Ackerbaukulturen
Die BVL-Kulturgruppe „Ackerbaukulturen“ (Gruppe NNNAC) fasst eine sehr breite und diverse Palette an landwirtschaftlichen Kulturen zusammen, die im großflächigen Feldanbau auf Ackerflächen bewirtschaftet werden. Neben den dominierenden Hauptkulturen wie Getreide (Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Weizen) und Mais umfasst diese Gruppe auch wichtige Nischenkulturen, Sonderkulturen sowie nachwachsende Rohstoffe. Hierzu zählen beispielsweise Sojabohne, Sonnenblume, Ölkürbis, Hanf, Buchweizen sowie verschiedene Futterleguminosen und Gräser.
Die Zusammenfassung dieser botanisch sehr unterschiedlichen Familien (u. a. Poaceae, Fabaceae, Asteraceae, Brassicaceae) unter einer übergeordneten Zulassungsgruppe dient primär der regulatorischen Vereinfachung bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Viele Indikationen, insbesondere im Bereich der Herbizide zur Stoppelbehandlung (wie auf Getreide-, Mais- oder Rapsstoppeln) oder bei der Bekämpfung von Nagetieren auf Stilllegungsflächen, lassen sich so effizient für den gesamten Ackerbau regeln, ohne dass für jede Kleinkultur Einzelzulassungen beantragt werden müssen.
Zudem teilen viele dieser Kulturen trotz ihrer botanischen Diversität ähnliche agronomische Rahmenbedingungen im Rahmen der Fruchtfolge. Die Strukturierung erleichtert es Anwendern und Beratern, den Überblick über zugelassene Anwendungen zu behalten, insbesondere bei Kulturen mit geringem wirtschaftlichem Umfang (Minor Crops) wie Leindotter, Saflor oder Durchwachsene Silphie, für die oft Lückenindikationen über diese Gruppenregistrierung abgedeckt werden.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Aufgrund der enormen botanischen Spannweite der Gruppe „Ackerbaukulturen“ variiert der spezifische Schaderregerdruck stark je nach Einzelkultur. Dennoch gibt es kulturübergreifende Herausforderungen im integrierten Pflanzenschutz, die alle Mitglieder dieser Gruppe betreffen. Hierzu gehört vor allem das Management von Ungräsern wie der Gemeinen Quecke (Elymus repens) sowie der Schutz vor Feldmäusen (Microtus arvalis), die insbesondere auf Stilllegungsflächen, Kleegras und nach der Ernte auf den Stoppelflächen erhebliche Schäden verursachen können. Ein konsequentes Resistenzmanagement nach den Richtlinien von HRAC, IRAC und FRAC ist zwingend erforderlich. Dies gilt besonders für den Einsatz von Herbiziden in engen Fruchtfolgen, um der Selektion resistenter Biotypen entgegenzuwirken. Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln erfolgt streng nach den Vorgaben der jeweiligen Zulassung für die Gruppe oder die spezifische Kultur. Bei der Nutzung von Gruppen-Zulassungen müssen Landwirte besonders auf die verträglichen BBCH-Stadien der jeweiligen Kultur und die spezifischen Wartezeiten achten, da sich die Abbaugeschwindigkeit von Wirkstoffen zwischen schnellwüchsigen Nischenkulturen wie Phacelia oder Senf-Arten und langlebigen Kulturen wie Miscanthus oder Pappel deutlich unterscheidet. Der integrierte Pflanzenschutz setzt hierbei primär auf vorbeugende Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolgegestaltung, mechanische Bodenbearbeitung zur Stoppelhygiene und die Förderung von Nützlingen.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich, ob ein Pflanzenschutzmittel für die gesamte Gruppe „Ackerbaukulturen“ oder nur für einzelne Kulturen zugelassen ist?
In der Zulassungsdatenbank des BVL wird bei einer Gruppenzulassung explizit der Gruppencode „NNNAC“ oder der Begriff „Ackerbaukulturen“ aufgeführt. Gilt die Zulassung nur für spezifische Mitglieder, sind diese einzeln (z. B. nur „Mais“ oder „Sojabohne“) mit ihren jeweiligen Anwendungsbestimmungen gelistet. Im Pflanzenschutz-Hub auf dieser Seite können Sie gezielt nach dem Gruppennamen filtern, um alle übergreifenden Zulassungen einzusehen.
Welche Bedeutung haben die in der Gruppe gelisteten Stoppelflächen (z. B. Getreide-, Mais- oder Rapsstoppel) für den Pflanzenschutz?
Stoppelflächen sind formal keine Kulturen, werden aber im BVL-Zulassungssystem als Anwendungsgebiete innerhalb der Ackerbaukulturen geführt. Dies ist besonders wichtig für die Bekämpfung von ausdauernden Unkräutern wie der Gemeinen Quecke (Elymus repens) oder für die Beseitigung von Ausfallgetreide und Ausfallraps vor der Folgesaat. Anwendungen in diesem Zeitraum müssen stattfinden, bevor die neue Kultur aufläuft, um phytotoxische Schäden zu vermeiden.
Wie lässt sich ein Wirkstoffwechsel (HRAC-Klassifizierung) bei der Unkrautbekämpfung in einer so diversen Kulturfrequenz umsetzen?
Da die Gruppe sowohl einkeimblättrige (z. B. Getreide, Hirse, Mais) als auch zweikeimblättrige Kulturen (z. B. Sojabohne, Raps, Sonnenblume) umfasst, müssen Herbizidwirkstoffe über die gesamte Fruchtfolge hinweg rotiert werden. Ein einseitiger Einsatz von beispielsweise ALS-Hemmern (HRAC-Gruppe 2) oder ACCase-Hemmern (HRAC-Gruppe 1) in aufeinanderfolgenden Kulturen erhöht das Resistenzrisiko drastisch. Nutzen Sie den Wechsel zwischen Sommer- und Winterungen für den Einsatz unterschiedlicher Wirkmechanismen.
Warum sind Feldmäuse (Microtus arvalis) als Hauptschädling für die gesamte Gruppe klassifiziert und wie erfolgt das Monitoring?
Feldmäuse sind extrem polyphag und schädigen nahezu alle Ackerbaukulturen durch Loch- und Wurzelfraß sowie das Abbeißen von Halmen. Besonders auf Stilllegungsflächen, Kleegras und Futterleguminosen finden sie ungestörte Vermehrungsbedingungen. Ein systematisches Monitoring mittels der Lochtretmethode (Zutreten von Löchern auf einer Testfläche und Auszählung der wieder geöffneten Löcher nach 24 Stunden) ist im Spätsommer und Herbst entscheidend, um Schadschwellen rechtzeitig vor der Neusaat zu erkennen.
Was muss bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in botanisch unterschiedlichen Mischkulturen (z. B. Kleegras) beachtet werden?
Bei Mischkulturen wie Kleegras müssen die eingesetzten Pflanzenschutzmittel für beide Kulturpartner (Gräser und Futterleguminosen) zugelassen und verträglich sein. Herbizidanwendungen sind hier besonders anspruchsvoll, da selektive Mittel oft nur eine der beiden botanischen Gruppen schonen. Achten Sie penibel auf das BBCH-Stadium der empfindlicheren Kulturkomponente, um Wachstumsdepressionen zu vermeiden.