MON 76473-SL
MON 76473-SL ist ein hochkonzentriertes, systemisches Totalherbizid zur Bekämpfung eines breiten Spektrums von einkeimblättrigen und zweikeimblättrigen Unkräutern sowie hartnäckigen ausdauernden Schaderregern. Als lösliches Konzentrat (SL) formuliert, zeichnet sich dieses Pflanzenschutzmittel durch eine hervorragende Aufnahme über die grünen Pflanzenteile aus. Es wird sowohl im Ackerbau, im Wein- und Obstbau als auch auf forstwirtschaftlichen Flächen und im Nichtkulturland flexibel eingesetzt.
Das Produkt eignet sich hervorragend für die Vorsaat- und Nacherntebehandlung sowie für gezielte Anwendungen in etablierten Kulturen unter Verwendung von Abschirmvorrichtungen. Neben der klassischen Unkrautbekämpfung wird MON 76473-SL auch zur Sikkation eingesetzt, um die Ernte zu erleichtern und den Unkrautbesatz für Folgekulturen zu minimieren.
Durch die systemische Wirkung erfasst das Mittel nicht nur die oberirdischen Pflanzenteile, sondern transportiert den Wirkstoff bis tief in die Wurzeln und Rhizome. Dies macht es besonders wirksam gegen schwer bekämpfbare, tiefwurzelnde Arten wie die Gemeine Quecke und die Acker-Winde.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der enthaltene Wirkstoff Glyphosat gehört zur HRAC-Gruppe 9 (ehemals Gruppe G) und wirkt als Inhibitor des Enzyms 5-Enolpyruvylshikimat-3-phosphat-Synthase (EPSPS). Dieses Enzym ist eine Schlüsselkomponente im Shikimatweg, der ausschließlich in Pflanzen, Pilzen und Bakterien vorkommt. Durch die Blockade dieses Stoffwechselwegs wird die Synthese essenzieller aromatischer Aminosäuren (Phenylalanin, Tyrosin und Tryptophan) unterbunden, was letztlich zum Absterben der behandelten Schaderreger führt. Da der Wirkstoff systemisch über den Phloemstrom transportiert wird, verteilt er sich von den Blättern aus in der gesamten Pflanze, einschließlich der Speicherorgane im Wurzelsystem. Erste Symptome wie Chlorosen und Welkeerscheinungen zeigen sich je nach Witterung nach einigen Tagen, während das vollständige Absterben der Pflanzen meist nach ein bis drei Wochen abgeschlossen ist.
Resistenzmanagement
Um der Entstehung von herbizidresistenten Biotypen vorzubeugen, sollte MON 76473-SL stets in ein integriertes Unkrautmanagement (IWM) eingebunden werden. Dies umfasst den Wechsel mit Herbiziden anderer Wirkstoffklassen (HRAC-Gruppen) sowie mechanische Bodenbearbeitungsmaßnahmen. Einseitige, wiederholte Anwendungen auf derselben Fläche sind zu vermeiden, um die Selektion resistenter Individuen – insbesondere bei ohnehin schwer bekämpfbaren einkeimblättrigen Schaderregern – zu verhindern.
Mischbarkeit & Tankmischung
MON 76473-SL ist im Allgemeinen gut mit vielen gängigen Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln mischbar. Bei der Verwendung von hartem Wasser empfiehlt sich der Zusatz von Ammoniumsulfat (AMS), um eine Inaktivierung des Wirkstoffs durch Calcium- oder Magnesiumionen zu verhindern. Die Anwendung sollte auf trockene Pflanzenbestände erfolgen; ein Regenereignis kurz nach der Behandlung kann die systemische Aufnahme und somit die biologische Wirksamkeit erheblich beeinträchtigen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Bei der Anwendung von MON 76473-SL sind die gesetzlichen Vorgaben zum Anwenderschutz, einschließlich des Tragens vorgeschriebener persönlicher Schutzausrüstung (PSA), strikt einzuhalten. Zum Schutz von Gewässerorganismen und Nichtzielpflanzen müssen die vorgeschriebenen Abstandsflächen und Abschwemmungsminderungsdüsen gemäß den BVL-Auflagen berücksichtigt werden. Das Mittel ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, sollte jedoch zur Schonung von Bestäubern nicht direkt in blühende Bestände oder auf von Bienen beflogene Unkräuter appliziert werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Nichtkulturland ohne Holzgewächse | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter, Acker-Winde | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 30T |
| Gemüsekulturen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Stilllegungsflächen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Douglasie | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Kernobst | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 42T |
| Laubholz | Adlerfarn, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Ackerbaukulturen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Pfirsich | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Getreide (Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Weizen) | Sikkation, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 10T |
| Wiesen, Weiden | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 4 LITER_PER_HECTARE | — |
| Lärche | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Nadelholz | Adlerfarn, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Steinobst | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 42T |
| Nadelholz | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Ackerbaukulturen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Ackerbaukulturen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zierpflanzen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Rasen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Getreide (Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Weizen) | Sikkation, Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | 10T |
| Gemüsekulturen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zierpflanzen | Zweikeimblättrige Unkräuter, Einkeimblättrige Unkräuter | — | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wie lange sollte nach der Anwendung von MON 76473-SL mit der Bodenbearbeitung gewartet werden?
Um eine vollständige systemische Verteilung des Wirkstoffs bis in die Wurzeln und Rhizome (z. B. bei der Gemeinen Quecke) zu gewährleisten, sollte nach der Behandlung mindestens 7 bis 10 Tage mit einer mechanischen Bodenbearbeitung oder dem Pflügen gewartet werden. Bei einjährigen Unkräutern reichen oft schon 3 bis 5 Tage aus.
Welchen Einfluss hat die Wasserqualität auf die Wirksamkeit dieses Pflanzenschutzmittels?
Sehr hartes Wasser, das hohe Konzentrationen an Calcium- und Magnesiumionen enthält, kann den Wirkstoff Glyphosat binden und dessen Aufnahme blockieren. In solchen Fällen stabilisiert der Zusatz von Ammoniumsulfat (AMS) die Spritzbrühe und sichert die volle herbizide Wirkung.
Kann MON 76473-SL auch bei niedrigen Temperaturen im Spätherbst appliziert werden?
Ja, eine Anwendung ist auch bei kühleren Temperaturen möglich, solange die Zielpflanzen noch aktiv assimilieren und kein starker Frost herrscht. Bei niedrigen Temperaturen verlangsamt sich jedoch der Stoffwechsel der Pflanzen, weshalb es deutlich länger dauern kann, bis sichtbare Absterbesymptome auftreten.
Was ist bei der Anwendung im Unterwuchs von Obst- und Weinkulturen zu beachten?
Bei Behandlungen in Obst- und Weinbaukulturen muss absolut sichergestellt werden, dass kein Spritznebel auf die grünen Teile der Kultur (Blätter, Triebe, junge Rinde) gelangt. Die Verwendung von Abschirmvorrichtungen (Spritzschirme) und abdriftmindernden Düsen ist dringend zu empfehlen, um Schäden an den Kulturpflanzen zu vermeiden.
Warum variiert die Wartezeit bei diesem Produkt so stark zwischen 10 und 42 Tagen?
Die Wartezeit (PHI) ist stark von der jeweiligen Kultur und dem Anwendungszeitpunkt abhängig. Während bei der Spätbehandlung oder Sikkation vor der Ernte in bestimmten Ackerkulturen kürzere Wartezeiten gelten, erfordern Anwendungen in ausdauernden Kulturen wie Obst oder Wein zum Schutz der Ernteprodukte und aufgrund des späten Anwendungsfensters deutlich längere Sicherheitsabstände.