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Kultur

Geruchlose Kamille

Tripleurospermum inodorum
MATIN

Die Geruchlose Kamille (Tripleurospermum inodorum, EPPO-Code: MATIN), auch als falsche oder geruchlose Strandkamille bekannt, gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Als eines der wirtschaftlich bedeutendsten Unkräuter im mitteleuropäischen Ackerbau tritt dieser Schaderreger besonders stark in Wintergetreide, Raps und Hackfrüchten wie der Zuckerrübe auf. Trotz ihrer optischen Ähnlichkeit mit der Echten Kamille fehlt ihr der typische Kamillenduft, und ihre Blütenkörbchen sind im Gegensatz zu jener im Inneren nicht hohl.

Die hohe wirtschaftliche Relevanz von Tripleurospermum inodorum resultiert aus ihrer enormen Konkurrenzkraft gegenüber den Kulturen. Sie zeichnet sich durch ein extrem rasches Jugendentwicklungspotenzial und eine hohe Nährstoffaneignung aus. Bereits geringe Dichten dieses Unkrauts können zu erheblichen Ertragseinbußen führen, da es die Kulturen beschattet, Wasser sowie Stickstoff entzieht und bei der Ernte durch feuchte Pflanzenmassen den Drusch massiv erschwert.

Typ
Kultur
EPPO-Code
MATIN
Wirte
10 Kulturen
Generationen
1–2 Generationen pro Jahr
Verbreitung
Die Geruchlose Kamille ist in ganz Europa, Nordasien und Teilen Nordamerikas weit verbreitet und gilt in den gemäßigten Klimazonen als eines der ertragsminderndsten Unkräuter im intensiven Ackerbau.

Biologie / Lebenszyklus

Die Geruchlose Kamille ist eine einjährige bis überwinternd einjährige Pflanze, die sich flexibel an verschiedene Fruchtfolgen anpasst. Die Keimung erfolgt vorwiegend im Herbst und im zeitigen Frühjahr aus den obersten Bodenschichten (Lichtkeimer), wobei bereits Temperaturen ab 2–4 °C ausreichen. Nach der Ausbildung einer flach am Boden anliegenden Rosette übersteht die Pflanze auch strenge Winterfröste problemlos. Im Frühjahr streckt sich der Spross rasch, gefolgt von einer langanhaltenden Blütezeit von Mai bis weit in den Herbst hinein. Eine einzelne Pflanze kann unter optimalen Bedingungen bis zu 50.000 extrem langlebige Samen produzieren, die im Boden über Jahrzehnte keimfähig bleiben.

Bonitur

Das Monitoring im Feld sollte frühzeitig beginnen, idealerweise im Herbst direkt nach dem Auflaufen der Kulturen sowie im zeitigen Frühjahr bei Vegetationsbeginn. In Wintergetreide liegt die wirtschaftliche Schadensschwelle bei etwa 2–5 Pflanzen pro Quadratmeter, während in Zuckerrüben aufgrund der geringen Konkurrenzkraft der Kultur im Jugendstadium bereits 0,5–1 Pflanze pro Quadratmeter eine Behandlung rechtfertigt. Die Bonitur erfolgt am besten durch repräsentative Zählungen auf Diagonallinien durch den Schlag, insbesondere in den BBCH-Stadien 10 bis 13 der Kulturen, um rechtzeitig vor dem Reihenschluss über eine gezielte Herbizidanwendung zu entscheiden.

Integriertes Management

Ein integriertes Management von Tripleurospermum inodorum basiert auf einer Kombination aus pflanzenbaulichen, mechanischen und chemischen Maßnahmen. Fruchtfolgegliederungen mit einem hohen Anteil an Sommerungen oder mehrjährigen Feldfutterkulturen unterdrücken den Keimreiz im Herbst. Eine flache Stoppelbearbeitung regt die Lichtkeimer zum Auflaufen an, woraufhin sie mechanisch beseitigt werden können. Im chemischen Pflanzenschutz ist der Wirkstoffwechsel zur Vermeidung von Resistenzen essenziell, da weltweit bereits Biotypen mit Resistenzen gegen ALS-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 2 / B) dokumentiert sind. Der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (z. B. synthetische Auxine, HRAC-Gruppe 4 / O) im Vor- oder frühen Nachauflauf sichert den Bekämpfungserfolg und schützt die Wirksamkeit bestehender Wirkstoffe.

Wirtspflanzen

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die Geruchlose Kamille im Feld von der Echten Kamille?

Der sicherste Weg zur Unterscheidung ist das Aufschneiden des Blütenkörbchens: Bei der Echten Kamille (Matricaria chamomilla) ist der Blütenboden hohl und kegelförmig, während er bei der Geruchlosen Kamille (Tripleurospermum inodorum) markig ausgefüllt ist. Zudem verströmt die Geruchlose Kamille beim Zerreiben der Blätter keinen charakteristischen Kamillenduft.

Warum ist die Bekämpfung im Herbst in Wintergetreide besonders wichtig?

Da die Geruchlose Kamille als winterannuelles Unkraut frosthart ist, entwickelt sie bereits vor dem Winter eine kräftige Rosette. Wird sie im Herbst nicht reguliert, besitzt sie im Frühjahr einen enormen Wachstumsvorsprung gegenüber der Kultur, ist mechanisch schwerer zu bekämpfen und zeigt eine deutlich verringerte Empfindlichkeit gegenüber vielen Frühjahrsherbiziden.

Welche Rolle spielt die Bodenbearbeitung bei der Regulierung dieses Unkrauts?

Da die Samen Lichtkeimer sind, fördert eine sehr flache Bodenbearbeitung direkt nach der Ernte das schnelle Auflaufen der Samenbank. Ein tieferes Unterpflügen verlagert die Samen zwar in tiefere Schichten, wo sie nicht keimen können, konserviert sie dort jedoch über Jahrzehnte, sodass sie bei der nächsten tiefen Bearbeitung wieder an die Oberfläche gelangen.

Wie gehe ich vor, wenn ich den Verdacht auf eine Herbizidresistenz auf meinem Schlag habe?

Bei mangelnder Wirkung trotz optimaler Anwendungsbedingungen sollte ein Wirkstoffklassenwechsel (HRAC-Wechsel) vorgenommen werden. Vermeiden Sie Folgespritzungen mit ALS-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 2) und setzen Sie stattdessen auf Wirkstoffe wie synthetische Auxine (HRAC-Gruppe 4) oder Bodenherbizide im Vorauflauf. Ein Resistenztest durch Einsendung von reifen Samen im Spätsommer bringt Gewissheit.

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