RA-50
RA-50 von Sumitomo Chemical ist ein hochwirksames Pflanzenschutzmittel zur gezielten Bekämpfung von einjährigen ein- und zweikeimblättrigen Unkräutern sowie Moosen in verschiedenen landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kulturen wie Weinreben, Hopfen und Spargel. Formuliert als wasserdispergierbares Granulat (WG) mit dem bewährten Wirkstoff Flumioxazin (500 g/kg), bietet dieses Herbizid eine hervorragende Boden- und frühe Nachauflaufwirkung. Es besetzt eine wichtige Position im modernen Unkrautmanagement, insbesondere bei schwer bekämpfbaren Schaderregern wie dem Schwarzen Nachtschatten oder der Vogel-Sternmiere.
Neben der klassischen Unkrautbekämpfung zeichnet sich RA-50 durch eine spezielle Zulassung im Hopfenanbau aus, wo es erfolgreich für das sogenannte „Hopfenputzen“ (die chemische Entfernung der bodennahen Triebe) eingesetzt wird. Durch seine schnelle Kontaktwirkung und die langanhaltende Bodenwirkung über einen feinen Herbizidfilm auf der Bodenoberfläche unterdrückt das Pflanzenschutzmittel zuverlässig den auflaufenden Unkrautbesatz über einen längeren Zeitraum. Dies macht es zu einem flexiblen Baustein in integrierten Anbausystemen.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in RA-50 enthaltene Wirkstoff Flumioxazin gehört zur chemischen Gruppe der N-Phenylphthalimide und ist im HRAC-System in die Gruppe 14 (ehemals Gruppe E) eingestuft. Der biochemische Wirkungsmechanismus basiert auf der selektiven Hemmung des Enzyms Protoporphyrinogen-Oxidase (PPO) in den Chloroplasten der Pflanzen. Diese Blockade führt zu einer unkontrollierten Akkumulation von Protoporphyrin IX im Zytoplasma. Unter dem Einfluss von Sonnenlicht reagiert dieses Molekül mit Sauerstoff und bildet hochreaktiven Singulett-Sauerstoff. Dieser löst eine Kettenreaktion aus, die zu einer massiven Lipidperoxidation der Zellmembranen führt. Die Zellmembranen werden irreparabel zerstört, was zu einem schnellen Austrocknen, Nekrosen und schließlich zum Absterben der getroffenen Schaderreger führt. Da Licht für die volle Entfaltung der herbiziden Wirkung zwingend erforderlich ist, zeigt sich der Effekt bei sonnigem Wetter besonders rasch.
Resistenzmanagement
Um der Entstehung von Resistenzen bei Unkräutern wirksam vorzubeugen, solltest du RA-50 stets im Rahmen eines integrierten Herbizidmanagements einsetzen. Da Flumioxazin als PPO-Inhibitor (HRAC-Gruppe 14) wirkt, ist es von entscheidender Bedeutung, diesen Wirkstoff nicht solo in Daueranwendungen zu nutzen. Wechsle stattdessen regelmäßig mit Herbiziden ab, die über andere Wirkungsmechanismen verfügen (z. B. HRAC-Gruppe 15 oder 9). Achte zudem darauf, mechanische Maßnahmen zur Unkrautregulierung in deine Strategie einzubinden, um den Selektionsdruck auf einzelne Wirkstoffklassen konsequent zu minimieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
RA-50 lässt sich in der Praxis gut mit vielen gängigen Boden- und Blattherbiziden mischen, um das Wirkungsspektrum abzurunden. Bei der Herstellung von Tankmischungen solltest du jedoch stets die Gebrauchsanleitungen aller Mischpartner beachten und vorab einen physischen Verträglichkeitstest (Mischprobe) durchführen. Für eine optimale Wirkung ist eine gleichmäßige Benetzung des Bodens oder der Zielfläche entscheidend; die Zugabe von geeigneten Netzmitteln oder Adjuvantien kann die Haftung und Aufnahme auf den Blättern der Schaderreger verbessern. Achte auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge und vermeide die Anwendung bei extremer Trockenheit, da ein feuchter Boden die herbizide Barrierebildung von Flumioxazin begünstigt.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit RA-50 ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Schutzhandschuhen und Augenschutz, während der Anmischung und Anwendung obligatorisch. Da für dieses Pflanzenschutzmittel keine spezifische Bienengefährdungsklasse in den Zulassungsdaten angegeben ist, solltest du aus Vorsorgegründen jede direkte Applikation auf blühende Kulturen oder an Orten, an denen Bienen aktiv auf Nahrungssuche sind, strikt vermeiden. Verlege die Behandlungen vorzugsweise in die späten Abendstunden, wenn der Bienenflug beendet ist. Um aquatische Organismen und Bodenlebewesen wie Regenwürmer zu schonen, sind Abdriften auf angrenzende Gewässer oder Saumstrukturen durch den Einsatz abdriftmindernder Technik und die Einhaltung angemessener Sicherheitsabstände konsequent zu verhindern.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Johannisbeerartiges Beerenobst | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | — | 600 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Ziergehölze | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Moose | — | 1.2 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Hopfen | Hopfenputzen | — | 600 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | — | 600 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Spargel | Schwarzer Nachtschatten | — | 300 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Zierpflanzen | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | — | 300 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Himbeerartiges Beerenobst | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | — | 600 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Himbeerartiges Beerenobst | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | — | 600 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Wege und Plätze mit Holzgewächsen | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Moose | — | 1.2 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Johannisbeerartiges Beerenobst | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | — | 600 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | — | 600 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Ziergehölze | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | — | 300 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Steinobst | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | — | 600 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Gleisanlagen | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | — | 1.2 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Kernobst | Vogel-Sternmiere | — | 600 GRAM_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wie wirkt sich die Bodenfeuchtigkeit auf die Wirksamkeit von RA-50 aus?
Für eine optimale Wirkung über den Boden benötigt der Wirkstoff Flumioxazin eine gewisse Grundfeuchtigkeit. Nach der Applikation bildet das Pflanzenschutzmittel einen stabilen Herbizidfilm auf der Bodenoberfläche. Ist der Boden extrem trocken, kann sich dieser Film nicht optimal verteilen, was die herbizide Wirkung verzögert. Ein leichter Regen nach der Behandlung ist daher ideal, um den Wirkstoff im obersten Bodenbereich zu aktivieren.
Was musst du beim „Hopfenputzen“ mit RA-50 besonders beachten?
Beim chemischen Hopfenputzen kommt es auf eine präzise, tiefgeführte Applikation an. Du solltest darauf achten, dass nur die bodennahen Triebe und Blätter benetzt werden, die du entfernen möchtest. Vermeide unbedingt jegliche Abdrift auf die oberen Pflanzenteile des Hopfens, da der Wirkstoff eine starke Kontaktwirkung besitzt und grüne Pflanzenteile bei Kontakt stark schädigt.
Kannst du RA-50 auch auf frisch bearbeiteten Böden anwenden?
Ja, eine Anwendung auf einem gut abgesetzten, feinkrümeligen und unkrautfreien Boden ist sogar besonders empfehlenswert. Grobe Erdschollen oder starke Ernterückstände können Schattenzonen bilden, in denen der Herbizidfilm unterbrochen wird. Wenn du den Boden nach der Applikation mechanisch bearbeitest, zerstörst du diesen Schutzfilm, was die Dauerwirkung gegen auflaufende Schaderreger erheblich mindert.
Warum ist Sonnenlicht für die Wirkung von RA-50 so wichtig?
Der Wirkstoff Flumioxazin blockiert ein wichtiges Enzym, was zur unkontrollierten Ansammlung von Porphyrinen in den Pflanzenzellen führt. Diese Moleküle werden erst unter dem Einfluss von UV-Licht aktiviert und zerstören dann die Zellmembranen der Schaderreger. An sonnigen Tagen wirst du daher bereits nach wenigen Stunden erste Symptome wie Welken und Verfärbungen sehen, während die Wirkung bei anhaltend trübem Wetter langsamer eintritt.
Wie integrierst du RA-50 am besten in deine Fruchtfolge, um Nachbauprobleme zu vermeiden?
Da Flumioxazin eine ausgeprägte Bodenwirkung besitzt, solltest du bei der Planung von Folgekulturen vorsichtig sein. Vor dem Anbau von empfindlichen Nachfolgekulturen ist eine gründliche, wendende Bodenbearbeitung (z. B. Pflügen) ratsam, um eventuelle Wirkstoffrückstände im Boden zu verdünnen. Halte dich strikt an die in der Gebrauchsanleitung angegebenen Wartezeiten und Einschränkungen für den Nachbau.
Wie reinigst du die Pflanzenschutzspritze nach der Anwendung von RA-50?
Da Flumioxazin bereits in geringsten Spuren Schäden an empfindlichen Folgekulturen verursachen kann, ist eine extrem gründliche Reinigung der Spritze unerlässlich. Spüle den Tank, die Leitungen und die Düsen unmittelbar nach der Arbeit mehrfach mit klarem Wasser und einem speziellen Herbizidreiniger aus. Achte darauf, auch die Filter auszubauen und separat zu reinigen.