BARCLAY GALLUP BIOGRADE 360
BARCLAY GALLUP BIOGRADE 360 ist ein hochwirksames, nicht-selektives Systemherbizid zur Bekämpfung eines breiten Spektrums von ein- und zweikeimblättrigen Unkräutern sowie zur gezielten Sikkation. Formuliert als wasserlösliches Konzentrat (SL), zeichnet sich dieses Pflanzenschutzmittel durch eine hervorragende Benetzung und schnelle Aufnahme über die grünen Pflanzenteile aus. Es ist ein unverzichtbares Werkzeug für das moderne Ackerbaumanagement in Deutschland, insbesondere bei der Stoppelbehandlung, der Kulturvorbereitung und auf Nichtkulturland.
Das Anwendungsspektrum umfasst die Beseitigung von hartnäckigen ausdauernden Unkrautarten, Ausfallgetreide und unerwünschtem Kartoffeldurchwuchs. Durch die systemische Verteilung im Saftstrom der Pflanzen werden nicht nur die oberirdischen Pflanzenteile, sondern auch die unterirdischen Überdauerungsorgane wie Rhizome und Wurzeln nachhaltig erfasst. Dies verhindert einen Wiederaustrieb und sorgt für saubere Flächen vor der Folgesaat.
Zudem ermöglicht das Produkt eine präzise Steuerung des Erntefensters durch die zugelassene Sikkation in ausgewählten Kulturen. Dies erleichtert den Mähdrusch erheblich, insbesondere bei ungleichmäßig abreifenden Beständen oder starker Verunkrautung, und sichert somit die Qualität des Ernteguts unter schwierigen Witterungsbedingungen.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der enthaltene Wirkstoff Glyphosat gehört zur HRAC-Gruppe 9 (Hemmung der EPSP-Synthase). Nach der Applikation wird der Wirkstoff rasch über die Blätter aufgenommen und systemisch sowohl im Xylem als auch im Phloem in die Wachstumszonen (Meristeme) der Sprosse und Wurzeln transportiert. Dort blockiert er spezifisch das Enzym 5-Enolpyruvylshikimat-3-phosphat-Synthase, welches ein Schlüsselenzym im Shikimatweg zur Synthese essenzieller aromatischer Aminosäuren (wie Phenylalanin, Tyrosin und Tryptophan) ist. Da dieser Stoffwechselweg ausschließlich in Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen vorkommt, besitzt der Wirkstoff eine hohe Spezifität. Der Mangel an diesen Aminosäuren führt zu einem schnellen Wachstumsstopp der behandelten Schaderreger. Erste Symptome wie Gelbfärbungen (Chlorosen) zeigen sich je nach Witterung nach etwa 7 bis 10 Tagen, gefolgt von einer vollständigen Nekrose und dem Absterben der gesamten Pflanze innerhalb von 2 bis 3 Wochen.
Resistenzmanagement
Obwohl für Glyphosat (HRAC-Gruppe 9) weltweit ein vergleichsweise geringes Risiko für die Selektion resistenter Biotypen besteht, erfordert der nachhaltige Einsatz ein konsequentes Resistenzmanagement. Um die langfristige Wirksamkeit zu sichern, sollte BARCLAY GALLUP BIOGRADE 360 stets in ein integriertes Pflanzenschutzkonzept eingebunden werden. Dies beinhaltet den regelmäßigen Wechsel mit mechanischen Bodenbearbeitungsverfahren (wie dem Scheiben oder Pflügen zur Keimanregung) sowie den Fruchtfolgewechsel und den Einsatz von Herbiziden mit anderen Wirkmechanismen in den Folgekulturen. Die Anwendung muss immer unter optimalen Bedingungen und mit der vollen, für den jeweiligen Schaderreger empfohlenen Aufwandmenge erfolgen, um die Selektion schleichend toleranter Individuen zu verhindern.
Mischbarkeit & Tankmischung
BARCLAY GALLUP BIOGRADE 360 ist im Allgemeinen gut mit vielen gängigen Bodenherbiziden und Additiven mischbar. Zur Optimierung der Benetzung und Wirkstoffaufnahme, insbesondere bei kalkhaltigem oder hartem Wasser, wird der Zusatz von Ammoniumsulfat empfohlen, da dies die Inaktivierung der Glyphosat-Ionen durch Calcium- und Magnesium-Kationen im Spritzwasser verhindert. Mischungen mit reinen Kontakt- oder Schnellwirkungsherbiziden sollten vermieden werden, da eine zu rasche Zerstörung des Blattgewebes den systemischen Transport des Wirkstoffs in die Wurzeln blockieren kann. Vor jeder Tankmischung wird die Durchführung eines physikalischen Mischbarkeitstests in einem Kleinbehälter empfohlen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Bei der Anwendung von BARCLAY GALLUP BIOGRADE 360 sind die gesetzlichen Vorgaben zum Anwenderschutz und zur Ecotox-Sicherheit strikt einzuhalten. Beim Ansetzen der Spritzbrühe und während der Applikation ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzhandschuhen und Schutzanzug, zu tragen. Zum Schutz von Oberflächengewässern und Nichtzielpflanzen in angrenzenden Biotopen müssen die vom BVL festgelegten Abstandsauflagen und der Einsatz abdriftmindernder Düsentechnik beachtet werden. Das Produkt ist als nichtbienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte der direkte Kontakt mit blühenden Beständen im Sinne des vorsorgenden Umweltschutzes minimiert werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Wintergerste | Sikkation, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Sommerweichweizen | Sikkation, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Winterweichweizen | Sikkation, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Nadelholz | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sommerhafer | Sikkation, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Lein | Sikkation, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 4 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Kernobst | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 42T |
| Raps | Sikkation, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 4 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Hartweizen | Sikkation, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Laubholz | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Stilllegungsflächen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Ackerbaukulturen | Ausfallkulturen, Kartoffeldurchwuchs, Zweikeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterhafer | Sikkation, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Wiesen, Weiden | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 4 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sommergerste | Sikkation, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 7T |
Häufige Fragen
Wie beeinflusst die Witterung unmittelbar nach der Anwendung die Wirkung von BARCLAY GALLUP BIOGRADE 360?
Für eine optimale systemische Wirkung sind aktive Stoffwechselprozesse der Schaderreger erforderlich. Warme, wüchsige Bedingungen beschleunigen die Aufnahme und Translokation im Phloem. Regen innerhalb von 4 bis 6 Stunden nach der Behandlung kann den Wirkstoff abwaschen und die Effizienz mindern. Bei extremer Trockenheit oder Frost sollte die Anwendung verschoben werden, da die Unkräuter dann kaum Wirkstoff aufnehmen.
Warum ist die Wasserqualität (Härtegrad) bei der Ausbringung dieses Herbizids von Bedeutung?
Glyphosat-Ionen neigen dazu, sich in hartem Wasser an Calcium- und Magnesium-Kationen zu binden, was die biologische Aktivität des Wirkstoffs spürbar reduzieren kann. Bei hartem Wasser empfiehlt sich der Zusatz eines geeigneten Wasserkonditionierers oder von Ammoniumsulfat (AMS) vor der Zugabe des Herbizids in den Spritztank, um diese Kationen zu maskieren.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Stoppelbehandlung zur Bekämpfung ausdauernder Unkräuter wie Quecke?
Die Behandlung sollte erfolgen, wenn die ausdauernden Schaderreger ausreichend Blattmasse gebildet haben (Quecke ca. 3–4 Blätter, ca. 15–20 cm Höhe), um eine maximale Wirkstoffaufnahme zu gewährleisten. Nach der Ernte sollte mit der Bodenbearbeitung so lange gewartet werden, bis der Wirkstoff vollständig in die Wurzeln transportiert wurde – in der Regel mindestens 7 bis 10 Tage.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium der Kultur bei einer geplanten Spätbehandlung (Sikkation)?
Eine Sikkation oder Spätbehandlung darf erst nach dem Erreichen der physiologischen Reife der Kultur (meist ab BBCH 89, Kornfeuchte unter 30 %) durchgeführt werden. Eine zu frühe Anwendung beeinträchtigt nicht nur den Ertrag und das Tausendkorngewicht, sondern kann auch zu unzulässigen Rückständen im Erntegut führen. Beachten Sie stets die spezifischen BVL-Vorgaben für die jeweilige Kultur.
Wie lässt sich der Wirkstoff Glyphosat sinnvoll in ein integriertes Resistenzmanagement einbinden?
Glyphosat sollte niemals als alleinige Maßnahme zur Unkrautkontrolle über Jahre hinweg auf derselben Fläche genutzt werden. Kombinieren Sie die Anwendung mit mechanischen Maßnahmen (wie dem Pflügen oder dem Scheinbestellungsverfahren) und wechseln Sie in der Fruchtfolge mit selektiven Herbiziden anderer HRAC-Klassen ab, um der Selektion resistenter Biotypen aktiv vorzubeugen.
Was muss bezüglich der Wartezeit eingehalten werden, wenn das Erntegut als Futtermittel oder Lebensmittel verwendet werden soll?
Die gesetzlich festgelegte Wartezeit (Wartezeit in Tagen) variiert je nach Kultur und Anwendungsbereich erheblich (zwischen 7 und 42 Tagen). Diese Fristen sind strikt einzuhalten, um sicherzustellen, dass eventuelle Rückstände im Erntegut weit unter den gesetzlichen Höchstmengen liegen. Planen Sie den Erntetermin daher präzise im Voraus.