Getreide (Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Weizen)
Die BVL-Kulturgruppe „Getreide (Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Weizen)“ (Code: NNNGE) fasst die wichtigsten einheimischen Getreidearten zusammen. Diese botanisch eng verwandten Süßgräser (Poaceae) teilen nicht nur grundlegende physiologische Merkmale, sondern weisen auch sehr ähnliche Entwicklungsstadien auf der BBCH-Skala und vergleichbare agronomische Ansprüche auf. Zu den vertretenen Kulturen gehören neben den Hauptgetreidearten Weizen (Triticum sp.), Gerste (Hordeum vulgare), Roggen (Secale cereale) und Hafer (Avena sp.) auch Triticale (x Triticosecale sp.) sowie Rauhhafer (Avena strigosa).
Die Zusammenfassung dieser Kulturen in einer gemeinsamen Zulassungsgruppe erleichtert das Registrierungsverfahren für Pflanzenschutzmittel erheblich. Da viele Schaderreger und Unkräuter kulturübergreifend auftreten, können Zulassungsbehörden wie das BVL Indikationen für die gesamte Gruppe „Getreide“ aussprechen. Dies sichert Landwirten eine breite Palette an verfügbaren Pflanzenschutzmitteln und vereinfacht die betriebliche Pflanzenschutzplanung, da identische Wirkstoffe oft über mehrere Getreidearten hinweg mit einheitlichen Anwendungsbestimmungen eingesetzt werden können.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Der integrierte Pflanzenschutz im Getreidebau basiert auf einer engen Verzahnung von pflanzenbaulichen Maßnahmen und gezieltem chemischen Pflanzenschutz. Zu den zentralen Herausforderungen gehören Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) sowie tierische Schaderreger wie die Fritfliege (Oscinella frit), die insbesondere im Jugendstadium der Kulturen erhebliche Schäden verursachen können. Ein konsequentes Resistenzmanagement nach den Richtlinien von HRAC, IRAC und FRAC ist zwingend erforderlich. Dies bedeutet, dass Wirkstoffklassen bei Herbizid-, Insektizid- und Fungizidbehandlungen systematisch gewechselt werden müssen, um die Selektion resistenter Biotypen (z. B. bei Ackerfuchsschwanz oder Mehltaupilzen) zu verhindern. Bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln innerhalb dieser Zulassungsgruppe müssen Landwirte stets die spezifischen Anwendungsbestimmungen und eventuelle Kultur-Einschränkungen beachten. Obwohl eine Zulassung für die gesamte Gruppe „Getreide“ gilt, können einzelne Kulturen wie Hafer aufgrund morphologischer Unterschiede (z. B. eine ausgeprägte Wachsschicht) oder abweichender Verträglichkeiten von bestimmten Anwendungen ausgeschlossen sein. Die genaue Einhaltung der BBCH-Stadien sowie der vorgeschriebenen Wartezeiten ist entscheidend, um Rückstände im Erntegut zu vermeiden und die Wirksamkeit der Maßnahmen zu maximieren.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Gilt eine BVL-Zulassung für die Gruppe „Getreide“ automatisch für alle darin enthaltenen Kulturen?
In der Regel ja, sofern die Zulassung explizit für die gesamte Gruppe „Getreide (Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Weizen)“ ausgesprochen wurde. Dennoch müssen Landwirte stets die Gebrauchsanleitung prüfen. Gelegentlich gibt es spezifische Ausschlüsse (z. B. „ausgenommen Hafer“) oder abweichende Wartezeiten und Aufwandmengen für einzelne Kulturen innerhalb der Gruppe.
Wie lässt sich eine Herbizidresistenz bei der Bekämpfung von Ungräsern wie der Gemeinen Quecke im Getreide verhindern?
Ein erfolgreiches Resistenzmanagement basiert auf dem konsequenten Wechsel von Wirkstoffen mit unterschiedlichen HRAC-Klassifizierungen (z. B. der Wechsel zwischen ACCase-Hemmern und ALS-Hemmern) sowie der Integration mechanischer Maßnahmen wie der Stoppelbearbeitung. Zudem hilft eine weite Fruchtfolge mit dem Wechsel von Winter- und Sommerung, den Selektionsdruck auf bestimmte Ungräser zu minimieren.
Warum ist die genaue Bestimmung des BBCH-Stadiums bei der Behandlung von Getreide so kritisch?
Viele Pflanzenschutzmittel haben streng definierte Zulassungsfenster, die an bestimmte BBCH-Stadien gebunden sind (z. B. BBCH 30 bis 39 für bestimmte Wachstumsregler oder Fungizide). Eine Anwendung außerhalb dieses Fensters kann zu phytotoxischen Schäden an den Kulturen, mangelnder Wirkung gegen Schaderreger oder zu unzulässigen Rückständen im Erntegut führen.
Wann ist der optimale Zeitpunkt zur Überwachung und Behandlung der Fritfliege im Getreide?
Die Überwachung der Fritfliege (Oscinella frit) ist besonders im frühen Jugendstadium (BBCH 10 bis 13) von Bedeutung, vor allem bei Spätsaaten von Wintergetreide oder frühen Sommerungen. Gelbschalen helfen, den Zuflug der Fliegen zu überwachen. Eine Behandlung mit zugelassenen Insektiziden ist nur bei Überschreiten der wirtschaftlichen Schadensschwellen während der Eiablage bzw. des Larvenschlupfs sinnvoll.
Wie finde ich im Agronomy-Hub gezielt Pflanzenschutzmittel, die für meine spezifische Getreidekultur zugelassen sind?
Nutzen Sie die Filtersuche in unserer Produktdatenbank. Sie können dort gezielt nach Ihrer konkreten Kultur (z. B. „Hafer“ oder „Triticale“) filtern. Das System gleicht Ihre Auswahl sowohl mit den einzeln zugelassenen Kulturen als auch mit den übergeordneten BVL-Kulturgruppen wie „Getreide“ ab, sodass Ihnen alle rechtlich anwendbaren Pflanzenschutzmittel angezeigt werden.
Welche Rolle spielen resistente Sorten im integrierten Pflanzenschutz dieser Gruppe?
Der Anbau widerstandsfähiger oder toleranter Getreidesorten ist eine tragende Säule des integrierten Pflanzenschutzes. Durch den gezielten Einsatz von Sorten mit hoher Resistenz gegen Blatt- und Ährenkrankheiten (wie Rostpilze oder Mehltau) lässt sich der Bedarf an Fungizidbehandlungen signifikant reduzieren, was sowohl die Betriebskosten senkt als auch das Risiko von Wirkstoffresistenzen minimiert.