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Kultur

Spitzwegerich

Plantago lanceolata
PLALA

Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata, EPPO-Code: PLALA) ist eine ausdauernde krautige Kultur, die in Mitteleuropa sowohl als wertvolle Arzneipflanze für die pharmazeutische Industrie als auch zunehmend als Futterpflanze in artenreichen Grünlandmischungen angebaut wird. Die Kultur zeichnet sich durch eine hohe Trockenheitstoleranz und ein tiefreichendes Wurzelsystem aus, was sie besonders auf leichten Standorten im Zuge des Klimawandels attraktiv macht. Die pharmazeutische Nutzung zielt primär auf die Ernte der Blätter ab, die reich an Schleimstoffen, Iridoidglycosiden (wie Aucubin und Catalpol) sowie Gerbstoffen sind.

Im professionellen Anbau erfordert der Spitzwegerich eine präzise Kulturführung, insbesondere in der Etablierungsphase. Da es sich um einen Lichtkeimer handelt, stellt die Saatbettbereitung eine besondere Herausforderung dar. Die Kultur etabliert sich im ersten Jahr oft langsam, liefert aber ab dem zweiten Standjahr stabile Erträge. Durch die mehrjährige Nutzung (meist zwei bis drei Hauptnutzungsjahre) können die Investitionskosten für die Etablierung über einen längeren Zeitraum abgeschrieben werden.

Die Ernte erfolgt im pharmazeutischen Anbau meist mehrfach pro Vegetationsperiode mit spezialisierter Mäh- und Ladetechnik, wobei eine schnelle und schonende Trocknung unmittelbar nach dem Schnitt entscheidend ist, um Wirkstoffverluste und Verfärbungen durch Oxidation zu verhindern. Im Futterbau hingegen wird die Kultur meist im Gemenge mit Gräsern und Klee direkt beweidet oder siliert.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Frühjahrssaat) oder August bis September (Spätsommersaat)
Erntefenster
Juni bis September (mehrere Schnitte ab dem zweiten Standjahr)
Reihenabstand
25–30 cm
Typischer Ertrag
3,0–4,5 t/ha Trockenmasse (Blattdroge)
Wärmesumme (GDD)
1600
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Der Spitzwegerich bevorzugt mittelschwere, gut durchlässige Lehm- und Sandböden mit einer ausgeglichenen Wasserführung. Da die Kultur als Lichtkeimer sehr flach (maximal 0,5–1,0 cm tief) abgelegt werden muss, ist ein feinkrümeliges, rückverfestigtes Saatbett zwingend erforderlich, um den Bodenschluss zu sichern. Eine sorgfältige mechanische Unkrautregulierung vor der Saat, beispielsweise durch ein falsches Saatbett, reduziert den Unkrautdruck in der empfindlichen Auflaufphase erheblich. Staunässe und stark verschlämmende Böden müssen unbedingt vermieden werden, da sie die Keimung behindern und zu Wurzelkrankheiten führen. Eine moderate Stickstoffdüngung von 50–80 kg N/ha, aufgeteilt auf die Schnitte, fördert den Blattzuwachs, ohne die Wirkstoffgehalte negativ zu beeinflussen.

Schaderreger-Management

Im professionellen Anbau von Spitzwegerich stellen pilzliche Schaderreger wie Echter Mehltau und Falscher Mehltau die größte Bedrohung für die Blattqualität dar. Da verfärbte oder befallene Blätter in der pharmazeutischen Verwertung nicht toleriert werden, ist eine vorbeugende Bestandshygiene und die Wahl toleranter Sorten essenziell. Gegen tierische Schädlinge wie Blattläuse oder Erdfloh-Arten stehen im Sonderkulturensegment nur sehr begrenzt zugelassene Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, weshalb mechanische und biologische Maßnahmen im Vordergrund stehen. Die Bekämpfung von Schadgräsern wie der Einjährigen Rispe oder der Gemeinen Quecke muss frühzeitig erfolgen, da diese die Kultur rasch überwachsen können. Ein konsequentes Monitoring ab dem BBCH-Stadium 12 ermöglicht den gezielten Einsatz von selektiven Graminiziden oder mechanischen Hackwerkzeugen.

Sorten

Libor

Mittelfrüh

Sehr hoher Blattanteil und hervorragende Trockenmasseerträge im mehrjährigen Anbau.

Resistent gegen: Echter Mehltau

Anfällig für: Falscher Mehltau

Die deutsche Standardsorte für den pharmazeutischen Anbau. Zeichnet sich durch einen aufrechten Wuchs aus, was die maschinelle Ernte erleichtert, und besitzt hohe Gehalte an Aucubin und Catalpol.

Lancelot

Mittelspät

Hohe Futterwertleistung und rascher Wiederaustrieb nach dem Schnitt.

Resistent gegen: Blattfleckenkrankheiten

Anfällig für: Staunässe

Häufig im Futterbau und in Kräutermischungen für Dauergrünland genutzt. Zeigt eine sehr gute Winterhärte und eine hohe Ausdauer über mehrere Jahre.

Tonic

Früh

Sehr ertragsstarke Sorte mit schneller Jugendentwicklung.

Resistent gegen: Trockenstress

Anfällig für: Echter Mehltau

Eine neuseeländische Züchtung, die weltweit und auch in Europa im Futterbau etabliert ist. Besitzt eine tiefe Pfahlwurzel und liefert wertvolle Mineralstoffe für das Weidevieh.

Agritonic

Mittelfrüh

Konstant hohe Erträge auch unter trockenen Sommerbedingungen.

Resistent gegen: Echter Mehltau, Falscher Mehltau

Anfällig für: Spätfröste

Moderne Futter- und Arzneisorte mit verbesserter Blattgesundheit und aufrechtem Wuchshabitus. Ideal für die mechanische Unkrautbekämpfung in Reihenkulturen.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie wird die mechanische Unkrautregulierung beim Spitzwegerich im Reihenanbau optimal terminiert?

Die mechanische Regulierung mittels Hacktechnik sollte idealerweise ab dem BBCH-Stadium 13 bis 15 erfolgen, sobald die Kulturpflanzen ausreichend im Boden verankert sind. In der sehr empfindlichen Keimphase (BBCH 09 bis 12) ist der Spitzwegerich extrem konkurrenzschwach, weshalb hier ein blindes Striegeln aufgrund der flachen Saatgutablage vermieden werden sollte. Ein präzises Kamerasystem an der Hacke ermöglicht das Arbeiten mit geringem Abstand zur Reihe.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Festlegung des optimalen Erntezeitpunkts für die pharmazeutische Nutzung?

Für die Gewinnung von qualitativ hochwertiger Blattdroge liegt der optimale Erntezeitpunkt kurz vor dem Erscheinen der ersten Blütenstände (BBCH 49 bis 51). Zu diesem Zeitpunkt ist die Konzentration an bioaktiven Inhaltsstoffen wie Aucubin am höchsten, und der Rohfaseranteil in den Blättern ist noch gering. Sobald die Blüte voll einsetzt (BBCH 61+), sinkt die pharmazeutische Qualität der Blätter deutlich.

Wie lässt sich das Risiko von Wirkstoffverlusten während der Ernte und Trocknung minimieren?

Spitzwegerichblätter neigen extrem schnell zur Oxidation und Schwarzfärbung, was die Droge unverkäuflich macht. Die Ernte sollte nur bei trockenem Wetter erfolgen, und das Erntegut muss innerhalb von maximal zwei Stunden nach dem Schnitt einer künstlichen Trocknung bei anfangs 40 bis 50 °C zugeführt werden. Mechanische Beschädigungen der Blätter während des Transports sind durch lockere Schüttung zu minimieren.

Wie finde ich im Pflanzenschutz-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger im Spitzwegerich?

Da Spitzwegerich als Sonderkultur (Arznei- und Gewürzpflanze) eingestuft ist, sind viele Anwendungen über Artikel 51 der Verordnung (EG) 1107/2009 (Lückenindikation) geregelt. Suchen Sie im Hub gezielt nach der Kultur 'Spitzwegerich' oder 'frische Kräuter' und filtern Sie nach der jeweiligen Schaderreger-Gruppe, um die aktuell gültigen Zulassungen und spezifischen Wartezeiten der BVL-Datenbank einzusehen.

Welche Fruchtfolgebeschränkungen müssen beim Anbau von Spitzwegerich beachtet werden?

Spitzwegerich sollte aufgrund der Gefahr von bodenbürtigen Krankheiten (wie Sclerotinia) und der Vermehrung von Nematoden nicht nach anderen Korbblütlern oder anfälligen Leguminosen angebaut werden. Eine Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren zu sich selbst und zu anderen Plantago-Arten ist einzuhalten. Ideale Vorfrüchte sind Getreidearten, da sie den Unkrautdruck senken und den Boden in gutem Gefüge hinterlassen.

Wie unterscheidet sich die Düngungsstrategie zwischen Futter- und Arzneianbau?

Im Futteranbau wird eine höhere Stickstoffdüngung (bis zu 120 kg N/ha pro Jahr, aufgeteilt) angestrebt, um die Biomasseproduktion und den Proteingehalt zu maximieren. Im Arzneianbau hingegen wird die Stickstoffgabe auf ca. 60–80 kg N/ha begrenzt, da ein Überangebot an Stickstoff das vegetative Wachstum zwar fördert, aber die Konzentration der wertvollen Sekundärmetaboliten (Iridoidglycoside) im Blattgewebe verdünnt.