Rapsglanzkäfer
Der Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus, ehemals Meligethes aeneus, EPPO-Code: MELIAE) gehört zur Familie der Glanzkäfer (Nitidulidae) und ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im europäischen Rapsanbau. Der kleine, metallisch glänzende, schwarz-grünliche Käfer besiedelt im Frühjahr kreuzblütige Kulturen und ernährt sich vorwiegend von Pollen. Während der Fraß an geöffneten Blüten kaum Schaden anrichtet, führt das Aufbeißen noch geschlossener Knospen zu massiven Ertragsverlusten.
Besonders in Regionen mit intensivem Rapsanbau kann der Schädling bei verzögerter Rapsblüte und kühler Witterung im Knospenstadium existenzbedrohende Schäden verursachen. Neben Winter- und Sommerraps (Brassica napus) werden auch andere Kohlgewächse sowie Sonderkulturen wie Leindotter (Camelina sativa) befallen.
Biologie / Lebenszyklus
Der Rapsglanzkäfer bringt eine Generation pro Jahr hervor. Die adulten Käfer überwintern im Bodenstreu von Laubwäldern oder Hecken und erwachen im zeitigen Frühjahr bei Bodentemperaturen ab etwa 9 °C. Sobald die Lufttemperaturen 15 °C überschreiten, fliegen sie in die Rapsbestände ein. Nach dem Reifungsfraß an den Knospen legen die Weibchen ihre Eier in die Blütenknospen ab. Die schlüpfenden Larven ernähren sich ebenfalls von Pollen, richten jedoch im Vergleich zu den adulten Käfern kaum wirtschaftlichen Schaden an. Nach der Verpuppung im Boden schlüpfen im Sommer die Jungkäfer, die nach einem kurzen Reifungsfraß an verschiedenen Blütenpflanzen ihre Winterquartiere aufsuchen.
Bonitur
Das Monitoring beginnt im zeitigen Frühjahr ab dem Knospenstadium (BBCH 50 bis 53) mithilfe von Gelbschalen, um den Zuflug der Käfer in die Kultur zu überwachen. Sobald der Hauptzuflug stattfindet, ist die direkte Auszählung der Käfer an den Haupttrieben (Abklopfen in ein Gefäß) entscheidend. Die Schadensschwellen hängen stark vom Entwicklungszustand der Kultur ab: In schwachen Rapsbeständen im Stadium BBCH 51–55 liegt der Richtwert bei etwa 3–4 Käfern pro Haupttrieb, während kräftige, gut entwickelte Bestände oft 8–10 Käfer tolerieren können. Sobald die Rapsblüte (BBCH 60) einsetzt, ist die Schadgrenze hinfällig, da die Käfer dann freien Zugang zu den Pollen haben, ohne die Knospen zu zerstören.
Symptome
Das typische Schadbild zeigt sich vor der Blüte durch angefressene, gelochte oder komplett zerstörte Blütenknospen, die in der Folge vertrocknen und abfallen. Zurück bleiben nur die leeren Knospenstiele an den Blütenständen, was zu einer charakteristischen Verkahlung der Triebe führt. Bei starkem Befall bilden sich kaum Schoten aus, was zu erheblichen Ertragsausfällen führt. Nach dem Aufblühen sind oft kleine, metallisch glänzende Käfer direkt in den geöffneten Blüten zu sehen, wo sie jedoch keinen nennenswerten Schaden mehr anrichten.
Integriertes Management
Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus pflanzenbaulichen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Eine zügige Jugendentwicklung und eine gleichmäßige Knospenentwicklung im Frühjahr (z. B. durch optimierte Düngung) verkürzen das empfindliche Zeitfenster vor der Blüte. Die Förderung natürlicher Gegenspieler wie Schlupfwespen (z. B. *Phradis* spp. oder *Tersilochus* spp.), die die Larven parasitieren, ist durch eine reduzierte Bodenbearbeitung nach der Ernte zu unterstützen. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten streng nach Schadensschwelle eingesetzt werden. Aufgrund weit verbreiteter Resistenzen gegen Pyrethroide der Klasse II (IRAC-Gruppe 3A) ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement zwingend erforderlich. Weiche bei nachgewiesener Resistenz auf alternative Wirkstoffklassen aus, um Selektionsdruck zu vermeiden.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Schaden des Rapsglanzkäfers von Spätfrostschäden?
Während der Rapsglanzkäfer gezielt Löcher in die Knospen beißt, um an den Pollen zu gelangen (was zum Abfallen der Knospen führt und kahle Stiele hinterlässt), führt Spätfrost meist zu einer gleichmäßigen Verfärbung, dem Vertrocknen ganzer Knospenpakete oder zu Rissen im Stängel, ohne dass Fraßspuren sichtbar sind.
Warum ist der Käfer ab dem BBCH-Stadium 60 (Blühbeginn) kein Schädling mehr?
Sobald sich die Blüten öffnen, gelangen die Käfer mühelos an den Pollen, ohne die Knospenhülle beschädigen zu müssen. Ab diesem Zeitpunkt fungieren sie sogar teilweise als Bestäuber und richten keinen wirtschaftlichen Schaden mehr an der Kultur an.
Wie gehe ich vor, wenn in meiner Region Pyrethroid-Resistenzen bekannt sind?
Du solltest unbedingt auf Insektizide aus anderen IRAC-Wirkstoffklassen ausweichen, um den Selektionsdruck zu senken. Nutze beispielsweise Produkte auf Basis von Indoxacarb oder systemischen Wirkstoffen, sofern diese in deinem Land für die jeweilige Anwendung zugelassen sind, und halte dich strikt an die empfohlenen Aufwandmengen und maximalen Anwendungshäufigkeiten.
Wie kann ich die Wirksamkeit einer Insektizidbehandlung im Feld kontrollieren?
Kontrolliere den Bestand 24 bis 48 Stunden nach der Anwendung erneut durch Abklopfen der Haupttriebe. Da einige moderne Wirkstoffe nicht sofort zum Tod, sondern zunächst zu einem Fraßstopp führen, solltest du darauf achten, ob die Käfer noch aktiv an den Knospen fressen oder bereits lethargisch am Boden oder auf den Blättern liegen.
Welche Rolle spielen Randbehandlungen bei der Regulierung des Rapsglanzkäfers?
Da der Zuflug im Frühjahr meist wellenartig von den Waldrändern und Hecken her erfolgt, konzentriert sich der Erstbefall oft auf die Feldränder. Durch gezieltes Monitoring kannst du feststellen, ob eine Teilflächen- oder Randbehandlung ausreicht, was Nützlinge im Feldinneren schont und Pflanzenschutzmittel einspart.
Wie finde ich die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger auf der Plattform?
Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere nach dem Schaderreger "Rapsglanzkäfer" oder dem EPPO-Code "MELIAE". Dort werden dir alle für deine Kultur und dein Land registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen, Wartezeiten und spezifischen Anwendungsbestimmungen angezeigt.