Johanniskraut
Das Johanniskraut (wissenschaftlicher Name: Hypericum sp., EPPO-Code: `HYPSS`), insbesondere das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum), ist eine wertvolle Arzneipflanze, die in Mitteleuropa sowohl wild vorkommt als auch intensiv landwirtschaftlich kultiviert wird. Die Kultur ist vor allem für die pharmazeutische Industrie von hoher Bedeutung, da aus den getrockneten Triebspitzen (Herba Hyperici) wertvolle Inhaltsstoffe wie Hypericin und Hyperforin gewonnen werden. Der Anbau stellt aufgrund der feinen Samenstruktur und der langsamen Jugendentwicklung hohe Anforderungen an die Saatbettbereitung und die Unkrautregulierung.
In der landwirtschaftlichen Praxis wird Johanniskraut meist als mehrjährige Kultur mit einer Nutzungsdauer von zwei bis drei Jahren geführt. Die Etablierung kann über Direktsaat im zeitigen Frühjahr oder über die Pflanzung von vorkultivierten Jungpflanzen im Spätsommer erfolgen. Da die Kultur in der Anfangsphase extrem konkurrenzschwach gegenüber Schaderregern wie Ungräsern und Unkräutern ist, erfordert die Bestandsführung ein präzises, vorausschauendes Management und eine sorgfältige Standortwahl.
Bodenmanagement
Johanniskraut stellt mittlere bis hohe Ansprüche an den Boden, bevorzugt jedoch gut durchlässige, mittelschwere Böden mit guter Wasserführung ohne Neigung zu Staunässe. Ein ausgewogener Humusgehalt fördert das schnelle Anwurzeln der Kultur nach der Pflanzung oder dem Auflaufen. Vor der Etablierung ist eine sorgfältige, tiefgründige Bodenbearbeitung notwendig, um ein feinkrümeliges, unkrautfreies Saatbett zu schaffen, da die Lichtkeimer-Samen extrem flach abgelegt werden müssen. Die Grunddüngung sollte auf Basis von Bodenanalysen erfolgen, wobei moderate Stickstoffgaben von 40–60 kg N/ha im Frühjahr den Ertrag sichern, ohne die Wirkstoffgehalte negativ zu beeinflussen. Eine Überdüngung ist strikt zu vermeiden, da sie das vegetative Wachstum zulasten der Blütenbildung fördert und die Standfestigkeit mindert.
Schaderreger-Management
Die größte Herausforderung im Johanniskrautanbau ist die Regulierung von Schaderregern, insbesondere von Unkräutern und Ungräsern in der langsamen Jugendphase der Kultur. Da nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel für diese Sonderkultur zugelassen sind, steht die mechanische Unkrautregulierung mittels Hacken und Striegeln im Vordergrund. Zu den kritischen Ungräsern gehören das Einjährige Rispengras (*Poa annua*) und der Gemeine Windhalm (*Apera spica-venti*), die den Bestand rasch überwachsen können. Gegen pilzliche Schaderreger wie die Johanniskraut-Welke (*Colletotrichum gloeosporioides*) müssen vorbeugende Maßnahmen wie ein weiter Fruchtwechsel und die Wahl toleranter Sorten ergriffen werden. Ein rechtzeitiger Schnitt bei Befallsbeginn kann die Ausbreitung im Bestand eindämmen und den Wiederaustrieb sichern.
Sorten
Topas
MittelfrühHoch (ca. 2,0–2,5 t/ha Trockenmasse)
Resistent gegen: Colletotrichum-Welke
Anfällig für: Blattläuse
Sehr bewährte, ertragsstabile Sorte für den mitteleuropäischen Anbau. Zeichnet sich durch einen aufrechten Wuchs aus, was die mechanische Ernte erleichtert.
Anthos
MittelspätMittel bis hoch (ca. 1,8–2,2 t/ha Trockenmasse)
Anfällig für: Colletotrichum-Welke
Sorte mit besonders hohem Gehalt an Hypericin und Flavonoiden, ideal für die pharmazeutische Verwertung.
Vitan
MittelfrühSehr hoch (bis zu 2,6 t/ha Trockenmasse)
Resistent gegen: Colletotrichum-Welke
Anfällig für: Trockenstress
Robuste Sorte mit rascher Jugendentwicklung, was die Unkrautbekämpfung in der Etablierungsphase erleichtert.
Elixir
FrühMittel (ca. 1,5–1,9 t/ha Trockenmasse)
Resistent gegen: Echter Mehltau
Anfällig für: Colletotrichum-Welke
Frühabreifende Sorte mit kompakter Wuchsform, gut geeignet für windexponierte Lagen.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich die Keimung bei der Direktsaat von Johanniskraut im Freiland optimieren?
Da Johanniskraut ein Lichtkeimer ist, dürfen die Samen bei der Aussaat nicht mit Erde bedeckt, sondern nur oberflächlich abgelegt und angewalzt werden. Ein feuchtes Rückverfestigen des Bodens sichert den notwendigen Bodenschluss. Da die Keimung bei kühlen Frühjahrstemperaturen bis zu drei Wochen dauern kann, empfiehlt sich der Einsatz einer schnellkeimenden Markierkultur (wie Senf oder Radieschen), um die Saatreihen für frühe mechanische Unkrautbekämpfungsmaßnahmen sichtbar zu machen.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium für den optimalen Erntezeitpunkt von Johanniskraut?
Der maximale Gehalt an pharmazeutisch wertvollen Inhaltsstoffen wie Hypericin wird im BBCH-Stadium 65 (Vollblüte, wenn mindestens 50 % der Blüten geöffnet sind) erreicht. Eine zu späte Ernte in der Fruchtentwicklungsphase (ab BBCH 70) führt zu einem rapiden Abfall der Wirkstoffkonzentrationen im Erntegut und erhöht den Anteil an verholzten Stängeln, was die Qualität der Droge drastisch mindert.
Wie kann die gefürchtete Johanniskraut-Welke (Colletotrichum) im mehrjährigen Anbau kontrolliert werden?
Neben der Sortenwahl ist die mechanische Feldhygiene entscheidend. Nach dem ersten Schnitt im Sommer sollte das Erntegut umgehend abtransportiert und getrocknet werden, da verbleibende Stoppelreste im Feld bei feucht-warmer Witterung als primäre Infektionsquelle dienen. Bei starkem Befallsdruck im ersten Standjahr ist ein vorzeitiger Pflegeschnitt ratsam, um den Infektionszyklus des Pilzes zu unterbrechen und den gesunden Wiederaustrieb im Folgejahr zu sichern.
Welche Strategie empfiehlt sich bei starkem Druck durch Einjähriges Rispengras (Poa annua)?
Da Poa annua besonders im Herbst und zeitigen Frühjahr keimt, ist eine mechanische Striegelung im Vorauflauf oder sehr frühen Nachauflauf der Kultur (BBCH 11–12) hochwirksam. Chemische Anwendungen mit selektiven Graminiziden müssen exakt auf die aktuelle Zulassungssituation für Sonderkulturen (z. B. Indikationszulassungen nach § 22 Abs. 2 PflSchG in Deutschland) abgestimmt und vorzugsweise im frühen Dreiblattstadium des Ungrases durchgeführt werden.
Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Johanniskraut auf agronomy.farmable.tech?
Nutzen Sie die Such- und Filtersysteme im Pflanzenschutz-Hub der Plattform. Filtern Sie gezielt nach der Kultur 'Johanniskraut' oder dem EPPO-Code 'HYPSS' und wählen Sie die entsprechende Schaderreger-Kategorie (z. B. einkeimblättrige Unkräuter). Achten Sie dabei besonders auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, maximalen Anwendungshäufigkeiten und die für Arzneipflanzen vorgeschriebenen Wartezeiten (PHI) vor der Ernte.
Welche Fruchtfolgebeschränkungen müssen beim Anbau von Hypericum sp. beachtet werden?
Johanniskraut sollte aufgrund der ausgeprägten Selbstunverträglichkeit und der Akkumulation bodenbürtiger Schaderreger (wie Colletotrichum und Fusarium) maximal zwei bis drei Jahre auf derselben Fläche verbleiben. Danach ist eine strikte Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren einzuhalten. Als Vorfrüchte eignen sich Getreide oder Hackfrüchte, die den Boden unkrautfrei und ohne strukturstörende Verdichtungen hinterlassen.