Spargel
Der Gemüse-Spargel (Asparagus officinalis), in der landwirtschaftlichen Praxis meist einfach als Spargel bezeichnet (EPPO-Code: ASPOF), ist eine mehrjährige, anspruchsvolle Kultur, die in Mitteleuropa eine herausragende wirtschaftliche Bedeutung besitzt. Die Ernte der unterirdischen Sprosse (Bleichspargel) oder der grünen Triebe (Grünspargel) erstreckt sich über eine mehrjährige Standzeit von typischerweise acht bis zehn Jahren. Dies erfordert eine präzise langfristige Planung bei der Flächenauswahl und der Etablierung der Anlagen.
Bodenmanagement
Spargel benötigt tiefgründige, lockere und sandige Böden mit einem ausgeglichenen Wasserhaushalt, um ein ungehindertes Wurzelwachstum und gerade Stangen zu ermöglichen. Vor der Neuanlage ist eine tiefgründige Bodenlockerung bis in eine Tiefe von 50–60 cm zwingend erforderlich, um jegliche Verdichtungen zu beseitigen. Der Humusgehalt sollte durch organische Düngung vor der Pflanzung optimiert werden, da spätere Eingriffe in den tieferen Bodenschichten das Rhizom beschädigen würden. Während der Standzeit ist eine präzise Steuerung des pH-Werts durch regelmäßige Erhaltungskalkung entscheidend, um Strukturmängel und Nährstofffestlegungen zu verhindern. Die Dammbepflanzung beim Bleichspargel erfordert zudem ein sorgfältiges mechanisches Dammmanagement im Frühjahr, um eine gleichmäßige Erwärmung und Erosionsstabilität zu gewährleisten.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz im Spargelanbau konzentriert sich primär auf die Gesunderhaltung des Spargelkrauts nach dem Ende der Erntezeit, um die Einlagerung von Reservestoffen nicht zu gefährden. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehören der Spargelrost und die Stemphylium-Laubkrankheit, welche durch gezielte Fungizid-Anwendungen ab BBCH-Stadium 61 kontrolliert werden müssen. Tierische Schädlinge wie die Spargelfliege und das Spargelhähnchen erfordern eine genaue Überwachung der Bestände im Frühjahr und Sommer, um rechtzeitige Insektizidbehandlungen einzuleiten. Die Unkrautbekämpfung erfolgt meist durch eine Kombination aus mechanischen Maßnahmen während der Dammphase und dem gezielten Einsatz von Herbiziden vor dem Austrieb sowie nach der Ernte. Ein konsequentes Hygienemanagement, wie das bodennahe Abschneiden und Entfernen des Krauts im Spätherbst, reduziert das Überwinterungspotenzial wichtiger Schaderreger drastisch.
Sorten
Gijnlim
Sehr frühSehr hoch, besonders im frühen Ertragssegment.
Anfällig für: Stemphylium-Laubkrankheit, Fusarium-Welke
Der Standard im frühen Bleich- und Grünspargelanbau in Deutschland. Sehr hoher Ertrag und hervorragende Stangenqualität.
Backlim
SpätKonstant hoch über die gesamte Standzeit.
Resistent gegen: Fusarium-Welke
Anfällig für: Spargelrost
Hervorragend geeignet für den späten Bleichspargelanbau und den Nachbau auf Altanlagen. Liefert dicke, geschlossene Stangen.
Ramires
Früh bis mittelfrühHoch und sehr gleichmäßig.
Resistent gegen: Stemphylium-Laubkrankheit
Anfällig für: Phytophthora
Sehr homogene Sortierung mit hohem Anteil an Premiumstangen. Zeigt eine gute Vitalität des Krauts im Sommer.
Xenolim
MittelfrühSehr hoch mit hohem Anteil an vermarktungsfähigen grünen Stangen.
Resistent gegen: Fusarium-Welke
Anfällig für: Spargelrost
Eine rein männliche Anthocyan-freie Sorte, die sich hervorragend für den rein grünen Spargelanbau eignet.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie beeinflusst die Foliennutzung das Mikroklima und das Auftreten von Schaderregern?
Der Einsatz von Schwarz-Weiß-Folien steuert die Bodentemperatur und verfrüht den Erntebeginn. Allerdings kann sich unter der Folie bei feucht-warmer Witterung ein Mikroklima entwickeln, das bodenbürtige Pilze wie Phytophthora begünstigt. Nach der Ernte muss die Folie zügig entfernt werden, um die natürliche Bodenstruktur zu lüften und das Krautwachstum nicht zu behindern.
Warum ist das exakte Einhalten des Ernteendes am 24. Juni pflanzenphysiologisch so wichtig?
Der Spargel benötigt nach dem Stechende (traditionell der Johannistag) mindestens 100 bis 120 Tage vegetatives Wachstum, um über die Photosynthese des Krauts ausreichend Kohlenhydrate (Inulin) zu assimilieren. Diese Reservestoffe werden im Rhizom für den Austrieb im Folgejahr gespeichert. Ein verspätetes Ernteende schwächt die Kultur nachhaltig und führt zu drastischen Ertragseinbußen in der nächsten Saison.
Wie wird die Spargelfliege (Plioreocepta poeciloptera) im integrierten Anbau überwacht und reguliert?
Die Überwachung erfolgt ab April mittels gelber Leimtafeln, die knapp über dem Boden oder den Dämmen platziert werden. Eine gezielte Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln ist nur bei Überschreiten der Schadschwelle während des Hauptflugs der ersten Generation im Frühjahr (meist BBCH 09 bis 19) sinnvoll, bevor die Eiablage in den jungen Trieben erfolgt.
Welche Rolle spielt die mechanische Unkrautbekämpfung nach dem Stechende?
Nach dem Einebnen der Dämme im Juni keimen Unkräuter wie Hühnerhirse (Echinochloa crus-galli) oder Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum) massiv aus. Eine mechanische Zwischenreihenbearbeitung mittels Fräsen oder Hacken ist in dieser Phase hocheffektiv, muss jedoch flach erfolgen, um die flach verlaufenden Spargelwurzeln nicht zu verletzen. Sie reduziert den Herbizidbedarf im Sommer erheblich.
Wie lässt sich das Risiko von Fusarium-Welke bei einer Neuanlage minimieren?
Da Fusarium-Erreger jahrzehntelang im Boden überdauern können, sollte eine Neuanlage niemals direkt auf ehemaligen Spargelflächen erfolgen (Anbaupause von mindestens 10–15 Jahren). Zudem sind zertifizierte, gesunde Jungpflanzen (Kronen) zu verwenden und Staunässe durch tiefgründige Lockerung konsequent zu vermeiden, um den Eintrittspforten für den Pilz vorzubeugen.
Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Laubkrankheiten in der Spargel-Datenbank?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Spargel' sowie dem spezifischen Schaderreger (z. B. Stemphylium oder Spargelrost). Achten Sie besonders auf die Zulassungsbestimmungen nach dem Ernteende (BBCH 61 bis 89), da viele Fungizide in dieser regenerativen Phase eine andere Aufwandmenge und Wartezeit aufweisen als während der Stechzeit.