Sommerroggen
Sommerroggen (EPPO-Code: SECCS) ist eine traditionsreiche Getreideart, die in der landwirtschaftlichen Praxis vor allem als reaktionsschnelle Ausgleichskultur genutzt wird. Sie kommt dann zum Tragen, wenn die Aussaat von Wintergetreide im Herbst witterungsbedingt scheiterte oder Frostschäden im Frühjahr umgebrochen werden müssen. Botanisch gehört diese Kultur zur Familie der Süßgräser (Poaceae). Im Vergleich zum ertragsstärkeren Winterroggen zeichnet sich Sommerroggen durch eine deutlich kürzere Vegetationszeit aus, stellt jedoch gleichzeitig weitaus geringere Ansprüche an Boden und Wasserversorgung als Sommergerste oder Sommerweizen.
Die Kultur eignet sich hervorragend für leichtere, sandige Standorte sowie für raue Höhenlagen, in denen andere Sommergetreidearten unrentabel werden. Da Sommerroggen keinen Kältereiz (Vernalisation) zur Schossauslösung benötigt, kann er sehr flexibel im zeitigen Frühjahr ausgesät werden. Er liefert ein backfähiges Korn mit dem charakteristisch kräftigen Roggenaroma und dient zudem als wertvolles Futtergetreide sowie als Substratpartner in der Biogasproduktion.
Bodenmanagement
Sommerroggen stellt im Vergleich zu anderen Sommergetreidearten geringe Ansprüche an den Boden und gedeiht selbst auf sandigen, nährstoffarmen Standorten mit niedrigem pH-Wert gut. Für eine optimale Keimung solltest du ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett herstellen, um den Bodenschluss für das Saatgut zu sichern. Da die Kultur eine schnelle Jugendentwicklung aufweist, ist eine moderate Stickstoffdüngung zu Vegetationsbeginn entscheidend, um die Bestockung zu fördern, ohne die Standfestigkeit zu gefährden. Eine zweite Gabe kann zum Schossen (BBCH 30–32) erfolgen, wobei die Gesamtdüngung stets an das Ertragspotenzial des Standorts angepasst werden muss. Achte darauf, Bodenverdichtungen vor der Aussaat mechanisch zu lockern, da das Wurzelsystem des Sommerroggens zwar tief reicht, aber empfindlich auf Staunässe reagiert.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz im Sommerroggen konzentriert sich primär auf die Regulierung von Unkräutern und den Schutz vor pilzlichen Schaderregern. Aufgrund der raschen Jugendentwicklung kann die Kultur Unkräuter wie den Gemeinen Windhalm (Apera spica-venti) oder die Geruchlose Kamille (Tripleurospermum inodorum) oft gut unterdrücken, dennoch ist bei starkem Besatz eine gezielte Herbizidanwendung im frühen Frühjahr ratsam. Zu den wichtigsten pilzlichen Schaderregern gehören die Blattfleckenkrankheit (Rhynchosporium secalis) und die Spelzenbräune (Parastagonospora nodorum), die insbesondere bei feucht-warmer Witterung ab dem Schossen auftreten können. Ein rechtzeitiges Monitoring der Bestände ab BBCH 31 hilft dir, den optimalen Behandlungszeitpunkt für Fungizide zu bestimmen und Ertrags- sowie Qualitätsverluste zu minimieren. Achte bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel auf die Resistenzvermeidung durch den gezielten Wirkstoffwechsel und halte die vorgeschriebenen Wartezeiten strikt ein.
Sorten
Arantes
mittelfrühErtragsstarke Sorte mit stabiler Fallzahl und guter Kornqualität.
Resistent gegen: Mehltau
Anfällig für: Braunrost
Arantes ist eine der am häufigsten angebauten Sommerroggensorten in Deutschland und zeichnet sich durch eine gute Standfestigkeit aus.
Oiko
mittelspätSolide Erträge auch auf sehr leichten Standorten.
Resistent gegen: Braunrost
Anfällig für: Mutterkorn
Besonders geeignet für trockenheitsgefährdete Standorte und den ökologischen Landbau aufgrund der guten Unkrautunterdrückung.
Inspector
mittelfrühHohes Ertragspotenzial bei optimierter Stickstoffdüngung.
Resistent gegen: Rhynchosporium-Blattflecken
Anfällig für: Mehltau
Zeigt eine sehr rasche Jugendentwicklung und eignet sich hervorragend zur Kompensation von Auswinterungsschäden.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Herbizidbehandlung im Sommerroggen?
Die Unkrautregulierung solltest du idealerweise im frühen Frühjahr im BBCH-Stadium 13 bis 29 durchführen. Da Sommerroggen eine sehr rasche Jugendentwicklung aufweist, unterdrückt er spätere Unkrautwellen meist effektiv von selbst. Eine rechtzeitige Behandlung gegen Schaderreger wie den Gemeinen Windhalm oder Taubnessel-Arten sichert der Kultur den nötigen Wachstumsvorsprung.
Wie reagiert Sommerroggen auf Frühjahrstrockenheit im Vergleich zu Sommergerste?
Dank seines tiefreichenden und weit verzweigten Wurzelsystems ist Sommerroggen deutlich toleranter gegenüber Vorsommertrockenheit als Sommergerste. Dennoch benötigt die Kultur während des Schossens (BBCH 31 bis 39) eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit, da starker Wassermangel in dieser Phase die Ährenanlage und die Kornzahl pro Ähre reduzieren kann.
Welche Rolle spielt der Einsatz von Wachstumsreglern bei dieser Kultur?
Sommerroggen bildet oft ein relativ langes und elastisches Stroh aus. Auf gut mit Stickstoff versorgten Standorten oder bei hoher Bestandesdichte solltest du im BBCH-Stadium 31/32 den Einsatz eines Wachstumsreglers einplanen, um Lagerbildung vorzubeugen. Dies sichert nicht nur die Erntequalität, sondern senkt auch das Risiko für Sekundärinfektionen mit Pilzkrankheiten.
Wie kann ich das Risiko von Mutterkorninfektionen bei Sommerroggen minimieren?
Da Roggen als Fremdbefruchter während der Blüte (BBCH 61–69) bei kühler, feuchter Witterung anfällig für Mutterkorn ist, solltest du auf eine gleichmäßige Bestandesentwicklung achten. Vermeide späte Stickstoffgaben, die zu unerwünschten Spättrieben (Zwiespalt) führen, da diese zeitlich versetzt blühen und somit eine ideale Eintrittspforte für den Pilz bieten.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel für Sommerroggen?
Nutze hierzu einfach unsere Produktsuche im Hub. Filtere dort nach der Kultur 'Sommerroggen' (oder suche gezielt nach dem EPPO-Code SECCS) und wähle die entsprechende Indikation – wie etwa Fungizide gegen Rhynchosporium secalis oder Herbizide gegen Kamille-Arten –, um alle aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten anzuzeigen.