Profi 360
Profi 360 ist ein hochkonzentriertes, nicht-selektives Blattherbizid zur Bekämpfung eines sehr breiten Spektrums von ein- und zweikeimblättrigen Unkräutern sowie holzigen Gewächsen und hartnäckigen Problemunkräutern wie der Acker-Winde. Als flüssiges Formulierungskonzentrat (SL) konzipiert, bietet dieses Pflanzenschutzmittel eine hervorragende systemische Wirkung, die über die grünen Teile der Schaderreger aufgenommen und in der gesamten Pflanze bis in die Wurzelspitzen transportiert wird.
Das Einsatzspektrum erstreckt sich über zahlreiche landwirtschaftliche Kulturen im Ackerbau, Weinbau sowie in der Forstwirtschaft. Neben der klassischen Unkrautbekämpfung vor der Saat oder nach der Ernte ist das Mittel auch für gezielte Anwendungen zur Sikkation in bestimmten Kulturen zugelassen, um die Ernte zu erleichtern und den Druschprozess zu optimieren.
Durch die optimierte Formulierung dringt der Wirkstoff Glyphosat rasch in das Pflanzengewebe ein. Dies gewährleistet auch unter wechselhaften Witterungsbedingungen eine hohe Regenfestigkeit und eine zuverlässige Wirkung gegen tiefwurzelnde, ausdauernde Unkrautarten, was Profi 360 zu einem bewährten Baustein im modernen Kulturmanagement macht.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in Profi 360 enthaltene Wirkstoff Glyphosat gehört zur HRAC-Gruppe 9 (ehemals Gruppe G). Die biochemische Wirkung beruht auf der spezifischen Blockierung des Enzyms 5-Enolpyruvylshikimat-3-phosphat-Synthase (EPSPS). Dieses Enzym ist eine Schlüsselkomponente im Shikimatweg, der ausschließlich in Pflanzen, Pilzen und Bakterien vorkommt und für die Synthese essenzieller aromatischer Aminosäuren (wie Phenylalanin, Tyrosin und Tryptophan) verantwortlich ist. Nach der Absorption über das Laub wird der Wirkstoff im Phloem systemisch verteilt und akkumuliert in den meristematischen Geweben der Spross- und Wurzelvegetationspunkte. Der Mangel an Aminosäuren führt zu einer schnellen Einstellung des Wachstums, gefolgt von Chlorosen und einer vollständigen Nekrotisierung der behandelten Schaderreger innerhalb von 10 bis 20 Tagen, je nach Witterung und Entwicklungsstadium.
Resistenzmanagement
Um der Entstehung von Wirkstoffresistenzen wirksam vorzubeugen, sollte Profi 360 stets in ein integriertes Unkrautmanagement (IWM) eingebunden werden. Dies umfasst den konsequenten Wechsel mit Herbiziden anderer Wirkstoffklassen (HRAC-Gruppen) sowie mechanische Bodenbearbeitungsmaßnahmen. Da Glyphosat der einzige weit verbreitete Vertreter der HRAC-Gruppe 9 ist, ist die Kombination mit pflanzenbaulichen Maßnahmen wie einer vielseitigen Fruchtfolge und dem Anbau von Zwischenfrüchten besonders kritisch, um den Selektionsdruck auf schwer bekämpfbare Unkrautpopulationen zu minimieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Profi 360 zeigt sich im Allgemeinen gut mischbar mit vielen gängigen Bodenherbiziden und Additiven. Bei der Herstellung von Tankmischungen ist jedoch stets auf die Wasserqualität zu achten; sehr hartes Wasser kann die Wirksamkeit von Glyphosat beeinträchtigen, weshalb in solchen Fällen der Zusatz eines geeigneten Wasserenthärters oder Ammoniumsulfats empfohlen wird. Vor der großflächigen Anwendung wird dringend ein physikalischer Mischbarkeitstest im Kleinen empfohlen. Die Anwendung sollte auf trockene Bestände erfolgen, um ein Abperlen der Spritzbrühe zu verhindern.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Profi 360 ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA) für den Anwender obligatorisch. Zum Schutz von Oberflächengewässern und Nichtzielorganismen sind die im Zulassungsbescheid des BVL definierten Abstandsauflagen und Abschwemmminderungsklassen strikt einzuhalten. Obwohl der Wirkstoff als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft ist, sollte eine direkte Benetzung von blühenden Unkräutern im Unterwuchs vermieden werden, um den Schutz von Bestäuberinsekten im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes zu maximieren.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Ackerbaukulturen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Mais | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Laubholz | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Stilllegungsflächen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wiesen, Weiden | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 4 LITER_PER_HECTARE | — |
| Getreide (Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Weizen) | Sikkation | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Rasen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 4 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zuckerrübe | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Laubholz | Holzgewächse, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintergerste | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Kernobst | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 42T |
| Getreide (Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Weizen) | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Wintergerste | Sikkation | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Laubholz | Adlerfarn | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Douglasie | Holzgewächse, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter, Acker-Winde | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 30T |
| Rasen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 4 LITER_PER_HECTARE | — |
| Lärche | Holzgewächse, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Nadelholz | Holzgewächse, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Nadelholz | Holzgewächse, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Nadelholz | Adlerfarn | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Nadelholz | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung gegen ausdauernde Unkräuter wie die Acker-Winde?
Die beste Wirkung gegen tiefwurzelnde Schaderreger wie die Acker-Winde wird erzielt, wenn die Pflanzen genügend Blattmasse entwickelt haben und sich in der Phase des aktiven Wachstums befinden (meist kurz vor oder während der Blüte). Zu diesem Zeitpunkt findet ein starker Assimilatstrom in die Wurzeln statt, wodurch der Wirkstoff optimal bis in die Wurzelspitzen transportiert wird.
Welchen Einfluss hat die Wasserhärte auf die Wirksamkeit von Profi 360?
Sehr hartes Wasser enthält hohe Konzentrationen an Calcium- und Magnesium-Ionen, die sich an das Glyphosat-Molekül binden und dessen Aufnahme durch die Kultur oder das Unkraut erschweren können. Bei hartem Wasser empfiehlt sich die Zugabe von Ammoniumsulfat (AMS) zur Spritzbrühe vor der Zugabe des Herbizids, um die störenden Kationen zu binden.
Wie lange sollte nach der Anwendung mit der Bodenbearbeitung gewartet werden?
Um eine vollständige Translokation des Wirkstoffs in die Wurzeln und Rhizome zu gewährleisten, sollte nach der Behandlung eine Wartezeit eingehalten werden. Bei einjährigen Unkräutern reichen meist 3 bis 5 Tage, während bei ausdauernden Problemunkräutern wie Quecke oder Acker-Winde mindestens 7 bis 10 Tage bis zur nächsten mechanischen Bodenbearbeitung vergehen sollten.
Kann Profi 360 auch bei niedrigen Temperaturen im Spätherbst eingesetzt werden?
Eine Anwendung ist auch bei kühleren Temperaturen möglich, solange die Zielpflanzen noch aktiv assimilieren und kein starker Frost herrscht. Bei niedrigen Temperaturen verlangsamt sich jedoch der Stoffwechsel der Pflanzen, weshalb es deutlich länger (bis zu mehreren Wochen) dauern kann, bis die sichtbaren Symptome des Absterbens eintreten.
Was ist bei der Anwendung zur Sikkation hinsichtlich der Wartezeit zu beachten?
Bei einer Sikkation dient die Behandlung der Ernteerleichterung und Steuerung der Abreife. Hierbei müssen die im Zulassungsbescheid festgelegten Wartezeiten (je nach Kultur zwischen 14 und 42 Tagen) bis zur Ernte strikt eingehalten werden, um Rückstände im Erntegut sicher unter den gesetzlichen Grenzwerten zu halten.
Wie verhält sich das Produkt bei unmittelbar bevorstehendem Regen?
Profi 360 benötigt eine gewisse Antrocknungszeit auf der Blattoberfläche, um vollständig aufgenommen zu werden. Als Faustregel gilt, dass nach der Applikation mindestens 4 bis 6 Stunden Niederschlagsfreiheit herrschen sollte, um Wirkungsverluste durch Abschwemmung zu vermeiden.