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Kulturgruppe

Johannisbeerartiges Beerenobst

15 Mitgliedskulturen
NNNOJ

Die BVL-Kultur-Gruppe „Johannisbeerartiges Beerenobst“ (Gruppe NNNOJ) fasst eine Reihe von strauchartig wachsenden Beerenobstarten und botanisch verwandten Gehölzen zusammen, die im Pflanzenschutzrecht eine gemeinsame Zulassungsbasis teilen. Neben den klassischen Erwerbsobstkulturen wie der Roten, Weißen und Schwarze Johannisbeere sowie der Stachelbeere und Josta gehören auch ökologisch und nischenwirtschaftlich bedeutende Kulturen wie Heidelbeer-Arten, Sanddorn, Schwarzer Holunder und die Maibeere (Haskap) zu dieser Gruppe. Sogar Wildgehölze wie die Gemeine Berberitze oder Weißdorn-Arten sind hier regulatorisch eingegliedert.

Die Zusammenfassung dieser Kulturen in einer gemeinsamen Gruppe erleichtert die Zulassung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln erheblich. Da viele dieser Kulturen als Sonderkulturen mit geringem Anbauumfang gelten (sogenannte „Minor Crops“), wäre ein Einzelzulassungsverfahren für jede Kultur wirtschaftlich oft nicht tragbar. Durch die Bündelung können Pflanzenschutzmittel im Rahmen von Lückenindikationen oder Gruppenzulassungen effizient für das gesamte Spektrum des johannisbeerartigen Beerenobstes registriert werden. Dies sichert Anbauern die Verfügbarkeit dringend benötigter Wirkstoffe gegen spezifische Schaderreger.

Pflanzenschutz auf Gruppenebene

Der Pflanzenschutz im johannisbeerartigen Beerenobst erfordert aufgrund der mehrjährigen Kulturform und der dichten Straucharchitektur ein vorausschauendes, integriertes Management. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehören Botrytis cinerea (Grauschimmel), der insbesondere während der Blüte und Fruchtreife feuchte Mikroklimata im Strauchinneren nutzt, sowie Colletotrichum-Arten. Ein konsequenter Rückschnitt zur Förderung einer schnellen Abtrocknung des Laubs ist eine grundlegende kulturtechnische Maßnahme. Im Bereich der tierischen Schaderreger stellt unter anderem der Kleine Frostspanner (Operophtera brumata) im frühen Frühjahr eine Gefahr für den Austrieb dar. Zudem erfordert die Offenhaltung des Bodens oder der Fahrgassen ein gezieltes Herbizidmanagement gegen ausdauernde Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) sowie einjährige Unkräuter wie das Einjährige Rispengras (Poa annua) und das Gewöhnliche Greiskraut (Senecio vulgaris). Bei der chemischen Regulierung ist die strikte Einhaltung von Resistenzmanagement-Strategien gemäß FRAC (Fungizide), IRAC (Insektizide) und HRAC (Herbizide) zwingend erforderlich. Da für diese Kulturgruppe oft nur eine begrenzte Anzahl an Wirkstoffklassen zugelassen ist, müssen Behandlungen konsequent im Wechsel zwischen verschiedenen Wirkmechanismen erfolgen, um Selektionsdruck zu minimieren. Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln muss präzise auf die BBCH-Stadien der jeweiligen Kultur abgestimmt werden, wobei insbesondere die einzuhaltenden Wartezeiten vor der Ernte und die Schonung von Nützlingen im Fokus stehen.

Kulturen in dieser Gruppe

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

AFEPASA GREENHOUSE SULPHUR TABLETS
AFEPASA GLOBAL SAU
00A990-00
AFINTO
ISK Biosciences Europe N.V.
025691-61
AGIL-S
ADAMA Deutschland GmbH
034107-00
Armicarb Spray
Agronaturalis Ltd.
00A325-00
Armicarb Spray
Agronaturalis Ltd.
02A325-00
Armisan AF PilzFrei
Agronaturalis Ltd.
00A325-61
Armisan AF PilzFrei
Agronaturalis Ltd.
02A325-61
Ballet
Bayer CropScience Deutschland GmbH
034028-62
BATALIN
ADAMA Deutschland GmbH
034107-63
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-63
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Akut AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-67
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Neem
Trifolio-M GmbH
024436-63
Bayer Garten Bio Spinnmilben- & Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-69
Bayer Garten Orchideen-Spray Lizetan AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-72
Bayer Garten Orchideen- & Zierpflanzenspray Lizetan
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-74
Bayer Garten Schädlingsfrei Lizetan AZ
Trifolio-M GmbH
024436-67
Bayer Garten Schädlingsfrei Lizetan Gießmittel AZ
Trifolio-M GmbH
024436-66
Bayer Garten Zierpflanzen- & Rosen-Spray Lizetan AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-73
Bio Spinnmilben- & Schädlingsfrei
W. NEUDORFF GMBH KG
024780-72
Bio Spinnmilben- & Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-78
Botector
SAN Agrow Holding GmbH
007417-00
Buchsbaumzünslerfrei
Trifolio-M GmbH
024436-75
BUCHSBAUMZÜNSLER-FREI ORGANIC
Trifolio-M GmbH
024436-81
CELAFLOR Schädlingsfrei Neem
Trifolio-M GmbH
024436-74
Centurion
UPL Holdings Coöperatief U.A.
024366-60
Centurion
Arysta LifeScience S.A.S
024366-60
COMPO BIO Insekten-frei Neem
Trifolio-M GmbH
024436-65
COMPO BIO Mehltau-frei Universal AF
Agronaturalis Ltd.
02A325-60
COMPO BIO Mehltau-frei Universal AF
Agronaturalis Ltd.
00A325-60
COMPO Buchsbaumzünsler K.O.
Trifolio-M GmbH
024436-76
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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die Zulassungssituation für Johannisbeerartiges Beerenobst zwischen dem Erwerbsanbau und dem Haus- und Kleingartenbereich?

Pflanzenschutzmittel, die für die BVL-Gruppe NNNOJ zugelassen sind, gelten primär für den professionellen Erwerbsanbau. Für den Haus- und Kleingartenbereich gelten oft separate, strengere Anwendungsbestimmungen und Packungsgrößenbeschränkungen. Agronomen und Betriebsleiter müssen stets prüfen, ob die konkrete Zulassung des Pflanzenschutzmittels die Anwendung im jeweiligen Betriebstyp und der spezifischen Kultur explizit erlaubt.

Warum ist die genaue Bestimmung des BBCH-Stadiums bei der Bekämpfung von Botrytis cinerea in dieser Kulturgruppe so kritisch?

Die Hauptinfektion durch Botrytis cinerea erfolgt meist während der Blüte (BBCH 61 bis 69), da der Pilz die absterbenden Blütenorgane als Eintrittspforte nutzt. Symptome werden jedoch oft erst bei der Fruchtreife sichtbar. Behandlungen müssen daher präventiv in den sensiblen Blühphasen erfolgen. Späte Anwendungen kurz vor der Ernte sind wegen der einzuhaltenden Wartezeiten und des Rückstandsrisikos stark limitiert.

Wie kann ich im Hub gezielt nach Pflanzenschutzmitteln suchen, die für meine spezifische Nischenkultur aus dieser Gruppe zugelassen sind?

Nutzen Sie die Filterfunktion im Hub, um nach dem BVL-Gruppencode „NNNOJ“ oder direkt nach Ihrer Kultur (z. B. „Sanddorn“ oder „Schwarzer Holunder“) zu filtern. Achten Sie in den Produktdetails darauf, ob das Pflanzenschutzmittel für die gesamte Gruppe zugelassen ist oder ob es spezifische Einschränkungen (z. B. nur für bestimmte Ribes-Arten) gibt.

Welche Rolle spielen HRAC-Klassen beim Management von Problemunkräutern wie der Gemeinen Quecke in diesen Dauerkulturen?

Da Beerenobstkulturen über viele Jahre auf derselben Fläche stehen, etablieren sich ausdauernde Unkräuter wie Elymus repens leicht. Ein einseitiger Einsatz von Herbiziden derselben HRAC-Klasse führt rasch zu Resistenzen. Ein nachhaltiges Management kombiniert mechanische Unterstockpflege mit dem gezielten, rotierenden Einsatz von Herbiziden unterschiedlicher HRAC-Wirkmechanismen, vorzugsweise im zeitigen Frühjahr oder nach der Ernte.

Gelten Zulassungen für die Gruppe „Johannisbeerartiges Beerenobst“ automatisch auch für den Anbau unter Glas oder Folientunneln?

Nein, das ist ein häufiger Fehler. Das BVL unterscheidet bei Zulassungen strikt zwischen dem Freilandanbau und Anwendungen im geschützten Anbau (Gewächshaus, Folientunnel). Eine Zulassung für die Gruppe NNNOJ gilt nur dann für den geschützten Anbau, wenn dies im Zulassungsbescheid des Pflanzenschutzmittels explizit für die jeweilige Anwendung ausgewiesen ist.

Wie beeinflusst die dichte Strauchstruktur dieser Kulturen die Applikationstechnik und die Aufwandmenge?

Mit fortschreitendem BBCH-Stadium und zunehmender Laubwanddichte muss die Applikationstechnik angepasst werden, um eine ausreichende Benetzung im Strauchinneren zu gewährleisten. Viele Zulassungen in dieser Gruppe arbeiten daher mit flexiblen Aufwandmengen, die sich nach der Laubwandhöhe oder dem Entwicklungsstadium richten. Eine präzise Düseneinstellung und Luftunterstützung sind essenziell, um Abdrift zu minimieren und Schaderreger im Inneren zu erreichen.