Fritfliege
Die Fritfliege (Oscinella frit, EPPO-Code: OSCIFR) gehört zur Familie der Halmfliegen (Chloropidae) und gilt in Mitteleuropa als einer der bedeutendsten tierischen Schaderreger im Getreide- und Maisanbau. Besonders anfällig sind Hafer (Avena sp.), Sommergerste (Hordeum vulgare) und Mais (Zea mays), aber auch Weizen, Roggen und Triticale sowie verschiedene Gräser können stark geschädigt werden. Der wirtschaftliche Schaden entsteht primär durch den Larvenfraß im Inneren der jungen Triebe, was zu erheblichem Ertragsausfall oder im Extremfall zum Absterben der gesamten Kultur führen kann.
Die Relevanz des Schaderregers hat in den letzten Jahren durch veränderte Fruchtfolgen und den vermehrten Anbau von Zwischenfrüchten zugenommen. Da die Fritfliege feucht-warme Witterung bevorzugt, schwankt das Befallsrisiko von Jahr zu Jahr erheblich. Ein Befall im frühen Jugendstadium der Kulturen ist besonders kritisch, da die Pflanzen in dieser Phase noch keine ausreichende Bestockung oder Robustheit aufweisen, um den Haupttriebverlust zu kompensieren.
Biologie / Lebenszyklus
Die Fritfliege bildet in Mitteleuropa meist drei Generationen pro Jahr aus. Die Überwinterung erfolgt als Larve im Inneren von Wintergetreide oder ausdauernden Gräsern, wo sie sich im zeitigen Frühjahr verpuppt. Ab Ende April bis Mai schlüpfen die adulten Fliegen der ersten Generation, die ihre Eier bevorzugt an jungen Haferpflanzen oder Maiskeimlingen ablegen. Die daraus schlüpfenden Larven fressen sich in das Herzblatt des Haupttriebs, was zum typischen Absterben führt. Die nachfolgenden Generationen im Sommer und Spätsommer nutzen vor allem die Ähren von Sommergetreide sowie später auflaufendes Wintergetreide und Gräser zur Eiablage.
Bonitur
Das Monitoring der Fritfliege basiert im Frühjahr auf dem Einsatz von Gelbschalen, die ab dem Auflaufen der Kulturen (BBCH 09 bis BBCH 12) aufgestellt werden, um den Zuflug der adulten Fliegen zu überwachen. Bei Mais liegt die kritische Phase zwischen dem Auflaufen und dem 4-Blatt-Stadium (BBCH 10 bis BBCH 14). Eine gezielte visuelle Kontrolle auf Eiablage an den Blattscheiden ist in dieser Phase ratsam. Als wirtschaftliche Schadensschwelle im Hafer gilt ein Besatz von mehr als 10 % befallenen Trieben im BBCH-Stadium 11 bis 13, während bei Mais bereits bei einem Erstfund von Eiern an mehr als 10 % der kontrollierten Pflanzen über eine gezielte Behandlung nachgedacht werden sollte.
Symptome
Das klassische Symptom eines Fritfliegenbefalls im Getreide ist das Vergilben und anschließende Vertrocknen des jüngsten, innersten Blattes (Herzblatt), während die äußeren Blätter zunächst grün bleiben. Zieht man an diesem vergilbten Blatt, lässt es sich leicht und meist mit fauliger Basis aus der Blattscheide herausziehen; im Inneren ist oft die kleine, weißlich-gelbe Larve oder deren Fraßspur zu finden. Bei Mais führt der Befall im frühen Stadium zu typischen Deformationen, streifigen Perforationen (Löcherreihen quer zur Blattaderung) und starkem Kräuseln der nachfolgenden Blätter, was oft als „Peitschenstadium“ bezeichnet wird und das Wachstum massiv hemmt.
Integriertes Management
Die Bekämpfung der Fritfliege erfordert eine integrierte Strategie, bei der pflanzenbauliche Maßnahmen im Vordergrund stehen. Eine frühe Aussaat von Sommergetreide und eine zeitgerechte, nicht zu späte Aussaat von Mais ermöglichen es den Kulturen, vor dem Hauptflug der Fliegen das empfindliche Jugendstadium (bis BBCH 14) zu entwachsen. Ein gut rückverfestigtes Saatbett fördert ein zügiges Auflaufen. Chemische Maßnahmen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (meist Pyrethroide aus der IRAC-Gruppe 3A) müssen exakt auf den Hauptflug und die Eiablage abgestimmt werden, da die Larven nach dem Einbohren in den Stängel für Kontaktinsektizide nicht mehr erreichbar sind. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, ist der Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien strikt einzuhalten und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf das absolut notwendige Maß zu beschränken.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie beeinflusst die Vorfrucht das Risiko eines Fritfliegenbefalls im Wintergetreide?
Ein besonders hohes Risiko besteht, wenn Wintergetreide direkt nach mehrjährigem Grasland, Rotklee-Gras-Gemengen oder stark verunkrauteten Zwischenfrüchten gesät wird. Die Larven wandern nach dem Umbruch der Vorfrucht direkt auf die neu auflaufende Kultur über. Ein zeitlicher Abstand von mindestens drei bis vier Wochen zwischen dem Umbruch und der Aussaat minimiert dieses Risiko deutlich.
Warum sind systemische Beizen gegen die Fritfliege heute kaum noch eine Option?
Durch den Wegfall und die strengen Zulassungsbeschränkungen für neonicotinoide Saatgutbeizen in der EU steht dieser hocheffektive, präventive Schutz im Jugendstadium für die meisten Getreidearten und Mais nicht mehr zur Verfügung. Landwirte müssen daher verstärkt auf kulturtechnische Maßnahmen und exakt terminierte Blattspritzungen ausweichen.
Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Fritfliege auf agronomy.farmable.tech?
Nutzen Sie das Pflanzenschutzmittel-Hub auf unserer Plattform. Filtern Sie dort nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Silomais oder Hafer) und wählen Sie als Schaderreger „Fritfliege“ (Oscinella frit) aus. Das System listet Ihnen alle aktuell in Ihrem Land zugelassenen Präparate inklusive Aufwandmengen, Wartezeiten und Anwendungsbestimmungen auf.
Kann eine gezielte Stickstoffdüngung den Schaden durch Fritfliegenlarven abmildern?
Eine moderate, frühzeitige Stickstoffgabe zur Förderung der Bestockung kann betroffenen Getreidepflanzen helfen, den Verlust des Haupttriebs durch die schnelle Bildung von Nebentrieben teilweise zu kompensieren. Eine zu späte oder übermäßige Düngung hingegen verlängert die vegetative Phase und macht das Gewebe weicher, was die Attraktivität für nachfolgende Schaderreger erhöht.
Welchen Einfluss hat die Saattiefe auf das Befallsrisiko bei Mais?
Eine zu tiefe Aussaat verzögert das Auflaufen und verlängert die Phase, in der der Keimling im empfindlichen BBCH-Bereich unter der Erde verbleibt oder nur langsam wächst. Ein flaches, aber gut rückverfestigtes Saatbett sichert ein schnelles Durchschreiten der kritischen Jugendstadien bis BBCH 14, wodurch die Kultur dem Hauptschadzeitraum der ersten Generation entwachsen kann.
Wie unterscheidet sich das Schadbild der Fritfliege von dem der Brachfliege?
Während die Fritfliege vor allem im späten Frühjahr und Sommer an Sommergetreide und Mais aktiv ist und das Herzblatt vergilbt, tritt der Schaden der Brachfliege (Delia coarctata) typischerweise im zeitigen Frühjahr (März/April) ausschließlich an Wintergetreide auf. Zudem bevorzugt die Brachfliege Felder nach Spätkartoffeln oder Zuckerrüben als Vorfrucht, da sie ihre Eier auf nackten Boden ablegt.