Grünkohl
Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica, EPPO-Code: BRSOC), im deutschsprachigen Raum auch als Federkohl oder Krauskohl bekannt, ist eine traditionsreiche und äußerst frostharte zweijährige Kultur, die in Mitteleuropa vor allem als wertvolles Wintergemüse angebaut wird. Die Kultur zeichnet sich durch einen sehr hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und gesundheitsfördernden Senfölglykosiden aus. Botanisch gehört sie zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und bildet im ersten Vegetationsjahr keinen geschlossenen Kopf, sondern einen beblätterten Strunk mit stark gekrausten Blättern aus.
Der Anbau erfolgt im professionellen Gemüsebau meist als Hauptkultur ab dem Frühsommer oder als Zweitfrucht. Da Grünkohl tiefe Temperaturen problemlos verträgt und Frost sogar die Zuckeranreicherung in den Blättern durch den enzymatischen Abbau von Stärke fördert, erstreckt sich die Ernteperiode über den gesamten Winter. Für einen erfolgreichen Anbau sind eine gleichmäßige Wasserversorgung und eine bedarfsgerechte, stickstoffbetonte Düngung entscheidend, um hohe Erträge und eine optimale Blattqualität für den Frischmarkt oder die industrielle Verarbeitung zu sichern.
Bodenmanagement
Grünkohl stellt hohe Ansprüche an den Boden und gedeiht am besten auf mittelschweren, tiefgründigen Lehmböden mit guter Wasserhaltekapazität und einem hohen Humusgehalt. Da die Kultur ein tiefgehendes Wurzelsystem ausbildet, ist eine gründliche Bodenlockerung vor dem Auspflanzen unerlässlich, um jegliche Pflugsohlen- oder Fahrspurverdichtungen zu beseitigen. Der pH-Wert des Bodens sollte im schwach sauren bis neutralen Bereich liegen, da saure Böden das Auftreten von Kohlhernie drastisch begünstigen; bei Bedarf ist eine vorsorgliche Kalkung durchzuführen. Eine organische Grunddüngung mit Stallmist oder Kompost im Frühjahr fördert das Bodenleben und sichert eine gleichmäßige Nährstoffnachlieferung über die lange Wachstumsperiode. Während der intensiven Zuwachsphase im Spätsommer muss durch Zusatzbewässerung ein gleichmäßiges Feuchtigkeitsniveau gehalten werden, um Wachstumsstockungen und verhärtete Blätter zu vermeiden.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz im Grünkohlanbau erfordert aufgrund der langen Standzeit der Kultur auf dem Feld eine kontinuierliche Überwachung. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehören Alternaria brassicae (Kohlschwärze) und Neopseudocercosporella brassicae (Weißfleckigkeit), die insbesondere in feuchten Spätsommer- und Herbstmonaten die Blattqualität massiv beeinträchtigen können; hier sind gezielte Behandlungen mit zugelassenen Fungiziden bei ersten Befallssymptomen ratsam. Tierische Schädlinge wie die Kohlmottenschildlaus, die Mehlige Kohlblattlaus und die Raupen der Kohlmotte müssen ab dem Auspflanzen engmaschig kontrolliert werden. Der Einsatz von feinmaschigen Kulturschutznetzen direkt nach der Pflanzung stellt eine hochwirksame mechanische Barriere dar und reduziert den Bedarf an chemischen Pflanzenschutzmitteln erheblich. Eine weite Fruchtfolge ist zudem die wichtigste präventive Maßnahme gegen bodenbürtige Schaderreger.
Sorten
Winterbor
SpätSehr ertragreich und standfest
Resistent gegen: Frost, Windbruch
Anfällig für: Kohlhernie
Eine der am häufigsten angebauten F1-Hybriden im professionellen Erwerbsanbau. Zeichnet sich durch feingekrauste, dunkelgrüne Blätter und eine hervorragende Winterhärte aus.
Redbor
MittelspätGuter bis sehr guter Ertrag
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Kohlhernie, Kohlmottenschildlaus
Attraktive, rot-violett gefärbte F1-Hybride, deren Färbung sich nach den ersten Frösten im Herbst deutlich intensiviert. Sehr beliebt für den Frischmarkt und als optische Bereicherung.
Lerchenzungen
SpätMittlerer Ertrag bei exzellenter Qualität
Resistent gegen: Frost, Echter Mehltau
Anfällig für: Kohlhernie, Blattläuse
Traditionelle, bewährte norddeutsche Landsorte mit schmalen, stark gekrausten Blättern und einem hervorragenden, süßlich-milden Aroma nach Frosteinwirkung.
Halbhoher Grüner Krauser
Mittelfrüh bis spätStabiler, mittelhoher Ertrag
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Alternaria-Blattflecken
Klassische, samenfeste Standardsorte mit mittelhohem Wuchs und guter Standfestigkeit. Sehr robust gegenüber wechselnden Witterungseinflüssen im Winter.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung gegen die Kohlmottenschildlaus (Weiße Fliege)?
Du solltest deine Bestände ab Juli regelmäßig kontrollieren, besonders an den Blattunterseiten der jüngeren Blätter. Eine Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln ist meist ab dem BBCH-Stadium 14 bis 19 ratsam, sobald die Schadschwellen überschritten sind. Achte bei der Anwendung auf eine hohe Wasseraufwandmenge und den Einsatz geeigneter Netzmittel, damit die Spritzbrühe auch die versteckt sitzenden Schaderreger auf den Blattunterseiten optimal erreicht.
Wie wirkt sich Frost auf die Qualität des Grünkohls aus und wann solltest du mit der Ernte beginnen?
Frost verlangsamt den Stoffwechsel der Kultur, während die Photosynthese an sonnigen Wintertagen weiterläuft. Dadurch reichert sich Traubenzucker in den Blättern an, was dem Grünkohl seinen typisch milden, süßlichen Geschmack verleiht und bittere Geschmackskomponenten überdeckt. Du solltest mit der Haupternte idealerweise warten, bis die ersten mäßigen Nachtfröste aufgetreten sind, um die beste sensorische Qualität für die Vermarktung zu erzielen.
Welche Fruchtfolgemassnahmen musst du zur Vermeidung von Kohlhernie zwingend einhalten?
Da der Erreger der Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) als Dauersporen über ein Jahrzehnt im Boden überleben kann, musst du eine strikte Anbaupause von mindestens 4, besser 5 bis 6 Jahren zu allen anderen Kreuzblütlern einhalten. Zudem hilft dir die konsequente Bekämpfung von kreuzblütigen Unkräutern wie Hirtentäschel oder Ackerhellerkraut auf der gesamten Betriebsfläche, den Infektionszyklus des Erregers effektiv zu unterbrechen.
Wie kannst du Alternaria-Blattflecken im Bestand rechtzeitig erkennen und bekämpfen?
Achte ab dem Spätsommer auf kleine, dunkle, konzentrisch zonierte Flecken auf den älteren, bodennahen Blättern. Da feuchte Witterung und dichte Bestände die Ausbreitung des Pilzes Alternaria brassicae begünstigen, solltest du von Anfang an auf ausreichende Reihenabstände achten, damit die Kultur schnell abtrocknen kann. Bei anhaltendem Befallsdruck im BBCH-Stadium 39 bis 45 sichert eine gezielte Fungizidanwendung die Qualität der Ernteware.
Wie finde ich auf farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel für Grünkohl?
Nutze die Such- und Filterfunktion in unserem Hub und filtere gezielt nach der Kultur 'Grünkohl' oder dem EPPO-Code 'BRSOC'. Du kannst die Suche weiter verfeinern, indem du nach bestimmten Schaderregern wie 'Alternaria brassicae' oder 'Neopseudocercosporella brassicae' filterst, um ausschließlich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel mit den entsprechenden Indikationen, Aufwandmengen und Wartezeiten angezeigt zu bekommen.