Sommerportulak
Der Gemüseportulak (Portulaca oleracea subsp. sativa, EPPO-Code: `POROS`), auch bekannt als Sommerportulak oder Kohlportulak, ist eine einjährige, sukkulente Kultur, die in der mitteleuropäischen Nischenproduktion zunehmend an Bedeutung gewinnt. Als wärmeliebendes Blattgemüse zeichnet sich diese Kultur durch ein extrem schnelles Wachstum und einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen aus. Die Kultur bevorzugt sandig-lehmige, gut erwärmbare Böden in sonnigen Lagen und reagiert empfindlich auf Spätfröste.
In der landwirtschaftlichen Praxis wird Gemüseportulak meist als Direktsaat oder über Sätze im Freiland sowie im geschützten Anbau kultiviert. Aufgrund der kurzen Entwicklungszeit eignet er sich hervorragend als schnelle Nachkultur oder Zwischenkultur im Gemüsebau. Die Ernte erfolgt kurz vor der Blüte, da die Blätter danach einen bitteren Geschmack annehmen können.
Bodenmanagement
Der Gemüseportulak stellt moderate Ansprüche an den Boden, bevorzugt jedoch leichte bis mittelschwere, sandige Lehmböden mit guter Erwärmbarkeit. Ein feinkrümeliges Saatbett ist für die feinen Samen der Kultur essenziell, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu sichern. Da die Kultur empfindlich auf Staunässe reagiert, musst du auf eine ausreichende Drainage und Strukturstabilität des Bodens achten. Eine moderate Stickstoffversorgung ist ausreichend, da ein Überangebot zu weichem Gewebe und erhöhter Krankheitsanfälligkeit führt. Humusreiche Böden fördern das schnelle Wachstum, was für eine hohe Qualität der zarten Blätter entscheidend ist.
Schaderreger-Management
Aufgrund der kurzen Kulturzeit ist der Pflanzenschutz beim Gemüseportulak vor allem präventiv auszurichten. Zu den relevanten Schaderregern im Pilzbereich gehören Sclerotinia sclerotiorum, Sclerotinia minor und Botrytis cinerea, die besonders bei feucht-warmer Witterung oder zu dichter Saat Fäulnis verursachen können. Ein weiter Reihenabstand und bedarfsgerechtes Gießen am Morgen helfen, die Bestände schnell abtrocknen zu lassen. Gegen Unkräuter wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) ist eine sorgfältige mechanische Unkrautregulierung vor der Saat oder im frühen BBCH-Stadium wichtig, da chemische Pflanzenschutzmittel in dieser Nischenkultur nur sehr begrenzt zugelassen sind. Achte bei der Fruchtfolge darauf, Portulak nicht nach anderen anfälligen Korb- oder Kreuzblütlern anzubauen, um das Sclerotinia-Risiko zu minimieren.
Sorten
Goldgelber
Sehr früh (ca. 3–4 Wochen)Mittlerer Ertrag, sehr feine Qualität.
Anfällig für: Spätfrost, Botrytis cinerea
Beliebte Sorte mit hellgelben, sehr zarten Blättern und mild-säuerlichem Geschmack.
Grüner Breitblättriger
Früh bis mittelfrüh (ca. 4–5 Wochen)Hoher Ertrag durch kräftigen Wuchs.
Anfällig für: Sclerotinia sclerotiorum
Robuste Sorte mit dickfleischigen, dunkelgrünen Blättern. Etwas unempfindlicher gegen kühlere Witterung.
Flämischer Breitblättriger
MittelfrühGuter bis sehr hoher Ertrag bei dichtem Stand.
Anfällig für: Staunässe
Traditionelle Auslese mit aufrechtem Wuchs, was die mechanische Ernte erleichtert.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie oft kannst du Gemüseportulak pro Aussaat schneiden?
In der Regel kannst du Gemüseportulak zwei- bis dreimal beernten. Dafür schneidest du die Triebe etwa 5 cm über dem Boden ab, damit die Herzblätter unbeschädigt bleiben und die Kultur rasch wieder austreiben kann. Der erste Schnitt liefert meist die zarteste Qualität.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium für den optimalen Erntezeitpunkt?
Die Ernte sollte idealerweise im BBCH-Stadium 41 bis 49 erfolgen, bevor die Blütenknospen sichtbar werden (BBCH 51). Sobald die Kultur blüht, lagert sie vermehrt Oxalsäure ein, wodurch die Blätter einen bitteren, weniger angenehmen Geschmack annehmen und zäh werden.
Wie gehst du mit dem hohen Unkrautdruck durch die Gemeine Quecke im Portulakanbau um?
Da Gemüseportulak extrem flach wurzelt und chemische Pflanzenschutzmittel kaum zugelassen sind, solltest du vor der Saat das Falsche Saatbett anwenden. Gegen hartnäckige Schaderreger wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) hilft nur eine konsequente mechanische Bodenbearbeitung im Vorfeld, da spätes Hacken die feinen Wurzeln des Portulaks beschädigen würde.
Wie verhinderst du Sclerotinia-Fäule im geschützten Anbau von Portulak?
Sclerotinia-Arten (Sclerotinia sclerotiorum und Sclerotinia minor) lieben stehende Feuchtigkeit. Du solltest den Bestand ausschließlich morgens direkt am Boden bewässern und für eine hervorragende Lüftung im Gewächshaus sorgen. Vermeide zudem zu hohe Pflanzdichten, damit die Blätter nach dem Gießen zügig abtrocknen können.
Kannst du Gemüseportulak im Winter als Zwischenfrucht im unbeheizten Folientunnel anbauen?
Nein, für den echten Winteranbau ist der Gemüseportulak (Sommerportulak) ungeeignet, da er Frosttemperaturen nicht verträgt. Für den Winteranbau im kalten Gewächshaus solltest du stattdessen auf den botanisch nicht verwandten Winterportulak (Tellerkraut, Claytonia perfoliata) ausweichen.
Wo findest du aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Nischenkultur?
Da Gemüseportulak als Lückenindikation gilt, sind reguläre Zulassungen selten. Du kannst im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach aktuellen Notfallzulassungen nach Artikel 53 oder Genehmigungen für geringfügige Verwendungen (Artikel 51) suchen, um rechtssichere Anwendungen zu planen.