LONTREL 720 SG
LONTREL 720 SG ist ein hochkonzentriertes, systemisches Herbizid von Corteva Agriscience, das sich als Standardlösung zur selektiven Bekämpfung schwer bekämpfbarer zweikeimblättriger Unkräuter etabliert hat. Formuliert als wasserlösliches Granulat (SG), zeichnet sich das Pflanzenschutzmittel durch eine hervorragende Löslichkeit und einfache Handhabung aus. Es wird vor allem in anspruchsvollen Kulturen wie Raps, Zuckerrüben, Mais, Erdbeeren und Spargel eingesetzt, um Erträge vor starker Unkrautkonkurrenz zu schützen.
Das Wirkungsspektrum konzentriert sich insbesondere auf hartnäckige Schaderreger aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Hierzu zählen vor allem Kamille-Arten, die Acker-Hundskamille, Kreuzkraut-Arten sowie die tiefwurzelnde Acker-Kratzdistel. Durch seine systemische Wirkung erfasst das Mittel nicht nur die oberirdischen Pflanzenteile, sondern transportiert den Wirkstoff bis tief in das Wurzelsystem, was eine nachhaltige Bekämpfung ausdauernder Unkräuter garantiert.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der enthaltene Wirkstoff Clopyralid gehört zur chemischen Gruppe der Pyridincarbonsäuren und ist im HRAC-System als synthetisches Auxin (HRAC-Gruppe 4) klassifiziert. Clopyralid imitiert das natürliche Pflanzenhormon Indol-3-essigsäure (Auxin), blockiert jedoch im Gegensatz dazu nicht die pflanzeneigenen Regulationsmechanismen, sondern führt zu einer permanenten Überstimulation. Nach der Aufnahme über das Blattgewebe wird der Wirkstoff rasch akropetal und basipetal im Phloem und Xylem der Unkräuter verteilt und reichert sich in den meristematischen Geweben an. In den betroffenen Schaderregern löst dieser hormonelle Überschuss ein unkontrolliertes, asymmetrisches Zellwachstum aus. Dies äußert sich visuell durch die typischen Symptome wie Verkrümmungen, Stängelverdrehungen (Epinastie) und das Aufplatzen von Gewebe. In der Folge bricht das Leitgewebesystem der Unkräuter zusammen, was zu einem allmählichen Absterben der gesamten Pflanze inklusive der Wurzeln führt. Da einkeimblättrige Kulturen sowie bestimmte tolerante zweikeimblättrige Kulturen den Wirkstoff schnell metabolisieren oder gar nicht erst aufnehmen, weist das Pflanzenschutzmittel eine hervorragende Selektivität auf.
Resistenzmanagement
Um einer Selektion resistenter Biotypen – insbesondere bei ohnehin anpassungsfähigen Schaderregern wie Kamille-Arten – wirksam vorzubeugen, solltest du LONTREL 720 SG stets in ein integriertes Herbizidmanagement einbinden. Dies bedeutet, dass du den Einsatz von synthetischen Auxinen (HRAC-Gruppe 4) konsequent mit Wirkstoffen aus anderen HRAC-Klassen abwechselst oder in Tankmischungen kombinierst. Achte zudem darauf, mechanische Bekämpfungsmaßnahmen in die Fruchtfolge zu integrieren und die empfohlenen Aufwandmengen niemals zu reduzieren, um die Entstehung schleichender Resistenzen zu verhindern.
Mischbarkeit & Tankmischung
LONTREL 720 SG ist im Allgemeinen gut mit vielen gängigen Herbiziden, Fungiziden und flüssigen Blattdüngern mischbar, die in den registrierten Kulturen zugelassen sind. Bei der Erstellung von Tankmischungen solltest du das Granulat immer als erste Komponente im fast vollständig mit Wasser gefüllten Spritztank unter ständigem Rühren vollständig auflösen, bevor du weitere Produkte hinzufügst. Die Zugabe von geeigneten Netzmitteln oder Additiven kann die Benetzung und Wirkstoffaufnahme insbesondere bei verholzten oder stark bewachsenen Unkräutern verbessern. Verwende sauberes, nicht zu kaltes Wasser und vermeide extreme pH-Werte der Spritzbrühe, um Ausfällungen zu verhindern.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit dem Pflanzenschutzmittel ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Schutzhandschuhen und Schutzbrille beim Ansetzen der Spritzbrühe, zwingend erforderlich. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse im Zulassungsdokument ausgewiesen ist, solltest du aus Gründen des vorsorgenden Umweltschutzes Anwendungen nicht in blühende Bestände oder an Orten durchführen, an denen Bienen aktiv auf Nahrungssuche sind; verlege die Behandlung vorzugsweise in die späten Abendstunden. Um aquatische Organismen und das Grundwasser zu schonen, sind Abdriften auf angrenzende Gewässer oder Nichtzielflächen durch den Einsatz abdriftmindernder Düsentechnik strikt zu vermeiden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Zwiebelgemüse | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille, Kreuzkraut-Arten | — | 0.083 KILOGRAM_PER_HECTARE | 35T |
| Zwiebelgemüse | Acker-Kratzdistel | — | 0.083 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Baumschulgehölzpflanzen | Acker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | — | 167 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Zuckerrübe | Acker-Kratzdistel | — | 167 GRAM_PER_HECTARE | 90T |
| Zwiebelgemüse | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille, Kreuzkraut-Arten | — | 0.083 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Zuckerrübe | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | — | 167 GRAM_PER_HECTARE | 90T |
| Spargel | Acker-Kratzdistel | — | 0.167 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Rhabarber | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille, Kreuzkraut-Arten | — | 0.167 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Erdbeere | Acker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | — | 167 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Zuckermais | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille, Kreuzkraut-Arten | — | 0.167 KILOGRAM_PER_HECTARE | 70T |
| Rhabarber | Acker-Kratzdistel | — | 0.167 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Futterrübe | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | — | 167 GRAM_PER_HECTARE | 90T |
| Zuckermais | Acker-Kratzdistel | — | 0.167 KILOGRAM_PER_HECTARE | 70T |
| Erdbeere | Acker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | 0–59 | 167 GRAM_PER_HECTARE | 28T |
| Winterraps | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | 0–50 | 167 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Zwiebelgemüse | Acker-Kratzdistel | — | 0.083 KILOGRAM_PER_HECTARE | 35T |
| Mais | Acker-Kratzdistel | — | 167 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Futterrübe | Acker-Kratzdistel | — | 167 GRAM_PER_HECTARE | 90T |
| Spargel | Acker-Kratzdistel | — | 0.167 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung gegen die Acker-Kratzdistel?
Der beste Behandlungszeitpunkt liegt vor, wenn die Acker-Kratzdistel eine Wuchshöhe von etwa 15 bis 20 cm erreicht hat und sich im aktiven Wachstum (Rosettenstadium bis kurz vor dem Schossen) befindet. Zu diesem Zeitpunkt ist der Saftstrom in die Wurzeln besonders stark, wodurch der Wirkstoff Clopyralid optimal bis in die tiefen Wurzelstrukturen transportiert wird, um einen Wiederaustrieb nachhaltig zu verhindern.
Wie beeinflusst die Witterung die Wirkung von LONTREL 720 SG nach der Anwendung?
Für eine optimale Wirkung sind wüchsige Wetterbedingungen mit Temperaturen zwischen 12 °C und 20 °C ideal, da der Wirkstoff aktiv über den Stoffwechsel der Unkräuter transportiert werden muss. Vermeide Behandlungen bei extremer Trockenheit, Frostgefahr oder wenn die Unkräuter unter Stress stehen. Das Mittel ist nach etwa 2 bis 4 Stunden regenfest, sodass ein späterer Niederschlag die Herbizidleistung nicht mehr beeinträchtigt.
Kann ich das Produkt auch in frisch aufgelaufenen Kulturen anwenden?
Ja, das Produkt zeichnet sich durch eine hohe Kulturverträglichkeit aus. Dennoch musst du die spezifischen BBCH-Stadien der jeweiligen Kultur beachten. Während in manchen Kulturen eine frühe Anwendung ab dem Keimblattstadium möglich ist, erfordern andere Kulturen eine spätere Behandlung. Richte dich hierbei immer nach den registrierten Anwendungsfenstern für deine spezifische Kultur.
Was muss ich bei der Nachbauplanung nach dem Einsatz von Clopyralid beachten?
Da Clopyralid im Boden eine gewisse Persistenz aufweisen kann, solltest du bei der Nachbauplanung vorsichtig sein. Empfindliche Kulturen wie Leguminosen (Erbsen, Bohnen, Lupinen), Umbelliferen (Möhren) oder Solanaceen (Kartoffeln, Tomaten) sollten nicht unmittelbar als Folgekultur angebaut werden, wenn der Boden nicht tiefgründig gepflügt oder intensiv gelockert wurde. Getreide, Raps und Mais sind als Nachfolgekulturen im Rahmen der normalen Fruchtfolge hingegen unbedenklich.
Wie erkenne ich, ob die Behandlung gegen Kamille-Arten erfolgreich war?
Erste Symptome zeigen sich meist nach wenigen Tagen durch ein charakteristisches Drehen und Verkrümmen der Triebspitzen und Blätter (Epinastie). Die Pflanzen stellen ihr Wachstum sofort ein, sodass sie keine Konkurrenz mehr für deine Kultur darstellen. Der vollständige Absterbeprozess kann sich je nach Witterung über zwei bis drei Wochen hinziehen, da der Wirkstoff systemisch bis in die Wurzelspitzen wirkt.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech weitere zugelassene Produkte für meine Kultur?
Du kannst auf unserer Plattform ganz einfach über die Kultur-Suche oder die Schaderreger-Datenbank filtern. Wähle deine spezifische Kultur (z. B. Raps oder Zuckerrübe) und den Ziel-Schaderreger aus, um eine vollständige, tagesaktuelle Liste aller in Deutschland registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer Aufwandmengen und Anwendungsbestimmungen anzuzeigen.