Sclerotium cepivorum
Die Weißfäule, verursacht durch den bodenbürtigen Pilz Stromatinia cepivora (EPPO-Code: SCLOCE), gehört weltweit zu den wirtschaftlich bedeutendsten und am schwersten zu bekämpfenden Krankheiten bei Lauchgewächsen. Der Schaderreger befällt vor allem Speisezwiebeln (Allium cepa), Knoblauch (Allium sativum) und Schalotten (Allium ascalonicum). Einmal im Boden etabliert, kann der Pilz durch extrem langlebige Dauerkörper (Sklerotien) jahrzehntelang ohne Wirtspflanze überleben, was betroffene Flächen oft für den weiteren Anbau von Allium-Kulturen unbrauchbar macht.
Die wirtschaftliche Relevanz ist enorm, da ein starker Befall zu Totalausfällen führen kann. Die Infektion breitet sich meist nesterweise im Feld aus und führt sowohl vor als auch nach der Ernte zu erheblichen Qualitäts- und Ertragsverlusten. Da chemische Pflanzenschutzmittel nur eine begrenzte Wirkung zeigen und resistente Sorten kaum zur Verfügung stehen, stellt die Einschleppung des Erregers in unbelastete Böden das größte Risiko für landwirtschaftliche Betriebe dar.
Biologie / Lebenszyklus
Der Lebenszyklus von Stromatinia cepivora basiert auf winzigen, schwarzen Sklerotien, die im Boden überdauern. Die Keimung dieser Dauerkörper wird spezifisch durch flüchtige Schwefelverbindungen (Diallyldisulfid) angeregt, die von den Wurzeln wachsender Allium-Kulturen ausgeschieden werden. Nach der Keimung dringt das Myzel in die Wurzeln ein, wächst entlang des Gewebes nach oben und zerstört das Wurzelsystem sowie die Zwiebelbasis. Im fortgeschrittenen Stadium bildet der Pilz ein dichtes, weißes Myzelgewebe an der Zwiebel aus, auf dem sich massenhaft neue Sklerotien entwickeln. Diese gelangen bei der Ernte oder durch verrottende Pflanzenreste zurück in den Boden, wodurch der Infektionskreislauf geschlossen wird und die Belastung des Bodens für die Folgejahre massiv ansteigt.
Bonitur
Ein systematisches Feldmonitoring sollte bereits ab dem Auflaufen bzw. dem Pflanzen der Kulturen (ab BBCH-Stadium 11 bis 13) beginnen und bis zur Ernte fortgesetzt werden. Da es keine etablierten Schadschwellen gibt – bereits der Nachweis einzelner infizierter Pflanzen signalisiert akuten Handlungsbedarf –, liegt der Fokus auf der Früherkennung von Befallsnestern. Besonders bei kühlen Bodentemperaturen von 10 bis 20 °C und hoher Bodenfeuchtigkeit ist auf nesterweise auftretende Kümmerer oder Welkesymptome zu achten. Verdächtige Pflanzen müssen vorsichtig mitsamt dem umgebenden Erdreich ausgegraben und im Labor auf das typische weiße Myzel und die stecknadelkopfgroßen Sklerotien untersucht werden, um eine Verwechslung mit der Zwiebelfliege oder anderen Fäulniserregern auszuschließen.
Symptome
Das erste sichtbare Symptom im Feld ist eine Gelbfärbung und anschließende Welke der älteren Blätter, die an den Blattspitzen beginnt und sich nach unten ausbreitet. Betroffene Kulturen zeigen ein stark verzögertes Wachstum und sterben schließlich ab, wobei sie sich aufgrund der zerstörten Wurzeln extrem leicht aus dem Boden ziehen lassen. An der Zwiebelbasis und den verbleibenden Wurzeln bildet sich ein charakteristisches, dichtes, schneeweißes, watteartiges Myzel. Im weiteren Verlauf entwickeln sich in diesem Myzel zahlreiche, sehr kleine (0,2 bis 0,5 mm), schwarze, runde Sklerotien, die wie feiner Mohn oder Kaffeesatz aussehen. Die Zwiebel selbst verrottet von der Basis her und wird weich und wässrig.
Integriertes Management
Die Bekämpfung von Stromatinia cepivora erfordert ein striktes, integriertes Management, da eine rein chemische Behandlung meist unzureichend ist. Vorbeugend steht die absolute Feldhygiene im Vordergrund: Es darf nur zertifiziertes, befallsfreies Pflanzgut verwendet werden, und Maschinen müssen beim Wechsel von kontaminierten auf gesunde Schläge gründlich gereinigt werden. Kulturtechnisch sind weite Fruchtfolgen von mindestens 8 bis 10 Jahren einzuhalten. Eine innovative biologische Methode ist die Applikation von künstlichen Allium-Ölen auf unbestellten Feldern, um eine Scheinkeimung der Sklerotien ohne Wirtspflanze auszulösen. Chemische Pflanzenschutzmittel (Fungizide) können als Beizmittel oder zur gezielten Boden- und Reihenbehandlung beim Pflanzen appliziert werden. Hierbei ist zur Vermeidung von Resistenzen ein Wirkstoffwechsel gemäß den FRAC-Richtlinien (z. B. Wechsel zwischen SDHI und Triazolen) zwingend zu beachten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie kann ich auf agronomy.farmable.tech nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Weißfäule suchen?
Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach dem Schaderreger Stromatinia cepivora oder dem EPPO-Code SCLOCE. Sie können die Ergebnisse zusätzlich nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Speisezwiebel oder Knoblauch) und dem jeweiligen Zulassungsland filtern, um die aktuell gültigen Aufwandmengen und Wartezeiten einzusehen.
Warum reicht eine normale Fruchtfolge von 3 bis 4 Jahren bei diesem Schaderreger nicht aus?
Die Sklerotien von Stromatinia cepivora besitzen eine extrem widerstandsfähige Schale und können im Boden ohne die Anwesenheit einer Wirtspflanze bis zu 15 bis 20 Jahre lang lebensfähig bleiben. Eine kurze Anbaupause ist daher wirkungslos; erst ab einer rotationsfreien Zeit von mindestens 8 bis 10 Jahren ist mit einem spürbaren Rückgang der Infektionsdichte zu rechnen.
Welche Rolle spielt die Bodentemperatur für den Ausbruch der Krankheit im Frühjahr?
Der Pilz ist an kühle Bedingungen angepasst. Die optimale Temperatur für die Keimung der Sklerotien und das Myzelwachstum liegt zwischen 10 °C und 20 °C. Steigen die Bodentemperaturen im Sommer dauerhaft über 24 °C, wird die Aktivität des Erregers stark gehemmt, weshalb späte Infektionen im Hochsommer oft milder verlaufen oder stagnieren.
Wie funktioniert die Methode der "Scheinkeimung" (Decoy Triggering) in der Praxis?
Dabei werden synthetische oder natürliche Knoblauchöle (die flüchtige Schwefelverbindungen enthalten) auf den unbebauten, feuchten Boden ausgebracht, wenn die Bodentemperaturen im optimalen Bereich (15–18 °C) liegen. Die Sklerotien werden zur Keimung angeregt, finden jedoch keine Wirtswurzeln vor und sterben innerhalb weniger Wochen ab, was das Inokulum im Boden um bis zu 90 % reduzieren kann.
Kann der Erreger über Kompost oder organische Dünger auf neue Flächen verschleppt werden?
Ja, das Risiko ist hoch. Sklerotien können den Verdauungstrakt von Tieren unbeschadet passieren und überleben auch unvollständige Kompostierungsprozesse. Organische Dünger oder Komposte aus Betrieben mit bekanntem Allium-Anbau sollten daher nur auf Flächen ausgebracht werden, die thermisch hygienisiert wurden oder auf denen keine Lauchgewächse angebaut werden.
Welche FRAC-Wirkstoffgruppen stehen für die chemische Behandlung zur Verfügung und wie wird Resistenz vorgebeugt?
Für Bodenanwendungen und Beizungen werden vor allem Wirkstoffe aus den Gruppen der SDHI (FRAC-Gruppe 7) und der Triazole (FRAC-Gruppe 3) eingesetzt. Um einer Resistenzbildung vorzubeugen, dürfen diese Wirkstoffklassen nicht solo in aufeinanderfolgenden Anwendungen gespritzt werden; stattdessen ist ein strikter Wechsel oder die Kombination mit Kontaktfungiziden einzuhalten.