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Kultur

Wiesenschwingel

Lolium pratense
FESPR

Der Wiesenschwingel (Lolium pratense, EPPO-Code: `FESPR`), in der landwirtschaftlichen Praxis auch unter dem Synonym Festuca pratensis bekannt, gehört zu den wertvollsten ausdauernden Futtergräsern des mitteleuropäischen Wirtschaftsgrünlandes. Die Kultur zeichnet sich durch eine hervorragende Winterhärte, gute Ausdauer und eine hohe Standorttoleranz aus. Sie liefert qualitativ hochwertiges, schmackhaftes Futter und eignet sich sowohl für die Mähnutzung als auch für die Beweidung in Mischungen mit Deutschem Weidelgras und Rotklee.

Aufgrund seiner langsamen Jugendentwicklung ist der Wiesenschwingel im Ansaatjahr konkurrenzschwach gegenüber rasch wachsenden Unkräutern und Ungräsern. Einmal etabliert, bildet er jedoch dichte, ausdauernde Bestände, die auch auf feuchten oder zeitweise überschwemmten Standorten sowie in raueren Lagen stabil ertragreich bleiben. Die Kultur stellt mittlere bis hohe Ansprüche an die Wasser- und Nährstoffversorgung, reagiert jedoch empfindlich auf extreme Trockenheit.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Frühjahrssaat) oder August bis Anfang September (Spätsommersaat)
Erntefenster
Mai bis Oktober (mehrere Schnitte pro Jahr, erster Schnitt meist Ende Mai bei BBCH 51–55)
Reihenabstand
12–15 cm (Drillsaat) oder Breitsaat
Typischer Ertrag
80–110 dt TM/ha (Trockenmasse pro Jahr bei intensiver Nutzung)
Wärmesumme (GDD)
2000 °C
Boden-pH
5,5–6,8

Bodenmanagement

Für eine erfolgreiche Etablierung der Kultur ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett entscheidend, da der Wiesenschwingel eine flache Saatgutablage von nur 1–2 cm benötigt. Der Boden sollte gut mit Phosphor und Kali versorgt sein, um die Wurzelentwicklung in der empfindlichen Jugendphase zu unterstützen. Eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung, aufgeteilt auf die einzelnen Aufwüchse, sichert hohe Erträge und fördert die Bestockung. Auf schweren Böden ist auf eine gute Struktur zu achten, um Verdichtungen zu vermeiden, da die Kultur empfindlich auf Sauerstoffmangel im Wurzelraum reagiert. Regelmäßiges Walzen nach der Saat verbessert den Bodenschluss und sichert einen gleichmäßigen Feldaufgang.

Schaderreger-Management

Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung ist die Regulierung von konkurrierenden Schaderregern wie Windhalm sowie Einjähriger und Gemeiner Rispe in der Etablierungsphase von zentraler Bedeutung. Ein mechanischer Reinigungsschnitt im Ansaatjahr hilft, einjährige Unkräuter effektiv zu unterdrücken, bevor sie die Kultur beschatten. Gegen pilzliche Schaderreger wie Kronenrost oder Schneeschimmel im Winter ist eine angepasste Sortenwahl die wirksamste vorbeugende Maßnahme. Falls chemische Pflanzenschutzmittel im Grünland oder zur Saatgutvermehrung notwendig werden, ist auf die genaue Einhaltung der zugelassenen Anwendungen und der gesetzlichen Wartezeit zu achten. Ein ausgewogenes Weidemanagement und rechtzeitiges Mähen verhindern zudem die Ausbreitung von gemeiner Rispe und fördern die Konkurrenzkraft des Bestandes.

Sorten

Cosima

mittelspät

Hoher Gesamtertrag mit sehr guter Ertragsverteilung über die Aufwüchse.

Resistent gegen: Kronenrost, Auswinterung

Anfällig für: Blattfleckenkrankheit

Sehr ausdauernde und winterharte Sorte, hervorragend für ausdauernde Weidemischungen geeignet.

Preval

mittel

Sehr hoher Ertrag im ersten Schnitt und stabile Folgeaufwüchse.

Resistent gegen: Kronenrost, Bakterienwelke

Anfällig für: Schneeschimmel

Breit empfohlene Sorte mit exzellenter Ausdauer und rascher Anfangsentwicklung.

Senu

früh bis mittel

Gute Ertragsleistung insbesondere in den ersten Nutzungsjahren.

Resistent gegen: Frost, Kronenrost

Anfällig für: Fusarium

Besonders winterharte Sorte, die sich gut für raue Lagen und Höhenlagen eignet.

Liherold

früh

Sehr hoher Ertrag im ersten Aufwuchs, danach leicht abfallend.

Resistent gegen: Auswinterung

Anfällig für: Kronenrost

Frühe Sorte mit raschem Ergrünen im Frühjahr, ideal für die frühe Silagenutzung.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Warum ist die Konkurrenzkraft von Wiesenschwingel im Ansaatjahr so gering?

Im Vergleich zu Deutschem Weidelgras keimt und wächst Wiesenschwingel in den ersten Wochen deutlich langsamer. In dieser Phase können schnellwüchsige Schaderreger wie die Einjährige Rispe (*Poa annua*) oder Windhalm die jungen Keimlinge leicht überwachsen. Du solltest daher im Ansaatjahr unbedingt auf ein sauberes Saatbett achten und gegebenenfalls frühzeitig einen mechanischen Reinigungsschnitt durchführen.

Wie erkennst du den optimalen Zeitpunkt für den ersten Schnitt?

Der optimale Schnittzeitpunkt liegt zu Beginn des Rispenschiebens (BBCH-Stadium 51 bis 53). Wartest du zu lange, verholzt die Kultur schnell, was den Rohfasergehalt erhöht und die Futterqualität sowie die Schmackhaftigkeit für das Vieh drastisch senkt. Ein früher Schnitt sichert dir zudem einen kräftigen und schnellen Wiederaustrieb für den zweiten Aufwuchs.

Welche Rolle spielt Wiesenschwingel in Grünlandmischungen?

Wiesenschwingel ist der ideale Partner für Standorte, die für Deutsches Weidelgras zu trocken, zu kalt oder zu wechselfeucht sind. Er schließt die Lücke in Mischungen für raue Lagen und sorgt dank seiner hohen Winterhärte für stabile Erträge im Dauergrünland, wo er sich hervorragend mit Rotklee und Wiesenlieschgras ergänzt.

Wie gehst du vor, wenn sich Gemeine Rispe (*Poa trivialis*) im Bestand ausbreitet?

Die Gemeine Rispe ist ein flachwurzelndes Ungras, das dichte Filze bildet und den Wiesenschwingel verdrängt. Du kannst dem entgegenwirken, indem du im Frühjahr oder nach dem Schnitt den Bestand kräftig striegelst, um die flachen Ausläufer herauszureißen. Achte zudem auf eine ausgewogene Stickstoffdüngung, da Überdüngung die Gemeine Rispe im Vergleich zur Kultur übermäßig fördert.

Welche Pflanzenschutzmittel-Anwendungen sind bei der Saatgutvermehrung zu beachten?

Bei der Vermehrung von Wiesenschwingel zur Saatgutgewinnung gelten strengere gesetzliche Vorgaben als bei der reinen Futternutzung. Du musst bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel darauf achten, dass diese explizit für die Anwendung in der Saatgutvermehrung von Gräsern zugelassen sind. Beachte unbedingt die spezifischen Wartezeiten und Abdriftauflagen der Zulassungsbehörden, um Rückstände im Erntegut zu vermeiden.

Wie schützt du deinen Bestand vor winterlichen Pilzerkrankungen?

Schneeschimmel tritt besonders auf, wenn der letzte Aufwuchs zu hoch in den Winter geht und eine geschlossene Schneedecke den Bestand erdrückt. Du solltest die Kultur im Herbst noch einmal auf eine Höhe von etwa 8–10 cm abmähen oder abweiden. Dies sorgt für eine bessere Durchlüftung und verringert das Risiko für winterliche Pilzinfektionen erheblich.