Krambe
Der Abessinische Meerkohl (Crambe hispanica subsp. abyssinica, EPPO-Code: CRMAB), in der landwirtschaftlichen Praxis meist als Krambe bezeichnet, ist eine einjährige Ölkultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Die Kultur zeichnet sich durch einen extrem hohen Gehalt an Erucasäure (über 55 % im Öl) aus, was sie zu einem wertvollen nachwachsenden Rohstoff für die chemische Industrie macht. Das gewonnene Öl wird primär für die Herstellung von hochwertigen Schmierstoffen, Kunststoffen, Kosmetika und Nylon verwendet und ist für den menschlichen Verzehr ungeeignet.
Agronomisch besticht die Kultur durch eine sehr kurze Vegetationszeit von nur 90 bis 110 Tagen, wodurch sie sich hervorragend als flexible Sommerung in mitteleuropäische Fruchtfolgen integrieren lässt. Da Krambe eng mit Raps verwandt ist, teilt sie einen Großteil des Schaderreger-Spektrums, stellt jedoch deutlich geringere Ansprüche an die Bodenqualität und die Wasserversorgung. Dies macht sie zu einer interessanten Alternative auf Grenzertragsstandorten, sofern eine ausreichende Fruchtfolgehygiene eingehalten wird.
Bodenmanagement
Die Kultur stellt moderate Ansprüche an den Boden, bevorzugt jedoch tiefgründige, gut strukturierte Lehm- und Lössböden mit einer guten Wasserführung. Ein feinkrümeliges Saatbett ist für den gleichmäßigen Feldaufgang der relativ kleinen Samen entscheidend, weshalb die Bodenvorbereitung im Frühjahr sorgfältig und rückverfestigend erfolgen sollte. Die Stickstoffdüngung orientiert sich an den Entzügen und liegt typischerweise bei moderaten 80 bis 100 kg N/ha, da eine Überdüngung die Standfestigkeit mindert und die Reife verzögert. Schwefelgaben von etwa 20 bis 30 kg S/ha sind wie bei allen Brassicaceen zur Absicherung des Ertrags und der Ölqualität dringend zu empfehlen. Aufgrund der Pfahlwurzel profitiert die Kultur von einer tiefen Herbstfurche oder einer intensiven konservierenden Bodenbearbeitung vor der Aussaat.
Schaderreger-Management
Da Krambe zu den Brassicaceen gehört, teilt sie das Schaderreger-Spektrum weitgehend mit dem Raps, weshalb eine strenge Fruchtfolgehygiene mit mindestens vier Jahren Anbaupause zu anderen Kreuzblütlern zwingend erforderlich ist. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehören Sclerotinia sclerotiorum (Stängelfäule) und Alternaria brassicae (Rapsschwärze), die insbesondere in feuchten Jahren ertragsrelevante Schäden verursachen können. Unter den tierischen Schädlingen tritt der Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus) während der Knospenphase als Hauptschädling auf, dessen Befall engmaschig überwacht werden muss. Da für Krambe als Nischenkultur nur wenige Pflanzenschutzmittel offiziell zugelassen sind, müssen Landwirte verstärkt auf vorbeugende Maßnahmen wie mechanische Unkrautregulierung und die Nutzung von Genehmigungen im Einzelfall nach § 22 PflSchG setzen. Die Bekämpfung von Ungräsern wie der Gemeinen Quecke (Elymus repens) im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf ist entscheidend, um eine starke Konkurrenz in der langsamen Jugendentwicklung zu verhindern.
Sorten
Belenzian
mittelfrühKonstant hohe Kornerträge von 1,8–2,4 t/ha unter mitteleuropäischen Bedingungen.
Anfällig für: Sclerotinia sclerotiorum, Alternaria brassicae
Eine etablierte Sorte mit hohem Erucasäuregehalt im Öl und guter Standfestigkeit.
Galactica
mittelspätSehr hohes Ertragspotenzial von bis zu 2,6 t/ha bei optimaler Wasserversorgung.
Anfällig für: Sclerotinia sclerotiorum, Brassicogethes aeneus
Wüchsige Sorte mit etwas längerer Vegetationszeit, zeichnet sich durch eine sehr gleichmäßige Abreife aus.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie wird die chemische Unkrautbekämpfung bei Krambe durchgeführt, wenn kaum Pflanzenschutzmittel zugelassen sind?
Da Krambe eine Nischenkultur ist, gibt es in Deutschland nur sehr wenige direkt zugelassene Herbizide. Landwirte müssen primär auf mechanische Verfahren wie das Blindstriegeln oder das Hacken bei weiterer Drillsaat setzen. Für chemische Behandlungen müssen häufig Ausnahmegenehmigungen nach § 22 Abs. 2 PflSchG für im Rapsbau zugelassene Wirkstoffe beantragt werden, wobei Vorauflaufbehandlungen meist eine bessere Kulturverträglichkeit zeigen als Nachauflaufanwendungen.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung des Rapsglanzkäfers in Krambe?
Die kritische Phase für den Zuflug des Rapsglanzkäfers (Brassicogethes aeneus) liegt zwischen den BBCH-Stadien 51 (Knospen sichtbar) und 59 (erste Blüten öffnen sich). Sobald die Kultur die Vollblüte (BBCH 65) erreicht, wechselt der Schädling zum nützlichen Pollenfraß ohne die Knospen zu zerstören. Eine gezielte Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln darf daher nur bei Überschreitung der Schadschwellen in der Knospenphase erfolgen.
Warum stellt die Ernte und Druschtechnik bei Krambe besondere Anforderungen?
Die Samen der Krambe verbleiben beim Drusch in ihrer rauen, korkigen Fruchtschale (Perikarp), was das Erntevolumen erhöht und das Hektolitergewicht auf nur etwa 25–30 kg/hl senkt. Der Mähdrescher muss daher mit stark reduziertem Wind und angepasster Trommeldrehzahl betrieben werden, um zu verhindern, dass die leichten Samen über die Reinigung aus der Maschine geblasen werden.
Wie lässt sich das Risiko einer Infektion mit Sclerotinia sclerotiorum im Krambeanbau minimieren?
Neben einer weiten Fruchtfolge von mindestens vier Jahren zu anderen Wirtspflanzen wie Raps, Sonnenblumen oder Leguminosen ist die Regulierung der Bestandsdichte entscheidend. Eine moderate Aussaatstärke von ca. 200–250 keimfähigen Samen/m² verhindert zu dichte, feuchte Bestände und verbessert die Durchlüftung, was dem Pilz die Infektionsbedingungen entzieht.
Kann Krambe als Zweitfrucht nach Wintergerste angebaut werden?
Obwohl die kurze Vegetationszeit dies theoretisch zulässt, ist ein Zweitfruchtanbau in Mitteleuropa riskant. Bei einer Aussaat nach der Gerstenernte Mitte Juli verschiebt sich die Abreife in den feuchtkühlen Oktober, was die Ernte erschwert und die Kornqualität mindert. Ein Hauptfruchtanbau mit Aussaat im April ist für sichere Erträge und Qualitäten dringend vorzuziehen.
Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Krambe auf agronomy.farmable.tech?
Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Krambe' oder dem EPPO-Code 'CRMAB'. Da Zulassungen im Rahmen von Lückenindikationen (§ 22 Abs. 2 PflSchG) häufig wechseln, zeigt Ihnen unsere Datenbank tagesaktuell alle registrierten Anwendungen und Notfallzulassungen für den deutschen Markt.