Sommerportulak
Gemüseportulak (Portulaca oleracea subsp. sativa), im EPPO-System unter dem Code POROS geführt, ist eine schnellwüchsige, wärmeliebende Kultur, die vor allem als Salat- und Gemüsebeilage geschätzt wird. Die einjährige Kultur zeichnet sich durch fleischige, sukkulente Blätter und dickfleischige Stängel aus, die einen leicht säuerlichen, nussigen Geschmack aufweisen. Aufgrund der kurzen Entwicklungszeit eignet sich Sommerportulak hervorragend als Nachkultur oder Zwischenkultur im Freiland- und Gewächshausanbau.
Für einen erfolgreichen Anbau sind warme Keimtemperaturen und ausreichend Licht entscheidend. Da die Kultur frostempfindlich ist, erfolgt die Aussaat im mitteleuropäischen Freiland erst ab Mitte Mai, wenn keine Spätfröste mehr zu erwarten sind. Die Ernte kann bereits vier bis sechs Wochen nach der Aussaat beginnen, wobei durch einen tiefen Schnitt oft ein zweiter Austrieb angeregt werden kann.
Bodenmanagement
Gemüseportulak bevorzugt leichte bis mittelschwere, gut durchlässige Böden mit einer raschen Erwärmbarkeit im Frühjahr. Ein ausgeglichener Wasserhaushalt ist für das zügige Wachstum der sukkulenten Blätter essenziell, wobei Staunässe unbedingt vermieden werden muss, um Wurzelfäule vorzubeugen. Vor der Aussaat sollte ein feinkrümeliges Saatbett hergerichtet werden, da die feinen Samen flach abgelegt werden müssen. Eine moderate Stickstoffdüngung fördert den Ertrag, jedoch führt ein Übermaß zu weichem Gewebe und mindert die Lagerfähigkeit. Nach der Ernte empfiehlt sich eine schonende Bodenbearbeitung, um die Bodenstruktur für Folgekulturen zu erhalten.
Schaderreger-Management
Aufgrund der kurzen Kulturzeit halten sich Schaderreger meist in Grenzen, jedoch erfordern Pilzkrankheiten wie Sclerotinia sclerotiorum, Sclerotinia minor und Botrytis cinerea bei feucht-warmer Witterung gezielte Aufmerksamkeit. Ein weiter Reihenabstand und eine bedarfsgerechte Bewässerung am Morgen helfen, die Bestände schnell abzutrocknen und den Infektionsdruck zu senken. Gegen auflaufende Unkräuter wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) ist eine mechanische Unkrautregulierung im frühen BBCH-Stadium entscheidend, da chemische Pflanzenschutzmittel in dieser Nischenkultur nur sehr eingeschränkt zugelassen sind. Bei starkem Befall mit bodenbürtigen Erregern ist eine weite Fruchtfolge mit Nicht-Wirtspflanzen einzuhalten. Der Einsatz von nützlingsschonenden Pflanzenschutzmitteln sollte stets auf die aktuellen Zulassungen und die einzuhaltende Wartezeit abgestimmt sein.
Sorten
Grüner Breitblättriger
Sehr früh (ca. 30–35 Tage)Sehr ertragreich mit kräftigem, aufrechtem Wuchs.
Anfällig für: Sclerotinia-Fäule, Botrytis
Der Standard im Erwerbsanbau. Zeichnet sich durch dicke, fleischige Blätter und eine gute Regenerationsfähigkeit nach dem ersten Schnitt aus.
Gelber Breitblättriger
Früh (ca. 35–40 Tage)Mittlerer bis hoher Ertrag.
Anfällig für: Kälte, Botrytis
Besonders zarte, hellgrün bis gelbliche Blätter mit feinsäuerlichem Aroma. Etwas empfindlicher gegen kühle Witterung als die grüne Form.
Groninger
Früh (ca. 35 Tage)Hoher Ertrag bei dichtem Stand.
Resistent gegen: Blattbrand
Anfällig für: Staunässe
Bewährte, robuste Selektion mit aufrechtem Wuchs, die sich hervorragend für den maschinellen Schnitt eignet.
Goldgelber
Früh bis mittelfrüh (ca. 38 Tage)Guter Ertrag bei optimaler Wärme.
Anfällig für: Sclerotinia minor, Spätfrost
Attraktive, goldgelbe Blätter, die besonders in Salatbeischmischungen optische Akzente setzen. Benötigt sehr warme Keimbedingungen.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich der optimale Erntezeitpunkt beim Gemüseportulak bestimmen?
Der beste Erntezeitpunkt liegt kurz vor der Blüte (BBCH-Stadium 51), wenn die Blätter maximal fleischig und aromatisch sind. Sobald die Kultur zu blühen beginnt, werden die Stängel zäh und der Geschmack kann bitter werden. Für den Frischmarkt wird meist bei einer Wuchshöhe von 10 bis 15 cm geschnitten.
Kann Gemüseportulak mehrfach beerntet werden und was ist dabei zu beachten?
Ja, ein zweiter und manchmal dritter Schnitt ist möglich, wenn beim ersten Schnitt die untersten Blattachseln (ca. 3–5 cm über dem Boden) stehen gelassen werden. Nach dem Schnitt ist eine leichte Bewässerung ratsam, um den Neuaustrieb anzuregen. Die Folgeerträge sind jedoch meist etwas geringer als der Erstertrag.
Welche pflanzenbaulichen Maßnahmen mindern das Risiko von Sclerotinia-Infektionen?
Da Sclerotinia-Arten feuchte Mikroklimata bevorzugen, sind eine moderate Saatdichte und eine exakte Unkrautregulierung entscheidend. Vermeiden Sie Überkopfberegnung am Abend, damit die Kultur vor der Nacht abtrocknen kann. Zudem sollte Portulak nicht nach anfälligen Kulturen wie Salat oder Raps angebaut werden.
Wie finde ich zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Nischenkultur auf agronomy.farmable.tech?
Da Gemüseportulak als Nischenkultur (Minor Crop) gilt, sind nur wenige Pflanzenschutzmittel regulär zugelassen. Nutzen Sie die Such- und Filtersysteme in unserem Hub, um gezielt nach Indikationen für 'Gemüseportulak' oder 'Portulak-Arten' zu filtern, und achten Sie auf Genehmigungen nach Artikel 51 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 (Lückenindikation).
Welche Rolle spielt die Bodentemperatur bei der Aussaat von Sommerportulak?
Als wärmeliebende C4-Pflanze benötigt Gemüseportulak eine Mindestbodentemperatur von 12 bis 15 °C für eine zügige und gleichmäßige Keimung. Bei kühleren Bedingungen verzögert sich der Feldaufgang erheblich, was das Risiko für bodenbürtige Schaderreger wie Pythium-Arten drastisch erhöht.