Große Getreideblattlaus
Die Große Getreideblattlaus (Sitobion avenae, EPPO-Code: MACSAV) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im europäischen Getreidebau. Sie besiedelt vorzugsweise Kulturen wie Weizen, Gerste, Hafer und Roggen. Im Gegensatz zu anderen Blattlausarten bevorzugt dieser Schädling ab dem Ährenschieben die Ähren der Kulturen, wo er durch seine Saugtätigkeit direkt die Ertragsbildung und die Kornqualität beeinträchtigt.
Neben den direkten Saugschäden, die zu einer Reduktion des Tausendkorngewichts (TKG) führen, ist dieser Schaderreger ein hocheffizienter Vektor für pflanzenpathogene Viren. Besonders die Übertragung des Gerstengelbverzwergungs-Virus (BYDV) in den frühen Entwicklungsstadien im Herbst kann zu drastischen Ertragsausfällen führen. Die Relevanz des Schädlings hat in den letzten Jahren durch mildere Winter und veränderte Anbaubedingungen in Mitteleuropa weiter zugenommen.
Biologie / Lebenszyklus
Die Überwinterung von *Sitobion avenae* erfolgt in Mitteleuropa entweder anholozyklisch als aktive Jungfer an Wintergetreide und Gräsern oder holozyklisch als Winterei. Im Frühjahr entwickeln sich aus den überwinterten Stadien ungeflügelte Morphen, die sich parthenogenetisch vermehren und rasch dichte Kolonien aufbauen. Sobald die Populationsdichte steigt oder die Qualität der Wirtspflanze abnimmt, entstehen geflügelte Morphen, die ab dem Ährenschieben gezielt in die Getreidebestände einfliegen. Im Spätsommer und Herbst wandern die Läuse auf Gräser oder frisch auflaufendes Wintergetreide ab, wo sich bei sinkenden Temperaturen die geschlechtliche Generation zur Eiablage formiert.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte ab dem Beginn des Ährenschiebens (BBCH 51) bis zum Ende der Blüte (BBCH 69) durchgeführt werden. Kontrolliere hierzu wöchentlich mindestens 50 bis 100 zufällig ausgewählte Ähren diagonal im Schlag auf Befall. Die klassische Schadensschwelle in der Phase der Blüte bis zur beginnenden Milchreife (BBCH 61–73) liegt bei etwa 3 bis 5 Blattläusen pro Ähre bzw. wenn 60 bis 80 % der Ähren mit mindestens einer Blattlaus besiedelt sind. Bei hoher Aktivität von natürlichen Gegenspielern wie Marienkäfern oder Schwebfliegenlarven kann die Schadensschwelle nach oben angepasst werden, da diese Nützlinge die Population oft effektiv regulieren.
Symptome
Die Symptome äußern sich primär durch die sichtbare Koloniebildung an den Ährenspindeln, den Deck- und Spelzenblättern sowie an den obersten Laubblättern. Durch den Entzug von Assimilaten kommt es zu Kümmerkornbildung, einer vorzeitigen Notreife einzelner Ährenteile (Schmachtkorn) und einer Reduktion des Tausendkorngewichts. Zudem scheiden die Blattläuse klebrigen Honigtau aus, auf dem sich sekundär Rußtaupilze ansiedeln. Dies führt zu einer charakteristischen Schwarzfärbung der Ähren, was die Photosyntheseleistung der Kultur massiv beeinträchtigt und die Kornqualität mindert. Bei herbstlichem Befall und anschließender Virusübertragung (BYDV) zeigen sich nesterweise gelb oder rot verfärbte, im Wuchs gestauchte Pflanzen.
Integriertes Management
Das integrierte Management basiert auf einer Kombination aus pflanzenbaulichen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Eine späte Aussaat von Wintergetreide im Herbst verringert das Risiko eines frühen Zuflugs und damit einer BYDV-Infektion. Die Schonung und gezielte Förderung von natürlichen Gegenspielern (z. B. durch das Anlegen von Blühstreifen und eine nützlingsschonende Wirkstoffwahl) steht im Fokus der biologischen Kontrolle. Wenn die Schadensschwellen überschritten werden und eine chemische Behandlung notwendig ist, sollten selektive Pflanzenschutzmittel bevorzugt werden. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten; wechsle daher zwischen verschiedenen Wirkstoffklassen (z. B. Pyrethroide und spezifische Fraß- und Kontaktgifte wie Flonicamid) und vermeide wiederholte Anwendungen desselben Wirkmechanismus.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich die Große Getreideblattlaus im Feld von anderen Getreideblattläusen?
*Sitobion avenae* ist meist grün bis rötlich-braun gefärbt und zeichnet sich durch auffällig lange, komplett schwarze Siphonen (Hinterleibsröhren) sowie lange, dunkle Beine aus. Im Gegensatz zur Bleichen Getreideblattlaus (*Metopolophium dirhodum*), die vor allem auf den Blättern sitzt und einen hellen Längsstreifen hat, findest du die Große Getreideblattlaus ab dem Ährenschieben fast ausschließlich direkt an den Ähren.
Ab welchem BBCH-Stadium ist eine chemische Behandlung nicht mehr wirtschaftlich?
Eine Behandlung gegen die Große Getreideblattlaus ist ab dem Stadium der Teigreife (ab BBCH 83) in der Regel nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll. Zu diesem Zeitpunkt sind die Ertragskomponenten bereits weitgehend festgelegt, und die Saugtätigkeit hat kaum noch Einfluss auf das Tausendkorngewicht. Beachte zudem immer die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit der eingesetzten Pflanzenschutzmittel bis zur Ernte.
Welchen Einfluss hat das Wetter auf die Populationsdynamik von *Sitobion avenae*?
Warme und trockene Witterung im Frühsommer fördert die Vermehrung der Blattläuse massiv, da sich die Entwicklungszyklen verkürzen. Starkregen und anhaltend feuchtkühle Witterung hingegen dezimieren die Populationen mechanisch und begünstigen das Auftreten von entomopathogenen Pilzen, die die Blattläuse natürlicherweise abtöten.
Wie kann ich im Farmable-Hub registrierte Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger finden?
Nutze im Hub die Filterfunktion für Schaderreger und suche gezielt nach "Große Getreideblattlaus" oder dem EPPO-Code "MACSAV". Das System listet dir alle in deiner Region für die jeweilige Kultur zugelassenen Pflanzenschutzmittel auf, inklusive der aktuellen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen und einzuhaltenden Wartezeiten.
Warum spielen Nützlinge bei der Regulierung von *Sitobion avenae* eine so tragende Rolle?
Da sich Blattläuse durch Jungfernzeugung extrem schnell vermehren können, laufen chemische Behandlungen ohne die Unterstützung von Nützlingen oft ins Leere, da verbliebene Individuen rasch neue Kolonien bilden. Marienkäfer, Schwebfliegenlarven und Schlupfwespen können den Befall oft unter der Schadensschwelle halten. Wähle daher bevorzugt nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel, um diese natürlichen Helfer im Feld zu schonen.
Kann ich durch die Sortenwahl das Risiko für Schäden durch die Große Getreideblattlaus minimieren?
Ja, es gibt deutliche Sortenunterschiede hinsichtlich der Anfälligkeit und Toleranz von Getreidekulturen. Einige Weizensorten besitzen mechanische Barrieren wie eine stärkere Behaarung oder ausgeprägte Wachsschichten auf den Spelzen, die den Blattläusen die Nahrungsaufnahme erschweren. Achte bei der Sortenwahl auf die offiziellen Beschreibungen zur Blattlaus- und Virustoleranz (insbesondere BYDV).