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Chamane

BVL Zul.-Nr. 008316-00

Chamane ist ein hochwirksames, breit wirksames Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung einer Vielzahl von pilzlichen Schaderregern in verschiedenen landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen. Als Suspensionskonzentrat (SC) formuliert, basiert das Fungizid auf dem bewährten Wirkstoff Azoxystrobin. Es zeichnet sich durch eine hervorragende systemische und translaminare Verteilung in der Kultur aus, wodurch auch neu zuwachsende Pflanzenteile langanhaltend geschützt werden.

Das Anwendungsspektrum von Chamane erstreckt sich über Getreidearten wie Weizen, Gerste, Roggen und Triticale bis hin zu Sonderkulturen wie Möhren, Zwiebeln, Erbsen, Ackerbohnen und verschiedenen Kohlarten. Es bietet einen zuverlässigen Schutz gegen wirtschaftlich bedeutende Schaderreger, darunter Rostpilze (wie Gelb-, Braun- und Zwergrost), Alternaria-Arten (z. B. Möhrenschwärze), Falscher Mehltau sowie die Brennfleckenkrankheit.

Neben der direkten fungiziden Wirkung induziert der Wirkstoff in vielen Kulturen positive physiologische Effekte (Greening-Effekt). Dies führt zu einer verbesserten Stresstoleranz der Kulturen gegenüber Trockenheit und Hitze sowie zu einer optimierten Stickstoffausnutzung, was sich positiv auf die Ertragsbildung und die Qualität des Ernteguts auswirken kann.

Wirkstoffe

Azoxystrobin
250 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der in Chamane enthaltene Wirkstoff Azoxystrobin gehört zur chemischen Klasse der Strobilurine und ist im FRAC-Code unter der Gruppe 11 (QoI-Inhibitoren) klassifiziert. Die biochemische Wirkung beruht auf der Hemmung der Zellatmung in den Mitochondrien der Pilzzellen. Durch die Blockade des Elektronentransports am Cytochrom-b-Komplex (Qo-Stelle) wird die ATP-Synthese unterbunden, was zum raschen Energiemangel und letztlich zum Absterben des Schaderregers führt. Azoxystrobin wirkt primär protektiv (vorbeugend), besitzt jedoch auch kurative und lokalsystemische Eigenschaften. Es hemmt die Sporenkeimung, das Myzelwachstum sowie die Sporenbildung der Zielpathogene. Nach der Applikation wird der Wirkstoff translaminar verlagert und akropetal (mit dem Saftstrom nach oben) in der Kultur verteilt, was eine gleichmäßige Schutzwirkung über die gesamte behandelte Blattfläche gewährleistet.

Resistenzmanagement

Aufgrund des spezifischen Wirkungsmechanismus der QoI-Fungizide (FRAC-Gruppe 11) besteht ein inhärentes Risiko für die Entstehung von Resistenzen bei den Zielpathogenen. Um die Wirksamkeit von Chamane langfristig zu sichern, ist ein konsequentes Resistenzmanagement erforderlich. Dies umfasst die strikte Einhaltung der maximalen Anzahl an Anwendungen pro Saison sowie den gezielten Wechsel (Wirkstoffrotation) mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen (z. B. Triazolen oder Carboxamiden). Zudem sollte Chamane bevorzugt vorbeugend und in Mischung mit Partnern aus anderen FRAC-Gruppen eingesetzt werden.

Mischbarkeit & Tankmischung

Chamane ist im Allgemeinen gut verträglich und mit vielen gängigen Pflanzenschutzmitteln, Blattdüngern und Wachstumsreglern mischbar. Bei der Erstellung von Tankmischungen ist darauf zu achten, dass die jeweiligen Gebrauchsanleitungen der Mischpartner strikt eingehalten werden. Vor der großflächigen Anwendung wird eine physikalische Mischprobe im kleinen Maßstab sowie ein Verträglichkeitstest an einigen Pflanzen empfohlen. Die Zugabe von Additiven oder Netzmitteln ist in der Regel nicht erforderlich, kann jedoch unter extremen Witterungsbedingungen die Benetzung optimieren. Es sollte stets eine ausreichende Wassermenge verwendet werden, um eine lückenlose Benetzung der Kultur zu garantieren.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit Chamane sind die vorgeschriebenen persönlichen Schutzmaßnahmen (PSA), wie das Tragen von Schutzhandschuhen und Schutzkleidung während der Anmischung und Ausbringung, strikt zu beachten. Zum Schutz von Gewässern und aquatischen Organismen sind die in der Zulassung festgelegten Abstandsauflagen und gegebenenfalls der Einsatz abdriftmindernder Technik einzuhalten. Der Wirkstoff Azoxystrobin ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, weshalb das Mittel auch während der Blütezeit der Kulturen eingesetzt werden kann, sofern keine bienengefährlichen Mischpartner zugesetzt werden. Dennoch sollte die Behandlung außerhalb des täglichen Bienenflugs erfolgen.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
RoggenBraunrost (Puccinia recondita)31–691 LITER_PER_HECTARE35T
GrünkohlWeißer Rost (Albugo candida)35–391 LITER_PER_HECTARE14T
ErbseBrennfleckenkrankheit (Ascochyta pisi)51–691 LITER_PER_HECTARE14T
ErbseMycosphaerella51–691 LITER_PER_HECTARE14T
BrokkoliWeißer Rost (Albugo candida)35–391 LITER_PER_HECTARE14T
WeizenSeptoria nodorum31–691 LITER_PER_HECTARE35T
RapsAlternaria Arten (Alternaria sp.)60–711 LITER_PER_HECTARE21T
GersteZwergrost (Puccinia hordei)31–591 LITER_PER_HECTARE35T
GrünkohlMycosphaerella brassicicola35–391 LITER_PER_HECTARE14T
BlumenkohlAlternaria Arten (Alternaria sp.)35–391 LITER_PER_HECTARE14T
ErbseBotrytis cinerea51–691 LITER_PER_HECTARE14T
FuttererbseBotrytis cinerea51–691 LITER_PER_HECTARE
MöhreMöhrenschwärze (Alternaria dauci)13–471 LITER_PER_HECTARE14T
GersteNetzfleckenkrankheit (Pyrenophora teres)31–591 LITER_PER_HECTARE35T
WeizenGelbrost (Puccinia striiformis)31–691 LITER_PER_HECTARE35T
RosenkohlMycosphaerella brassicicola35–391 LITER_PER_HECTARE14T
AckerbohneAckerbohnenrost (Uromyces viciae-fabae)13–791 LITER_PER_HECTARE35T
WeizenBraunrost (Puccinia recondita)31–691 LITER_PER_HECTARE35T
BrokkoliAlternaria Arten (Alternaria sp.)35–391 LITER_PER_HECTARE14T
TriticaleBraunrost (Puccinia recondita)31–691 LITER_PER_HECTARE35T
WeizenCladosporium-Arten31–691 LITER_PER_HECTARE35T
Kopfkohle (Weiß-, Rot-, Spitz-, Rosen- und Wirsingkohl)Mycosphaerella brassicicola41–491 LITER_PER_HECTARE14T
BrokkoliMycosphaerella brassicicola35–391 LITER_PER_HECTARE14T
SpeisezwiebelFalscher Mehltau (Peronospora destructor)13–451 LITER_PER_HECTARE14T
FuttererbseMycosphaerella51–691 LITER_PER_HECTARE
Kopfkohl (Rot-, Weiß-, Spitz- und Wirsingkohl)Alternaria Arten (Alternaria sp.)41–491 LITER_PER_HECTARE14T
BlumenkohlWeißer Rost (Albugo candida)35–391 LITER_PER_HECTARE14T
Kopfkohl (Rot-, Weiß-, Spitz- und Wirsingkohl)Weißer Rost (Albugo candida)41–491 LITER_PER_HECTARE14T
FuttererbseBrennfleckenkrankheit (Ascochyta pisi)51–691 LITER_PER_HECTARE
GrünkohlAlternaria Arten (Alternaria sp.)35–391 LITER_PER_HECTARE14T
PorreePuccinia-Arten13–451 LITER_PER_HECTARE21T
RosenkohlAlternaria Arten (Alternaria sp.)35–391 LITER_PER_HECTARE14T
KartoffelColletotrichum coccodes3 LITER_PER_HECTARE
RapsSclerotinia sclerotiorum60–711 LITER_PER_HECTARE21T
BlumenkohlMycosphaerella brassicicola35–391 LITER_PER_HECTARE14T
KartoffelRhizoctonia solani3 LITER_PER_HECTARE
HaferHaferkronenrost (Puccinia coronata)31–591 LITER_PER_HECTARE35T
RosenkohlWeißer Rost (Albugo candida)35–391 LITER_PER_HECTARE14T
SpargelLaubkrankheit (Stemphylium botryosum)51–911 LITER_PER_HECTARE

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung mit Chamane im Getreide?

Der beste Anwendungszeitpunkt liegt im Bereich der BBCH-Stadien 30 bis 61, idealerweise vorbeugend vor dem ersten sichtbaren Befall oder unmittelbar bei Befallsbeginn. Bei Rostpilzen sichert eine frühe Behandlung im Schossen (BBCH 31–39) die Ertragsanlagen, während eine spätere Anwendung bis zur Blüte (BBCH 59–61) das Fahnenblatt und die Ähre vor Spätinfektionen schützt.

Wie beeinflusst die Witterung die Wirkung von Chamane nach der Applikation?

Chamane benötigt eine kurze Antrocknungszeit von etwa 1 bis 2 Stunden auf der Blattoberfläche, um Regenfestigkeit zu erreichen. Da der Wirkstoff systemisch aufgenommen wird, begünstigen mäßig warme Temperaturen und eine ausreichende Luftfeuchtigkeit die Wirkstoffaufnahme. Extrem heiße und trockene Bedingungen während der Applikation sollten vermieden werden, um Verdunstungsverluste zu minimieren.

Kann Chamane auch in Tankmischung mit flüssigen Stickstoffdüngern (AHL) ausgebracht werden?

Eine Mischung mit reinem AHL wird nicht empfohlen, da dies das Risiko von Verbrennungen (Nekrosen) an den Blättern der Kultur deutlich erhöhen kann, insbesondere bei sonnigem und warmem Wetter. Wenn eine Kombination mit Mikronährstoffen oder geringen Mengen an Blattdünger geplant ist, sollte die Anwendung in den kühleren Morgen- oder Abendstunden erfolgen.

Warum ist der vorbeugende (protektive) Einsatz bei diesem Pflanzenschutzmittel so wichtig?

Der Wirkstoff Azoxystrobin entfaltet seine stärkste Wirkung bei der Hemmung der Sporenkeimung und des frühen Eindringens des Pilzes in das Pflanzengewebe. Ist der Schaderreger erst einmal tief im Blatt etabliert (kurativer Einsatz), sinkt der Bekämpfungsgrad deutlich. Ein vorbeugender Einsatz sichert daher den maximalen Wirkungsgrad und schont gleichzeitig das Resistenzmanagement.

Welche Wartezeiten müssen bei Gemüsekulturen wie Möhren oder Zwiebeln beachtet werden?

Die einzuhaltende Wartezeit variiert je nach Kultur und Verwendungszweck zwischen 14 und 35 Tagen. Es ist zwingend erforderlich, die spezifischen Vorgaben der Gebrauchsanleitung für die jeweilige Kultur vor der Ernteplanung genau zu prüfen, um Rückstandsüberschreitungen sicher zu vermeiden.

Wie finde ich im Portal weitere zugelassene Pflanzenschutzmittel für meine spezifische Kultur?

Nutzen Sie hierzu die Filterfunktionen in unserer Produktdatenbank auf agronomy.farmable.tech. Sie können gezielt nach Ihrer Kultur (z. B. Möhre oder Weizen) und dem spezifischen Schaderreger filtern, um alle in Deutschland (BVL) aktuell zugelassenen Alternativen und deren Anwendungsbestimmungen übersichtlich zu vergleichen.