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Kultur

Wiesenschwingel

Lolium pratense
FESPR

Der Wiesenschwingel (Lolium pratense, EPPO-Code: `FESPR`), in der landwirtschaftlichen Praxis auch häufig unter dem botanischen Synonym Festuca pratensis geführt, ist ein ausdauerndes, winterhartes Obergras von herausragender Bedeutung für das mitteleuropäische Grünland. Als wertvolles Futtergras zeichnet sich diese Kultur durch eine hohe Ertragsstabilität, hervorragende Winterhärte und eine sehr gute Anpassungsfähigkeit an feuchte bis mäßig trockene Standorte aus. Im Vergleich zum Deutschen Weidelgras ist der Wiesenschwingel zwar etwas langsamer in der Jugendentwicklung, bildet aber nach der Etablierung dichte, ausdauernde Bestände, die sowohl für die Mahd als auch für eine moderate Beweidung bestens geeignet sind.

In der landwirtschaftlichen Nutzung wird die Kultur entweder in Reinsaat zur Saatguterzeugung oder, weitaus häufiger, in artenreichen Qualitätsstandardmischungen (QSM) für das Dauergrünland und den mehrjährigen Feldfutterbau eingesetzt. Sie liefert strukturreiches, schmackhaftes Futter mit hoher Verdaulichkeit. Für den Erfolg im Anbau sind eine sorgfältige Saatbettbereitung und ein angepasstes Schnittmanagement entscheidend, um die Konkurrenzkraft gegenüber unerwünschten Schaderregern und gemeinen Ungräsern langfristig zu sichern.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April oder August bis Anfang September
Erntefenster
Ende Juni bis Mitte Juli (Saatgut); Mai bis Oktober (Futternutzung)
Reihenabstand
12,5–25 cm
Typischer Ertrag
80–110 dt TM/ha (Futter) oder 6–10 dt/ha (Saatgut)
Wärmesumme (GDD)
1280
Boden-pH
5,5–7,0

Bodenmanagement

Der Wiesenschwingel stellt mittlere bis hohe Ansprüche an die Bodenfeuchtigkeit und gedeiht besonders gut auf tiefgründigen, nährstoffreichen Lehm- und Tonböden sowie auf gut zersetzten Niedermoorböden. Extrem trockene Sandböden oder staunasse, kalte Standorte sind für den wirtschaftlichen Anbau dieser Kultur ungeeignet. Vor der Aussaat ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett herzustellen, da das feine Saatgut eine flache Ablagetiefe von maximal 1 bis 2 cm erfordert. Eine ausreichende Versorgung mit Phosphor und Kalium im Herbst fördert die Bestockung und Winterhärte der jungen Pflanzen. Im Frühjahr regt eine moderate Stickstoffgabe den Austrieb und die Bestandsdichte an, wobei im reinen Futterbau die Gaben auf die geplanten Aufwüchse aufgeteilt werden sollten.

Schaderreger-Management

Im Bereich des Pflanzenschutzes liegt das Hauptaugenmerk, insbesondere bei der Saatguterzeugung, auf der Regulierung von konkurrierenden Ungräsern wie dem Windhalm (Apera spica-venti) sowie der Einjährigen und Gemeinen Rispe (Poa annua, Poa trivialis). Da diese Schaderreger die Reinheit des Ernteguts stark beeinträchtigen, müssen mechanische Maßnahmen wie der Striegeleinsatz im frühen BBCH-Stadium oder gezielte chemische Pflanzenschutzmittel sorgfältig abgestimmt werden. Gegen pilzliche Schaderreger wie Kronenrost (Puccinia coronata) oder Typhaschimmel helfen vor allem eine ausgewogene Stickstoffdüngung und die Wahl resistenter Sorten. Ein rechtzeitiger Schnitt im Futterbau mindert zudem das Risiko einer Ausbreitung von Blattkrankheiten im Bestand. Nach dem letzten Schnitt im Herbst sollte die Kultur nicht zu hoch in den Winter gehen, um Schneeschimmelbefall vorzubeugen.

Sorten

Preval

Mittelspät

Sehr hoher Gesamtertrag mit exzellenter Ertragsverteilung über die einzelnen Aufwüchse.

Resistent gegen: Kronenrost, Blattfleckenkrankheit

Eine der am häufigsten angebauten Sorten in Deutschland. Zeichnet sich durch hervorragende Ausdauer, Winterhärte und Narbendichte aus.

Pradel

Früh

Hoher Ertrag im ersten Aufwuchs, fällt in den Folgeaufwüchsen leicht ab.

Resistent gegen: Winterauswinterung

Anfällig für: Kronenrost

Sehr rasche Jugendentwicklung und gute Konkurrenzkraft im Ansaatjahr. Ideal für die frühe Silagenutzung.

Cosmopolitan

Mittel

Sehr hohe Trockenmasseerträge bei gleichzeitig überdurchschnittlicher Futterqualität.

Resistent gegen: Kronenrost

Moderne Sorte mit exzellenter Rostresistenz und sehr guter Eignung für intensive Grünlandmischungen.

Liherold

Früh bis mittel

Stabile, ausgeglichene Erträge über alle Nutzungsjahre hinweg.

Resistent gegen: Schneeschimmel

Anfällig für: Rostkrankheiten

Sehr ausdauernde Sorte, die sich hervorragend für kühlere Mittelgebirgslagen und raue Standorte eignet.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich die Gemeine Rispe (Poa trivialis) in Wiesenschwingel-Vermehrungsbeständen am effektivsten regulieren?

Die Regulierung der Gemeinen Rispe ist im Saatgutanbau äußerst anspruchsvoll, da kaum selektive chemische Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen. Die wichtigste Maßnahme ist eine konsequente mechanische Bodenbearbeitung vor der Aussaat (falsches Saatbett) sowie die Wahl von Flächen ohne Vorbelastung. In etablierten Beständen kann ein frühzeitiger Reinigungsschnitt vor der Samenreife der Rispe im Frühjahr (BBCH-Stadium 30–32) die weitere Aussamung im Bestand effektiv eindämmen.

Welchen Einfluss hat das BBCH-Stadium beim ersten Schnitt auf die Futterqualität des Wiesenschwingels?

Der optimale Schnittzeitpunkt für die Futtergewinnung liegt beim Ährenschieben (BBCH-Stadium 51 bis 55). Zu diesem Zeitpunkt ist das Verhältnis zwischen Rohfasergehalt und Energiekonzentration optimal ausgewogen. Ein späterer Schnitt führt zu einer raschen Verholzung der Stängel, wodurch die Verdaulichkeit und die Futteraufnahme durch das Vieh drastisch sinken.

Warum ist die Jugendentwicklung von Lolium pratense im Vergleich zu Lolium perenne verzögert und was bedeutet das für die Praxis?

Wiesenschwingel besitzt eine deutlich langsamere Keim- und Jugendphase als das Deutsche Weidelgras. In den ersten Wochen nach der Aussaat ist die Kultur daher besonders empfindlich gegenüber Unkrautkonkurrenz. Landwirte sollten im Mischungsanbau darauf achten, den Anteil extrem konkurrenzstarker Partnergräser zu begrenzen, um den Wiesenschwingel in der kritischen Etablierungsphase nicht zu unterdrücken.

Wie kann man Schneeschimmelbefall (Microdochium nivale) im Herbst und Winter vorbeugend verhindern?

Um Schneeschimmel vorzubeugen, darf der Bestand nicht zu hoch in den Winter gehen. Ein letzter Säuberungsschnitt oder eine moderate Beweidung im Spätherbst auf eine Aufwuchshöhe von ca. 8–10 cm ist ideal. Zudem sollte eine späte, stickstoffbetonte Düngung im September vermieden werden, da diese das Gewebe weich und anfällig für den pilzlichen Schaderreger macht.

Wie finde ich im Pflanzenschutz-Informationssystem registrierte Mittel gegen Windhalm (Apera spica-venti) in Wiesenschwingel?

Suchen Sie im Portal gezielt nach zugelassenen Anwendungen für die Kultur „Wiesenschwingel (Saatguterzeugung)“ oder „Wiesenschwingel (Futternutzung)“, da sich die Zulassungen je nach Verwendungszweck stark unterscheiden. Achten Sie darauf, ob das jeweilige Pflanzenschutzmittel explizit für die Bekämpfung von einkeimblättrigen Ungräsern (Graminizide) im Nachauflauf zugelassen ist und beachten Sie die spezifischen BBCH-Anwendungsfenster sowie die vorgeschriebene Wartezeit.

Welche Rolle spielt die Ausdauer (Persistenz) des Wiesenschwingels bei der Grünlanderneuerung?

Wiesenschwingel gilt als sehr ausdauernd (bis zu 10 Jahre bei guter Führung), reagiert aber empfindlich auf zu intensive Nutzung (mehr als 4–5 Schnitte pro Jahr) und schwere Weideführung mit tiefem Tritt. Für eine erfolgreiche Nachsaat im Dauergrünland sollte er nur auf Standorten ausgebracht werden, die seinen Feuchtigkeitsansprüchen genügen, da er sich gegen etablierte Altnarben sonst nur schwer durchsetzt.