Botrytis fabae
Botrytis fabae (EPPO-Code: BOTRFA) ist der Erreger der Schokoladenfleckigkeit, einer der wirtschaftlich bedeutendsten Pilzkrankheiten an Ackerbohnen (Vicia faba). Der Schaderreger ist weltweit in fast allen Anbaugebieten von Leguminosen verbreitet, zeigt jedoch in feucht-kühlen Klimaten wie Nord- und Westeuropa das höchste Schadpotenzial. Bei epidemischem Auftreten kann die Krankheit zu einem vollständigen Laubfall und Ertragsverlusten von über 50 % führen.
Die Infektion beeinträchtigt primär die photosynthetisch aktive Blattfläche der Kultur. Unter günstigen Bedingungen breitet sich der Pilz rasant aus, wechselt von einer harmlosen, nicht-parasitären Phase in eine hochaggressive Phase und bringt die betroffenen Kulturen vorzeitig zum Absterben. Dies erschwert nicht nur die Ernte, sondern mindert auch die Qualität des Ernteguts erheblich.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überdauert als Sklerotien im Boden, auf Pflanzenrückständen oder als Myzel an infiziertem Saatgut. Im Frühjahr keimen diese Überdauerungsorgane aus und bilden Konidien, die durch Wind und Regenspritzer auf die unteren Blätter der Kulturen getragen werden. Bei anhaltend hoher Luftfeuchtigkeit (> 85 %) und moderaten Temperaturen (15–20 °C) keimen die Sporen rasch aus und dringen in das Pflanzengewebe ein. Nach der Etablierung kommt es zur massenhaften Bildung neuer Konidienträger auf den Läsionen, was zu einer schnellen, sekundären Ausbreitung im gesamten Bestand führt. Zum Ende der Vegetationsperiode bildet der Pilz erneut Sklerotien in den absterbenden Stängeln und Blättern, um den Winter zu überstehen.
Bonitur
Die regelmäßige Bestandskontrolle sollte ab dem späten Frühjahr mit Beginn des Längenwachstums (BBCH 30) einsetzen, besonders aber ab der Knospenbildung (BBCH 51 bis 59) und während der Blüte (BBCH 60–69). Ein kritisches Augenmerk liegt auf den unteren Blättern im dichten Bestand. Eine chemische Behandlung mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel wird meist dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn bei feucht-warmer Witterung erste aggressive, ineinanderfließende Flecken an mehr als 5–10 % der Pflanzen im Bestand festgestellt werden. Prognosemodelle, die Blattnässedauer und Temperatur verrechnen, sollten zur präzisen Terminierung herangezogen werden.
Symptome
Das Schadbild beginnt mit kleinen, scharf abgegrenzten, rotbraunen bis schokoladenbraunen Punkten auf den Blättern, oft mit einem helleren Rand. Unter feuchten Bedingungen vergrößern sich diese Flecken rasch, fließen zusammen und nehmen eine unregelmäßige, großflächige Form an (aggressive Phase). Das Gewebe im Zentrum der Flecken wird nekrotisch und dünn. Bei starkem Befall breiten sich die Symptome auf Stängel, Blüten und Hülsen aus, was zu Blütenabfall, schwarzen Stängelstreifen und einer vorzeitigen Defoliation der gesamten Kultur führt.
Integriertes Management
Ein integriertes Management basiert auf einer weiten Fruchtfolge (mindestens 4–5 Jahre Anbaupause für Leguminosen) und der Verwendung von gesundem, zertifiziertem Saatgut. Pflanzenrückstände sollten tief untergepflügt werden, um das Inokulum im Boden zu reduzieren. Eine moderate Saatstärke und ein weiter Reihenabstand fördern das schnelle Abtrocknen des Bestandes und senken das Infektionsrisiko. Beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist auf einen rechtzeitigen Wirkstoffwechsel (z. B. zwischen SDHI, Strobilurinen und Triazolen) gemäß den FRAC-Richtlinien zu achten, um der Entstehung von Resistenzen vorzubeugen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet man die nicht-aggressive von der aggressiven Phase der Schokoladenfleckigkeit im Feld?
In der nicht-aggressiven Phase verbleiben die Flecken als kleine (1–3 mm), scharf begrenzte, schokoladenbraune Punkte mit rötlichem Rand, die die Kultur kaum schwächen. Sobald die relative Luftfeuchtigkeit über mehrere Tage über 85 % steigt und die Temperaturen bei 15–20 °C liegen, wechselt der Pilz in die aggressive Phase: Die Flecken vergrößern sich rasant, fließen zusammen, schwärzen das Gewebe und führen zu schnellem Blattfall.
Welche Rolle spielt die Stickstoffdüngung bei der Anfälligkeit der Kultur für Botrytis fabae?
Eine übermäßige Stickstoffdüngung führt zu einem üppigen, weichen vegetativen Wachstum und einem sehr dichten Bestand. Dies schafft ein feuchtes Mikroklima in der Kultur, das die Sporenkeimung begünstigt und das Gewebe anfälliger für das Eindringen des Pilzes macht. Da Ackerbohnen als Leguminosen Stickstoff selbst fixieren, sollte die Düngung restriktiv gehandhabt werden.
Wie kann ich im agronomy.farmable.tech Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln suchen?
Nutzen Sie die Filterfunktion in unserer Produktdatenbank. Wählen Sie die Kultur „Vicia faba“ (Ackerbohne) und filtern Sie nach dem Schaderreger „Botrytis fabae“ oder dem EPPO-Code „BOTRFA“. Achten Sie darauf, die regionalen Zulassungsdaten zu aktivieren, um nur aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel mit den korrekten Aufwandmengen und Wartezeiten angezeigt zu bekommen.
Warum ist die Behandlung während der Blüte (BBCH 60–69) besonders kritisch?
Die Blütezeit ist die ertragsentscheidende Phase der Ackerbohne. Infektionen in diesem Stadium führen direkt zum Abwurf der Blütenknospen und jungen Hülsen. Zudem bietet das absterbende Gewebe der verblühten Blütenblätter dem Pilz eine ideale Nährstoffbasis, um sich rasant zu etablieren und auf die sich entwickelnden Hülsen überzugehen.
Welche FRAC-Wirkstoffklassen stehen für die chemische Behandlung zur Verfügung und wie sieht das Resistenzmanagement aus?
Zur Bekämpfung stehen hauptsächlich Wirkstoffe aus den Klassen der SDHI (FRAC-Gruppe 7), Strobilurine (FRAC-Gruppe 11) und Triazole (FRAC-Gruppe 3) zur Verfügung. Um Resistenzen vorzubeugen, sollten Sie niemals ausschließlich Wirkstoffe einer einzigen Gruppe einsetzen, sondern fertige Kombinationspräparate nutzen oder im Spritzprogramm konsequent zwischen den Wirkstoffklassen wechseln.
Kann Botrytis fabae auch über das Saatgut übertragen werden und wie schützt man sich davor?
Ja, der Pilz kann als Myzel in der Samenschale überdauern. Die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Saatgut ist daher die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Bei Verdacht auf eine Saatgutübertragung kann eine professionelle Saatgutuntersuchung im Labor Gewissheit schaffen; eine chemische Saatgutbeizung ist in einigen Regionen ebenfalls eine Option.