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Pilz

Phomopsis viticola

Diaporthe neoviticola
PHOPVI

Die Schwarzfleckenkrankheit (auch Excoriose genannt) ist eine wirtschaftlich bedeutende Pilzkrankheit im Weinbau, die durch den Erreger Diaporthe neoviticola (syn. Phomopsis viticola, EPPO-Code: PHOPVI) verursacht wird. Der Schaderreger befällt vor allem die Weinrebe (Vitis vinifera) und kann in feuchten Frühjahren erhebliche Schäden an jungen Trieben, Blättern und Gescheinen verursachen. Die Krankheit ist weltweit in fast allen Weinbaugebieten verbreitet, insbesondere dort, wo kühle und niederschlagsreiche Bedingungen den Austrieb der Kulturen begleiten.

Die ökonomische Relevanz der Schwarzfleckenkrankheit resultiert vor allem aus der Schwächung der einjährigen Ruten, die im Winter extrem frostempfindlich werden und beim Biegen im Frühjahr leicht brechen. Zudem führt ein starker Befall zu Ertragsverlusten durch das Absterben von Knospen an der Basis der Ruten sowie durch eine direkte Infektion der Gescheine und Beeren (Phomopsis-Beerenfäule). Dies beeinträchtigt nicht nur die aktuelle Ernte, sondern schränkt auch das Holzpotenzial für den Rebschnitt des Folgejahres massiv ein.

Typ
Pilz
EPPO-Code
PHOPVI
Wirte
1 Kultur
Generationen
Eine Hauptinfektionsperiode im Frühjahr (monozyklischer Charakter bezüglich der Hauptschäden).
Verbreitung
Der Schaderreger ist weltweit in fast allen Weinbauregionen mit feucht-kühlem Frühjahrsklima verbreitet und verursacht dort regelmäßig erhebliche Qualitäts- und Ertragseinbußen durch Knospenausfall und Rutenbruch.

Biologie / Lebenszyklus

Der Pilz überwintert als Myzel oder in Form von kugeligen Fruchtkörpern (Pyknidien) in der Rinde des infizierten einjährigen Holzes, was sich im Winter durch eine typische Weißfärbung der Ruten zeigt. Im Frühjahr, ab Temperaturen von etwa 8 bis 10 °C und bei anhaltender Feuchtigkeit, quellen die Pyknidien auf und entlassen rankenartige Massen von Konidien. Diese Sporen werden durch Regenspritzer auf die frisch austreibenden, jungen grünen Gewebe übertragen. Die Infektion erfolgt vor allem in den frühen BBCH-Stadien (BBCH 09 bis 15) bei langanhaltender Blattnässe, wobei der Pilz direkt durch die Kutikula oder über Spaltöffnungen eindringt. Im Laufe des Sommers werden im infizierten Gewebe neue Pyknidien angelegt, die den Infektionskreislauf für das nächste Jahr sichern.

Bonitur

Das Monitoring beginnt bereits während des Winterschnitts durch die visuelle Bonitur des einjährigen Holzes auf die charakteristische Weißfärbung und schwarze Pyknidienpunkte. Im Frühjahr ist eine engmaschige Überwachung ab dem Knospenaufbruch (BBCH 09) bis zum Erscheinen der ersten Laubblätter (BBCH 15) entscheidend, da die jungen Triebe in dieser Phase am empfindlichsten sind. Eine gezielte Kontrolle ist besonders in feuchten Lagen und nach langanhaltenden Niederschlägen bei Temperaturen zwischen 10 und 15 °C erforderlich. Schadensschwellen im klassischen Sinne existieren nicht; die Notwendigkeit einer Behandlung richtet sich nach der Befallshistorie der Anlage im Vorjahr und den aktuellen Wetterprognosen (Blattnässedauer von mehr als 10 bis 15 Stunden).

Symptome

Im Frühjahr zeigen sich an der Basis junger Triebe längliche, dunkelbraune bis schwarze, oft rissige Nekrosen (Schorfstellen), die dem Trieb ein borkiges Aussehen verleihen. Auf den Blättern entstehen kleine, eckige, dunkelbraune Flecken mit einem hellgelben Hof, die bei starkem Befall zum Absterben von Blattteilen führen. Befallene Gescheine weisen schwarze Verfärbungen auf und können vertrocknen. Im Winter färbt sich die Rinde der infizierten Ruten silbrig-weiß bis gräulich und ist mit zahlreichen winzigen, schwarzen Punkten (den Pyknidien) übersät; dieses Holz ist brüchig und zeigt beim Biegen typische Querrisse.

Integriertes Management

Die Bekämpfung der Schwarzfleckenkrankheit erfordert eine konsequente Kombination aus kulturtechnischen und chemischen Maßnahmen. Zu den wichtigsten vorbeugenden Kulturmaßnahmen gehören der sorgfältige Rückschnitt und das Entfernen bzw. Zerkleinern und Unterpflügen von infiziertem Altholz, um das Inokulum im Weinberg zu reduzieren. Chemische Pflanzenschutzmittel müssen präventiv eingesetzt werden, da eine kurative Behandlung nach erfolgter Infektion nicht mehr möglich ist. Die erste Anwendung erfolgt meist im Stadium des Knospenaufbruchs (BBCH 09) bis zum Erscheinen der ersten Blätter (BBCH 11–13), gefolgt von einer Zweitbehandlung bei anhaltend feuchter Witterung im BBCH-Stadium 15. Zum Einsatz kommen Kontaktfungizide oder systemische Wirkstoffe. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein striktes Wirkstoffmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten, insbesondere durch den Wechsel von Wirkstoffklassen und die Begrenzung der Anzahl der Anwendungen pro Saison.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Warum sind Behandlungen gegen die Schwarzfleckenkrankheit nach dem BBCH-Stadium 19 meist nicht mehr wirtschaftlich?

Das junge Gewebe verliert mit zunehmendem Alter und steigenden Temperaturen im Frühsommer seine hohe Anfälligkeit für Erstinfektionen. Zudem verlagert sich das Triebwachstum nach oben, während die kritischen Infektionen an der Triebbasis (BBCH 09 bis 15) bereits abgeschlossen sind. Spätere Anwendungen zielen meist auf andere Schaderreger wie Oidium oder Peronospora ab, die dann ohnehin miterfasst werden.

Wie unterscheidet sich das Schadbild der Schwarzfleckenkrankheit im Winter von dem des Roten Brenners?

Während der Rote Brenner im Winter keine auffälligen Holz- oder Rindensymptome hinterlässt, zeigt sich die Schwarzfleckenkrankheit am einjährigen Holz durch eine charakteristische weißlich-graue Verfärbung der Rinde (Aufhellung) und das Auftreten zahlreicher kleiner, schwarzer Punkte (Pyknidien). Zudem ist das Holz extrem brüchig.

Welche Rolle spielt die Temperatur bei der Infektion durch Diaporthe neoviticola?

Der Pilz ist bereits bei relativ niedrigen Temperaturen aktiv. Infektionen können schon ab 5 bis 8 °C stattfinden, sofern ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist. Das Temperaturoptimum für die Keimung der Konidien und das Myzelwachstum liegt zwischen 15 und 18 °C, weshalb kühle, nasse Frühjahre besonders gefährlich sind.

Wie kann ich auf agronomy.farmable.tech gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schaderreger suchen?

Nutzen Sie die Such- und Filtersysteme im Pflanzenschutz-Hub der Plattform. Filtern Sie nach der Kultur 'Weinrebe' und wählen Sie als Zielorganismus 'Schwarzfleckenkrankheit' oder den wissenschaftlichen Namen 'Diaporthe neoviticola' aus. Achten Sie darauf, die regionalen Zulassungsdaten und die spezifischen Anwendungsbestimmungen (z. B. maximale Aufwandmenge und Wartezeiten) abzugleichen.

Warum ist das Mulchen des Schnittholzes im Weinberg bei starkem Befall oft nicht ausreichend?

Das Zerkleinern des Holzes beschleunigt zwar den Abbau, beseitigt das Inokulum aber nicht vollständig. Die Pyknidien auf den verbleibenden Holzstücken am Boden können bei Regen im Frühjahr weiterhin Sporen freisetzen. Bei extrem hohem Befallsdruck im Vorjahr ist es daher sicherer, das infizierte Holz komplett aus der Anlage zu entfernen und zu vernichten.

Wie integriere ich die Bekämpfung der Schwarzfleckenkrankheit in ein FRAC-konformes Resistenzmanagement?

Da die frühen Behandlungen oft mit Kontaktfungiziden durchgeführt werden, ist das Resistenzrisiko hierbei gering. Werden jedoch systemische Fungizide wie Strobilurine (FRAC-Gruppe 11) oder SDHI (FRAC-Gruppe 7) eingesetzt, müssen diese zwingend im Wechsel mit anderen Wirkstoffklassen angewendet und die maximalen Anwendungshäufigkeiten pro Saison strikt eingehalten werden, um Selektionsdruck zu vermeiden.