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Kulturgruppe

Sprossgemüse

7 Mitgliedskulturen
NNNVS

Die BVL-Kulturgruppe „Sprossgemüse“ (Code: NNNVS) fasst eine botanisch sehr heterogene, aber nutzungs- und anbautechnisch eng verwandte Gruppe von Gemüsekulturen zusammen. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Gruppe gehören wirtschaftlich bedeutende Kulturen wie Spargel (Asparagus officinalis), Porree (Allium porrum), Rhabarber (Rheum rhabarbarum) und Gemüsefenchel (Foeniculum vulgare var. azoricum), aber auch Nischenkulturen wie Artischocke, Bleichsellerie und Weißer Meerkohl. Was diese Kulturen eint, ist die primäre Nutzung der oberirdischen Sprosse, Stängel oder Blattscheiden als Erntegut.

Aus Sicht des Pflanzenschutzes und des Zulassungswesens ermöglicht diese Gruppierung eine vereinfachte Übertragbarkeit von Zulassungen (Indikationszulassungen). Da viele dieser Kulturen als Sonderkulturen mit relativ geringen Anbauflächen gelten (sogenannte „minor crops“), ist die Zusammenfassung im BVL-System essenziell, um Lücken im Pflanzenschutz zu schließen. So können Pflanzenschutzmittel, die für die Gruppe des Sprossgemüses zugelassen sind, unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen auf allen zugeordneten Kulturen angewendet werden, was den bürokratischen Aufwand für dich im Betrieb erheblich reduziert.

Pflanzenschutz auf Gruppenebene

Beim integrierten Pflanzenschutz im Sprossgemüse steht die Vorbeugung im Vordergrund, da die geernteten Pflanzenteile (Sprosse und Stängel) direkt dem Qualitätsurteil des Marktes unterliegen und optische Mängel rasch zur Unverkäuflichkeit führen. Ein zentraler, kulturübergreifender Schaderreger ist der Pilz *Sclerotinia sclerotiorum* (Weißstängeligkeit), der besonders bei feucht-warmer Witterung und dichten Beständen verheerende Schäden an Rhabarber, Fenchel oder Sellerie anrichten kann. Ein konsequentes Fruchtfolgemanagement, die Vermeidung von Staunässe und eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung zur Vermeidung von zu weichem Gewebe sind grundlegende pflanzenbauliche Maßnahmen. Da chemische Pflanzenschutzmittel in dieser Gruppe oft nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung stehen, ist ein striktes Resistenzmanagement nach den Vorgaben von FRAC (Fungizide), IRAC (Insektizide) und HRAC (Herbizide) unerlässlich. Du solltest Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen konsequent abwechseln, um die Entstehung resistenter Schaderreger-Populationen zu verhindern. Achte bei der Applikation besonders auf die Einhaltung der spezifischen Wartezeiten und BBCH-Stadien, da die Rückstandshöchstmengen (MRL) bei diesen direkt verzehrten Sprossstrukturen streng kontrolliert werden.

Kulturen in dieser Gruppe

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

AFEPASA GREENHOUSE SULPHUR TABLETS
AFEPASA GLOBAL SAU
00A990-00
BACTOSPEINE ES
SUMITOMO CHEMICAL
024080-60
BELOUKHA
Certis Belchim B.V.
008528-00
Celaflor Schädlingsfrei Zierpflanzen Konzentrat
Evergreen Garden Care
043743-68
Chrysal Blattläuse Stop Pumpspray
W. NEUDORFF GMBH KG
034210-61
Dipel ES
SUMITOMO CHEMICAL
024080-00
Dr. Stähler Blattlausfrei-Spray
W. NEUDORFF GMBH KG
034210-64
Eradicoat Max
Certis Belchim B.V.
00A541-00
LALSTOP G46 WG
Danstar Ferment AG
00B229-00
Lizetan Buchsbaumzünslerfrei
SUMITOMO CHEMICAL
024080-62
Micula
Evergreen Garden Care
043743-00
Naturen Austriebs-Spritzmittel
Evergreen Garden Care
043743-62
Naturen Bio Austriebs-Spritzmittel
Evergreen Garden Care
043743-64
Naturen Bio-Schädlingsfrei
Evergreen Garden Care
043743-65
Naturen Schädlingsfrei
Evergreen Garden Care
043743-63
Naturen Schädlingsfrei Obst und Gemüse Konzentrat
Evergreen Garden Care
043743-66
Naturen Schädlingsfrei Zierpflanzen Konzentrat
Evergreen Garden Care
043743-67
Neudosan AF Neu Blattlausfrei
W. NEUDORFF GMBH KG
034210-00
Neudosan Neu
W. Neudorff GmbH KG
034207-60
Neudosan Neu
W. NEUDORFF GMBH KG
034207-60
Neudosan Neu Blattlausfrei
W. Neudorff GmbH KG
034207-00
Neudosan Neu Blattlausfrei
W. NEUDORFF GMBH KG
034207-00
Neudosan Obst-& GemüseSchädlingsFrei
W. Neudorff GmbH KG
034207-61
Neudosan Obst-& GemüseSchädlingsFrei
W. NEUDORFF GMBH KG
034207-61
PROBLAD
CEV, S.A.
00A852-00
Schädlingsfrei Naturen
Evergreen Garden Care
043743-61
Serenade ASO
Bayer CropScience Deutschland GmbH
007918-00
Substral Blattlaus Schädlingsfrei
Evergreen Garden Care
043743-69
Universal-Raupenfrei Lizetan
SUMITOMO CHEMICAL
024080-61
UPSIDE
Kwizda Agro GmbH
00A891-00
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Häufige Fragen

Wie finde ich heraus, ob ein Pflanzenschutzmittel für alle Kulturen der Gruppe Sprossgemüse zugelassen ist?

Wenn ein Pflanzenschutzmittel vom BVL explizit für die Gruppe „Sprossgemüse“ zugelassen wurde, gilt diese Zulassung für alle in der Gruppe gelisteten Kulturen wie Spargel, Porree oder Rhabarber. Du musst jedoch im Zulassungstext genau prüfen, ob es Einschränkungen (z. B. „ausgenommen Spargel“) gibt. Nutze dafür die tagesaktuellen Online-Datenbanken des BVL oder die Filterfunktionen in unserem Hub, um gezielt nach Gruppen- und Einzelzulassungen zu suchen.

Wie kann ich das Risiko eines Befalls mit Sclerotinia sclerotiorum im Sprossgemüse vorbeugend minimieren?

Da *Sclerotinia sclerotiorum* langlebige Dauerkörper (Sklerotien) im Boden bildet, solltest du eine weite Fruchtfolge mit Nicht-Wirtspflanzen (wie Getreide oder Mais) einhalten. Vermeide zu hohe Pflanzdichten, damit die Bestände nach Regenfällen schnell abtrocknen können. Eine gezielte mechanische Unkrautbekämpfung mindert zudem das feuchte Mikroklima im Bodenbereich, das die Sporenausschüttung des Pilzes begünstigt.

Warum ist das Resistenzmanagement bei Sprossgemüse-Kulturen besonders anspruchsvoll?

Da viele Kulturen dieser Gruppe zu den Nischenkulturen gehören, gibt es oft nur sehr wenige zugelassene Wirkstoffe pro Schaderreger. Wenn du wiederholt Pflanzenschutzmittel aus derselben FRAC- oder IRAC-Klasse einsetzt, selektierst du schnell resistente Stämme. Du solltest daher biologische Maßnahmen (z. B. Nützlingseinsatz, physikalische Barrieren) integrieren und chemische Wirkstoffklassen konsequent bei jeder Behandlung rotieren.

Welche Rolle spielen die BBCH-Stadien bei der Terminierung von Behandlungen im Sprossgemüse?

Die BBCH-Stadien bestimmen den rechtlich zulässigen Anwendungszeitraum eines Pflanzenschutzmittels. Bei Kulturen wie Spargel ist dies besonders kritisch: Viele Herbizide und Fungizide dürfen beispielsweise nur vor dem Austrieb (BBCH 00) oder erst nach dem Ende der Stechzeit im grünen Kraut (nach BBCH 09 bzw. in der vegetativen Phase) angewendet werden. Ein Verstoß kann zu unzulässigen Rückständen oder massiven Ertragsverlusten im Folgejahr führen.

Was muss ich bei der Unkrautbekämpfung in einer so heterogenen Gruppe wie dem Sprossgemüse beachten?

Da die botanische Verwandtschaft innerhalb der Gruppe sehr gering ist (z. B. einkeimblättriger Porree vs. zweikeimblättriger Rhabarber), gibt es kaum Herbizide, die über die gesamte Gruppe hinweg verträglich sind. Hier greifen Gruppen-Zulassungen selten unbeschränkt. Du musst dich daher zwingend an den kulturspezifischen Gebrauchsanleitungen orientieren und im Zweifel auf mechanische Verfahren oder selektive Einzelzulassungen ausweichen.

Warum weichen die Wartezeiten (PHI) innerhalb der Gruppe Sprossgemüse manchmal so stark voneinander ab?

Die Wartezeit hängt stark von der Morphologie der Kultur und dem Erntezeitpunkt ab. Während bei Rhabarber oder Bleichsellerie die oberirdischen Stängel direkt verzehrt werden und somit eine späte Behandlung lange Wartezeiten erfordert, wird Spargel oft erst Monate nach der letzten Krautbehandlung im Folgejahr geerntet. Achte daher immer auf die kulturspezifischen Wartezeit-Angaben in den Zulassungsdokumenten, um Rückstandsüberschreitungen zu vermeiden.