Alle Schaderreger
Pilz

Sclerotium cepivorum

Stromatinia cepivora
SCLOCE

Die Weißfäule oder Mehlkrankheit der Lauchgewächse, verursacht durch den bodenbürtigen Pilz Stromatinia cepivora (EPPO-Code: SCLOCE; oft auch unter dem synomymen Namen Sclerotium cepivorum bekannt), gehört weltweit zu den wirtschaftlich bedeutendsten und am schwersten zu bekämpfenden Krankheiten in Allium-Kulturen. Der Schaderreger befällt hochspezifisch ausschließlich Arten der Gattung Allium, darunter Speisezwiebeln (Allium cepa), Knoblauch (Allium sativum) und Schalotten (Allium ascalonicum). Ein Befall im Feld führt oft zu nesterweisen Ausfällen, die sich bei feucht-kühler Witterung rasch ausbreiten und im schlimmsten Fall zu einem Totalverlust der Ernte führen können.

Die besondere Brisanz dieses Pilzes liegt in der extremen Überlebensfähigkeit seiner Dauerkörper (Sklerotien). Diese winzigen, schwarzen Strukturen können ohne Wirtspflanze 15 bis 20 Jahre im Boden überdauern, ohne ihre Infektionskraft zu verlieren. Sobald wieder Allium-Kulturen auf der Fläche angebaut werden, stimulieren deren Wurzelausscheidungen das Auskeimen der Sklerotien, was eine Sanierung infizierter Böden im professionellen Gemüsebau zu einer Generationenaufgabe macht.

Typ
Pilz
EPPO-Code
SCLOCE
Wirte
0 Kulturen
Generationen
Keine klassischen Generationen (mehrjährige Überdauerung als Sklerotien)
Verbreitung
Der Schaderreger ist weltweit in fast allen gemäßigten Anbauregionen verbreitet und verursacht insbesondere in Europa, Nordamerika und Teilen Asiens verheerende Ernteverluste bei Speisezwiebeln und Knoblauch.
Erstbeschreibung
Berkeley, 1841 (Großbritannien)

Biologie / Lebenszyklus

Der Lebenszyklus beginnt mit der Keimung der im Boden ruhenden Dauersklerotien, die durch spezifische flüchtige Schwefelverbindungen aus den Wurzeln von Allium-Kulturen stimuliert wird. Das Myzel wächst durch den Boden, dringt in die Wurzeln ein und breitet sich rasch im Gewebe der Zwiebelbasis aus. Bei kühlen, feuchten Bedingungen (optimal sind 15–20 °C) schreitet die Fäulnis schnell voran, während das Myzel ein dichtes, weißes Geflecht an der Zwiebelbasis bildet. Zum Ende der Vegetationsperiode produziert der Pilz auf dem infizierten Gewebe Millionen neuer, stecknadelkopfgroßer, schwarzer Sklerotien. Diese gelangen bei der Ernte oder durch das Verrotten der Pflanzenreste zurück in den Boden und sichern das Überleben des Erregers für die nächsten Jahrzehnte.

Bonitur

Da eine direkte Bekämpfung nach dem Ausbruch der Krankheit kaum möglich ist, steht die vorbeugende Überwachung im Vordergrund. Ein aktives Monitoring beginnt bereits vor dem Anbau durch Bodenproben zur Bestimmung des Sklerotienbesatzes, insbesondere auf historisch vorbelasteten Flächen. Im Feld solltest du ab dem BBCH-Stadium 13 (3. Laubblatt entfaltet) bis zur Ernte (BBCH 47–49) regelmäßig auf nesterweise auftretende Welkeerscheinungen und Gelbverfärbungen der Blattspitzen achten. Bei Verdachtsmomenten müssen betroffene Kulturen vorsichtig ausgegraben werden, um die Zwiebelbasis auf das charakteristische weiße Myzel und schwarze Sklerotien zu untersuchen. Da die Schadensschwelle bei diesem Schaderreger praktisch bei null liegt, führt jeder Nachweis zu sofortigen Quarantäne- und Hygienemaßnahmen für die betroffene Parzelle.

Symptome

Das erste sichtbare Symptom im Feld ist eine fortschreitende Gelbverfärbung, Welke und das anschließende Absterben der älteren Blätter, beginnend an den Blattspitzen, was oft nesterweise auftritt. Zieht man befallene Kulturen aus dem Boden, zeigt sich ein fast vollständig zerstörtes Wurzelsystem, weshalb sich die Pflanzen sehr leicht herausziehen lassen. Die Zwiebelbasis und die verbleibenden Wurzeln sind von einem dichten, watteartigen, schneeweißen Pilzmyzel überzogen. Im fortgeschrittenen Stadium bilden sich in diesem Myzel zahlreiche winzige, schwarze, runde Dauerkörper (Sklerotien), die wie feiner Mohn aussehen und der Zwiebeloberfläche eine raue Textur verleihen.

Integriertes Management

Die Bekämpfung erfordert eine strikte integrierte Strategie, da chemische Pflanzenschutzmittel allein keine ausreichende Wirkung zeigen. Kulturtechnisch stehen die Einhaltung extrem weiter Fruchtfolgen (mindestens 8–10 Jahre ohne Allium-Kulturen) und kompromisslose Feldhygiene im Vordergrund; infizierte Pflanzenreste dürfen niemals auf dem Feld verbleiben. Biologische Ansätze umfassen den Einsatz von Bodenhilfsstoffen oder die gezielte Applikation von synthetischen Allium-Dämpfen (z. B. Diallyldisulfid) in kulturfreien Zeiten zur Induktion der „blinden Keimung“. Chemische Pflanzenschutzmittel (Fungizide) werden meist als Beizmittel oder zur gezielten Furchenbehandlung beim Pflanzen appliziert. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel nach dem FRAC-Code (z. B. Wechsel zwischen SDHI und Triazolen) zwingend erforderlich.

Häufige Fragen

Wie kann ich verhindern, dass ich die Weißfäule auf bisher gesunde Flächen verschleppe?

Die wichtigste Maßnahme ist eine strikte Maschinen- und Betriebshygiene. Da die Sklerotien im Boden haften, musst du Traktoren, Bodenbearbeitungsgeräte und Erntemaschinen nach der Arbeit auf infizierten oder verdächtigen Flächen gründlich mit dem Hochdruckreiniger säubern. Verwende zudem ausschließlich zertifiziertes, krankheitsfreies Pflanzgut (insbesondere bei Knoblauchzehen und Steckzwiebeln), da infiziertes Pflanzgut der Hauptübertragungsweg in neue Regionen ist.

Was versteht man unter der "blinden Keimung" und wie kann ich sie nutzen?

Bei der blinden Keimung wird der Pilz ausgetrickst: Man bringt künstliche Knoblauch- oder Zwiebelöle (die die typischen schwefelhaltigen Stimulanzien enthalten) auf dem Feld aus, wenn keine Allium-Kultur angebaut ist. Die Sklerotien keimen aus, finden jedoch keine Wirtswurzeln vor und verhungern im Boden. Dies kann den Sklerotienbesatz im Boden um über 90 % senken, erfordert jedoch Bodentemperaturen von über 15 °C für eine optimale Wirkung.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Fungizidbehandlung gegen diesen Schaderreger?

Fungizide müssen extrem früh appliziert werden, um wirksam zu sein. Die entscheidenden Anwendungen erfolgen meist direkt bei der Pflanzung oder Saat (BBCH 00) als Furchenbehandlung oder Beizung. Spätere Behandlungen über das Blatt oder den Boden ab BBCH 12 bis 15 haben nur noch eine sehr begrenzte Wirkung, da der Pilz zu diesem Zeitpunkt oft schon tief in das Wurzelgewebe eingedrungen ist und systemisch nicht mehr vollständig erfasst werden kann.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Weißfäule auf agronomy.farmable.tech?

Nutze dafür die Such- und Filterfunktion in unserem Hub. Filtere nach deiner Kultur (z. B. Speisezwiebel), wähle als Schaderreger "Stromatinia cepivora" oder "Weißfäule" aus und lasse dir die in deinem Land registrierten Pflanzenschutzmittel anzeigen. Achte dabei stets auf die angegebenen Anwendungsbestimmungen, Aufwandmengen und die einzuhaltende Wartezeit vor der Ernte.

Kann eine Kalkung des Bodens helfen, den Befall mit der Mehlkrankheit einzudämmen?

Ja, eine gezielte Anhebung des Boden-pH-Werts kann den Befallsdruck mindern. Stromatinia cepivora bevorzugt leicht saure bis neutrale Böden. Durch eine Kalkung (z. B. mit Branntkalk vor dem Anbau), die den pH-Wert im oberen Bereich des für Zwiebeln verträglichen Spektrums stabilisiert, schaffst du ungünstigere Bedingungen für das Myzelwachstum des Pilzes.