Endivien
Die Endivie (Cichorium endivia, EPPO-Code: CICEN) ist eine bedeutende ein- bis zweijährige Kultur aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), die im mitteleuropäischen Raum vor allem für den herbstlichen und frühwinterlichen Salatmarkt angebaut wird. Man unterscheidet grundsätzlich zwei Haupttypen: die krause Endivie (Frisée) mit stark geschlitzten Blättern und die glatte Endivie (Eskariol) mit breiten, ganzrandigen Blättern. Beide Typen zeichnen sich durch ihren charakteristischen, leicht bitteren Geschmack aus, der durch den Gehalt an Intybin entsteht.
Der Anbau dieser Kultur erfordert aufgrund der Schossempfindlichkeit bei kühlen Temperaturen in der Jugendphase eine präzise Temperaturführung bei der Jungpflanzenanzucht. Da Endivien relativ unempfindlich gegenüber leichten Frösten sind, erstreckt sich die Ernte im Freiland oft bis weit in den November hinein. Für einen erfolgreichen Anbau sind eine gleichmäßige Wasserversorgung und ein ausgewogener Nährstoffhaushalt entscheidend, um physiologische Störungen wie den gefürchteten Blattrandbrand zu vermeiden.
Bodenmanagement
Für den Anbau dieser Kultur eignen sich tiefgründige, humusreiche Böden mit guter Wasserführung und einem stabilen Gefüge, da Staunässe unbedingt vermieden werden muss. Eine gleichmäßige Bodenfeuchte ist besonders in der Hauptwachstumsphase wichtig, um physiologischen Blattrandbrand zu verhindern, der durch Calciummangel bei unregelmäßiger Transpiration entsteht. Vor dem Auspflanzen solltest du den Boden tief lockern und eine ausgewogene Grunddüngung basierend auf einer aktuellen Bodenanalyse durchführen. Da die Kultur empfindlich auf hohe Salzkonzentrationen reagiert, ist eine chloridarme Düngung zu bevorzugen. Eine gezielte Humuszufuhr durch Kompost oder Gründüngung im Vorjahr verbessert die Bodenstruktur und fördert das für die Wurzelgesundheit wichtige Bodenleben.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz dieser Kultur stehen pilzliche Schaderreger wie Rhizoctonia solani und Sclerotinia-Arten im Vordergrund, die vor allem bei feucht-warmer Witterung zu Fäulnis im Strunkbereich führen können. Um dem Befall vorzubeugen, solltest du auf eine weite Fruchtfolge achten und Staunässe durch eine optimierte Bewässerungsmethode, idealerweise per Tropfbewässerung, minimieren. Gegen auflaufende Unkräuter wie Echinochloa crus-galli oder Amaranthus retroflexus ist eine mechanische Unkrautregulierung durch Hacken in der frühen Entwicklungsphase sehr effektiv. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln musst du unbedingt die zugelassenen Anwendungen und die vorgeschriebene Wartezeit beachten, insbesondere da die Blätter direkt verzehrt werden. Ein regelmäßiges Monitoring auf tierische Schädlinge wie Blattläuse und Schnecken sichert die optische Qualität der Ernteware.
Sorten
Wallonne
Mittelfrüh bis spätHoher, stabiler Ertrag bei gleichmäßiger Sortierung.
Resistent gegen: Schoßen, Kälte
Anfällig für: Blattrandbrand, Sclerotinia
Sehr bekannte, bewährte Frisée-Sorte mit feiner Krause und gut gefülltem Herz. Hervorragend für den Herbstbau geeignet.
Eros
MittelfrühSehr ertragreich mit schweren Köpfen.
Resistent gegen: Nässefäule, Schoßen
Anfällig für: Blattrandbrand
Robuste Escariol-Sorte (glatte Endivie) mit aufrechtem Wuchs und gutem Gelbherzanteil. Sehr widerstandsfähig im Freilandanbau.
Bubikopf
Früh bis mittelfrühZuverlässig hohe Erträge im Standardsegment.
Resistent gegen: Leichter Frost
Anfällig für: Schoßen bei Frühjahrsaussaat, Rhizoctonia
Der absolute Klassiker unter den glatten Endivien für den Sommer- und frühen Herbstbau. Bildet dichte, schwere Köpfe mit zartem Herz.
Myrna
MittelfrühGute Erträge mit hohem Anteil vermarktungsfähiger Ware.
Resistent gegen: Schoßen
Anfällig für: Fäulnis bei Dauerregen
Feingekrauste Frisée-Endivie mit hervorragender Selbstbleichung im Herzbereich. Gut geeignet für den professionellen Frischmarkt.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie verhinderst du das vorzeitige Schossen bei der Jungpflanzenanzucht von Endivien?
Um Schossen (vorzeitige Blütenbildung) zu vermeiden, musst du während der Jungpflanzenanzucht im Gewächshaus eine Mindesttemperatur von 16 bis 18 °C einhalten. Niedrige Temperaturen unter 12 °C in der frühen Entwicklungsphase wirken als Vernisationsreiz, der später im Freiland zum Schossen führt. Verwende für frühe Sätze ausschließlich schoßresistente Sorten.
Welche Rolle spielt das Bleichen der Herzen kurz vor der Ernte und wie wird es durchgeführt?
Das Bleichen reduziert die Bitterstoffe in den inneren Blättern und macht sie zarter. Moderne Sorten sind oft selbstbleichend, da sie sehr dicht wachsen. Falls nötig, kannst du die Köpfe etwa 10 Tage vor der Ernte im trockenen Zustand zusammenbinden oder mit lichtundurchlässigen Hauben abdecken – achte dabei penibel auf Trockenheit, um Fäulnis zu vermeiden.
Wie unterscheidest du physiologischen Blattrandbrand von einer Infektion durch Schaderreger?
Blattrandbrand äußert sich durch trockene, nekrotische Blattränder an den inneren Blättern und ist eine physiologische Störung, die durch Calciummangel bei unregelmäßiger Wasserversorgung entsteht. Pilzliche Schaderreger wie Sclerotinia oder Botrytis hingegen verursachen meist wässrige, weiche Fäulnisstellen, die oft von einem sichtbaren Pilzmyzel begleitet werden.
Wie findest du im Farmable-Portal die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Sclerotinia-Fäule?
Navigiere im Portal zum Bereich Pflanzenschutz und filtere nach der Kultur Endivie sowie dem Schaderreger Sclerotinia sclerotiorum oder Sclerotinia minor. Dir werden dann alle aktuell in deinem Land für diese Anwendung zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmenge und Wartezeit übersichtlich angezeigt.
Warum ist die Einhaltung der Wartezeit bei dieser Kultur besonders kritisch?
Da Endivien als Blattsalat frisch und ohne Schälung oder Erhitzung verzehrt werden, besteht ein erhöhtes Risiko für Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Du musst die auf dem Etikett angegebene Wartezeit (PHI) zwischen der letzten Behandlung und der Ernte unbedingt exakt einhalten, um die gesetzlichen Rückstandshöchstmengen nicht zu überschreiten.
Welche Fruchtfolgemaßnahmen helfen, den Druck durch bodenbürtige Pilze zu senken?
Vermeide es, Endivien direkt nach anderen Korbblütlern (wie Kopfsalat) oder anfälligen Kulturen wie Raps und Leguminosen anzubauen, da diese ebenfalls Wirte für Sclerotinia und Rhizoctonia sind. Eine Anbaupause von mindestens 3 bis 4 Jahren und der zwischenzeitliche Anbau von Getreide oder Gräsern reduzieren das Inokulum im Boden spürbar.