Stielmangold
Der Stielmangold (Beta vulgaris subsp. vulgaris var. flavescens, EPPO-Code: BEAVF), auch als Rippenmangold oder Schweizer Mangold bekannt, ist eine zweijährige, im Erwerbsanbau jedoch einjährig kultivierte Kultur aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Im Gegensatz zum Schnitt- oder Blattmangold zeichnet sich diese Kultur durch stark ausgeprägte, fleischige Blattstiele (Rippen) aus, die je nach Sorte weiß, gelb oder intensiv rot gefärbt sein können. Der Anbau erfolgt im mitteleuropäischen Raum sowohl im Freiland als auch unter Glas, um eine kontinuierliche Marktbelieferung zu gewährleisten.
Physiologisch stellt der Stielmangold moderate Ansprüche an das Klima, bevorzugt jedoch humose, tiefgründige Böden mit gleichmäßiger Wasserversorgung, um das schnelle, faserfreie Wachstum der Stiele zu fördern. Da die Kultur eng mit der Zuckerrübe und der Roten Bete verwandt ist, müssen Fruchtfolgen sorgfältig geplant werden, um die Übertragung von Nematoden und bodenbürtigen Schaderregern zu verhindern. Die Ernte erfolgt meist manuell durch das Ausbrechen der äußeren Blätter oder durch maschinellen Einmalschnitt, wobei die Frischelogistik aufgrund der hohen Transpirationsrate der großen Blätter eine zentrale Rolle spielt.
Bodenmanagement
Stielmangold beansprucht für ein optimales und zügiges Wachstum tiefgründige, mittelschwere Lehmböden mit einem hohen Humusgehalt und guter Wasserführung. Da die Kultur empfindlich auf Bodenverdichtungen und Staunässe reagiert, ist eine sorgfältige Tiefenlockerung vor der Saat oder Pflanzung unerlässlich. Der pH-Wert sollte im neutralen bis schwach alkalischen Bereich liegen; saure Böden führen rasch zu Wachstumsstockungen. Aufgrund des hohen Stickstoffbedarfs (ca. 140–180 kg N/ha inklusive Boden-Nmin) ist eine organisch-mineralische Düngung, aufgeteilt in mehrere Gaben, pflanzenbaulich sinnvoll. Eine gleichmäßige Bewässerung ist besonders während der Hauptwachstumsphase im Sommer entscheidend, um das Verholzen der Stiele und vorzeitiges Schossen zu verhindern.
Schaderreger-Management
Im integrierten Pflanzenschutz steht die Vorbeugung gegen pilzliche Schaderreger wie Cercospora beticola (Cercospora-Blattfleckenkrankheit) und Echten Mehltau im Vordergrund, was durch weite Reihenabstände und eine bedarfsgerechte Beregnung am Morgen unterstützt wird. Gegen tierische Schädlinge, insbesondere die Rübenfliege (Pegomya hyoscyami), deren Larven Miniergänge in den Blättern verursachen, hat sich der Einsatz von engmaschigen Kulturschutznetzen direkt nach der Pflanzung hervorragend bewährt. Bei akutem Befall müssen zugelassene Pflanzenschutzmittel unter strenger Beachtung der Wartezeit appliziert werden, um Rückstände auf den Ernteorganen zu vermeiden. Die Unkrautregulierung erfolgt in der Praxis meist mechanisch durch Hacken bis zum Reihenschluss, wobei im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf auch selektive Herbizide gegen Leitunkräuter wie das Einjährige Rispengras (Poa annua) eingesetzt werden können. Ein konsequenter Fruchtfolgewechsel von mindestens drei bis vier Jahren zu anderen Rübenkulturen minimiert zudem das Risiko von Nematodenschäden.
Sorten
Lucullus
mittelfrühSehr hoher Ertrag an fleischigen Stielen.
Anfällig für: Cercospora-Blattfleckenkrankheit
Sehr bewährte, ertragreiche Sorte mit dicken, weißen Rippen und stark gekrausten, hellgrünen Blättern. Hervorragende Schossfestigkeit.
Vulcan
mittelfrüh bis mittelspätMittlerer bis hoher Ertrag, hoher Marktanteil im Premiumsegment.
Anfällig für: Echter Mehltau, Schossen bei Frühjahrskälte
Attraktive Sorte mit leuchtend roten Stielen und dunkelgrünen, rötlich geäderten Blättern. Beliebt für den Frischmarkt und die Direktvermarktung.
Feurio
mittelfrühGleichmäßiger, hoher Ertrag bei Einmalernte.
Anfällig für: Cercospora-Blattfleckenkrankheit
Moderne Selektion mit intensiv feuerroten Stielen. Zeichnet sich durch eine verbesserte Schossfestigkeit im Vergleich zu älteren roten Sorten aus.
Walliser
mittelspätSehr hohes Biomassepotenzial bei später Ernte.
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Rübenfliege
Robuste, breitstielige Sorte mit weißen, sehr fleischigen Rippen. Sehr gut geeignet für die Herbsternte und leichte Fröste tolerierend.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich der Befall durch die Rübenfliege (Pegomya hyoscyami) im professionellen Anbau ohne hohen chemischen Aufwand minimieren?
Der effektivste Schutz im Erwerbsanbau ist das lückenlose Auflegen von Insektenschutznetzen (Maschenweite maximal 1,35 mm) direkt nach der Pflanzung bzw. dem Auflaufen. Da die Eiablage der ersten Generation meist im Mai erfolgt, schützt diese mechanische Barriere die Kultur in der kritischen frühen Wachstumsphase. Zudem hilft eine weite Fruchtfolge zu anderen Gänsefußgewächsen, um den Populationsdruck aus dem Vorjahr zu senken.
Welche Bedeutung hat das BBCH-Stadium 39 (Reihenschluss) für das Unkrautmanagement bei Stielmangold?
Mit dem Erreichen des Reihenschlusses (BBCH 39) verfügt Stielmangold über eine enorme eigene Beschattungskraft, die das Auflaufen von Spätunkräutern wie Poa annua unterdrückt. Bis zu diesem Stadium müssen mechanische Hackdurchgänge oder der Einsatz von Herbiziden abgeschlossen sein, da spätere mechanische Eingriffe zu starken Verletzungen der fleischigen Blattstiele und somit zu Eintrittspforten für Pilzinfektionen führen würden.
Wie wird die Stickstoffdüngung gesteuert, um Nitratakkumulationen in den Stielen zu verhindern?
Da Mangold zu den nitratspeichernden Kulturen gehört, sollte die Stickstoffgabe aufgeteilt werden (z. B. 60 % zur Pflanzung/Saat, 40 % als Kopfdüngung im BBCH-Stadium 14–16). Eine späte Düngung kurz vor der Ernte ist unbedingt zu vermeiden. Zudem sollte die Ernte an sonnigen Nachmittagen erfolgen, da der Nitratgehalt durch die photosynthetische Aktivität im Tagesverlauf deutlich sinkt.
Wie finde ich im Pflanzenschutz-Hub gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Cercospora beticola für Stielmangold?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur „Stielmangold“ (oder der übergeordneten Gruppe des Blattgemüses) und dem Schaderreger „Cercospora-Blattfleckenkrankheit“ (Cercospora beticola). Achten Sie bei den Ergebnissen besonders auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die maximal zulässige Anzahl der Anwendungen pro Saison sowie die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit vor der Ernte.
Warum ist die Vermeidung von Staunässe bei Stielmangold pflanzenbaulich so kritisch?
Staunässe führt bei Beta vulgaris rasch zu Sauerstoffmangel im Wurzelraum, was die Nährstoffaufnahme blockiert und zu gelblichen, minderwertigen Blattstielen führt. Zudem begünstigt ein nasses Bodenmilieu bodenbürtige Schaderreger wie Pythium spp. oder Aphanomyces, die insbesondere bei Direktsaat zu hohen Ausfällen durch Auflaufkrankheiten führen können.