Alle Schaderreger
Pilz

Botrytis fabae

Botrytis fabae
BOTRFA

Die Schokoladenfleckigkeit, verursacht durch den pilzlichen Schaderreger Botrytis fabae (EPPO-Code: BOTRFA), gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Krankheiten im Anbau von Ackerbohnen (Vicia faba). Der Pilz befällt vor allem die Blätter, kann aber bei feuchter Witterung auch Stängel, Blüten und Hülsen infizieren. Ein starker Befall führt zu massivem Blattverlust und kann erhebliche Ertragseinbußen von bis zu 50 % oder mehr verursachen, da die assimilierende Photosynthesefläche drastisch reduziert wird.

Die Krankheit tritt weltweit in fast allen Anbaugebieten von Ackerbohnen auf, besonders in Regionen mit kühlen, feuchten Frühjahrs- und Sommermonaten. In Mitteleuropa ist das Risiko in engen Fruchtfolgen und bei hoher Bestandsdichte besonders hoch. Da der Erreger sowohl auf Pflanzenresten als auch im Boden überdauern kann, stellt er ein dauerhaftes Risiko für den Leguminosenanbau dar.

Typ
Pilz
EPPO-Code
BOTRFA
Wirte
1 Kultur
Generationen
Polyzyklisch (mehrere Sekundärzyklen pro Saison)
Verbreitung
Weltweit verbreitet in gemäßigten Anbauregionen mit feuchtem Klima; in Europa führt der Erreger regelmäßig zu signifikanten Ertrags- und Qualitätsverlusten im Ackerbohnenanbau.
Erstbeschreibung
Sardina, 1929 (Spanien)

Biologie / Lebenszyklus

Der Pilz überwintert als Sklerotien im Boden oder auf infizierten Ernterückständen sowie als Myzel in infizierten Samen. Im Frühjahr bilden sich bei feucht-warmer Witterung Konidien, die durch Wind und Regenspritzer auf die unteren Blätter der Kultur getragen werden und dort die Primärinfektion auslösen. Unter optimalen Bedingungen (Temperaturen von 15–22 °C und hoher Luftfeuchtigkeit) kommt es zu einer rasanten Produktion von Sekundärkonidien, die zu einer schnellen, epidemischen Ausbreitung im gesamten Bestand führen. Gegen Ende der Vegetationsperiode bildet der Erreger erneut Sklerotien in den absterbenden Geweben, um den Winter zu überdauern.

Bonitur

Die regelmäßige Bestandskontrolle sollte ab dem späten Längenwachstum (BBCH 30–39) beginnen, besonders aber mit dem Einsetzen der Blüte (BBCH 60). Achte bei feucht-kühler Witterung wöchentlich auf die unteren und mittleren Blattschichten. Eine gezielte Behandlung mit einem Pflanzenschutzmittel wird meistens dann empfohlen, wenn ab der Knospenbildung (BBCH 51–59) bis zur Vollblüte (BBCH 65) erste typische, scharf abgegrenzte Schokoladenflecken auf mehr als 5–10 % der Blätter im mittleren Bestandsbereich sichtbar werden und die Wettervorhersage weiterhin feuchte Bedingungen ankündigt.

Symptome

Das Schadbild zeigt sich zunächst als kleine, kreisrunde, rotbraune bis schokoladenbraune Flecken auf den Blättern, die oft einen rötlichen Rand aufweisen. Bei anhaltend feuchtem Wetter fließen diese Flecken schnell zusammen, färben sich schwarzbraun und führen zum Absterben des gesamten Blattgewebes. An den Stängeln zeigen sich längliche, rotbraune Streifen, während infizierte Blüten vorzeitig abfallen und Hülsen dunkle, eingesunkene Flecken aufweisen, was zu einer direkten Schädigung der Samen führt.

Integriertes Management

Ein integriertes Management setzt auf eine weite Fruchtfolge (mindestens 4–5 Jahre Anbaupause für Leguminosen) und das sorgfältige Unterpflügen von Ernterückständen zur Reduzierung des Inokulums. Die Wahl weniger anfälliger Sorten sowie eine moderate Saatstärke zur Förderung einer schnellen Abtrocknung des Bestands sind essenzielle pflanzenbauliche Maßnahmen. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt und vorbeugend bei Infektionsgefahr ab der Blüte eingesetzt werden. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten, indem Wirkstoffe aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen (z. B. SDHI, Strobilurine und Triazole) im Wechsel oder als Kombinationspartner angewendet werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie unterscheide ich die Schokoladenfleckigkeit von anderen Blattfleckenkrankheiten an Ackerbohnen?

Im Gegensatz zur Ascochyta-Blattfleckenkrankheit, die oft hellere Zentren mit winzigen, schwarzen Fruchtkörpern (Pyknidien) aufweist, sind die Flecken von Botrytis fabae gleichmäßig schokoladenbraun gefärbt und besitzen einen scharf abgegrenzten, rötlich-braunen Rand. Zudem fehlen bei Botrytis die typischen konzentrischen Ringe im Fleckenbereich.

Welchen Einfluss hat die Saatzeit auf das Infektionsrisiko im Frühjahr?

Eine sehr frühe Aussaat von Sommerackerbohnen kann dazu führen, dass die Kultur in eine Phase kühler, feuchter Witterung hineinwächst, was die Etablierung des Pilzes begünstigt. Winterackerbohnen sind aufgrund ihrer früheren Bestandsentwicklung und der längeren Standzeit im feuchten Frühjahr generell einem höheren Infektionsdruck ausgesetzt als Sommerformen.

Wie finde ich im Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutze die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtere nach der Kultur "Ackerbohne" sowie dem Schaderreger "Botrytis fabae" oder "Schokoladenfleckigkeit". Achte darauf, die aktuellen Zulassungsbestimmungen und die für dein Bundesland spezifischen Anwendungsbestimmungen zu prüfen.

Warum ist das BBCH-Stadium 60–69 so kritisch für die Behandlung?

Während der Blüte (BBCH 60–69) ist die Kultur physiologisch besonders empfindlich, und das dichte Blätterdach schafft ein feuchtes Mikroklima, das die Sporenkeimung begünstigt. Ein Befall der Blüten führt direkt zu Ertragsverlusten durch Blütenabfall, weshalb Behandlungen meist in diesem Zeitfenster die höchste Wirtschaftlichkeit aufweisen.

Welche Rolle spielen Mischkulturen bei der Regulierung von Botrytis fabae?

Der Anbau von Ackerbohnen in Mischkultur (z. B. mit Hafer oder Gerste) verbessert die Durchlüftung des Bestands und beschleunigt das Abtrocknen der Blätter nach Regen. Dies stört den Infektionszyklus des Pilzes erheblich, da für die Keimung der Konidien freies Wasser auf dem Blatt erforderlich ist.

Kann der Erreger auch über das Saatgut übertragen werden und was ist dabei zu beachten?

Ja, Botrytis fabae kann als Myzel in der Samenschale überdauern. Verwende daher bevorzugt zertifiziertes, gesundes Saatgut. Bei Verwendung von eigenem Nachbau solltest du eine Saatgutuntersuchung auf Pilzbefall durchführen lassen, um das Risiko einer frühen Einschleppung in den neuen Bestand zu minimieren.