Sommerroggen
Sommerroggen (Secale cereale, EPPO-Code: SECCS) ist eine traditionsreiche Getreideart, die in der modernen Landwirtschaft vor allem auf Grenzertragsstandorten oder als verlässliche Zweitfrucht nach späträumenden Vorfrüchten angebaut wird. Im Vergleich zum ertragsstärkeren Winterroggen zeichnet sich diese Kultur durch eine sehr kurze Vegetationszeit und eine ausgeprägte Anspruchslosigkeit gegenüber Boden- und Klimabedingungen aus. Sie dient in der landwirtschaftlichen Praxis zudem als wichtige Versicherungskultur, um Auswinterungsschäden bei Wintergetreide im zeitigen Frühjahr schnell und produktiv auszugleichen.
Dank eines tiefreichenden und hocheffizienten Wurzelsystems kann Sommerroggen auch in trockenen Frühjahren Wasser und Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten erschließen. Die Kultur besitzt eine rasche Jugendentwicklung, wodurch sie Unkräuter in der frühen Wachstumsphase effektiv unterdrückt. Dennoch erfordert der Anbau eine präzise Führung bezüglich der Standfestigkeit, da das Halmwachstum im Verhältnis zur kurzen Vegetationsperiode sehr intensiv ist und die Gefahr von Lagerbildung minimiert werden muss.
Bodenmanagement
Sommerroggen stellt im Vergleich zu anderen Sommergetreidearten extrem geringe Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit und gedeiht selbst auf leichten, sandigen und sauren Standorten mit niedrigem pH-Wert hervorragend. Die Bodenbearbeitung sollte im Frühjahr so flach wie möglich erfolgen, um die wertvolle Winterfeuchtigkeit im Saatbett zu erhalten. Eine moderate Stickstoffdüngung von insgesamt 80 bis 110 kg N/ha, aufgeteilt in eine Startgabe zur Saat und eine Folgedüngung zum Schossen, ist in der Regel ausreichend für stabile Erträge. Überdüngung muss zwingend vermieden werden, da sie die Lagerneigung der ohnehin langstrohigen Kultur massiv erhöht. Eine gezielte Zufuhr von Grundnährstoffen wie Phosphor und Kalium fördert die Standfestigkeit und unterstützt die Wurzelbildung auf nährstoffarmen Böden.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz im Sommerroggen konzentriert sich primär auf die Absicherung der Standfestigkeit und die Gesunderhaltung des Blattapparates. Da die Kultur sehr schnell schosst, ist der rechtzeitige Einsatz von Wachstumsregulatoren im BBCH-Stadium 31/32 entscheidend, um Halmknicken und Lager zu verhindern. Zu den wichtigsten pilzlichen Schaderregern gehören Rhynchosporium-Blattflecken (Rhynchosporium secalis) und Braunrost, gegen die bei Überschreiten der Schadschwellen gezielte Fungizid-Anwendungen durchgeführt werden sollten. Eine besondere Gefahr stellt der Befall mit Mutterkorn dar, weshalb eine gleichmäßige Blüte ohne Stressphasen und die Vermeidung von Zwiewuchs durch eine angepasste Saatstärke angestrebt werden muss. Herbizid-Anwendungen gegen typische Unkräuter wie die Kamille oder den Windhalm erfolgen meist im frühen Nachauflauf, um die Konkurrenz in der kritischen Phase der Bestockung auszuschalten.
Sorten
Arantes
mittelspätSehr ertragsstabil auf leichten Standorten, gute Kornqualität.
Resistent gegen: Mehltau, Braunrost
Anfällig für: Mutterkorn
Eine der am häufigsten angebauten Sommerroggensorten in Deutschland mit ausgeglichenen agronomischen Eigenschaften.
Oiko
mittelfrühMäßiger bis mittlerer Ertrag, aber sehr gute Unkrautunterdrückung.
Resistent gegen: Rhynchosporium
Anfällig für: Lagerung
Besonders für den ökologischen Landbau und Grenzertragsstandorte geeignet.
Somro
mittelGute Ertragsleistungen im Trockengebiet.
Resistent gegen: Mehltau
Anfällig für: Braunrost, Mutterkorn
Zeichnet sich durch eine schnelle Jugendentwicklung und gute Trockenheitstoleranz aus.
Inspector
mittelspätÜberdurchschnittliche Kornerträge bei hoher Sortierung.
Resistent gegen: Braunrost
Anfällig für: Mehltau
Moderne Sorte mit verbesserter Standfestigkeit und hoher Tausendkornmasse.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist die Saatzeit bei Sommerroggen im Vergleich zu anderen Sommergetreidearten besonders früh anzusetzen?
Sommerroggen benötigt für eine ausreichende Bestockung kühle Temperaturen und Kurztagbedingungen. Eine sehr frühe Aussaat ab Februar nutzt die Winterfeuchtigkeit optimal aus und gibt der Kultur genügend Zeit, vor dem temperaturgesteuerten Schossen kräftige Nebentriebe auszubilden, was den Einzelährenertrag maßgeblich sichert.
Wie lässt sich das Risiko von Mutterkornbefall (Claviceps purpurea) im Sommerroggen pflanzenbaulich minimieren?
Da Roggen ein Fremdbefruchter ist, begünstigt eine ungleichmäßige oder verzögerte Blüte (z. B. durch Zwiewuchs) die Infektion mit Mutterkorn. Landwirte sollten auf eine homogene Saatbettbereitung, eine gleichmäßige Ablagetiefe und den Verzicht auf späte Stickstoffgaben achten, um Zwiewuchs zu verhindern und ein kurzes, kompaktes Blühfenster zu fördern.
Welche Rolle spielen Wachstumsregulatoren beim Anbau von Sommerroggen und wann ist der optimale Anwendungszeitpunkt?
Aufgrund des extrem schnellen Längenwachstums im Frühjahr neigt Sommerroggen stark zu Lager. Eine gezielte Anwendung von Wachstumsregulatoren (z. B. auf Basis von Chlormequat oder Trinexapac-ethyl) im BBCH-Stadium 31/32 (Ein- bis Zweiknotenstadium) ist essenziell, um die Halmbasis zu stärken und das Risiko von Ernteverlusten zu minimieren.
Wie unterscheidet sich die Düngestrategie von Sommerroggen von der des Winterroggens?
Sommerroggen hat eine deutlich kürzere Vegetationszeit und benötigt daher eine kompaktere Nährstoffbereitstellung. Während beim Winterroggen drei Stickstoffgaben üblich sind, reichen beim Sommerroggen meist zwei Gaben aus: Eine betonte Startgabe zur Saat (ca. 50–60 % des Gesamtbedarfs) zur Förderung der Bestockung und eine zweite Gabe zum Schossen (BBCH 30/31) zur Ertragssicherung.
Kann Sommerroggen als direkte Nachkultur nach einem Umbruch von ausgewintertem Wintergetreide genutzt werden?
Ja, Sommerroggen ist die klassische Notkultur bei Auswinterungsschäden. Da er sehr geringe Ansprüche an das Saatbett stellt und schnell keimt, kann er im zeitigen Frühjahr ohne tiefen Pflugeinsatz direkt in die umgebrochene Fläche gesät werden, wobei eventuell bereits ausgebrachte Herbizide der Vorfrucht beachtet werden müssen.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Rhynchosporium secalis in Sommerroggen?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub der Plattform und filtern Sie gezielt nach der Kultur 'Sommerroggen' (oder dem EPPO-Code SECCS) und dem Schaderreger 'Rhynchosporium secalis'. Das System listet Ihnen alle aktuell in Deutschland zugelassenen Fungizide inklusive der spezifischen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen und einzuhaltenden Wartezeiten auf.