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Pilz

Phomopsis viticola

Diaporthe neoviticola
PHOPVI

Die Schwarzfleckenkrankheit, verursacht durch den pilzlichen Schaderreger Diaporthe neoviticola (EPPO-Code: PHOPVI, oft noch unter dem alten Namen Phomopsis viticola bekannt), gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Pilzkrankheiten im Weinbau. Sie tritt weltweit in fast allen Weinbaugebieten auf, insbesondere in Regionen mit feucht-kühlen Frühjahrsmonaten. Ein starker Befall schwächt die Reben nachhaltig, führt zu Knospenausfall im Folgejahr und kann erhebliche Ertragseinbußen verursachen.

Der Schaderreger infiziert vor allem die jungen, grünen Triebe an der Basis sowie die Blätter und Gescheine. Durch das Absterben von einjährigem Holz und die Schwächung der betroffenen Ruten wird die Ertragsfähigkeit der Kultur über Jahre hinweg beeinträchtigt. Daher ist eine frühzeitige Befallserkennung und eine angepasste Strategie im integrierten Pflanzenschutz für jeden Weinbaubetrieb unerlässlich.

Typ
Pilz
EPPO-Code
PHOPVI
Wirte
1 Kultur
Generationen
1 Hauptinfektionszyklus im Frühjahr
Verbreitung
Weltweit in fast allen gemäßigten Weinbauregionen verbreitet, mit besonders hohem Schadpotenzial in feuchten Frühjahrsjahren.
Erstbeschreibung
Reddick, 1909

Biologie / Lebenszyklus

Der Pilz überwintert als Myzel oder in Form von Fruchtkörpern (Pyknidien) in der Rinde des infizierten einjährigen Holzes. Im feuchten Frühjahr quellen bei Temperaturen ab etwa 1 °C (optimal 15–18 °C) rankenartige Sporenmassen (Konidien) aus den Pyknidien aus. Diese werden durch Regenspritzer auf die frisch austreibenden Knospen und jungen Triebe übertragen. Nach der Infektion entwickelt sich das Myzel im Gewebe, führt im Sommer zu den typischen Symptomen und bildet zum Herbst hin neue Überwinterungsorgane, die im Winter zu einer charakteristischen weißlich-grauen Verfärbung des Holzes führen.

Bonitur

Die gezielte Befallskontrolle beginnt bereits beim Rebschnitt im Winter, indem du auf silbrig-weiß verfärbte Ruten mit schwarzen Punkten (Pyknidien) achtest. Während der Vegetationsperiode liegt das kritische Zeitfenster für das Monitoring zwischen dem Knospenaufbruch (BBCH 09) und dem Erscheinen des fünften Blattes (BBCH 15). Da es keine exakten Schadschwellen gibt, solltest du bei feuchter Witterung in diesem BBCH-Bereich und bekannter Vorbelastung der Anlage umgehend eine vorbeugende Behandlung einplanen.

Symptome

Typisch sind längliche, schwarzbraune bis tiefschwarze Flecken an den untersten Internodien der jungen Triebe, die im weiteren Verlauf rissig aufplatzen (Borkenrisse). An den Blättern zeigen sich kleine, nekrotische Flecken mit einem gelblichen Hof, die bei starkem Befall zum Absterben von Blattteilen führen. Im Winter färben sich die befallenen Ruten silbrig-weiß und sind mit winzigen, schwarzen Punkten (den Pyknidien des Pilzes) übersät; betroffene Augen treiben im Frühjahr oft gar nicht oder nur sehr schwach aus.

Integriertes Management

Eine erfolgreiche Regulierung basiert auf einer Kombination aus kulturtechnischen und chemischen Maßnahmen. Beim Winterschnitt musst du infiziertes Holz konsequent herausschneiden und aus der Anlage entfernen oder tief unterpflügen, um das Inokulum zu reduzieren. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten vorbeugend appliziert werden, wobei die erste Anwendung exakt zum Austrieb (BBCH 09 bis 11) erfolgen muss, da älteres Gewebe eine natürliche Resistenz aufweist. Achte im Sinne des Resistenzmanagements darauf, Wirkstoffe aus unterschiedlichen FRAC-Gruppen (z. B. Kontaktfungizide im Wechsel mit systemischen Präparaten) einzusetzen, um Wirkungsverlusten vorzubeugen.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Warum ist die Bekämpfung der Schwarzfleckenkrankheit nach dem BBCH-Stadium 15 meist wirkungslos?

Sobald die Triebe das BBCH-Stadium 15 überschritten haben und das Gewebe altert, bildet die Kultur eine natürliche Festigkeit gegen das Eindringen des Pilzes aus. Zudem sind die kritischen basalen Internodien dann bereits infiziert, wenn kein früher Schutz vorlag. Spätere Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln können bereits etablierte Infektionen im Holz nicht mehr kurativ heilen.

Wie unterscheide ich die Schwarzfleckenkrankheit im Winter von anderen Holzkrankheiten?

Achte beim Rebschnitt auf die charakteristische silbrig-weiße Verfärbung der Rutenrinde, die oft von feinen, schwarzen Punkten (Pyknidien) übersät ist. Im Gegensatz zu Botrytis oder Echtem Mehltau, die eher oberflächliche, bräunliche Flecken hinterlassen, ist das Holz bei Diaporthe neoviticola tiefgehender geschädigt und die Rinde lässt sich leicht faserig ablösen.

Kann ich das Infektionsrisiko allein durch die Wahl der Rebsorte minimieren?

Es gibt keine vollständig resistenten Rebsorten von Vitis vinifera, allerdings variiert die Anfälligkeit erheblich. Sorten wie Müller-Thurgau, Kerner oder Gutedel gelten als besonders empfindlich, während andere Sorten weniger stark reagieren. Dennoch musst du auch bei toleranteren Sorten in feuchten Frühjahren auf eine sorgfältige Hygiene und gegebenenfalls Pflanzenschutzmaßnahmen achten.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutze unsere Produktdatenbank auf agronomy.farmable.tech und filtere gezielt nach der Kultur "Weinrebe" und dem Schaderreger "Schwarzfleckenkrankheit" (Diaporthe neoviticola). Achte bei der Auswahl der gelisteten Pflanzenschutzmittel auf die zugelassenen BBCH-Stadien für die Anwendung sowie auf die FRAC-Klassifizierung, um eine optimale Wirkstoffrotation für dein Resistenzmanagement zu planen.

Welche Rolle spielt die Temperatur bei der Infektion im Frühjahr?

Der Pilz ist an kühle Bedingungen angepasst; Infektionen können bereits bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt (ab ca. 1 °C) stattfinden, sofern freies Wasser auf den Trieben vorhanden ist. Das Temperaturoptimum liegt bei 15–18 °C, weshalb anhaltende, kühle Regenperioden während des Austriebs das absolute Hauptrisiko für schwere Infektionswellen darstellen.

Reicht es aus, das infizierte Schnittholz einfach in den Gassen zu mulchen?

Nein, das einfache Mulchen reicht bei starkem Befall oft nicht aus, da der Schaderreger auf den verbleibenden Holzstücken am Boden mehrere Jahre überleben und Sporen freisetzen kann. Am sichersten ist es, das infizierte Holz komplett aus der Anlage zu entfernen und zu verbrennen oder es tief und sauber in den Boden einzupflügen, um den Infektionskreislauf effektiv zu unterbrechen.