Septoria nodorum
Die Stagonospora-Blatt- und Spelzenbräune, verursacht durch den pilzlichen Schaderreger Parastagonospora nodorum (EPPO-Code: LEPTNO, ehemals Septoria nodorum), gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Getreidekrankheiten im europäischen Ackerbau. Der Pilz befällt vor allem Weizen (einschließlich Hartweizen und Dinkel) sowie Roggen. Ein starker Befall führt zu erheblichen Ertragseinbußen und mindert die Backqualität des Getreides drastisch, da sowohl die photosynthetisch aktive Blattfläche zerstört als auch das Korn direkt geschädigt wird.
Die Krankheit tritt weltweit in feucht-warmen Anbauregionen auf. In Mitteleuropa ist das Auftreten stark witterungsabhängig; insbesondere niederschlagsreiche Frühjahrs- und Sommermonate begünstigen epidemische Ausbreitungen. Neben der Ertragsminderung durch Schmachtkornbildung führt der Befall der Spelzen oft zu einer direkten Infektion des Saatguts, was den Erreger in die nächste Generation verschleppt.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überdauert als Myzel oder in Form von Fruchtkörpern (Pseudothezien und Pyknidien) auf Ernterückständen im Boden oder auf infiziertem Saatgut. Im Frühjahr werden bei feucht-warmer Witterung Ascosporen (windverbreitet) und Konidien (durch Regenspritzer verbreitet) freigesetzt, die die unteren Blätter der Kulturen infizieren. Während der Vegetationsperiode kommt es bei Temperaturen zwischen 15 °C und 25 °C und anhaltender Blattnässe zu mehreren aufeinanderfolgenden Zyklen ungeschlechtlicher Vermehrung über Konidien (Regenspritzinfektionen). Mit dem Ährenschieben wandert der Pilz durch Spritzwasser von den oberen Blättern auf die Ähren und infiziert schließlich die Spelzen und die sich entwickelnden Körner.
Bonitur
Die regelmäßige Befallskontrolle beginnt ab dem Schossen der Kulturen (BBCH 30–32) und erstreckt sich bis zum Ende der Blüte (BBCH 69). Achte besonders nach Regenfällen bei steigenden Temperaturen auf erste Symptome an den unteren Blättern. Ein kritisches Monitoring ist ab dem Erscheinen des Fahnenblattes (BBCH 39) bis zum Ährenschieben (BBCH 51–59) unerlässlich, da der Schutz der oberen drei Blätter und der Ähre ertragsentscheidend ist. Als Orientierung für eine chemische Behandlung gilt ein Schwellenwert von ca. 10 bis 20 % befallener Blätter (F-2 und F-1) oder entsprechende Prognosemodelle (z. B. SIMSEPT), die Blattnässezeiten und Niederschlagsmengen einbeziehen.
Symptome
Auf den Blättern zeigen sich zunächst kleine, linsenförmige, wasserdurchtränkte Flecken, die sich rasch zu unregelmäßigen, ovalen, braunen Läsionen mit einem chlorotischen Hof ausdehnen. Charakteristisch ist, dass diese Flecken im Zentrum oft aschgrau ausbleichen und dort winzige, dunkelbraune bis schwarze Fruchtkörper (Pyknidien) ausbilden, die unter der Lupe als kleine Punkte erkennbar sind. An den Ähren verursacht der Pilz an den Spelzenspitzen violett-braune bis dunkelbraune Verfärbungen, die sich nach unten ausbreiten und oft einen silbrigen Schimmer aufweisen, ebenfalls besetzt mit Pyknidien.
Integriertes Management
Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus pflanzenbaulichen und chemischen Maßnahmen. Fruchtfolgen mit einem geringen Anteil an Weizen, das sorgfältige Unterpflügen von Ernterückständen zur Reduzierung des Ausgangsinokulums sowie der Anbau widerstandsfähiger Sorten bilden das Fundament. Die Verwendung von zertifiziertem, gesundem oder gebeiztem Saatgut verhindert die frühe Infektion. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Fungiziden) müssen Wirkstoffe aus unterschiedlichen FRAC-Klassen (z. B. SDHI, Triazole und gegebenenfalls Multisite-Inhibitoren) kombiniert oder abgewechselt werden, um einer Resistenzentwicklung des Erregers konsequent vorzubeugen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidest du die Symptome von Parastagonospora nodorum von denen von Zymoseptoria tritici im Feld?
Während Zymoseptoria tritici (Septoria-Blattdürre) streng an die Blattadern begrenzte, langgestreckte, rechteckige Flecken mit sehr auffälligen, dichten Reihen schwarzer Pyknidien bildet, sind die Flecken von P. nodorum eher linsenförmig, unregelmäßig oval und überschreiten die Blattadern. Zudem sind die Pyknidien bei P. nodorum meist heller (honigfarben bis dunkelbraun), deutlich kleiner, spärlicher verteilt und oft nur mit einer Lupe im aufgehellten Zentrum der Läsion zu erkennen.
Warum ist das Risiko für Spelzenbräune nach einem Gewitterregen während des Ährenschiebens besonders hoch?
Die Konidien des Pilzes werden nicht durch den Wind, sondern primär über Regenspritzer (sogenanntes "Splash-Dispersal") von den unteren Blattebenen nach oben transportiert. Ein heftiger Gewitterregen im Zeitraum BBCH 51 bis 65 transportiert den Erreger mechanisch direkt auf die Ähren, wo die anschließende warme, feuchte Witterung ideale Keimbedingungen für eine schnelle Infektion der Spelzen schafft.
Welche Rolle spielt die Stickstoffdüngung bei der Krankheitsentwicklung von Parastagonospora nodorum?
Eine überzogene oder sehr späte Stickstoffdüngung führt zu einem dichten, üppigen Pflanzenbestand. Dies schafft ein feuchtes Mikroklima in der Kultur, das die Abtrocknung der Blätter verzögert. Zudem wird das Gewebe weicher und anfälliger für das Eindringen des Pilzes, was die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schaderregers im Bestand massiv beschleunigt.
Wie findest du im Hub gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere nach dem EPPO-Code "LEPTNO" oder dem Begriff "Spelzenbräune". Achte darauf, dass du die Zulassungssituation für deine spezifische Kultur (z. B. Winterweizen oder Dinkel) prüfst, da die registrierten Anwendungen und die einzuhaltende Wartezeit je nach Kultur und BBCH-Stadium variieren können.
Kannst du durch eine tiefe Bodenbearbeitung das Infektionsrisiko für die Folgesaat senken?
Ja, das saubere Unterpflügen von Stoppel- und Strohresten ist eine hochwirksame kulturtechnische Maßnahme. Da der Pilz auf den Ernterückständen an der Bodenoberfläche überdauert, entziehst du ihm durch das Vergraben die Möglichkeit, im nächsten Frühjahr Ascosporen in die Luft abzugeben, was den Infektionsdruck auf benachbarte oder nachfolgende Kulturen drastisch senkt.
Welche FRAC-Klassen stehen für die chemische Behandlung zur Verfügung und worauf musst du beim Resistenzmanagement achten?
Für die Behandlung werden meist Mischungen aus Triazolen (FRAC-Gruppe 3) und SDHI (FRAC-Gruppe 7) eingesetzt, teilweise ergänzt durch Kontaktfungizide (Multisite). Um Resistenzen zu vermeiden, solltest du die maximale Anzahl an Anwendungen pro Saison nicht ausschöpfen, stets die volle zugelassene Aufwandmenge nutzen und Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen in einer Spritzfolge kombinieren.