Rettich
Der Rettich (Raphanus sativus var. niger, EPPO-Code: RAPSN), insbesondere der Schwarze Winterrettich oder der Erfurter Rettich, ist eine traditionelle und ökonomisch bedeutende Kultur im mitteleuropäischen Gemüsebau. Als Kreuzblütler zeichnet sich diese Kultur durch eine ausgeprägte Pfahlwurzel aus, die je nach Sorte rund, oval oder walzenförmig wächst. Der Anbau erfordert präzise agronomische Kenntnisse, da die Qualität des Ernteguts direkt von der Bodenstruktur, der Wasserversorgung und der Vermeidung von physiologischen Störungen wie Pelzigkeit oder Platzen abhängt.
Die Kultur wird sowohl für den Frischmarkt als auch für die Lagerung angebaut. Während Sommerrettiche eine kurze Entwicklungszeit aufweisen, benötigen die klassischen Winterrettiche eine längere Vegetationsperiode, um ihre charakteristische Festigkeit und den typisch scharfen Geschmack durch Senfölglykoside auszubilden. Ein erfolgreiches Management erfordert eine weite Fruchtfolge zur Vermeidung von typischen Krankheiten der Brassicaceen.
Bodenmanagement
Für eine gleichmäßige Entwicklung der Rübe benötigt die Kultur tiefgründig gelockerte, humose und steinfreie Böden mit guter Wasserführung. Schwere, verdichtete Böden führen unweigerlich zu Beinigkeit, Verzweigungen und Wachstumsdeformationen der Pfahlwurzel. Eine gleichmäßige Wasserversorgung ist besonders während des Hauptdickenwachstums essenziell, um das gefürchtete Platzen der Rüben sowie eine vorzeitige Pelzigkeit zu verhindern. Die Düngung sollte bedarfsgerecht auf Basis von Bodenanalysen erfolgen, wobei eine moderate Stickstoffgabe im Vordergrund steht, um Nitratanreicherungen im Erntegut zu minimieren. Zudem ist auf eine ausreichende Borversorgung zu achten, da Bormangel zu Herzfäule und braunen Verfärbungen im Rübeninneren führen kann.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz bei dieser Kultur basiert auf einer weiten Fruchtfolge von mindestens drei bis vier Jahren zu anderen Brassicaceen, um bodenbürtige Schaderreger wie Rhizoctonia solani und Sclerotinia-Arten zu kontrollieren. Gegen pilzliche Schaderreger wie Alternaria brassicae, die Blattflecken verursachen, ist eine vorbeugende Kulturführung mit weiten Reihenabständen zur schnellen Abtrocknung des Bestandes ratsam. Beim Auftreten von tierischen Schädlingen wie der Kohlfliege oder Erdflöhen müssen Kulturschutznetze direkt nach der Saat aufgelegt werden, um mechanische Barrieren zu schaffen. Falls der Schadensschwellenwert überschritten wird, ist der gezielte Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel unter Beachtung der spezifischen Wartezeit und des BBCH-Stadiums erforderlich. Eine konsequente Unkrautregulierung, insbesondere gegen ausdauernde Arten wie Elymus repens, sichert die Nährstoff- und Wasserverfügbarkeit in der kritischen Jugendentwicklung.
Sorten
Runder Schwarzer Winter
SpätStabile Erträge von ca. 35–45 t/ha bei optimaler Herbstfeuchtigkeit.
Anfällig für: Rhizoctonia solani, Kohlfliege
Traditionelle, sehr gut lagerfähige Sorte mit tiefschwarzer Schale und festem, scharfem Fleisch.
Langer Schwarzer Winter
Sehr spätErtragreich, benötigt jedoch tiefgründig gelockerte Böden für gerade Rüben.
Anfällig für: Rhizoctonia solani, Kohlhernie
Walzenförmige, lange Rübe für den späten Herbst- und Winteranbau. Hervorragend für die Sandblattlagerung geeignet.
Münchner Bier
Mittelfrüh bis spätSehr ertragreich im Sommer- und Herbstanbau.
Anfällig für: Kohlfliege, Rettichschwärze
Bayerische Traditionsorte, die oft als Radi zum Bier serviert wird. Bildet weiße, birnenförmige Rüben mit mild-würzigem Geschmack.
Rex
Früh bis mittelfrühSichere Erträge auch unter Glas oder Vlies.
Resistent gegen: Schossen
Anfällig für: Kohlfliege, Erdflöhe
Schnellwachsender, weißer Treib- und Freilandrettich mit hoher Schossresistenz im Frühjahr.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko von Rhizoctonia solani beim Rettichanbau im Feld minimieren?
Die Regulierung von Rhizoctonia solani basiert primär auf vorbeugenden pflanzenbaulichen Maßnahmen. Vermeiden Sie Staunässe durch tiefe Bodenlockerung und achten Sie auf eine weite Fruchtfolge, bei der mindestens vier Jahre lang keine anderen Wirtspflanzen (wie Kartoffeln, Rüben oder andere Brassicaceen) auf der Fläche standen. Eine flache Saat und die Förderung eines schnellen Auflaufens verringern zudem das Zeitfenster, in dem der Keimling im empfindlichen BBCH-Stadium 09 bis 12 infiziert werden kann.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung der Kohlfliege?
Die kritischste Phase für den Befall durch die Kohlfliege liegt in den frühen BBCH-Stadien 12 bis 19 (Blattentwicklung). In diesem Zeitraum ist das Auflegen von Kulturschutznetzen (Maschenweite maximal 1,35 mm) zwingend erforderlich, da die Eiablage an den jungen Stängeln sonst zu totalem Ernteausfall führt. Chemische Anwendungen müssen exakt auf die Flugzeiten der adulten Fliegen abgestimmt werden, bevor die Larven in die Rübe eindringen.
Wie finde ich im Pflanzenschutz-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Alternaria brassicae?
Suchen Sie im Hub gezielt nach der Kultur 'Rettich' und filtern Sie nach dem Schaderreger 'Alternaria brassicae' (Alternaria-Blattfleckigkeit). Achten Sie bei den gelisteten Fungiziden besonders auf die zugelassenen BBCH-Anwendungsbereiche (meist ab BBCH 41, Beginn der Rübenentwicklung) sowie die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit, um Rückstände im Erntegut sicher zu vermeiden.
Warum ist eine gleichmäßige Bewässerung ab BBCH-Stadium 41 für die Marktqualität entscheidend?
Ab dem BBCH-Stadium 41 beginnt das intensive Dickenwachstum der Rübe. Unregelmäßige Wassergaben in dieser Phase führen zu starken Spannungsunterschieden im Gewebe, wodurch die Rüben platzen oder im Inneren pelzig (schwammig) werden. Eine sensorgesteuerte Tröpfchen- oder Überkopfberegnung sichert eine konstante Bodenfeuchte und erhält die knackige Textur.
Wie unterscheidet sich das Schadbild von Sclerotinia sclerotiorum von dem der Rhizoctonia-Fäule?
Sclerotinia sclerotiorum äußert sich meist durch ein weißes, watteartiges Myzel an der Rübenbasis und den Blattstielen, in dem sich später schwarze, unregelmäßige Dauerkörper (Sklerotien) bilden. Rhizoctonia solani hingegen verursacht eher trockene, eingesunkene, braun-schwarze Flecken an der Rübenoberfläche (die sogenannte 'Rettichschwärze' oder 'Rhizoctonia-Fäule') ohne das typische weiße Luftmyzel.
Welche pflanzenbaulichen Maßnahmen helfen gegen den Druck von Elymus repens (Gemeine Quecke)?
Da Elymus repens ein ausdauerndes Wurzelunkraut ist, muss die Regulierung bereits vor der Saat im Rahmen der Stoppelbearbeitung oder durch den gezielten Einsatz von zugelassenen Herbiziden auf der Vorfruchtfläche erfolgen. Im stehenden Rettichbestand ist die mechanische Bekämpfung aufgrund der Gefahr von Wurzelbeschädigungen am Rettich nur sehr eingeschränkt möglich; hier können selektive Gräserherbizide (Graminizide) im frühen Nachauflauf eingesetzt werden.