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Kultur

Grünkohl

Brassica oleracea var. sabellica
BRSOC

Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica, EPPO-Code: BRSOC), im süddeutschen und Schweizer Raum auch als Federkohl bekannt, ist eine ernährungsphysiologisch wertvolle, zweijährige Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Im professionellen Anbau in Mitteleuropa wird sie als einjährige Gemüsekultur kultiviert. Die Kultur zeichnet sich durch eine hervorragende Frosthärte aus, wobei späte Fröste im Winter traditionell zur Qualitätsverbesserung beitragen, indem sie den Abbau von Stärke zu Zucker fördern und bittere Geschmackskomponenten reduzieren.

Der Anbau erfolgt primär für den Frischmarkt sowie für die industrielle Verarbeitung (Tiefkühlkost, Konserven). Grünkohl stellt hohe Ansprüche an die Stickstoffversorgung und Wasserverfügbarkeit, weshalb tiefgründige, humose Böden mit guter Wasserhaltefähigkeit bevorzugt werden. Durch die lange Standzeit im Feld erstreckt sich die Kulturführung oft über die gesamte zweite Jahreshälfte, was spezifische Anforderungen an das integrierte Pflanzenschutzmanagement und die Unkrautregulierung stellt.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte Mai bis Anfang Juli
Erntefenster
Oktober bis Februar
Reihenabstand
50–75 cm
Typischer Ertrag
15–25 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1600 °C
Boden-pH
6,5–7,5

Bodenmanagement

Grünkohl benötigt für ein optimales Wachstum tiefgründige, mittelschwere bis schwere Böden mit einer stabilen Struktur und hoher Humusversorgung. Aufgrund des hohen Nährstoffbedarfs, insbesondere an Stickstoff (Sollwert ca. 200–250 kg N/ha inklusive Nmin), ist eine ausgewogene organisch-mineralische Düngung im Vorfeld der Pflanzung ratsam. Eine Kalkung zur Stabilisierung des pH-Werts im neutralen bis schwach alkalischen Bereich (über 6,5) ist zwingend erforderlich, um dem Risiko einer Infektion mit Kohlhernie effektiv entgegenzuwirken. Die Bodenbearbeitung sollte eine tiefe Durchwurzelung ermöglichen, während während der Kulturzeit flaches Hacken zur Unkrautregulierung und zur Brechung von Bodenkrusten beiträgt. Eine gleichmäßige Wasserversorgung, insbesondere in der Hauptwachstumsphase ab August, sichert die Ertragsleistung und verhindert vorzeitige Verholzungen der Stängel.

Schaderreger-Management

Das Pflanzenschutzmanagement bei Grünkohl erfordert eine kontinuierliche Überwachung ab der Pflanzung, da die Kultur von einer Vielzahl von Schaderregern bedroht wird. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehören Alternaria brassicae (Raps- und Kohlschwärze) sowie Neopseudocercosporella brassicae (Weißfleckigkeit), gegen die bei feucht-warmer Witterung gezielte Fungizid-Anwendungen eingeplant werden müssen. Unter den tierischen Schädlingen verursachen die Kohlmotte, die Mehlige Kohlblattlaus und die Weiße Fliege oft erhebliche Schäden, weshalb der Einsatz von Insektiziden oder der Schutz durch Kulturschutznetze essenziell ist. Ein konsequenter Fruchtwechsel von mindestens vier Jahren zu anderen Kreuzblütlern ist die wichtigste präventive Maßnahme gegen bodenbürtige Schaderreger wie Kohlhernie. Zudem ist auf eine sorgfältige Unkrautbekämpfung, insbesondere gegen Poa annua und andere konkurrenzstarke Unkräuter im frühen BBCH-Stadium, zu achten, um den Ertrag nicht zu gefährden.

Sorten

Winterbor

Spät (winterhart)

Sehr hoch und ertragssicher auch bei starkem Frost.

Resistent gegen: Frost, Blattfall

Anfällig für: Kohlhernie, Weiße Fliege

Sehr ertragreiche, frostharte Standardsorte für den Winteranbau. Dunkelgrünes, stark gekraustes Blatt.

Redbor

Mittelspät

Mittelhoher bis hoher Ertrag mit hohem Marktwarenanteil.

Resistent gegen: Frost

Anfällig für: Kohlhernie, Mehlige Kohlblattlaus

Dekorative, rot-violette Sorte, deren Färbung sich nach den ersten Frösten intensiviert. Sehr gute Frosthärte.

Halbhoher Grüner Krauser

Mittelfrüh bis spät

Konstant gute Erträge im herbstlichen Anbau.

Resistent gegen: Frost

Anfällig für: Kohlhernie, Alternaria-Blattflecken

Traditionelle, bewährte samenfeste Sorte mit feingekräuselten, mittelschweren Blättern. Sehr beliebt im Erwerbsanbau.

Lerchenzungen

Spät

Mäßiger bis mittlerer Ertrag, dafür exzellente Qualität für den Premium-Frischmarkt.

Resistent gegen: Frost, Kahlfrost

Anfällig für: Kohlhernie, Echter Mehltau

Traditionelle norddeutsche Landsorte mit schmalen, stark gekrausten, graugrünen Blättern. Hervorragender Geschmack.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

AFINTO
ISK Biosciences Europe N.V.
025691-61
Alginure Ascophos
TILCO-Alginure GmbH
007839-61
Alginure Bio Schutz
TILCO-Alginure GmbH
007839-00
ASKON
Syngenta Agro GmbH
006902-00
Axcela TS
YOU Solutions Germany GmbH
00B150-00
Azarius Top
JT Agro Europe sp. z o.o.
00B003-60
AZOSHY
Sharda Cropchem Espana S.L.
00A150-00
AZOXYSTAR SC
Sharda Cropchem Espana S.L.
00A150-60
Azoxystar XL
Hillfield Trading & Investments Ltd.
00A584-61
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-63
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Akut AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-67
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Neem
Trifolio-M GmbH
024436-63
Bayer Garten Bio Spinnmilben- & Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-69
Bayer Garten Orchideen-Spray Lizetan AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-72
Bayer Garten Orchideen- & Zierpflanzenspray Lizetan
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-74
Bayer Garten Schädlingsfrei Lizetan AZ
Trifolio-M GmbH
024436-67
Bayer Garten Schädlingsfrei Lizetan Gießmittel AZ
Trifolio-M GmbH
024436-66
Bayer Garten Zierpflanzen- & Rosen-Spray Lizetan AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-73
Bio Plantella Arion gegen Schnecken
Doff Portland Limited
00A452-61
Bio Spinnmilben- & Schädlingsfrei
W. NEUDORFF GMBH KG
024780-72
Bio Spinnmilben- & Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-78
Buchsbaumzünslerfrei
Trifolio-M GmbH
024436-75
BUCHSBAUMZÜNSLER-FREI ORGANIC
Trifolio-M GmbH
024436-81
CELAFLOR Schädlingsfrei Neem
Trifolio-M GmbH
024436-74
CeraVita Azoxy
Life Scientific Limited
007180-62
Chamane
UPL Holdings Coöperatief U.A.
008316-00
CLAYTON AUGUSTA
Clayton Plant Protection Ltd.
00A894-00
COMPO BIO Insekten-frei Neem
Trifolio-M GmbH
024436-65
COMPO Buchsbaumzünsler K.O.
Trifolio-M GmbH
024436-76
COMPO Schädlings-frei plus
W. NEUDORFF GMBH KG
024780-64
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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko von Rückständen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im späten Grünkohlanbau minimieren?

Da Grünkohl über einen sehr langen Zeitraum im Herbst und Winter geerntet wird, müssen die Wartezeiten (PHI) der eingesetzten Pflanzenschutzmittel strikt beachtet werden. Agronomen empfehlen, systemische Fungizide und Insektizide primär in den frühen BBCH-Stadien (bis BBCH 39) einzusetzen. Für spätere Korrekturbehandlungen gegen Schaderreger wie die Weiße Fliege sollten ausschließlich Mittel mit kurzen Wartezeiten oder biologische Präparate (z. B. auf Basis von Kaliumsalzen oder Pyrethrinen) gewählt werden.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung der Kohlschwärze (Alternaria brassicae)?

Infektionen mit Alternaria brassicae treten besonders ab BBCH 41 (Beginn der Entwicklung der erntebaren Pflanzenteile) bei feucht-warmer Witterung auf. Eine Überwachung der Bestände sollte daher ab Mitte August intensiviert werden. Erste Fungizid-Anwendungen sind beim Erkennen erster Symptome auf den älteren Blättern ratsam, um eine Ausbreitung auf die jüngeren, vermarktungsrelevanten Blätter zu verhindern.

Wie kann die Weiße Fliege (Aleyrodes proletella) im professionellen Grünkohlanbau effektiv kontrolliert werden?

Die Kohlmottenschildlaus (Weiße Fliege) ist aufgrund ihrer Wachsschicht schwer zu bekämpfen. Ein integrierter Ansatz kombiniert den frühen Einsatz von Kulturschutznetzen (Maschenweite < 1,35 mm) direkt nach der Pflanzung mit gezielten Nützlingsförderungen (z. B. Schlupfwespen). Chemische Anwendungen sollten früh am Morgen bei hoher Luftfeuchtigkeit erfolgen, wenn die Schädlinge träge sind, und stets mit ausreichend Wasseraufwandmenge (mindestens 400–600 l/ha) und Netzmitteln durchgeführt werden.

Warum ist die Fruchtfolge bei Grünkohl im Hinblick auf bodenbürtige Schaderreger so restriktiv?

Grünkohl ist hochgradig anfällig für den Erreger der Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae). Da die Dauersporen dieses Erregers über 10 Jahre im Boden überleben können, ist eine Anbaupause von mindestens 4, besser 5 bis 6 Jahren zu allen anderen Kreuzblütlern (wie Raps, Senf oder anderen Kohlarten) zwingend einzuhalten. Zudem müssen Wirtsunkräuter wie Hirtentäschelkraut oder Ackerhellerkraut konsequent reguliert werden.

Wie wirkt sich Frost physiologisch auf die Qualität und den Erntezeitpunkt von Grünkohl aus?

Frost stoppt die Photosynthese der Kultur nicht vollständig, verlangsamt aber den Stoffwechsel. Gleichzeitig arbeitet das Enzym Amylase weiter und spaltet die vorhandene Stärke in Glucose und Fructose. Da bei niedrigen Temperaturen die Atmung der Kultur stark verlangsamt ist, wird dieser Zucker nicht wieder abgebaut. Dies führt zu dem typisch süßlichen, milden Geschmack und mindert die Bitterstoffe, weshalb der Erntebeginn für den Frischmarkt traditionell nach den ersten Nachtfrösten liegt.

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel für Grünkohl?

Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion im Hub, indem Sie nach der Kultur 'Grünkohl' (oder dem EPPO-Code BRSOC) filtern. Sie können die Suche weiter verfeinern, indem Sie nach der spezifischen Indikation (z. B. 'Alternaria brassicae' oder 'Poa annua') filtern, um ausschließlich in Deutschland aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer Aufwandmengen, maximalen Anwendungen und Wartezeiten einzusehen.