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Schädling

Große Getreideblattlaus

Sitobion avenae
MACSAV

Die Große Getreideblattlaus (Sitobion avenae, EPPO-Code: MACSAV) ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im europäischen Getreidebau. Der Schädling besiedelt vorzugsweise Kulturen wie Weizen, Gerste, Hafer und Roggen. Neben den direkten Saugschäden an den Blättern und insbesondere an den Ähren ist dieser Schädling vor allem als Vektor für pflanzenpathogene Viren gefürchtet.

Besonders kritisch ist die Übertragung des Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV), das bereits bei geringer Befallsdichte im Herbst zu drastischen Ertragseinbußen führen kann. Im Sommer führt ein starker Befall der Ähren zu Schmachtkornbildung und einer verminderten Tausendkornmasse. Die Ausscheidungen der Läuse (Honigtau) begünstigen zudem die Ansiedlung von Schwärzepilzen, was die Assimilationsleistung der Kulturen weiter beeinträchtigt und die Kornqualität mindert.

Typ
Schädling
EPPO-Code
MACSAV
Wirte
10 Kulturen
Generationen
Mehrere überlappende Generationen pro Saison
Verbreitung
Sitobion avenae ist weltweit in allen gemäßigten Getreideanbaugebieten verbreitet und gilt insbesondere in Mittel- und Westeuropa als einer der ertragswirksamsten tierischen Schaderreger im Getreidebau.
Erstbeschreibung
Fabricius, 1775

Biologie / Lebenszyklus

Die Überwinterung von Sitobion avenae erfolgt entweder anholozyklisch als aktive Junglaus oder adultes Tier an Wintergetreide und Gräsern oder holozyklisch als Winterei. Im Frühjahr entwickeln sich aus den Gründerinnen (Fundatrices) durch ungeschlechtliche Vermehrung (Parthenogenese) rasch dichte Kolonien, die zunächst die oberen Laubblätter besiedeln. Mit dem Ährenschieben (ab BBCH 51) wandern die Läuse bevorzugt auf die Ähren ab, wo sie sich aufgrund der hohen Nährstoffkonzentration rasant vermehren. Bei Überbevölkerung oder nachlassender Nahrungsqualität bilden sich geflügelte Formen (Alatae), die neue Bestände infizieren, bevor im Herbst die Eiablage für die nächste Generation erfolgt.

Bonitur

Die Überwachung der Bestände sollte im Frühjahr ab dem Schossen (BBCH 30–32) beginnen, wobei der Fokus ab dem Ährenschieben (BBCH 51) bis zur Milchreife (BBCH 75) auf den Ähren liegt. Zur Ermittlung der Schadensschwelle werden an mehreren Stellen im Feld zufällig 100 Halme bzw. Ähren auf Blattlausbesatz kontrolliert. Als Richtwert für eine gezielte Behandlung gilt in der Phase von der Blüte bis zur beginnenden Milchreife (BBCH 61–73) ein Befall von 3 bis 5 Blattläusen pro Ähre bzw. wenn 60 bis 80 % der Ähren mit mindestens einer Laus besiedelt sind. Nützlinge müssen bei der Entscheidung unbedingt berücksichtigt werden, da sie das Populationswachstum oft effektiv begrenzen.

Symptome

Ein Befall äußert sich zunächst durch das Auftreten von grünen bis rötlich-braunen, relativ langbeinigen Blattläusen mit auffällig dunklen Siphonen an den Blättern und später direkt an den Spindeln und Spelzen der Ähren. Typische Saugsymptome sind lokale Vergilbungen der Blätter und Kümmerwuchs der Ähren. Bei starkem Befall sind die Ähren mit klebrigem Honigtau überzogen, auf dem sich sekundär dunkle Schwärzepilze (Rußtau) ansiedeln, was den betroffenen Kulturen ein schmutzig-graues Aussehen verleiht. Bei einer frühen Virusübertragung im Herbst zeigen sich im Frühjahr nesterweise gelb (Weizen, Gerste) oder rot (Hafer) verfärbte, im Wachstum gehemmte Pflanzen.

Integriertes Management

Das integrierte Management basiert auf einer Kombination aus pflanzenbaulichen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Ackerbaulich mindern eine angepasste Stickstoffdüngung (Vermeidung von Mastigkeit) und die Förderung von Nützlingen durch Blühstreifen das Befallsrisiko. Der Schutz natürlicher Feinde (z. B. räuberische Laufkäfer, Spinnen, Schlupfwespen) steht im Vordergrund, weshalb nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel bevorzugt werden sollten. Chemische Behandlungen mit zugelassenen Insektiziden dürfen streng nur nach Überschreiten der Schadensschwellen erfolgen. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein konsequentes Wirkstoffklassenmanagement gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten, indem Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen alternierend eingesetzt werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie beeinflusst die Witterung das Schadpotenzial von Sitobion avenae im Sommer?

Warme und mäßig trockene Witterungsbedingungen im Frühsommer fördern die Vermehrungsrate der Großen Getreideblattlaus massiv, was zu einer explosionsartigen Populationsentwicklung während des Ährenschiebens führen kann. Demgegenüber reduzieren anhaltende, kräftige Niederschläge den Besatz mechanisch, indem sie die Läuse von den Ähren abwaschen, und fördern gleichzeitig pilzliche Krankheitserreger (Entomophthorales), die die Blattlauspopulationen natürlich dezimieren.

Warum ist die Bekämpfung im Herbst oft kritischer als die Sommerbehandlung an der Ähre?

Im Herbst fliegen die geflügelten Blattläuse in die frisch auflaufenden Wintergetreidebestände ein und übertragen das Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV). Da bereits sehr wenige infizierte Vektoren ausreichen, um nesterweise Infektionen mit fatalen Ertragsverlusten zu verursachen, liegt der Fokus im Herbst auf der Verhinderung der Virusübertragung (Vektorenbekämpfung), während im Sommer die direkte Saugleistung an der Ähre im Vordergrund steht.

Wie kann ich das Auftreten von Resistenzen bei der chemischen Regulierung verhindern?

Um Resistenzen vorzubeugen, müssen die Vorgaben des IRAC (Insecticide Resistance Action Committee) strikt beachtet werden. Dies bedeutet, dass Pyrethroide (IRAC-Gruppe 3A) nicht wiederholt solo appliziert werden sollten, sondern im Wechsel mit anderen Wirkstoffklassen (wie z. B. Flonicamid, IRAC-Gruppe 29) einzusetzen sind. Zudem sollte eine Behandlung nur bei tatsächlichem Überschreiten der regionalen Schadensschwellen durchgeführt werden.

Welche Rolle spielen Nützlinge bei der Entscheidung über eine Pflanzenschutzmittelanwendung?

Nützlinge wie Marienkäfer (Adulte und Larven), Schwebfliegenlarven, Florfliegen und Schlupfwespen können Blattlauspopulationen extrem schnell zusammenbrechen lassen. Findet man bei der Bonitur im BBCH-Bereich 61–75 im Schnitt ein Verhältnis von etwa 1 Nützling zu 50–100 Blattläusen, kann auf eine chemische Behandlung meist verzichtet werden, da die biologische Selbstregulation ausreicht.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutzen Sie die Such- und Filterfunktionen in unserem Pflanzenschutz-Hub. Filtern Sie gezielt nach der Kultur (z. B. Winterweizen), dem Schaderreger "Große Getreideblattlaus" (Sitobion avenae) und Ihrem Zulassungsland, um eine aktuelle Liste aller registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen, Wartezeiten und Anwendungsbestimmungen zu erhalten.

Bis zu welchem BBCH-Stadium ist eine Bekämpfung der Großen Getreideblattlaus wirtschaftlich sinnvoll?

Eine gezielte Behandlung gegen Saugschäden an den Ähren ist in der Regel nur bis zum Ende der Milchreife (BBCH 77) wirtschaftlich begründbar. Sobald die Teigreife (BBCH 83) erreicht ist, sind die Körner bereits so weit ausgebildet und verfestigt, dass die Saugtätigkeit der Läuse keinen signifikanten Einfluss mehr auf die Tausendkornmasse hat und die Wartezeiten der Pflanzenschutzmittel eine Anwendung verbieten.