Roggen
Winterroggen (Secale cereale), im EPPO-System unter dem Code SECCE geführt, ist eine traditionelle und äußerst robuste Getreideart, die in der mitteleuropäischen Landwirtschaft eine Schlüsselrolle einnimmt. Dank seines tiefreichenden und weit verzweigten Wurzelsystems zeichnet sich diese Kultur durch eine hervorragende Nährstoffaneignung und eine überragende Toleranz gegenüber Trockenstress aus. Dies macht Roggen zum idealen Partner für leichtere, sandige Standorte, auf denen andere Getreidearten wie Weizen oder Gerste unrentabel werden.
Die Kultur stellt im Vergleich zu anderen Wintergetreidearten geringere Ansprüche an die Vorfrucht und den Boden-pH-Wert. Dennoch verlangt der moderne Anbau, insbesondere bei den ertragsstarken Hybridroggensorten, eine präzise pflanzenbauliche Führung. Ein kritischer Aspekt im Roggenanbau ist die Anfälligkeit für den Pilz Claviceps purpurea (Mutterkorn), weshalb pflanzenbauliche Maßnahmen und die Sortenwahl gezielt darauf ausgerichtet werden müssen, ein gleichmäßiges Abblühen zu fördern und das Infektionsfenster zu minimieren.
Bodenmanagement
Winterroggen stellt von allen Getreidearten die geringsten Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit und gedeiht selbst auf flachgründigen, sandigen Standorten mit einem pH-Wert von bis zu 4,8 zuverlässig. Eine sorgfältige Bodenbearbeitung ist dennoch ratsam, um ein feinkrümeliges Saatbett zu schaffen, das einen gleichmäßigen Feldaufgang sichert. Da Roggen sehr empfindlich auf Bodenverdichtungen reagiert, sollte auf eine schonende Befahrung geachtet werden. Die Stickstoffdüngung erfolgt meist in zwei bis drei Gaben, wobei die erste Gabe zur Bestockung im zeitigen Frühjahr die Ertragsstruktur maßgeblich bestimmt. Auf leichten Böden ist zudem eine gezielte Versorgung mit Mikronährstoffen wie Mangan und Kupfer für die Standfestigkeit und Vitalität der Kultur unerlässlich.
Schaderreger-Management
Im integrierten Pflanzenschutz des Roggens steht die Regulierung von Pilzkrankheiten wie Braunrost (Puccinia recondita) und der Rhynchosporium-Blattfleckenkrankheit (Rhynchosporium secalis) im Vordergrund. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Fungiziden) sollte sich streng an den Schadschwellen und den BBCH-Stadien orientieren, wobei Behandlungen meist zwischen dem Schossen (BBCH 31/32) und dem Ährenschieben (BBCH 51/55) erfolgen. Ein besonderes Augenmerk gilt der Vorbeugung von Mutterkorninfektionen; hierbei sind weite Fruchtfolgen, das Vermeiden von lückigen Beständen und die Förderung einer synchronen Blüte durch den Einsatz von Wachstumsreglern entscheidend. Gegen tierische Schaderreger wie die Fritfliege (Oscinella frit) im Herbst helfen vor allem eine angepasste Saatzeit und eine zügige Jugendentwicklung der Kultur.
Sorten
KWS Tayo
MittelspätSehr hohes Ertragspotenzial im Kornertrag, hervorragende Standfestigkeit.
Resistent gegen: Braunrost, Mehltau
Anfällig für: Mutterkorn
Eine der führenden Hybridsorten in Deutschland mit starker Jugendentwicklung.
KWS Serafino
MittelSehr ertragsstark und ertragssicher über verschiedene Standorte hinweg.
Resistent gegen: Mutterkorn, Braunrost
Anfällig für: Rhynchosporium-Blattfleckenkrankheit
Ausgestattet mit der Pollenplus-Technologie zur signifikanten Reduktion des Mutterkornrisikos.
SU Performer
MittelHohes Ertragspotenzial, besonders stark auf leichten Standorten.
Resistent gegen: Mehltau, Rhynchosporium-Blattfleckenkrankheit
Anfällig für: Braunrost
Bewährte Hybridsorte mit exzellenter Trockentoleranz und stabiler Fallzahl.
Inspector
MittelspätStabiler Ertrag für eine Populationssorte, ideal für den ökologischen Anbau.
Resistent gegen: Rhynchosporium-Blattfleckenkrankheit
Anfällig für: Braunrost, Mutterkorn
Sehr frohwüchsige Populationssorte mit guter Unkrautunterdrückung und hoher Strohstabilität.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko von Mutterkorn (Claviceps purpurea) pflanzenbaulich minimieren?
Neben der Sortenwahl (z. B. Hybridroggen mit verbesserter Pollenschüttung) ist eine synchrone Blüte der Kultur entscheidend. Vermeiden Sie lückige Bestände durch eine angepasste Aussaatstärke und sichern Sie eine gleichmäßige Bestockung im Frühjahr. Der gezielte Einsatz von Wachstumsreglern verhindert Zwiespaltigkeit (Nebentriebe, die verspätet blühen), wodurch das Zeitfenster für Infektionen minimiert wird. Zudem sollten Gräser an Feldrändern vor der Roggenblüte gemäht werden, da sie als Infektionsquelle dienen.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Wachstumsreglern im Roggen?
Da Roggen ein starkes Längenwachstum aufweist, ist der Einsatz von Wachstumsreglern zur Sicherung der Standfestigkeit meist unerlässlich. Die erste Einkürzung erfolgt in der Schossphase zwischen BBCH 31 (Einknotenstadium) und BBCH 32. Bei wüchsigen Beständen oder hoher Lagergefahr kann eine Nachbehandlung bis zum Erscheinen des letzten Blattes (BBCH 37–39) mit reduzierter Aufwandmenge durchgeführt werden, um die Halmstabilität im oberen Bereich zu verbessern.
Wie unterscheidet sich die Düngungsstrategie von Hybridroggen im Vergleich zu Populationsroggen?
Hybridroggen besitzt ein höheres Ertragspotenzial und benötigt eine präzisere Nährstoffführung. Die erste Stickstoffgabe zu Vegetationsbeginn (BBCH 21–25) sollte betont ausfallen, um die Bestockung und Ährenanlage zu fördern. Bei Populationsroggen muss die Stickstoffmenge vorsichtiger dosiert werden, da das Lagerrisiko aufgrund der geringeren Halmstabilität höher ist. Eine späte Qualitätsgabe (BBCH 51) sichert bei beiden Typen die Backqualität (Proteingehalt und Fallzahl).
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung von Braunrost?
Braunrost tritt meist ab dem Schossen auf und kann sich bei warmen Temperaturen im Spätfrühjahr rasant ausbreiten. Die kritische Phase für Ertragsverluste liegt zwischen BBCH 37 (Erscheinen des Fahnenblattes) und BBCH 59 (Ende des Ährenschiebens). Kontrollieren Sie die Bestände in diesem Zeitraum engmaschig. Eine Fungizidbehandlung ist wirtschaftlich sinnvoll, sobald die Schadschwelle (z. B. erste Pusteln auf den oberen drei Blättern) überschritten ist.
Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Rhynchosporium secalis?
Nutzen Sie die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtern Sie nach der Kultur Winterroggen sowie dem Schaderreger Rhynchosporium secalis (EPPO: RHYNSE). Das System listet Ihnen alle aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel auf. Achten Sie bei der Auswahl auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die maximalen Aufwandmengen sowie die vorgeschriebene Wartezeit bis zur Ernte.