Hederich
Der Ackerrettich (Raphanus raphanistrum), im deutschen Sprachraum auch häufig als Hederich bezeichnet, ist ein weit verbreitetes, einjähriges Samenunkraut aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Unter dem EPPO-Code RAPRA klassifiziert, stellt dieser Schaderreger vor allem im Getreidebau eine erhebliche Konkurrenz für die Hauptkulturen dar. Er keimt bevorzugt im Frühjahr, kann jedoch bei milden Witterungsverhältnissen auch im Herbst auflaufen und als Winterannuelle überdauern.
Die wirtschaftliche Relevanz des Ackerrettichs ergibt sich aus seiner enormen Konkurrenzkraft um Licht, Wasser und Nährstoffe. Bereits geringe Dichten können erhebliche Ertragseinbußen in Kulturen wie Winterweizen, Sommergerste oder Hafer verursachen. Zudem erschweren die verholzenden Stängel die Ernte, und die im Erntegut verbleibenden Samen mindern die Qualität des Getreides erheblich, da sie Senfölglykoside enthalten, die für Mensch und Tier toxisch oder geschmacksbeeinträchtigend sein können.
Der Schaderreger tritt bevorzugt auf kalkarmen, mäßig sauren bis neutralen Sand- und Lehmböden auf. Er ist in ganz Europa verbreitet und gilt als klassischer Begleiter des intensiven Ackerbaus, besonders in Fruchtfolgen mit hohem Getreideanteil.
Biologie / Lebenszyklus
Die Keimung von *Raphanus raphanistrum* erfolgt primär im zeitigen Frühjahr bei Bodentemperaturen ab etwa 2 bis 5 °C, wobei vor allem die oberste Bodenschicht (0–5 cm) als Keimzentrum dient. Nach dem schnellen Auflaufen bildet das Unkraut zunächst eine flach aufliegende Blattrosette, gefolgt von einer raschen Streckung des Blütensprosses ab Mai. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis in den Herbst hinein, wobei die Bestäubung hauptsächlich durch Insekten erfolgt. Die reifenden Gliederschoten zerfallen bei der Reife in einzelne, einsamige Teilglieder, die nicht aufspringen, sondern als Ausbreitungseinheit im Boden verbleiben. Ein einzelnes Exemplar kann unter optimalen Bedingungen bis zu 10.000 Samen produzieren, die im Boden eine extreme Langlebigkeit aufweisen.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte bereits im zeitigen Frühjahr direkt nach dem Auflaufen der Kulturen beginnen. Achte besonders im BBCH-Stadium 13 bis 29 des Getreides (Dreiblattstadium bis Ende der Bestockung) auf die charakteristischen, behaarten Keim- und Laubblätter des Unkrauts. Die wirtschaftliche Schadensschwelle im Getreide liegt je nach Ertragserwartung und Konkurrenzkraft der Kultur bei etwa 2 bis 5 Pflanzen pro Quadratmeter. Eine rechtzeitige Bonitur ist entscheidend, da die Behandlung im frühen Rosettenstadium (BBCH 10–19 des Unkrauts) den höchsten Wirkungsgrad aufweist und spätere Anwendungen deutlich höhere Aufwandmengen erfordern oder unzureichend wirken.
Integriertes Management
Die Bekämpfung des Ackerrettichs erfordert eine integrierte Strategie, die mechanische, pflanzenbauliche und chemische Maßnahmen kombiniert. Pflanzenbaulich helfen eine weite Fruchtfolge mit einem ausgewogenen Verhältnis von Sommer- und Winterkulturen sowie der Anbau konkurrenzstarker Zwischenfrüchte, den Samendruck im Boden zu reduzieren. Eine flache Stoppelbearbeitung direkt nach der Ernte regt die Keimung der ausgefallenen Samen an, die anschließend mechanisch beseitigt werden können. Chemisch lässt sich der Schaderreger im Getreide gut mit Herbiziden im Nachauflauf bekämpfen. Um der Entstehung von Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement nach den HRAC-Richtlinien unerlässlich; wechsle regelmäßig zwischen verschiedenen Wirkstoffklassen (z. B. ALS-Inhibitoren der HRAC-Gruppe B und synthetischen Auxinen der HRAC-Gruppe O) und vermeide den einseitigen Einsatz identischer Wirkmechanismen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidest du Ackerrettich im Keimblattstadium sicher vom Ackersenf?
Achte auf die Form der Keimblätter: Die Keimblätter des Ackerrettichs (*Raphanus raphanistrum*) sind nierenförmig und am Stiel tief herzförmig eingeschnitten, während die des Ackersenfs (*Sinapis arvensis*) eher breit-herzförmig und weniger tief eingebuchtet sind. Zudem sind die ersten Laubblätter des Ackerrettichs meist leierförmig fiederspaltig mit einem großen Endlappen, während Ackersenfblätter ungeteilt und lediglich gezähnt sind.
Welche HRAC-Klassen sind besonders von Resistenzen beim Ackerrettich betroffen und wie reagierst du darauf?
Weltweit und auch in Europa gibt es zunehmend Berichte über Resistenzen von *Raphanus raphanistrum* gegenüber ALS-Inhibitoren (HRAC-Gruppe B). Um dem entgegenzuwirken, solltest du Tankmischungen oder Spritzfolgen mit Wirkstoffen aus anderen Gruppen nutzen, beispielsweise mit synthetischen Auxinen (HRAC-Gruppe O) oder Photosynthese-Inhibitoren (HRAC-Gruppe C3), und den mechanischen Pflanzenschutz konsequent in deine Strategie integrieren.
Warum ist die chemische Behandlung im späten BBCH-Stadium des Ackerrettichs so schwierig?
Sobald der Ackerrettich das Rosettenstadium verlässt und den Blütenspross streckt (ab BBCH 30 des Unkrauts), lagert die Pflanze vermehrt Lignin in den Stängeln ein und bildet eine dickere Wachsschicht auf den Blättern. Dies erschwert die Aufnahme von Pflanzenschutzmitteln massiv. Zudem nimmt die Empfindlichkeit gegenüber vielen Herbiziden im Zuge der Blütenknospenentwicklung drastisch ab, weshalb du Behandlungen immer im frühen Rosettenstadium durchführen solltest.
Wie lange bleiben die Samen des Ackerrettichs im Boden keimfähig und was bedeutet das für deine Bodenbearbeitung?
Die Samen besitzen eine extrem ausgeprägte Keimruhe (Dormanz) und können im Boden problemlos 10 bis über 20 Jahre überdauern. Pflügst du tief, vergräbst du frische Samen in tiefere Schichten, wo sie konserviert werden; holst du sie Jahre später wieder hoch, keimen sie sofort. Setze daher nach einem starken Samenfall auf eine flache, konservierende Bodenbearbeitung, um die Keimung in der obersten Schicht anzuregen und die Keimlinge mechanisch zu regulieren.
Wie findest du im Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen Ackerrettich?
Nutze die Such- und Filterfunktion in unserem Hub, indem du nach dem EPPO-Code "RAPRA" oder dem deutschen Namen "Ackerrettich" filterst. Dort werden dir alle aktuell beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) registrierten Pflanzenschutzmittel mit ihren spezifischen Auflagen, der zugelassenen Aufwandmenge und der Wartezeit für deine jeweilige Kultur angezeigt.