, die in Mitteleuropa sowohl für die Frischmarktproduktion als auch zur Gewinnung von ätherischen Ölen und Gewürzsamen angebaut wird. Die Kultur stellt hohe Anforderungen an die Bodenstruktur und eine gleichmäßige Wasserversorgung, um ein kontinuierliches Wachstum ohne physiologische Störungen zu gewährleisten. Da die Keimung und die frühe Jugendentwicklung relativ langsam verlaufen, ist eine sorgfältige Standortwahl entscheidend.

Für den professionellen Anbau ist die exakte Steuerung der Entwicklungsphasen von zentraler Bedeutung. Da die Kultur empfindlich auf photoperiodische Reize und Kältestress reagiert, kann ein unregelmäßiger Temperaturverlauf in frühen BBCH-Stadien das unerwünschte Schossen auslösen. Dies mindert die Marktqualität der Knollen drastisch oder macht sie unverkäuflich, weshalb die Sortenwahl und der Pflanztermin präzise auf die regionalen Klimabedingungen abgestimmt werden müssen.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte April bis Mitte Juli
Erntefenster
Juli bis November
Reihenabstand
30–45 cm x 20–25 cm
Typischer Ertrag
25–35 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1100–1400 °C
Boden-pH
6,5–7,5

Bodenmanagement

Die Kultur benötigt tiefgründige, humose und gut strukturierte Böden mit einer gleichmäßigen Wasserführung, da Staunässe ebenso wie Trockenstress unbedingt vermieden werden müssen. Ein optimaler pH-Wert im neutralen bis schwach alkalischen Bereich sichert die Nährstoffverfügbarkeit, insbesondere von Bor und Calcium, deren Mangel zu physiologischen Störungen wie Herzfäule führt. Vor dem Anbau ist eine tiefe Bodenlockerung ratsam, um Verdichtungen zu beseitigen, welche die Wurzelentwicklung und die symmetrische Ausbildung der Knollen beeinträchtigen. Die Stickstoffdüngung sollte bedarfsgerecht und fraktioniert erfolgen, da ein Überangebot an Stickstoff das Gewebe schwächt und die Anfälligkeit für Schaderreger erhöht. Eine gezielte Humuszufuhr durch Gründüngung oder reifen Kompost im Vorjahr stabilisiert das Bodengefüge und fördert das für die Kultur essentielle Mikroklima.

Schaderreger-Management

Im integrierten Pflanzenschutz steht die Vorbeugung von Pilzinfektionen wie Alternaria (Blattbräune) und Sclerotinia-Fäule im Vordergrund, was durch weite Fruchtfolgen und eine moderate Bestandsdichte erreicht wird. Gegen tierische Schaderreger wie die Möhrenfliege oder Blattläuse müssen regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden, um den optimalen Zeitpunkt für eine gezielte Behandlung zu bestimmen. Unkräuter wie Poa annua und Apera spica-venti konkurrieren vor allem in der langsamen Jugendentwicklung der Kultur stark um Licht und Nährstoffe, weshalb ein mechanisches Hacken oder der rechtzeitige Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel notwendig ist. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die spezifischen Wartezeiten und die maximal zulässigen Aufwandmengen gemäß den BVL-Zulassungen strikt einzuhalten. Eine konsequente Feldhygiene und das Unterpflügen von Ernterückständen reduzieren das Überwinterungspotenzial von Schaderregern für die Folgejahre erheblich.

Sorten

Fino

Früh

Hoher Marktwarenanteil durch gleichmäßige Knollenform.

Resistent gegen: Schossen

Anfällig für: Sclerotinia-Fäule

Sehr bewährte, schossfeste Sorte für den frühen Anbau unter Vlies oder Folie.

Finale

Mittelfrüh

Stabile Erträge auch unter sommerlichen Stressbedingungen.

Resistent gegen: Schossen

Anfällig für: Alternaria-Blattbräune

Hervorragende Schossfestigkeit, daher besonders gut geeignet für den Sommer- und Herbstanbau.

Rondo

Mittelfrüh

Sehr hoher Ertrag an erstklassiger Sortierung.

Resistent gegen: Schossen, Innenbrand

Anfällig für: Echter Mehltau

F1-Hybride mit sehr runden, festen und reinweißen Knollen. Zeigt eine geringe Neigung zu braunen Rändern.

Rudy

Mittelfrüh bis spät

Spitzenerträge im Profianbau, sehr hohes Einzelknollengewicht.

Resistent gegen: Schossen

Anfällig für: Sclerotinia-Fäule

Wüchsige F1-Hybride mit aufrechtem Laub und sehr schwerer, runder Knolle.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

ASKON
Syngenta Agro GmbH
006902-00
Ballet
Bayer CropScience Deutschland GmbH
034028-62
Bandur
Bayer CropScience Deutschland GmbH
034145-00
BETAMITRA
ADAMA Deutschland GmbH
006470-61
Bio Plantella Arion gegen Schnecken
Doff Portland Limited
00A452-61
Boccacio Rosen Pilz-Frei
Syngenta Agro GmbH
024560-73
Boccarcio Rosen Pilz-Frei
Syngenta Agro GmbH
034560-73
COMPO- Obst & Gemüse Insekten- und Pilz-frei
Oro Agri Europe S.A.
008883-61
COMPO Ortiva Rosen Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-67
COMPO Ortiva Rosen-Pilzschutz
Syngenta Agro GmbH
024560-65
COMPO Ortiva Spezial Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
034560-72
COMPO Ortiva Spezial Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-72
COMPO Ortiva Universal Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-68
COMPO Universal Pilz-frei Duaxo
Syngenta Agro GmbH
034560-87
COMPO Universal Pilz-frei Duaxo N
Syngenta Agro GmbH
034560-88
Corail
Bayer CropScience Deutschland GmbH
034028-64
CRANE
Bayer CropScience Deutschland GmbH
034028-67
Curamat AZ Rosen-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
034560-85
Curamat AZ Rosen-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
024560-85
Curamat AZ Universal-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
034560-86
Curamat AZ Universal-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
024560-86
Detia Pflanzen Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-70
Doff Power Schneckenkorn
Doff Portland Limited
00A455-60
Doff Schneckenkorn
Doff Portland Limited
00A452-60
DuraTech
Doff Portland Limited
00A452-00
DuraTech Power
Doff Portland Limited
00A455-00
Florissa Natürlich Schneckenkorn BIO
Doff Portland Limited
00A452-63
Florissa Natürlich Schneckenkorn extra stark BIO
Doff Portland Limited
00A455-62
Folicur
Bayer CropScience Deutschland GmbH
034028-00
Fungisan Gemüse-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
034560-63
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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko des vorzeitigen Schossens im Frühjahrsanbau minimieren?

Das Schossen wird primär durch niedrige Temperaturen (unter 8–10 °C) in der frühen Jugendphase (BBCH 10–14) induziert. Agronomen empfehlen die Verwendung von schossfesten F1-Hybriden, eine warme Jungpflanzenanzucht bei konstant über 16 °C sowie das Abdecken der Kulturen mit Vlies oder Schlitzfolie nach dem Auspflanzen, um Kältereize im Freiland effektiv abzufedern.

Welche Rolle spielt die Bor-Versorgung bei dieser Kultur?

Fenchel hat einen vergleichsweise hohen Borbedarf. Ein Mangel führt zu braunen Verfärbungen im Knolleninneren (Herzfäule) und rissigen Blattstielen, was die Vermarktung ausschließt. Eine präventive Bodenanalyse und gegebenenfalls eine gezielte Blattdüngung mit Bor in der Phase des intensiven Knollenwachstums (ab BBCH 39) sichern die Knollenqualität.

Wie wird die Bekämpfung von Poa annua und Apera spica-venti im Fenchelanbau optimiert?

Da die Kultur in der Jugendentwicklung konkurrenzschwach ist, müssen diese Schaderreger frühzeitig reguliert werden. Neben mechanischen Maßnahmen (Hacken) können selektive Graminizide eingesetzt werden. Die Anwendung sollte im frühen Nachauflauf der Ungräser erfolgen, wobei stets die aktuellen Zulassungen des BVL und die einzuhaltenden Wartezeiten zu berücksichtigen sind.

Wann ist der optimale Erntezeitpunkt für Knollenfenchel zur Frischmarktbelieferung?

Der optimale Erntezeitpunkt liegt im BBCH-Stadium 49, wenn die Knollen ihre sortentypische Größe und Festigkeit erreicht haben, aber bevor die Streckung des Blütenstängels einsetzt. Zu spät geerntete Knollen werden schnell faserig, neigen zum Schossen und verlieren dadurch drastisch an Marktwert.

Wie wirkt sich die Fruchtfolgegestaltung auf das Auftreten von Sclerotinia-Fäule aus?

Da Sclerotinia sclerotiorum ein sehr breites Wirtsspektrum besitzt, sollte Fenchel in einer weiten Fruchtfolge mit mindestens 3–4 Jahren Abstand zu anderen anfälligen Kulturen wie Raps, Leguminosen oder Salat stehen. Als Vorfrühte eignen sich Getreide oder Gräser, um den Infektionsdruck im Boden nachhaltig niedrig zu halten.