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Schädling

Einbindiger Traubenwickler

Eupoecilia ambiguella
CLYSAM

Der Einbindige Traubenwickler (Eupoecilia ambiguella, EPPO-Code: CLYSAM) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im europäischen Weinbau. Als Kleinschmetterling aus der Familie der Wickler (Tortricidae) befällt er vor allem die Weinrebe (Vitis vinifera), kann aber auch an anderen holzigen Kulturen auftreten. Seine Larven schädigen direkt die Gescheine und Beeren, was zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten führt.

Die wirtschaftliche Relevanz ergibt sich nicht nur aus dem direkten Fraßschaden, sondern vor allem aus der Folgefäulnis. Durch die Fraßwunden der Larven dringen sekundäre Schadpilze wie Botrytis cinerea (Grauschimmel) leicht in die Beeren ein. Dies kann insbesondere in feuchten Herbstmonaten zu einer raschen Zerstörung ganzer Traubenpartien führen und die Weinqualität drastisch mindern.

Der Schaderreger ist in den gemäßigten Klimazonen Eurasiens weit verbreitet. Während er in kühleren und feuchteren Weinbauregionen oft dominiert, teilt er sich in wärmeren Gebieten den Lebensraum mit dem Bekreuzten Traubenwickler (Lobesia botrana).

Typ
Schädling
EPPO-Code
CLYSAM
Wirte
1 Kultur
Generationen
Meist 2 Generationen pro Jahr
Verbreitung
Der Einbindige Traubenwickler ist in fast allen Weinbaugebieten Mittel-, Süd- und Osteuropas sowie in Teilen Asiens verbreitet. Er verursacht insbesondere in feucht-kühlen Jahren und Regionen erhebliche wirtschaftliche Schäden durch Ertragsverlust und Qualitätsminderung des Leseguts.
Erstbeschreibung
Hübner, 1796

Biologie / Lebenszyklus

Der Einbindige Traubenwickler durchläuft in der Regel zwei Generationen pro Jahr. Er überwintert als Puppe in einem festen Gespinst unter der Borke des Rebstocks oder in Pfahlritzen. Im Frühjahr (ca. ab BBCH 09 bis 15) schlüpfen die Falter der ersten Generation (Frühjahrsgeneration) und legen ihre Eier einzeln an den Knospen und Gescheinen ab. Die daraus schlüpfenden Larven, auch als „Heuwürmer“ bezeichnet, fressen an den Blütenknospen und spinnen diese zusammen. Nach der Verpuppung schlüpfen im Hochsommer (meist ab Juli, BBCH 73 bis 75) die Falter der zweiten Generation, deren Larven („Sauerwürmer“) sich direkt in die heranreifenden Beeren einbohren und dort bis zur Verpuppung im Herbst fressen.

Bonitur

Für eine gezielte Bekämpfung musst du das Auftreten des Schaderregers genau überwachen. Der Flug der Falter wird ab dem Knospenaufbruch (BBCH 09) mithilfe von Pheromonfallen kontrolliert, um den optimalen Behandlungszeitpunkt zu bestimmen. Die Schadensschwelle für die erste Generation (Heuwurm) liegt im Vorblütebereich (BBCH 53–57) bei etwa 20 bis 30 Larven oder Gespinsten pro 100 Gescheine. Für die zweite Generation (Sauerwurm) liegt die kritische Schwelle deutlich niedriger, meist bei 5 bis 10 Eiern oder frisch eingebohrten Larven pro 100 Beeren bzw. Trauben im BBCH-Stadium 73–75, da hier das Risiko von Botrytis-Infektionen extrem hoch ist.

Symptome

Im Frühjahr erkennst du den Befall an zusammengespinsterten Blütenknospen und Gescheinteilen (sogenannte Heuwurmnester), in denen die grünlich-braunen Larven mit dunkler Kopfkapsel fressen. Ab dem Sommer zeigen sich an den grünen oder reifenden Beeren kleine Einbohrlöcher, die oft von feinen Gespinstfäden umgeben sind. Befallene Beeren schrumpfen, verfärben sich vorzeitig violett oder braun und neigen bei feuchter Witterung zu rascher Fäulnis durch Botrytis, was sich durch den typischen grauen Pilzrasen und Essiggeruch im Weinberg bemerkbar macht.

Integriertes Management

Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus biotechnischen, kulturtechnischen und chemischen Maßnahmen. Die Verwirrungsmethode (Pheromondispenser), die flächendeckend im Frühjahr vor dem Falterflug installiert wird, ist der Standard zur biologischen Regulierung. Kulturtechnisch helfen eine luftige Laubwandgestaltung und das Entblättern der Traubenzone, das Mikroklima trocken zu halten und den Larven den Schutz zu entziehen. Beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel stehen larvizide Präparate (z. B. Häutungsbeschleuniger oder Bacillus thuringiensis) im Vordergrund. Um Resistenzen vorzubeugen, musst du die Wirkstoffe gemäß den IRAC-Richtlinien streng rotieren und die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison einhalten.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheide ich den Einbindigen vom Bekreuzten Traubenwickler im Feld?

Achte auf die Flügelzeichnung der Falter und die Larvenfarbe: Der Falter des Einbindigen Traubenwicklers hat ein dunkles, quer verlaufendes Band auf gelblichem Grund, während der Bekreuzte Traubenwickler ein marmoriertes Muster zeigt. Die Larve des Einbindigen Traubenwicklers ist meist rötlich-braun bis schmutzig-grün mit schwarzem Kopf, während die des Bekreuzten Traubenwicklers lebhaft grün mit hellbraunem Kopf ist.

Wann ist der beste Zeitpunkt für den Einsatz von Bacillus thuringiensis-Präparaten?

Da Bacillus thuringiensis ein Fraßgift ist, musst du die Anwendung genau zum Hauptschlüpfen der Larven einplanen, bevor sie sich in die Gescheine oder Beeren einbohren. Dies ist meist wenige Tage nach dem Flughöhepunkt der Falter der Fall. Achte auf eine feintropfige, vollständige Benetzung der Traubenzone und appliziere das Pflanzenschutzmittel idealerweise in den Abendstunden, da der Wirkstoff UV-empfindlich ist.

Wie funktioniert die Verwirrungsmethode bei diesem Schaderreger und worauf muss ich achten?

Bei der Verwirrungsmethode hängst du vor dem Flug der ersten Generation (ca. BBCH 09) Pheromondispenser im Weinberg auf. Diese fluten die Luft mit dem weiblichen Sexuallockstoff, sodass die Männchen die Weibchen nicht finden und die Paarung verhindert wird. Damit das System funktioniert, müssen die Flächen eine Mindestgröße von meist 1 bis 2 Hektar haben und möglichst windgeschützt liegen.

Welche Rolle spielt die Temperatur für die Entwicklung des Einbindigen Traubenwicklers?

Die Entwicklungsgeschwindigkeit hängt stark von der Temperatur ab. Der Falterflug und die Eiablage beginnen meist, wenn die Abendtemperaturen dauerhaft über 15 °C liegen. In kühlen Jahren verzögert sich die Entwicklung, während heiße Sommer zu einem sehr schnellen, oft überlappenden Auftreten der Generationen führen können, was die Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen erschwert.

Wie finde ich im Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen den Einbindigen Traubenwickler?

Nutze die Such- und Filterfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub. Filtere dort nach der Kultur „Weinrebe“ und wähle als Schaderreger „Einbindiger Traubenwickler“ oder den EPPO-Code „CLYSAM“ aus. Dir werden dann alle aktuell in deinem Land zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmenge, Wartezeit und den spezifischen Anwendungsbestimmungen angezeigt.

Warum ist die Bekämpfung der zweiten Generation (Sauerwurm) kritischer als die der ersten?

Während der Heuwurm der ersten Generation Blütenknospen schädigt, was die Rebe oft teilweise kompensieren kann, bohrt sich der Sauerwurm direkt in die reifenden Beeren. Diese Verletzungen sind die primäre Eintrittspforte für *Botrytis cinerea* und Essigbakterien. Ein Befall der zweiten Generation führt daher fast immer zu direkter Fäulnis und gefährdet die gesamte Weinqualität kurz vor der Ernte.