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Pilz

Rhynchosporium secalis

Rhynchosporium secalis
RHYNSE

Rhynchosporium secalis (EPPO-Code: RHYNSE) ist der Erreger der Rhynchosporium-Blattfleckenkrankheit (auch als Blattdürre oder Verbrühung bekannt), einer der wirtschaftlich bedeutendsten Pilzkrankheiten in Getreidekulturen. Besonders in kühlen, feuchten Anbauregionen West- und Nordwesteuropas führt der Schaderreger regelmäßig zu erheblichen Ertragseinbußen. Hauptsächlich betroffen sind Winter- und Sommergerste, Roggen sowie Triticale.

Die wirtschaftliche Relevanz resultiert aus der Zerstörung der assimilationsaktiven Blattfläche, insbesondere der oberen drei Laubblätter. Bei starkem Befall und ausbleibender Behandlung kann dies zu Ertragsverlusten von bis zu 30–40 % führen, begleitet von einer deutlichen Reduzierung des Tausendkorngewichts und einer Verschlechterung der Sortierung bei Braugerste.

Der Pilz breitet sich vor allem durch Regenspritzer im Pflanzenbestand aus. Durch die zunehmende Verbreitung von pflugloser Bodenbearbeitung und anfälligen Sorten hat die Bedeutung dieses Schaderregers in den letzten Jahrzehnten in Mitteleuropa stetig zugenommen.

Typ
Pilz
EPPO-Code
RHYNSE
Wirte
10 Kulturen
Generationen
Mehrere aufeinanderfolgende Infektionszyklen pro Saison
Verbreitung
Weltweit in allen gemäßigten Getreideanbauregionen verbreitet, mit besonderem Schwerpunkt und hoher wirtschaftlicher Schadwirkung in den feucht-kühlen Klimazonen Nord- und Westeuropas.
Erstbeschreibung
Heinsen, 1901 (Deutschland)

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überwintert als Myzel oder Konidien auf Ernterückständen, Ausfallgetreide oder auf bereits im Herbst infizierten Winterungen. Im Frühjahr bilden sich bei feucht-kühler Witterung (optimal sind Temperaturen von 10–15 °C und lang anhaltende Blattnässe) Konidien, die durch Regenspritzer und Wind über kurze Distanzen in der Kultur nach oben verbreitet werden. Nach der Infektion beträgt die Latenzzeit je nach Temperatur etwa 10 bis 14 Tage, bevor neue Symptome sichtbar werden und eine erneute Sporenbildung einsetzt. Dieser sekundäre Infektionszyklus wiederholt sich bei entsprechender Witterung mehrfach während der Vegetationsperiode und führt zu einer vertikalen Ausbreitung im Bestand bis hin zu den oberen Blättern und Ähren.

Bonitur

Die regelmäßige Befallskontrolle im Feld sollte ab dem Schossen der Kulturen (BBCH-Stadium 30/31) bis zum Ende des Ährenschiebens (BBCH-Stadium 59) durchgeführt werden. Eine gezielte Bonitur erfolgt durch die visuelle Kontrolle der jeweils drei obersten, voll entwickelten Laubblätter an mindestens 20 bis 30 Halmen quer über den Schlag verteilt. Als wirtschaftliche Schadschwelle für eine chemische Behandlung gilt in der Praxis ein Befall von über 10 % der untersuchten Blätter (F-2 und F-3) mit typischen Symptomen, insbesondere wenn für die kommenden Tage regnerische Witterung vorhergesagt ist.

Symptome

Die Symptome zeigen sich zunächst als kleine, wasserfleckige, graugrüne Flecken auf den Blättern und Blattscheiden. Im weiteren Verlauf vergrößern sich diese Flecken zu ovalen oder linsenförmigen Läsionen mit einem charakteristischen hellgrauen bis weißlichen Zentrum und einem scharf abgegrenzten, dunkelbraunen bis rötlich-braunen Rand. Bei Roggen und Triticale ist dieser Rand oft weniger stark ausgeprägt als bei Gerste. Bei starkem Befall fließen die Flecken zusammen, was zum vorzeitigen Absterben und Vertrocknen ganzer Blattteile führt (daher der Name „Blattdürre“ oder „Verbrühung“).

Integriertes Management

Ein integriertes Management basiert primär auf vorbeugenden ackerbaulichen Maßnahmen wie einer sorgfältigen Einarbeitung von Ernterückständen zur Reduzierung des Ausgangsinokulums, einer weiten Fruchtfolge und dem Anbau resistenter oder toleranter Sorten. Die Vermeidung von zu dichten Beständen und eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung mindern das feuchte Mikroklima, das die Sporenkeimung begünstigt. Wenn der Schaderreger die Schadschwelle überschreitet, ist der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Fungiziden) erforderlich. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, müssen Wirkstoffe aus unterschiedlichen FRAC-Gruppen (z. B. Kombinationen aus Triazolen/DMI, Strobilurinen/QoI und Carboxamiden/SDHI) im Rahmen eines konsequenten Wirkstoffwechsels eingesetzt werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie beeinflusst die Sortenwahl das Risiko eines Befalls mit Rhynchosporium secalis?

Die Sortenwahl ist der effektivste vorbeugende Hebel im integrierten Pflanzenschutz. Durch den Anbau von Getreidesorten mit hoher genetischer Widerstandsfähigkeit (Einstufung in den beschreibenden Sortenlisten des Bundessortenamtes) kann der Infektionsdruck im Frühjahr erheblich gesenkt werden, wodurch sich das Zeitfenster für eventuelle Fungizidbehandlungen flexibler gestalten lässt und oft Aufwandmengen reduziert werden können.

Welche Rolle spielt die Bodenbearbeitung bei der Ausbreitung dieses Schaderregers?

Da der Pilz saprophytisch auf infizierten Ernterückständen der Vorfrucht überlebt, erhöht eine pfluglose Minimalbodenbearbeitung (Mulchsaat) das Risiko von Primärinfektionen erheblich. Ein sauberes Unterpflügen der Stoppeln unterbricht den Lebenszyklus, da die Sporenbildung auf vergrabenen Pflanzenteilen unterbunden wird.

Wie unterscheidet man Rhynchosporium-Symptome im Feld von der Netzfleckenkrankheit?

Während Rhynchosporium-Flecken ein charakteristisches helles, fast weißes Zentrum mit einem scharf abgegrenzten, dunkelbraunen Rand aufweisen, zeigt die Netzfleckenkrankheit (Pyrenophora teres) streifenförmige, netzartige braune Muster ohne diesen hellen Kern oder klar definierten Rand. Im Zweifel hilft eine Lupe: Rhynchosporium bildet keine dunklen Konidienträger auf der Blattoberfläche aus.

Wann ist der optimale Termin für eine Fungizid-Anwendung gegen diesen Pilz?

Der kritische Behandlungszeitraum liegt meist zwischen den BBCH-Stadien 32 (2-Knoten-Stadium) und 39 (Fahnenblattstadium). Eine Anwendung sollte erfolgen, wenn die Schadschwelle überschritten ist und eine feuchte Witterungsperiode bevorsteht, da der Wirkstoffschutz vor den Infektionsereignissen (präventiv) etabliert sein muss.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub. Filtern Sie nach der Zielkultur (z. B. Wintergerste), wählen Sie den Schaderreger "Rhynchosporium secalis" aus und filtern Sie nach dem aktuellen Zulassungsstatus für Ihr Land, um alle registrierten Produkte inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten anzuzeigen.

Welche FRAC-Klassen sind von Resistenzen bedroht und wie sieht eine Anti-Resistenz-Strategie aus?

Bei einigen Wirkstoffgruppen, insbesondere den Strobilurinen (QoI, FRAC-Gruppe 11), wurden bereits verminderte Sensitivitäten beobachtet. Eine nachhaltige Strategie erfordert den kombinierten Einsatz von Wirkstoffen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (z. B. SDHI + Triazol) und die strikte Einhaltung der maximalen Anzahl an Anwendungen pro Saison.