Getreide (Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Weizen)
Die BVL-Kulturpflanzengruppe „Getreide (Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Weizen)“ fasst die wirtschaftlich bedeutendsten Getreidearten des mitteleuropäischen Ackerbaus zusammen. Diese Kulturen gehören alle zur botanischen Familie der Süßgräser (Poaceae) und teilen wesentliche morphologische sowie physiologische Eigenschaften. Aufgrund dieser engen Verwandtschaft weisen sie sehr ähnliche Entwicklungsstadien auf, was eine gemeinsame regulatorische Betrachtung im Pflanzenschutz ermöglicht.
Durch die Bündelung in dieser Gruppe können Pflanzenschutzmittel effizient für mehrere verwandte Kulturen gleichzeitig zugelassen werden. Zu den wichtigsten Vertretern dieser Gruppe gehören Weizen, Gerste, Roggen und Triticale sowie Hafer und Rauhhafer. Diese Struktur erleichtert dir die Zulassungspraxis und bietet eine verlässliche Orientierung bei der Auswahl geeigneter Indikationen für deinen Betrieb.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Beim integrierten Pflanzenschutz im Getreidebau steht die vorbeugende Vermeidung von Schaderregern im Vordergrund. Eine weite Fruchtfolge, die sorgfältige Strohverteilung und eine angepasste Bodenbearbeitung sind die Basis, um den Druck durch bodenbürtige Krankheiten und Ungräser zu minimieren. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Kontrolle ausdauernder Schadpflanzen wie der Gemeinen Quecke (*Elymus repens*), die in allen Getreidekulturen erhebliche Ertragseinbußen verursachen kann. Zudem können tierische Schaderreger wie die Fritfliege (*Oscinella frit*) vor allem in der empfindlichen Jugendphase der Kulturen (insbesondere bei Hafer und Spätsaaten) deutliche Schäden anrichten. Um die Wirksamkeit der verfügbaren Pflanzenschutzmittel langfristig zu erhalten, ist ein konsequentes Resistenzmanagement zwingend erforderlich. Dies erfordert einen bewussten Wechsel der Wirkstoffklassen gemäß den Vorgaben von HRAC (Herbizide), FRAC (Fungizide) und IRAC (Insektizide). Da viele Pflanzenschutzmittel für die gesamte Getreidegruppe zugelassen sind, musst du darauf achten, dieselben Wirkmechanismen nicht innerhalb der Fruchtfolge auf demselben Schlag zu wiederholen, um die Selektion resistenter Biotypen zu verhindern.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Darf ich ein für die Gruppe „Getreide“ zugelassenes Pflanzenschutzmittel uneingeschränkt in allen meinen Getreidekulturen anwenden?
Nein, nicht zwingend. Auch wenn ein Pflanzenschutzmittel eine Zulassung für die Gruppe „Getreide“ besitzt, können in den Zulassungsbestimmungen einzelne Kulturen explizit ausgeschlossen sein (z. B. „ausgenommen Hafer“). Du musst vor jeder Anwendung die Gebrauchsanleitung und die aktuellen BVL-Daten genau prüfen, ob Einschränkungen für deine spezifische Kultur vorliegen.
Wie stimme ich den Behandlungszeitpunkt ab, wenn sich die Kulturen der Gruppe unterschiedlich schnell entwickeln?
Da sich beispielsweise Wintergerste im Frühjahr deutlich schneller entwickelt als Winterweizen, erreichen die Kulturen die kritischen BBCH-Stadien zu unterschiedlichen Zeiten. Du musst den optimalen Behandlungszeitpunkt für jeden Schlag und jede Kultur separat anhand des tatsächlichen BBCH-Stadiums bestimmen. Eine pauschale Terminierung für die gesamte Getreidefläche führt zu Fehlbehandlungen und ist rechtlich nicht zulässig.
Welche Rolle spielt die Fruchtfolgegestaltung beim Resistenzmanagement innerhalb dieser Gruppe?
Wenn du mehrere Kulturen aus dieser Gruppe nacheinander anbaust (z. B. Weizen nach Gerste), besteht ein hohes Risiko für einen einseitigen Selektionsdruck. Da viele Herbizide und Fungizide kulturübergreifend zugelassen sind, musst du die Wirkstoffklassen (HRAC/FRAC) gezielt wechseln. Integriere nach Möglichkeit Sommergetreide oder blattfruchtartige Zwischenfrüchte, um den Entwicklungszyklus von Schaderregern und Ungräsern zu unterbrechen.
Wie kann ich einem Befall mit der Fritfliege bei meinen Getreidekulturen vorbeugen?
Die Fritfliege (*Oscinella frit*) schädigt vor allem späte Wintergetreidesaaten und frühen Sommerhafer im Auflaufstadium (BBCH 10 bis 14). Vorbeugend solltest du auf eine zügige Jugendentwicklung durch ein optimal rückverfestigtes Saatbett und eine ausgewogene Nährstoffversorgung achten. Chemische Behandlungen sind nur bei Überschreiten der Schadschwellen in den sensiblen Phasen und mit dafür zugelassenen Insektiziden sinnvoll.
Was muss ich bei der Bekämpfung der Gemeinen Quecke auf Getreideflächen beachten?
Da die Gemeine Quecke (*Elymus repens*) ein ausdauerndes Ungras mit tiefen Rhizomen ist, lässt sie sich im stehenden Getreidebestand nur sehr schwer selektiv bekämpfen. Die effektivste Bekämpfung erfolgt im Rahmen der Stoppelbearbeitung direkt nach der Ernte. Durch mechanische Bearbeitung ziehst du die Rhizome an die Oberfläche, wo sie vertrocknen. Unterstützend kann vor der Folgesaat eine gezielte Applikation eines zugelassenen Totalherbizids erfolgen.