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Sonstiger Schaderreger

Phytophthora capsici

Phytophthora capsici
PHYTCP

Phytophthora capsici (EPPO-Code: PHYTCP) ist ein hochgradig destruktiver, bodenbürtiger Oomyzet (Eipilz), der weltweit erhebliche Schäden im Gemüsebau verursacht. Besonders betroffen sind Kulturen aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) wie Paprika (Capsicum annuum) und Tomaten, aber auch Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). Der Schaderreger führt zu Wurzelfäule, Stängelbrand, Blattfäule und Fruchtfäule, was in betroffenen Beständen oft zu einem Totalausfall führt.

Die ökonomische Relevanz dieses Erregers ist extrem hoch, da er unter warmen, feuchten Bedingungen eine rasante epidemische Ausbreitung zeigt. Einmal im Boden etabliert, verbleiben die Dauersporen (Oosporen) über viele Jahre hinweg infektiös, was die Fruchtfolgegestaltung stark einschränkt. In mitteleuropäischen Freiland- und Gewächshauskulturen stellt Phytophthora capsici aufgrund der schwierigen Bekämpfung und des Mangels an vollresistenten Sorten ein dauerhaftes Ertragsrisiko dar.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
PHYTCP
Wirte
1 Kultur
Generationen
Multiple polyzyklische Generationen pro Saison
Verbreitung
Weltweit in allen wichtigen Anbaugebieten von Nachtschatten- und Kürbisgewächsen verbreitet, mit besonders verheerenden Ertragsverlusten in warm-feuchten Klimazonen sowie im intensiven Gewächshausanbau Mitteleuropas.
Erstbeschreibung
Leonian, 1922 (USA)

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überdauert als dickwandige Oospore im Boden oder in infizierten Kulturrückständen. Bei steigenden Bodentemperaturen und hoher Feuchtigkeit keimen diese Dauersporen und bilden Sporangien, die bei freiem Wasser bewegliche Zoosporen freisetzen. Diese Zoosporen schwimmen aktiv zu den Wurzeln der Wirtskulturen, infizieren das Gewebe und lösen eine schnelle Primärinfektion aus. Im Verlauf der Vegetation bilden sich auf oberirdischen Pflanzenteilen Sekundärsporangien, die durch Wind, Regenspritzer oder Beregnungswasser rasch im gesamten Bestand verbreitet werden und zu multiplen Infektionszyklen führen. Zum Ende der Saison sichert die sexuelle Fortpflanzung durch die Bildung neuer Oosporen das Überleben im Winter.

Bonitur

Die Überwachung beginnt bereits vor der Pflanzung durch die Analyse der Feldhistorie bezüglich Staunässe und Vorerkrankungen. Ein systematisches Feld-Scouting ist ab dem Auflaufen bzw. dem Anwachsen der Jungpflanzen (BBCH-Stadium 12 bis 19) unerlässlich, wobei der Fokus auf Senken und schlecht entwässerten Fahrgassen liegt. Ab dem Stadium der intensiven vegetativen Entwicklung (BBCH 31–39) und besonders während der Blüte (BBCH 61–69) muss nach ersten Welkeerscheinungen an warmen Tagen gesucht werden. Da es keine etablierten Schadschwellenwerte gibt, gilt beim ersten Auftreten von Symptomen sofortige Handlungsnotwendigkeit, insbesondere wenn feucht-warme Witterungsperioden mit Temperaturen zwischen 24 °C und 30 °C prognostiziert werden.

Symptome

Das Schadbild äußert sich zunächst durch eine plötzliche, irreversible Welke der gesamten Kultur, oft ohne vorherige Gelbfärbung der Blätter. An der Stängelbasis und den Hauptwurzeln zeigen sich dunkelbraune bis schwarze, wasseraufgesaugte Läsionen, die den Stängel einschnüren und zum Umfallen der Pflanzen führen. An den Blättern entstehen unregelmäßige, dunkelgrüne, wasserfleckige Läsionen, die bei hoher Luftfeuchtigkeit rasch eintrocknen und papierartig werden. Befallene Früchte entwickeln eingesunkene, kreisrunde Flecken, die sich schnell ausdehnen und von einem dichten, weißen, schimmelartigen Belag aus Sporangienträgern überzogen werden.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management erfordert eine strikte integrierte Strategie. Kulturtechnische Maßnahmen stehen im Vordergrund: Vermeidung von Staunässe durch Dammkultur, optimierte Drainage, Tröpfchenbewässerung statt Überkopfberegnung sowie eine weite Fruchtfolge (mindestens 4 Jahre ohne Solanaceen oder Cucurbitaceen). Biologische Ansätze umfassen den Einsatz von nützlichen Bodenmikroorganismen (z. B. Trichoderma-Stämme oder Bacillus amyloliquefaciens) zur Stärkung der Wurzelzone vor der Pflanzung. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten präventiv bei infektionsgünstiger Witterung ab BBCH 15 eingesetzt werden. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel gemäß den FRAC-Richtlinien (z. B. Wechsel zwischen Carbonsäureamiden (CAA, FRAC 40), Phenylamiden (PA, FRAC 4) und Quinon-Outside-Inhibitoren (QoI, FRAC 11)) zwingend erforderlich.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Boccacio Rosen Pilz-Frei
Syngenta Agro GmbH
024560-73
Boccarcio Rosen Pilz-Frei
Syngenta Agro GmbH
034560-73
COMPO Ortiva Rosen Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-67
COMPO Ortiva Rosen-Pilzschutz
Syngenta Agro GmbH
024560-65
COMPO Ortiva Spezial Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
034560-72
COMPO Ortiva Spezial Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-72
COMPO Ortiva Universal Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-68
COMPO Universal Pilz-frei Duaxo
Syngenta Agro GmbH
034560-87
COMPO Universal Pilz-frei Duaxo N
Syngenta Agro GmbH
034560-88
Curamat AZ Rosen-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
034560-85
Curamat AZ Rosen-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
024560-85
Curamat AZ Universal-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
034560-86
Curamat AZ Universal-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
024560-86
Detia Pflanzen Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-70
Fungisan Gemüse-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
034560-63
Fungisan Gemüse-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
024560-63
Fungisan Rosen-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
034560-61
Fungisan Rosen-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
024560-61
Fungisan Rosen- und Buxus-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
034560-77
Fungisan Rosen- und Buxus-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
024560-77
Fungisan Rosen- und Gemüse-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
024560-69
Fungisan Rosen- und Gemüse-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
034560-69
Gemüse-Pilzfrei Saprol
Syngenta Agro GmbH
034560-66
Gemüse-Pilzfrei Saprol
Syngenta Agro GmbH
024560-66
Ortiva
Syngenta Agro GmbH
024560-00
ORTIVA
Syngenta Agro GmbH
034560-00
Ortiva Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-71
Phytavis Quadris
Syngenta Agro GmbH
034560-74
Quadris
Syngenta Agro GmbH
024560-74
ROSENKOMBI
Syngenta Agro GmbH
024560-84
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Häufige Fragen

Warum ist die Wahl der Bewässerungsmethode so entscheidend für die Ausbreitung von Phytophthora capsici?

Der Erreger ist auf freies Wasser angewiesen, um seine beweglichen Zoosporen freizusetzen und zu verbreiten. Eine Überkopfberegnung schleudert Sporen von infizierten Pflanzen auf gesunde Nachbarkulturen und hält das Laub feucht, was Sekundärinfektionen begünstigt. Eine gezielte Tröpfchenbewässerung unter Mulchfolie minimiert die Blattnässe und reduziert das Infektionsrisiko im Bestand drastisch.

Wie lässt sich eine Resistenzbildung des Erregers gegen chemische Pflanzenschutzmittel im Betrieb verhindern?

Da Phytophthora capsici ein hohes Risiko für die Entwicklung von Resistenzen besitzt, dürfen systemische Pflanzenschutzmittel (z. B. aus der FRAC-Gruppe 4 oder 40) niemals solo oder wiederholt hintereinander angewendet werden. Kombinieren Sie diese stets mit Kontaktwirkstoffen (z. B. Kupfer oder Multisite-Inhibitoren) und halten Sie die maximal zulässige Anzahl an Anwendungen pro Saison strikt ein.

Kann ich vor dem Anbau einer empfindlichen Kultur feststellen, ob mein Boden mit dem Erreger belastet ist?

Ja, es gibt hochspezifische molekularbiologische Labortests (PCR-Analysen), mit denen Bodenproben auf die Präsenz von Phytophthora-capsici-DNA untersucht werden können. Dies empfiehlt sich besonders vor Investitionen in mehrjährige Kulturen oder beim Pachten neuer Flächen mit unbekannter Anbauhistorie.

Zu welchem BBCH-Stadium ist eine präventive Fungizidbehandlung am wirksamsten?

Die kritischste Phase für Bodenbehandlungen liegt direkt beim Pflanzen bzw. im frühen Jugendstadium (BBCH 12–19), um das Wurzelsystem zu schützen. Blatt- und Fruchtbehandlungen sollten präventiv vor dem Reihenschluss (BBCH 31–39) und vor dem Einsetzen von feucht-warmen Wetterperioden während der Fruchtentwicklung (ab BBCH 71) erfolgen.

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur (z. B. Paprika oder Tomate) und dem Schaderreger "Phytophthora capsici". Achten Sie darauf, dass Sie die Zulassungssituation Ihres spezifischen Landes (z. B. BVL-Zulassungen für Deutschland) auswählen, da sich die Indikationen und Wartezeiten regional stark unterscheiden können.

Warum reichen kurze Fruchtfolgepausen von zwei Jahren bei diesem Schaderreger oft nicht aus?

Phytophthora capsici bildet sexuelle Oosporen (Dauersporen), die extrem widerstandsfähig gegen Trockenheit und Kälte sind. Diese Sporen können ohne Wirtskultur im Boden über 5 bis 10 Jahre überleben. Eine effektive Fruchtfolge erfordert daher eine Anbaupause von mindestens 4, besser 5 Jahren für alle bekannten Wirtskulturen (inklusive Unkräuter aus der Familie der Solanaceen).