Feldsalat
Feldsalat (Valerianella locusta, EPPO-Code: VLLLO), in Süddeutschland und der Schweiz auch als Rapunzel oder Nüsslisalat bekannt, ist eine der bedeutendsten winterharten Blattsalatkulturen im mitteleuropäischen Erwerbsgemüsebau. Die Kultur zeichnet sich durch eine hervorragende Frosttoleranz aus und ermöglicht eine kontinuierliche Frischgemüseversorgung in den Wintermonaten sowie im zeitigen Frühjahr. Der Anbau erfolgt sowohl im Freiland als auch unter Glas oder Folie, um die Marktversorgung ganzjährig zu sichern.
Botanisch gehört die Kultur zu den Geißblattgewächsen (Caprifoliaceae). Sie stellt aufgrund ihrer kurzen Entwicklungsdauer und des geringen Wärmeanspruchs eine hervorragende Nachkultur in der Fruchtfolge dar. Für einen wirtschaftlichen Erfolg sind jedoch eine präzise Steuerung der Bodenfeuchte während der Keimphase sowie ein konsequenter Schutz vor pilzlichen Schaderregern entscheidend.
Die Ernte erfolgt je nach Betriebsausrichtung maschinell oder per Hand, wobei die Qualität maßgeblich von der Rosettenfestigkeit und der Freiheit von bodenbürtigen Verschmutzungen abhängt. Durch moderne Sorteigenschaften und optimierte Anbautechniken lässt sich die Kultur flexibel an unterschiedliche Vermarktungsfenster anpassen.
Bodenmanagement
Feldsalat bevorzugt mittelschwere, humose und gut strukturierte Böden mit einer gleichmäßigen Wasserführung, da Staunässe unbedingt zu vermeiden ist. Ein feinkrümeliges Saatbett ist für den feinsamigen Lichtkeimer essenziell, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu garantieren. Die Kultur reagiert empfindlich auf Bodenverdichtungen, weshalb eine tiefe Lockerung vor der Saat ratsam ist. Der Stickstoffbedarf ist mit etwa 40 bis 60 kg N/ha moderat; eine Überdüngung erhöht die Anfälligkeit für Pilzkrankheiten und mindert die Frosthärte. Kalkgaben vor dem Anbau stabilisieren den pH-Wert im optimalen Bereich und fördern die Bodenstruktur.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz im Feldsalatanbau konzentriert sich primär auf die Vorbeugung bodenbürtiger Pilze wie Rhizoctonia solani und Sclerotinia-Arten, die erhebliche Ausfälle verursachen können. Eine weite Fruchtfolge mit einer Anbaupause von mindestens drei bis vier Jahren zu anderen anfälligen Kulturen ist die wichtigste präventive Maßnahme. Gegen den Falschen Mehltau (Peronospora valerianellae) und Echten Mehltau helfen eine weite Reihenweite, eine moderate Bestandsdichte sowie das Gießen in den frühen Morgenstunden zur schnellen Abtrocknung des Laubs. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt und unter Beachtung der Wartezeiten eingesetzt werden, wobei biologische Präparate auf Bacillus-Basis eine wertvolle Ergänzung darstellen. Unkräuter wie Poa annua müssen frühzeitig mechanisch oder durch zugelassene Herbizide reguliert werden, um eine Verunkrautung der Rosetten bei der Ernte zu verhindern.
Sorten
Vit
MittelfrühSehr ertragreich und stabil im Freiland und Unterglas.
Resistent gegen: Falscher Mehltau
Anfällig für: Echter Mehltau, Rhizoctonia
Sehr beliebte, rasch wachsende Sorte für den ganzjährigen Anbau. Zeichnet sich durch aufrechten Wuchs und feste, dunkelgrüne Blätter aus.
Favor
Früh bis mittelfrühHoher Ertrag durch schwere, dichte Rosetten.
Resistent gegen: Falscher Mehltau
Anfällig für: Sclerotinia
Kompakte Sorte mit runden, dicken Blättern. Hervorragend für den Herbstanbau und die Überwinterung geeignet.
Elan
FrühGute Erträge bei früher Ernte.
Resistent gegen: Falscher Mehltau
Anfällig für: Grauschimmel
Schnellwachsende Sorte, besonders für den frühen Unterglasanbau und den Satzanbau im Frühjahr geeignet.
Baron
MittelfrühKonstant hohe Erträge auch unter schwierigen Witterungsbedingungen.
Resistent gegen: Frost, Falscher Mehltau
Anfällig für: Rhizoctonia
Robuste Sorte für den Freilandanbau im Herbst und Winter. Zeigt eine sehr gute Kältetoleranz.
Gala
SpätSichere Erträge im zeitigen Frühjahr.
Resistent gegen: Frost, Falscher Mehltau
Anfällig für: Echter Mehltau
Klassische, sehr frostharte Sorte für die späte Überwinterung im Freiland. Bildet feste, löffelförmige Blätter.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko von Rhizoctonia solani beim Herbstanbau von Feldsalat effektiv minimieren?
Neben einer weiten Fruchtfolge ist die Vermeidung von Staunässe entscheidend. Das Saatbett sollte gut drainiert und nicht zu tief gelockert sein, um Verschlämmungen zu verhindern. Zudem begünstigt eine zu tiefe Saat die Infektion; flach abgelegtes Saatgut (ca. 1–1,5 cm) keimt schneller und entzieht dem Erreger Angriffsfläche. Der Einsatz von nützlichen Bodenbakterien (z. B. Bacillus amyloliquefaciens) bei der Aussaat kann die Wurzeln präventiv schützen.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen gegen Falschen Mehltau?
Infektionen mit Falschem Mehltau treten besonders ab der Rosettenbildung (BBCH 31 bis 39) auf, wenn sich die Reihen schließen und das Mikroklima feuchter wird. Behandlungen mit zugelassenen Fungiziden sollten präventiv vor dem Reihenschluss erfolgen, da spätere Anwendungen die inneren Blätter der dichten Rosetten kaum noch erreichen. Zudem müssen die strengen Wartezeiten vor der Ernte (BBCH 49) zwingend eingehalten werden.
Warum ist die Regulierung von Poa annua (Einjährige Rispe) im Feldsalat so kritisch und wie erfolgt sie?
Poa annua wächst unter kühlen Bedingungen extrem schnell und konkurriert stark mit der langsam keimenden Kultur um Licht und Nährstoffe. Zudem erschweren Gräser die maschinelle Ernte und Reinigung der Rosetten erheblich, was zu hohen Sortierverlusten führt. Die Regulierung muss sehr früh im Keimblattstadium (BBCH 10–12) mechanisch durch präzises Hacken oder durch den gezielten Einsatz von zugelassenen Nachauflauf-Herbiziden erfolgen.
Wie beeinflussen niedrige Temperaturen im Winter die Nährstoffaufnahme und Düngung von Feldsalat?
Bei Bodentemperaturen unter 5 °C ist die Mineralisierung im Boden nahezu eingestellt, und die Wurzelaktivität von Feldsalat sinkt drastisch. Eine späte Stickstoffgabe im Spätherbst wird daher kaum aufgenommen und erhöht nur das Auswaschungsrisiko sowie die Krankheitsanfälligkeit. Die Hauptdüngung muss zwingend zur Saat im Spätsommer abgeschlossen sein, um der Kultur genügend Reserven für den Winter mitzugeben.
Welche pflanzenbaulichen Maßnahmen verhindern das Auftreten von Grauschimmel (Botrytis cinerea) unter Glas?
Im geschützten Anbau ist ein konsequentes Lüftungsmanagement die wichtigste Maßnahme, um die relative Luftfeuchte unter 85 % zu halten und stehende Nässe auf den Blättern zu vermeiden. Die Bewässerung sollte ausschließlich in den frühen Morgenstunden erfolgen, damit die Kultur bis zum Abend vollständig abtrocknet. Zudem hilft eine reduzierte Saatstärke, um luftige Bestände zu schaffen, die weniger anfällig für Botrytis cinerea sind.
Wie finde ich im Agronomie-Portal aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Feldsalat?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie gezielt nach der Kultur 'Feldsalat' (oder dem EPPO-Code VLLLO) sowie dem gewünschten Schaderreger (z. B. Rhizoctonia solani). Das System listet Ihnen alle aktuell beim BVL registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen und spezifischen Wartezeiten auf.