Einkorn
Einkorn (Triticum monococcum, EPPO-Code: TRZMO) gehört zu den ältesten kultivierten Getreidearten der Menschheit und erlebt als sogenanntes Urgetreide eine Renaissance im ökologischen und extensiven Landbau. Die Kultur zeichnet sich durch eine extreme Robustheit gegenüber ungünstigen Witterungsverhältnissen und kargen Böden aus. Im Vergleich zu modernem Weichweizen besitzt Einkorn ein ausgeprägtes Spelzgetreide-Merkmal, bei dem das Korn fest von den Spelzen umschlossen bleibt. Dies erfordert zwar einen zusätzlichen Verarbeitungsschritt (das Entspelzen bzw. Gerben), schützt das Korn auf dem Feld jedoch effektiv vor Schaderregern und Witterungseinflüssen.
Aus agronomischer Sicht ist Einkorn besonders für Grenzertragsstandorte und nährstoffarme Böden interessant, da die Kultur einen sehr geringen Stickstoffbedarf aufweist. Ein zu hohes Stickstoffangebot führt aufgrund des langen, elastischen Strohs rasch zu Lagerbildung. Die Erträge liegen zwar deutlich unter denen von modernem Weizen, dafür erzielt das Korn im Premiumsegment und in der landwirtschaftlichen Direktvermarktung hohe Erzeugerpreise, gestützt durch hervorragende ernährungsphysiologische Eigenschaften wie einen hohen Proteingehalt, Carotinoide und wertvolle Mineralstoffe.
Bodenmanagement
Einkorn stellt extrem geringe Ansprüche an den Boden und gedeiht selbst auf flachgründigen, sandigen oder steinigen Standorten, auf denen ertragsstarke Weizenkulturen versagen. Eine tiefe Bodenbearbeitung ist meist nicht erforderlich; die Kultur lässt sich gut in Mulchsaatsysteme integrieren. Aufgrund des sehr schwachen Nährstoffbedarfs ist eine verhaltene Stickstoffdüngung essenziell, da Überdüngung unweigerlich zu starkem Lager führt. In der Fruchtfolge steht Einkorn idealerweise nach abtragenden Vorfrüchten wie Hafer oder Hackfrüchten, um den verbleibenden Stickstoff im Boden optimal auszunutzen. Auf sehr fruchtbaren Böden sollte gänzlich auf eine mineralische Stickstoffgabe verzichtet werden.
Schaderreger-Management
Dank der schützenden Spelzenhülle ist das Korn hervorragend gegen samenbürtige Krankheiten und Schimmelpilze geschützt. Dennoch können Schaderreger wie Echter Mehltau oder Braunrost bei feucht-warmer Witterung im Blattapparat auftreten, erfordern jedoch aufgrund der extensiven Ausrichtung der Kultur selten den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel. Die größte Herausforderung im Einkornanbau stellt die Unkrautkonkurrenz in der frühen Entwicklungsphase dar, da die Kultur anfangs langsam wächst. Hier haben sich mechanische Maßnahmen wie das Striegeln im Frühjahr hervorragend bewährt. Gegen Ungräser wie Windhalm (Apera spica-venti) oder Einjähriges Rispengras (Poa annua) muss bei starkem Besatz rechtzeitig mechanisch oder durch gezielte Herbizidanwendungen im Herbst oder zeitigen Frühjahr eingegriffen werden.
Sorten
Terzino
mittelspätLiefert stabile Spelzenerträge von ca. 2,5–3,2 t/ha unter extensiven Bedingungen.
Resistent gegen: Gelbrost, Braunrost
Anfällig für: Mutterkorn
Sehr verbreitete Winter-Einkornsorte in Deutschland und Österreich. Zeichnet sich durch eine verbesserte Standfestigkeit und gute Backeigenschaften aus.
Monlis
mittelErtragreich unter guten Bedingungen, neigt jedoch bei Stickstoffüberschuss stark zum Lagern.
Resistent gegen: Mehltau
Anfällig für: Lagerung
Eine französische Züchtung mit hohem Proteingehalt und ausgeprägtem Gelbpigmentanteil, ideal für die Teigwarenherstellung.
Ebners Rotkorn
spätMäßiger Kornertrag, liefert jedoch sehr hohe Strohmengen.
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Lagerung, Gelbrost
Traditionelle österreichische Selektion, die besonders im ökologischen Landbau für ihre Vitalität und das rötlich schimmernde Stroh geschätzt wird.
Laufener
spätExtensivsorte mit geringerem Kornertrag (ca. 1,5–2,0 t/ha), aber hervorragender Anpassung an karge Gebirgslagen.
Resistent gegen: Winterfrost, Bodenarmut
Anfällig für: Lagerung
Alte Landsorte aus dem bayerisch-österreichischen Grenzraum. Extrem robust und winterhart, sehr langes Stroh.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Aussaatstärke von Einkorn im Vergleich zu modernem Weichweizen?
Da Einkorn meist als Vesen (Spelzen mit meist einem Korn) ausgesät wird, muss das Tausendkorngewicht (TKG) der Vesen berücksichtigt werden. Die typische Aussaatstärke liegt bei etwa 120 bis 150 kg Vesen pro Hektar, was ca. 300 bis 350 keimfähigen Körnern/m² entspricht. Bei seltener Verwendung von entspelztem Saatgut reduziert sich die Aufwandmenge auf etwa 90 bis 110 kg/ha.
Warum ist die Stickstoffdüngung bei Einkorn so kritisch zu bewerten?
Einkorn besitzt ein genetisch bedingt sehr langes und elastisches Stroh. Bereits moderate Stickstoffgaben über 40 bis 60 kg N/ha (inklusive Boden-Nmin) erhöhen das Risiko für Lagerbildung drastisch, was die Ernte erschwert und die Kornqualität mindert. In der Praxis wird Einkorn daher meist ohne oder nur mit minimaler organischer Düngung nach abtragenden Vorfrüchten angebaut.
Welche Besonderheiten müssen bei der Ernte und dem anschließenden Drusch beachtet werden?
Einkorn wird als Spelzgetreide geerntet. Der Mähdrescher muss so eingestellt werden, dass die Vesen (Spelzenpakete) unbeschädigt bleiben und nicht entspelzt werden, da das nackte Korn sonst leicht beschädigt wird. Ein Trommelabstand von ca. 15–20 mm und eine reduzierte Trommeldrehzahl (ca. 600–800 U/min) verhindern Kornbruch und sichern die Lagerfähigkeit.
Wie wird das Unkrautmanagement in biologisch wirtschaftenden Betrieben durchgeführt?
Da Einkorn eine langsame Jugendentwicklung aufweist, ist der Unkrautdruck im Frühjahr hoch. Ein Blindstriegeln vor dem Auflaufen sowie ein vorsichtiges Striegeln ab dem 3-Blatt-Stadium (BBCH 13) bis zum Bestockungsende (BBCH 29) sind hochwirksam. Aufgrund der tiefen Verwurzelung verträgt Einkorn den mechanischen Striegelzug im Vergleich zu anderen Urgetreiden relativ gut.
Kann Einkorn mit herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln gegen Pilzkrankheiten behandelt werden?
Ja, allerdings sind im deutschen Pflanzenschutzmittelregister (BVL) nur sehr wenige Fungizide explizit für Einkorn zugelassen. Oft greifen hier Genehmigungen für 'Spelzgetreide' oder 'Weizen'. Da Einkorn jedoch eine sehr hohe natürliche Resistenz gegen die meisten Blatt- und Ährenkrankheiten besitzt, ist eine Fungizidbehandlung wirtschaftlich fast nie sinnvoll oder notwendig.
Welche Rolle spielt das 'Gerben' nach der Ernte von Einkorn?
Das Gerben (auch Entspelzen genannt) ist ein mechanischer Reinigungsschritt, der zwingend vor der Vermahlung erfolgen muss, da die Spelzen fest mit dem Korn verwachsen sind. Hierfür werden spezielle Gerbgänge oder Prallentspelzer benötigt. Landwirte sollten diesen zusätzlichen Logistik- und Kostenfaktor bei der Vermarktungsplanung von Anfang an berücksichtigen.