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Kultur

Einkorn

Triticum monococcum
TRZMO

Einkorn (Triticum monococcum, EPPO-Code: TRZMO) gehört zu den ältesten kultivierten Getreidearten der Menschheit und erlebt als sogenanntes „Urgetreide“ eine bedeutende Renaissance im ökologischen und extensiven Landbau. Die Kultur zeichnet sich durch eine extreme Robustheit gegenüber ungünstigen Boden- und Witterungsverhältnissen aus und stellt im Vergleich zu modernem Weichweizen deutlich geringere Ansprüche an die Nährstoffversorgung. Durch das feste Spelzgehäuse ist das Korn hervorragend vor Umwelteinflüssen und Schaderregern geschützt, was jedoch einen zusätzlichen Verarbeitungsschritt (das Entspelzen) vor der Vermarktung erfordert.

Aus agronomischer Sicht ist Einkorn besonders für Grenzertragsstandorte, sandige Böden oder raue Mittelgebirgslagen interessant, auf denen ertragsstarke Weizensorten unrentabel werden. Die Kultur bildet lange, elastische Halme aus, die ein hohes Strohpotenzial bieten, allerdings auch das Risiko für Lagerbildung erhöhen. Aufgrund des geringeren Ertragspotenzials, aber der hohen Wertschöpfung im Nischensegment, ist eine präzise Führung der Kultur trotz ihrer Genügsamkeit wirtschaftlich hochgradig attraktiv.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte September bis Ende Oktober (Wintereinkorn) oder Anfang März bis April (Sommereinkorn)
Erntefenster
August
Reihenabstand
12,5–15,0 cm
Typischer Ertrag
1,5–3,0 t/ha (Spelzgetreide, entspelzt ca. 60–70 % des Rohgewichts)
Wärmesumme (GDD)
1850
Boden-pH
5,5–7,0

Bodenmanagement

Einkorn stellt extrem geringe Ansprüche an den Boden und gedeiht selbst auf flachgründigen, sandigen oder steinigen Standorten, die für anspruchsvolle Kulturen ungeeignet sind. Eine tiefe Bodenbearbeitung ist meist nicht erforderlich; ein gut abgesetztes Saatbett fördert jedoch den gleichmäßigen Feldaufgang der bespelzten Karyopsen. Die Stickstoffdüngung muss sehr verhalten erfolgen, da eine Überdüngung die Standfestigkeit der langen Halme massiv gefährdet und zu starkem Lager führt. In der Regel reichen 30 bis 60 kg N/ha aus, oft kann auf Standorten mit guter Nachlieferung gänzlich auf eine mineralische Stickstoffgabe verzichtet werden. Eine ausgewogene Grunddüngung mit Phosphor und Kalium stützt die Halmstabilität und sichert die Kornqualität ab.

Schaderreger-Management

Aufgrund der genetischen Distanz zu modernem Weizen zeigt Einkorn eine bemerkenswerte Toleranz gegenüber vielen typischen Getreidekrankheiten wie Halmbruch oder Mehltau. Dennoch können Schaderreger wie Gelbrost, Braunrost oder Mutterkorn bei feucht-warmer Witterung ertragsrelevante Schäden verursachen. Da für diese Nischenkultur nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel offiziell zugelassen sind, steht die mechanische und pflanzenbauliche Regulierung im Vordergrund. Die Bekämpfung von Ungräsern wie Windhalm (Apera spica-venti) oder einjährigem Rispengras (Poa annua) erfolgt primär im Frühjahr durch Striegeln, solange die Kultur noch nicht zu hoch gewachsen ist. Ein sorgfältiger Fruchtfolgewechsel und die Vermeidung von Staunässe minimieren das Risiko von bodenbürtigen Pilzinfektionen effektiv.

Sorten

Terz

mittelspät

2,0–3,2 t/ha

Resistent gegen: Mehltau, Gelbrost

Anfällig für: Lagerung

Eine der wenigen offiziell in Deutschland zugelassenen Sorten mit relativ guter Standfestigkeit für Einkornverhältnisse.

Monlis

mittelfrüh

1,8–2,8 t/ha

Resistent gegen: Braunrost

Anfällig für: Lagerung, Mutterkorn

Französische Sorte, die sich durch hervorragende Backeigenschaften und eine gute Kornqualität auszeichnet.

Späths Albeinkorn

spät

1,2–2,2 t/ha

Resistent gegen: Mehltau, Frost

Anfällig für: Lagerung, Halmbruch

Historische Landsorte von der Schwäbischen Alb, extrem langstrohig und hervorragend für extensive Öko-Standorte geeignet.

Einkorn Gold

mittel

1,5–2,5 t/ha

Resistent gegen: Gelbrost

Anfällig für: Lagerung

Selektionssorte mit goldgelber Kornfarbe und gutem Proteingehalt, ideal für die handwerkliche Brotherstellung.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die Aussaat von Einkorn im Spelz von der normaler Getreidearten?

Da Einkorn meist als Vesen (Korn im Spelz) ausgesät wird, musst du die Sämaschine sorgfältig kalibrieren. Die Spelzen verändern das Fließverhalten im Saatkasten erheblich, weshalb herkömmliche Tabellenwerte für Weizen nicht passen. Achte darauf, die Saattiefe mit 3–4 cm etwas tiefer zu wählen als bei nacktem Getreide, um einen gleichmäßigen Bodenanschluss und ausreichend Feuchtigkeit für den Keimprozess im Spelz zu garantieren.

Welche mechanischen Maßnahmen eignen sich am besten zur Unkrautregulierung?

Der Einsatz des Striegels ist im Einkornanbau die wichtigste Maßnahme, da chemische Pflanzenschutzmittel kaum zugelassen sind. Du kannst im Vorauflauf blindstriegeln oder ab dem 3-Blatt-Stadium (BBCH 13) bis zum Ende der Bestockung (BBCH 29) arbeiten. Da Einkorn sehr lange, elastische Halme bildet, solltest du ab dem Schossen (BBCH 30) auf den Striegel verzichten, um die Triebe nicht zu schädigen.

Wie kann ich das Risiko von Lagergetreide bei Einkorn minimieren?

Die wichtigste Stellschraube ist eine extrem zurückhaltende Stickstoffdüngung. Vermeide organische Dünger mit unkontrollierter Freisetzung direkt vor dem Anbau und wähle Standorte mit geringem Stickstoffnachlieferungspotenzial. Zudem hilft eine angepasste, nicht zu dichte Saatstärke (ca. 300–350 keimfähige Samen/m²), um die Standfestigkeit der einzelnen Halme zu stärken.

Wie finde ich zugelassene Pflanzenschutzmittel für Einkorn in der Datenbank?

Da Einkorn oft nicht explizit auf den Produktetiketten aufgeführt ist, musst du nach Zulassungen in der Obergruppe „Spelzgetreide“ oder „Dinkel und Einkorn“ suchen. Nutze im Portal die Filterfunktion für Kulturgruppen und gleiche die Indikationen genau ab, da die Anwendung in Nischenkulturen oft über Sonderzulassungen nach Artikel 51 der EU-Verordnung geregelt ist.

Welche Besonderheiten muss ich bei der Ernte und Druschtechnik beachten?

Beim Drusch von Einkorn erntest du das Korn im Spelz (Vesen). Du musst die Trommeldrehzahl des Mähdreschers im Vergleich zu Weizen reduzieren und den Dreschkorb weiter öffnen, um die empfindlichen Spelzen nicht zu beschädigen oder das Korn vorzeitig zu entspelsen. Das Ziel ist ein sauberer Drusch der ganzen Vesen, die erst in einer spezialisierten Schälmühle vom Spelz befreit werden.

Warum ist die Fruchtfolgegestaltung bei Einkorn trotz seiner Robustheit wichtig?

Obwohl Einkorn weniger anfällig für typische Fußkrankheiten ist, solltest du es nicht direkt nach anderen Getreidearten anbauen, um den Druck durch bodenbürtige Schaderreger gering zu halten. Ideal sind Vorfrüchte wie Leguminosen oder Hackfrüchte, die den Boden unkrautfrei hinterlassen. Da Einkorn jedoch sehr stickstoffeffizient ist, kann eine zu stickstoffreiche Vorfrucht (wie Kleegras) das Lagerrisiko im Folgejahr drastisch erhöhen.