Schalenobst
Die BVL-Kulturgruppe „Schalenobst“ (Gruppe NNNON) fasst verschiedene Nuss- und Steinfruchtarten zusammen, deren essbarer Kern von einer harten, holzigen Schale umgeben ist. Zu dieser Gruppe gehören wirtschaftlich bedeutende Kulturen wie die Walnuss (Juglans regia), die Haselnuss (Corylus avellana) und die Lambertsnuss (Corylus maxima), aber auch die Süße Mandel (Prunus dulcis), die Bittermandel sowie verschiedene Esskastanien-Arten (Castanea sp.). Trotz ihrer botanischen Diversität – Wal- und Haselnüsse gehören zu unterschiedlichen Pflanzenfamilien, während Mandeln zu den Rosengewächsen zählen – teilen diese Kulturen ähnliche agronomische Anforderungen, Wachstumsbedingungen und Verwertungsmuster.
Die Zusammenfassung in einer gemeinsamen Zulassungsgruppe ist pflanzenschutzrechtlich von hoher Relevanz. Da es sich bei vielen dieser Kulturen um sogenannte Nischenkulturen (Minor Crops) mit begrenzten Anbauflächen handelt, erleichtert die Gruppierung die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln über das sogenannte „Minor-Use“-Verfahren (Lückenindikation). Ein für die Gruppe „Schalenobst“ zugelassenes Pflanzenschutzmittel kann somit auf allen gelisteten Kulturen angewendet werden, was den Anbauern eine breitere Palette an Behandlungsoptionen eröffnet und den bürokratischen Aufwand für Hersteller und Behörden minimiert.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Der integrierte Pflanzenschutz im Schalenobstanbau erfordert ein ausgewogenes Zusammenspiel aus mechanischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Aufgrund der langen Standzeiten der Anlagen spielen ausdauernde Unkräuter wie die Gemeine Quecke (*Elymus repens*) sowie einjährige Ungräser und Unkräuter (z. B. *Poa annua* und *Senecio vulgaris*) eine bedeutende Rolle, da sie insbesondere mit Junganlagen um Wasser und Nährstoffe konkurrieren. Im Bereich der tierischen Schaderreger stellt unter anderem der Apfelwickler (*Cydia pomonella*) an Walnüssen eine ernsthafte Bedrohung dar, da dessen Larvenfraß zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten führt. Die Regulierung stützt sich hierbei auf ein präzises Monitoring mittels Pheromonfallen und Temperatursummenmodellen, um den optimalen Behandlungszeitpunkt zu bestimmen. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist ein konsequentes Resistenzmanagement nach den Richtlinien von FRAC, IRAC und HRAC zwingend erforderlich. Da im Schalenobstanbau oft nur eine begrenzte Anzahl an Wirkstoffen zur Verfügung steht, müssen die verfügbaren Wirkstoffklassen konsequent rotiert werden, um die Selektion resistenter Biotypen bei Pilzen, Schadinsekten und Unkräutern zu verhindern. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Applikationstechnik in den oft großvolumigen Baumkronen von Walnuss oder Esskastanie, um eine ausreichende Benetzung zu gewährleisten und gleichzeitig Abdrift zu minimieren. Die Einhaltung der spezifischen BBCH-Stadien für die Anwendung sowie der vorgeschriebenen Wartezeiten ist dabei essenziell für die Rückstandsfreiheit der Ernteprodukte.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie finde ich im Portal gezielt Pflanzenschutzmittel, die für die gesamte Gruppe Schalenobst zugelassen sind?
Nutzen Sie die Such- und Filtersysteme in unserer Datenbank, indem Sie nach dem BVL-Gruppencode „NNNON“ oder dem Begriff „Schalenobst“ filtern. Dadurch werden Ihnen alle Pflanzenschutzmittel angezeigt, die eine Gruppenzulassung besitzen. Achten Sie bei der Detailansicht darauf, ob eventuelle Anwendungseinschränkungen für einzelne Kulturen wie Walnuss oder Haselnuss formuliert sind.
Warum ist das Monitoring des Apfelwicklers (Cydia pomonella) in Walnussbeständen anders zu bewerten als im Kernobst?
Während im Kernobst bereits geringer Befall zu unverkäuflicher Ware führt, toleriert die Walnuss in frühen BBCH-Stadien oft einen gewissen Erstbefall. Kritisch ist jedoch die zweite Generation des Schaderregers, da die Larven direkt in den reifenden Kern eindringen und diesen unbrauchbar machen. Das Monitoring mittels Pheromonfallen muss daher spezifisch auf den Flugverlauf in Walnussanlagen kalibriert und mit der Verhärtung der Nussschale abgeglichen werden.
Welche Rolle spielen Herbizidanwendungen im Unterwuchs von Schalenobst und wie wird das Resistenzmanagement (HRAC) gestaltet?
Da der Bodenbereich unter den Bäumen für die mechanische Ernte (z. B. Aufsammeln von Wal- oder Haselnüssen) vegetationsarm gehalten werden muss, ist der Herbiziddruck hoch. Um Resistenzen bei Problemunkräutern wie der Gemeinen Quecke oder dem Gewöhnlichen Greiskraut zu vermeiden, müssen Wirkstoffe mit unterschiedlichen HRAC-Mechanismen (z. B. Blattherbizide im Wechsel mit Bodenherbiziden) kombiniert und durch mechanische Bodenbearbeitung oder Mulchen ergänzt werden.
Gilt eine Zulassung für „Schalenobst“ automatisch auch für die Bittermandel und die Lambertsnuss?
Ja, sofern die Zulassung des Pflanzenschutzmittels explizit für die BVL-Gruppe „Schalenobst“ (NNNON) ohne einschränkende Fußnoten erteilt wurde. Da Bittermandel und Lambertsnuss offizielle Mitglieder dieser Gruppe sind, erstreckt sich die Indikation auch auf sie. Dennoch sollten Anbauer stets die Gebrauchsanleitung auf kulturspezifische Phytotoxizitätswarnungen prüfen.
Wie beeinflusst das BBCH-Stadium der Nussentwicklung den optimalen Behandlungszeitpunkt gegen Pilzkrankheiten?
Die kritischste Phase für Infektionen liegt zwischen dem Austrieb (BBCH 07–10) und der Blüte bis hin zum beginnenden Fruchtansatz. Spätere Behandlungen haben oft nur noch eine begrenzte Wirkung auf die Fruchtqualität, weshalb vorbeugende Behandlungen in den frühen BBCH-Stadien anhand von Infektionsprognosen und Niederschlagsereignissen terminiert werden sollten.