Tabakmottenschildlaus
Die Tabakmottenschildlaus (Bemisia tabaci, EPPO-Code: BEMITA) ist einer der weltweit wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im Unterglas- und Freilandanbau. Dieser winzige, zu den Mottenschildläusen gehörende Schädling saugt an Phloemsäften und schädigt dadurch eine Vielzahl von Kulturen, insbesondere Solanaceen wie Tomaten (Solanum lycopersicum) und Auberginen (Solanum melongena) sowie Cucurbitaceen wie Gurken (Cucumis sativus). Neben dem direkten Saugschaden ist die Art als hocheffizienter Vektor für über 100 pflanzenpathogene Viren, insbesondere Begomoviren, gefürchtet.
In Mitteleuropa tritt Bemisia tabaci primär als persistenter Schädling in Gewächshäusern auf, breitet sich jedoch in warmen Sommern zunehmend auch im Freiland aus. Die enorme Anpassungsfähigkeit verschiedener Biotypen (insbesondere der B- und Q-Biotype) führt zu einer raschen Resistenzentwicklung gegenüber vielen gängigen Insektiziden, was die Bekämpfung im integrierten Pflanzenschutz vor große Herausforderungen stellt.
Biologie / Lebenszyklus
Die Entwicklung von Bemisia tabaci verläuft vom Ei über vier Nymphenstadien (wobei das letzte als Puparium bezeichnet wird) bis zum adulten Insekt. Unter optimalen Bedingungen im Gewächshaus (ca. 28 °C) dauert ein kompletter Lebenszyklus nur etwa 18 bis 22 Tage, was eine explosionsartige Populationsentwicklung ermöglicht. Die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt auf der Blattunterseite junger Blätter ab. Da sich die Generationen stark überschneiden, sind im Bestand meist alle Entwicklungsstadien gleichzeitig anzutreffen, was die gezielte Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen erschwert.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte bereits ab dem Pflanzenauflauf bzw. dem Auspflanzen (BBCH 11–13) mittels gelber Leimtafeln erfolgen, die knapp über den Pflanzenspitzen platziert und wöchentlich kontrolliert werden. Ergänzend ist eine visuelle Bonitur der Blattunterseiten im mittleren und unteren Pflanzenbereich (BBCH 30–60) unerlässlich, um den Erstbefall durch Nymphen frühzeitig zu erkennen. Als Schadensschwelle im professionellen Gemüsebau gilt oft schon der Nachweis einzelner adulter Tiere pro Pflanze, insbesondere in virusgefährdeten Kulturen wie Tomaten oder Gurken, da hier eine Nulltoleranz für die Virusübertragung angestrebt werden muss.
Symptome
Typische Symptome im Feld und Gewächshaus sind eine allgemeine Schwächung der Kulturen, Chlorosen und Welkeerscheinungen durch den Entzug von Assimilaten. Ein massiver Befall führt zu einer starken Ausscheidung von Honigtau, auf dem sich sekundär Rußtaupilze ansiedeln; dies beeinträchtigt die Photosyntheseaktivität der Blätter und mindert die Marktqualität der Früchte erheblich. Bei bestimmten Kulturen wie Zucchini oder Tomaten induziert der Speichel der Nymphen zudem physiologische Störungen wie Silberblättrigkeit oder ungleichmäßige Fruchtreife.
Integriertes Management
Die Bekämpfung erfordert ein striktes integriertes Pflanzenschutzkonzept. Kulturelle Maßnahmen umfassen die Verwendung von insektensicheren Netzen (Maschenweite < 0,6 mm), konsequente Unkrautbeseitigung (Wirtspflanzenentzug) und die Nutzung virusresistenter Sorten. Biologisch zeigt der Einsatz von Nützlingen wie der Schlupfwespe Encarsia formosa, der Raubwanze Macrolophus pygmaeus oder von Raubmilben (Amblyseius swirskii) hervorragende Erfolge, sofern sie frühzeitig etabliert werden. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten selektiv und unter strenger Beachtung des IRAC-Wirkstoffklassenwechsels (z. B. Wechsel zwischen Pyriproxyfen, Spiromesifen oder Flupyradifuron) angewendet werden, um der extrem schnellen Resistenzbildung von Bemisia tabaci entgegenzuwirken.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich Bemisia tabaci optisch von der Gewächshausmottenschildlaus (Trialeurodes vaporariorum)?
Im Ruhezustand hält Bemisia tabaci ihre Flügel dachartig und eng angewinkelt entlang des Körpers, sodass der gelbliche Körper von oben teilweise sichtbar bleibt. Trialeurodes vaporariorum hingegen hält die Flügel flacher und breiter, was ihr ein eher dreieckiges, rein weißes Aussehen verleiht. Zudem sind die Larvenstadien von B. tabaci flacher und besitzen deutlich weniger Randborsten.
Warum ist die Unterscheidung der Biotypen (z. B. B- und Q-Biotyp) für die Praxis so wichtig?
Die Biotypen unterscheiden sich stark in ihrer Anfälligkeit gegenüber Pflanzenschutzmitteln. Der Q-Biotyp weist eine extrem hohe Toleranz gegenüber vielen Neonicotinoiden und Insektenwachstumsreglern auf. Eine genaue Bestimmung hilft, Fehlbehandlungen zu vermeiden und die richtige Wirkstoffgruppe für eine gezielte Anwendung auszuwählen.
Welche Rolle spielen Unkräuter im Umfeld von Gewächshäusern bei der Ausbreitung von Bemisia tabaci?
Viele weit verbreitete Unkräuter (wie Nachtschatten- oder Amaranthgewächse) dienen dem Schaderreger als Überwinterungs- und Zwischenwirte. Von dort aus wandern die adulten Tiere im Frühjahr wieder in die Kulturen ein. Eine konsequente Unkrautbekämpfung im direkten Umfeld der Gewächshäuser ist daher eine essenzielle präventive Maßnahme.
Ab welchen BBCH-Stadien ist das Risiko einer Virusübertragung durch Bemisia tabaci am kritischsten?
Das Risiko ist in den frühen Entwicklungsstadien (BBCH 10 bis 19, Keimung bis Blattentwicklung) am höchsten, da junge Kulturen besonders empfindlich auf Virusinfektionen reagieren und diese zu totalem Ertragsausfall führen können. Ein Schutz der Jungpflanzen hat daher oberste Priorität.
Wie kann die Wirkung von biologischen Nützlingen gegen diesen Schaderreger optimiert werden?
Nützlinge wie Amblyseius swirskii oder Macrolophus pygmaeus benötigen für eine erfolgreiche Etablierung Mindesttemperaturen von über 18 °C und eine ausreichende relative Luftfeuchtigkeit. Zudem sollte die Ausbringung präventiv oder bei den allerersten Befallssymptomen erfolgen, da biologische Gegenspieler eine explosionsartig wachsende Population nicht mehr allein eindämmen können.
Wie finde ich im Agronomie-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Tabakmottenschildlaus?
Nutzen Sie die Filterfunktion in unserer Produktdatenbank und wählen Sie unter „Schaderreger“ gezielt Bemisia tabaci oder „Saugende Insekten“ aus. Filtern Sie anschließend nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Tomate oder Gurke) und dem aktuellen BBCH-Stadium, um nur die aktuell für diese Anwendung zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive aller Wartezeiten und Auflagen angezeigt zu bekommen.