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Kultur

Rettich

Raphanus sativus var. niger
RAPSN

Der Rettich (Raphanus sativus var. niger), im professionellen Anbau oft unter dem EPPO-Code RAPSN geführt, ist eine traditionsreiche und wirtschaftlich bedeutende Kultur im europäischen Gemüsebau. Zu dieser botanischen Varietät gehören sowohl der klassische, scharf-würzige Schwarze Winterrettich als auch die weißen, meist milderen Herbstrettiche. Als typische Kreuzblütler-Kultur stellt der Rettich spezifische Anforderungen an die Fruchtfolgegestaltung und verlangt eine präzise Kulturführung, um Qualitätsmängel wie Pelzigkeit, Verholzung oder Rissbildung der Rüben zu vermeiden.

Im mitteleuropäischen Erwerbsanbau wird die Kultur sowohl für den Frischmarkt als auch für die Lagerung kultiviert. Die Entwicklungszeit variiert je nach Aussaattermin und Sorte stark zwischen schnellen Sommerrunden und lagerfähigen Herbst- und Wintertypen. Ein tiefgründiger, gleichmäßig feuchter Boden sowie eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung sind essenziell, um ein harmonisches Rübenwachstum und eine makellose Schalenqualität zu gewährleisten.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Frühjahrsanbau) und Juli bis Anfang August (Herbst-/Winterrettich)
Erntefenster
September bis November (Winterrettich) bzw. Juni bis August (Frühjahrs-/Sommeranbau)
Reihenabstand
25–35 cm
Typischer Ertrag
25–40 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1100–1400 °C
Boden-pH
6,0–7,0

Bodenmanagement

Für einen erfolgreichen Anbau benötigt die Kultur tiefgründig gelockerte, humose und gut wasserführende Böden ohne Verdichtungen, da diese schnell zu Beinigkeit oder Verformungen der Rüben führen. Ein gleichmäßiges Feuchtigkeitsniveau ist entscheidend, um das Platzen der Rüben bei plötzlichen Niederschlägen nach Trockenphasen zu verhindern. Die Grunddüngung sollte auf Bodenanalysen basieren, wobei eine moderate Stickstoffgabe im Bereich von 80 bis 120 kg N/ha meist ausreicht, um ein übermäßiges Laubwachstum auf Kosten der Rübenqualität zu vermeiden. Eine organische Düngung mit frischem Stallmist ist wegen der erhöhten Gefahr des Befalls mit der Kohlfliege unbedingt zu vermeiden. Kalkgaben vor dem Anbau stabilisieren den pH-Wert und mindern das Risiko von Kohlhernie.

Schaderreger-Management

Im integrierten Pflanzenschutz steht die Vorbeugung im Vordergrund, insbesondere durch die Einhaltung einer weiten Fruchtfolge von mindestens 3 bis 4 Jahren zu anderen Kreuzblütlern. Gegen tierische Schaderreger wie Erdflohe im Jugendstadium und die Kohlfliege hat sich der konsequente Einsatz von engmaschigen Kulturschutznetzen direkt nach der Saat bewährt. Pilzliche Schaderreger wie Rhizoctonia solani (RHIZSO) und Sclerotinia-Arten (SCLESC, SCLEMI) erfordern eine weite Standweite zur schnellen Abtrocknung des Bestandes sowie eine gezielte Bodenhygiene. Beim Auftreten von Blattkrankheiten wie Alternaria brassicae (ALTEBA) oder Falschem Mehltau können zugelassene Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, wobei stets die genauen Aufwandmengen und Wartezeiten zu beachten sind. Eine konsequente Unkrautregulierung, insbesondere gegen Problemunkräuter wie Elymus repens (AGRRE) und Poa annua (POAAN), sichert die ungestörte Jugendentwicklung der Kultur.

Sorten

Runder Schwarzer Winter

Spät

Sehr ertragreich bei später Ernte

Anfällig für: Kohlhernie, Kohlfliege

Traditionelle, tiefschwarze Sorte mit festem, weißem Fleisch und ausgeprägter Schärfe. Sehr gut lagerfähig.

Rex

Mittelfrüh bis spät

Hoher Marktwarenanteil

Resistent gegen: Pelzigkeit, Platzen

Anfällig für: Kohlfliege

Sehr bewährte, weiße Sorte für den Herbst- und Winteranbau. Bildet gleichmäßige, zylindrische Rüben.

Ostergruß Rosa 2

Früh

Mittelhoher Ertrag, rasche Entwicklung

Resistent gegen: Pelzigkeit

Anfällig für: Schossen, Kohlfliege

Beliebte Sorte für den frühen Freilandanbau mit dekorativer, rosa-roter Schale und milder Schärfe.

Hilds Blauer

Mittelfrüh

Stabile Erträge im Liebhaber- und Direktvermarktungsanbau

Anfällig für: Trockenheit, Kohlhernie

Traditionelle Sorte mit auffälliger violetter Schalenfarbe und weißem, zartem Fleisch. Gut für den Herbstanbau geeignet.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie verhinderst du das gefürchtete Schossen (vorzeitige Blütenbildung) bei deinem Rettich?

Das Schossen wird meist durch Langtagbedingungen und Hitzeperioden ausgelöst. Wähle für den Frühjahrsanbau schossfeste Sorten und halte dich strikt an die empfohlenen Aussaatfenster. Zudem hilft eine gleichmäßige Wasserversorgung, da Trockenstress den Übergang in die generative Phase (Blütenbildung) massiv beschleunigt.

Welche mechanischen Maßnahmen helfen dir, den Befall durch die Kohlfliege ohne Pflanzenschutzmittel zu minimieren?

Das Auflegen von engmaschigen Kulturschutznetzen (Maschenweite maximal 1,35 mm, besser 0,8 mm) direkt nach der Aussaat ist die effektivste Methode. Achte darauf, dass die Netze an den Rändern lückenlos mit Erde eingegraben sind, damit die Fliegen keine Schlupflöcher finden, um ihre Eier am Wurzelhals abzulegen.

Wie erkennst du den optimalen Erntezeitpunkt bei Winterrettich für eine lange Lagerung?

Ernte die Rüben vor den ersten starken Frösten (Temperaturen unter -2 bis -3 °C schädigen das Gewebe). Der optimale Zeitpunkt ist erreicht, wenn die Rüben ihre sortentypische Größe erlangt haben, aber noch fest und saftig sind. Drehe das Laub beim Ernten vorsichtig ab, statt es abzuschneiden, um Fäulniserregern wie Sclerotinia keine Eintrittspforten zu bieten.

Warum ist eine weite Fruchtfolge bei dieser Kultur so wichtig und welche Vorfrüchte solltest du meiden?

Als Kreuzblütler teilt der Rettich viele Schaderreger mit Raps, Kohl und Senf. Um bodenbürtige Krankheiten wie Kohlhernie oder Rhizoctonia solani nicht anzureichern, musst du eine Anbaupause von mindestens 3 bis 4 Jahren zu allen anderen Brassicaceen einhalten. Gute Vorfrüchte sind Getreide, Speisekartoffeln oder Hülsenfrüchte.

Wie gehst du vor, wenn du auf farmable.tech nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Alternaria brassicae suchen willst?

Nutze die Suchfunktion auf unserer Plattform und filtere nach der Kultur Rettich (RAPSN) und dem Schaderreger Alternaria brassicae (ALTEBA). Dir werden dann alle aktuell in deinem Land zugelassenen Fungizide inklusive der spezifischen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen und einzuhaltenden Wartezeiten übersichtlich angezeigt.

Welche Rolle spielt die Bor-Versorgung bei der Vermeidung von Qualitätsmängeln im Rübenkörper?

Bor ist essenziell für die Zellwandstabilität. Ein Bormangel, der besonders auf leichten oder frisch gekalkten Böden auftritt, führt zu braunen, nekrotischen Stellen im Rübeninneren (Herz- und Trockenfäule) und macht das Gewebe pelzig. Bei akutem Mangel oder gefährdeten Standorten solltest du eine gezielte Blattdüngung im BBCH-Stadium 14 bis 19 einplanen.