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OTHER · BIOPREPARATY spol.s.r.o.

Polyversum

BVL Zul.-Nr. 028470-00

Polyversum ist ein innovatives biologisches Pflanzenschutzmittel auf Basis des mycoparasitischen Pilzes Pythium oligandrum (Stamm M1). Als formuliertes Pulver wird es vor allem zur Vorbeugung und Bekämpfung eines breiten Spektrums von pilzlichen Schaderregern in einer Vielzahl von Kulturen eingesetzt, darunter Weinbau, Hopfen, Raps, Getreide sowie verschiedene Gemüse- und Beerenobstkulturen.

Der biologische Charakter des Mittels ermöglicht eine flexible Integration in moderne, integrierte Pflanzenschutzkonzepte (IPM) sowie in den ökologischen Landbau. Da es sich um einen lebenden Organismus handelt, schont Polyversum Nützlinge und hinterlässt keine chemischen Rückstände im Erntegut, was es besonders attraktiv für späte Anwendungen kurz vor der Ernte macht.

Das Wirkungsspektrum umfasst wirtschaftlich bedeutende Schaderreger wie Botrytis cinerea (Graufäule), Echte und Falsche Mehltaupilze, Sclerotinia-Arten sowie bodenbürtige Erreger von Auflaufkrankheiten und Wurzelfäulen wie Phytophthora und Fusarium.

Wirkstoffe

Pythium oligandrum M1
100 g/kg · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der Wirkstoff Pythium oligandrum M1 ist ein natürlicher Mykoparasit, der sich durch einen dreifachen Wirkungsmechanismus auszeichnet. Erstens parasitiert der Pilz direkt die Myzelien und Überdauerungsorgane phytopathogener Pilze, indem er deren Zellwände enzymatisch abbaut und die Nährstoffe absorbiert. Zweitens besiedelt Pythium oligandrum die Rhizosphäre oder die Blattoberfläche der Kultur und konkurriert dort aktiv mit Schaderregern um Raum und essentielle Nährstoffe. Drittens induziert der Kontakt mit dem Wirkstoff die pflanzeneigene Immunantwort (induzierte systemische Resistenz, ISR). Durch die Freisetzung spezifischer Oligandrine wird die Kultur stimuliert, verstärkt eigene Abwehrstoffe wie Phytoalexine und strukturstärkende Proteine zu bilden. Dieser biologische Stimulus stärkt die Vitalität der Kultur und macht sie widerstandsfähiger gegen nachfolgende Infektionen. Da es sich um einen biologischen Wirkstoff handelt, ist er nicht in die klassischen FRAC-Klassen eingeteilt, sondern agiert als biologischer Kontrollorganismus mit multisite-ähnlicher, indirekter Wirkung.

Resistenzmanagement

Aufgrund des komplexen, mehrfachen Wirkungsmechanismus von Pythium oligandrum M1 (Mykoparasitismus, Konkurrenz und Induktion der pflanzeneigenen Abwehr) ist das Risiko einer Resistenzentwicklung bei den Ziel-Schaderregern als äußerst gering einzustufen. Polyversum eignet sich daher hervorragend als Baustein im Antiresistenzmanagement, um den Selektionsdruck auf klassische chemisch-synthetische Fungizide zu mindern. Es empfiehlt sich, das biologische Pflanzenschutzmittel präventiv in Spritzfolgen abwechselnd mit chemischen Wirkstoffen unterschiedlicher FRAC-Klassen einzusetzen, insbesondere in Phasen mit moderatem Infektionsdruck.

Mischbarkeit & Tankmischung

Bei der Herstellung von Tankmischungen ist zu beachten, dass es sich bei Polyversum um ein biologisches Pflanzenschutzmittel mit lebenden Sporen handelt. Die Mischbarkeit mit chemischen Fungiziden ist daher stark eingeschränkt, da viele Fungizide die Lebensfähigkeit von Pythium oligandrum beeinträchtigen können; zwischen einer Fungizidbehandlung und der Anwendung von Polyversum sollte in der Regel ein zeitlicher Abstand eingehalten werden. Mischungen mit Herbiziden, Insektiziden oder Blattdüngern sind hingegen häufig möglich, sollten jedoch vorab auf physikalische Verträglichkeit geprüft werden. Für eine optimale Wirkung wird eine gründliche Benetzung der Kultur empfohlen, wobei auf eine ausreichende Wasserqualität (chlorfrei und im neutralen pH-Bereich) sowie auf die Einhaltung der empfohlenen Wassertemperaturen zu achten ist.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Als biologisches Pflanzenschutzmittel zeichnet sich Polyversum durch ein sehr günstiges Ökotoxizitäts- und Anwendersicherheitsprofil aus. Es ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft und schont wichtige Nützlinge sowie Bodenorganismen wie Regenwürmer. Dennoch sind beim Umgang mit dem staubenden Pulver die üblichen Arbeitsschutzmaßnahmen einzuhalten, insbesondere das Tragen von Atemschutz und Schutzhandschuhen bei der Spritzansatzbereitung, um Sensibilisierungen durch Sporenstaub zu vermeiden. Gewässerabstandsauflagen und Abschwemmungsauflagen sind im Vergleich zu chemisch-synthetischen Mitteln minimal, was den Einsatz in sensiblen Gebieten erleichtert.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
HopfenVerticillium, Fusarium0.2 KILOGRAM_PER_HECTARE
WeinrebeGraufäule (Botrytis cinerea)0.2 KILOGRAM_PER_HECTARE
ErbseBrennfleckenkrankheit (Ascochyta pisi)65–990.1 KILOGRAM_PER_HECTARE
GurkeFalscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis)61–990.1 KILOGRAM_PER_HECTARE
RasenAuflaufkrankheiten0.125 KILOGRAM_PER_HECTARE
WeizenFusarium-Arten13–650.1 KILOGRAM_PER_HECTARE
WeinrebeGraufäule (Botrytis cinerea)0.2 KILOGRAM_PER_HECTARE
BaumschulgehölzpflanzenAuflaufkrankheiten0.05 KILOGRAM_PER_HECTARE
RapsWurzelhals- und Stängelfäule (Leptosphaeria maculans)12–650.1 KILOGRAM_PER_HECTARE
MohnHelminthosporium-Arten (Helminthosporium spp.), Peronospora12–510.1 KILOGRAM_PER_HECTARE
SojabohneAuflaufkrankheiten0.25 KILOGRAM_PER_HECTARE
HopfenFalscher Mehltau (Pseudoperonospora humuli)9–150.25 KILOGRAM_PER_HECTARE
BaumschulgehölzpflanzenAuflaufkrankheiten0.2 KILOGRAM_PER_HECTARE
KohlgemüseFalscher Mehltau (Peronospora parasitica), Wurzelhals- und Stängelfäule (Leptosphaeria maculans), Alternaria brassicae9–990.2 KILOGRAM_PER_HECTARE
ErbseAuflaufkrankheiten0.25 KILOGRAM_PER_HECTARE
Lupine-ArtenAuflaufkrankheiten0.25 KILOGRAM_PER_HECTARE
GurkeAuflaufkrankheiten0.005 KILOGRAM_PER_HECTARE
HopfenVerticillium, Fusarium0.2 KILOGRAM_PER_HECTARE
GurkeFalscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis)61–990.1 KILOGRAM_PER_HECTARE
GersteFusarium-Arten25–650.1 KILOGRAM_PER_HECTARE
WeinrebeFalscher Mehltau (Plasmopara viticola), Botrytis cinerea7–990.25 KILOGRAM_PER_HECTARE
RapsStängelfäule (Sclerotinia sclerotiorum)12–650.1 KILOGRAM_PER_HECTARE
Lupine-ArtenSclerotinia sclerotiorum, Colletotrichum0.1 KILOGRAM_PER_HECTARE
ErdbeerePhytophthora fragariae, Phytophthora cactorum0.2 KILOGRAM_PER_HECTARE
SenfBotrytis cinerea, Alternaria brassicae, Sclerotinia sclerotiorum12–990.1 KILOGRAM_PER_HECTARE
ErdbeerePhytophthora fragariae, Phytophthora cactorum0.2 KILOGRAM_PER_HECTARE
SojabohneSclerotinia sclerotiorum, Colletotrichum0.1 KILOGRAM_PER_HECTARE

Häufige Fragen

Wie bereite ich die Spritzbrühe mit Polyversum richtig vor, um die Sporen zu aktivieren?

Da es sich um ein Pulver mit lebenden Sporen handelt, empfiehlt sich ein vorheriges Ansetzen einer Vorsuspension. Lassen Sie das Pulver in einer kleineren Menge lauwarmem Wasser (ca. 20–25 °C) für etwa 20 bis 30 Minuten quellen, bevor Sie es durch ein feines Sieb in den fast gefüllten Spritztank geben. Dies reaktiviert die Sporen und verhindert das Verstopfen der Düsen.

Kann Polyversum auch bei niedrigen Temperaturen im frühen Frühjahr eingesetzt werden?

Pythium oligandrum ist ein lebender Organismus, dessen Aktivität stark temperaturabhängig ist. Die Sporen keimen und besiedeln die Kultur optimal ab einer Bodentemperatur bzw. Lufttemperatur von ca. 10 °C. Bei kühlen Temperaturen im zeitigen Frühjahr (unter 8 °C) verzögert sich die Wirkung, weshalb die Anwendung auf wärmere Tage oder spätere BBCH-Stadien verschoben werden sollte.

Welcher zeitliche Abstand muss zu einer vorherigen chemischen Fungizidbehandlung eingehalten werden?

Um die Vitalität und Wirksamkeit des nützlichen Pilzes nicht zu gefährden, sollte nach einer Behandlung mit einem chemisch-synthetischen Fungizid ein Sicherheitsabstand von mindestens 7 bis 10 Tagen eingehalten werden, bevor Polyversum appliziert wird. Nach der Anwendung von Polyversum sollte idealerweise ebenfalls gewartet werden, bis sich der Mykoparasit etabliert hat.

Warum ist der präventive Einsatz bei diesem biologischen Pflanzenschutzmittel so entscheidend?

Polyversum wirkt primär protektiv und über die Induktion der pflanzeneigenen Abwehrkräfte (ISR). Ist eine Kultur bereits stark von einem Schaderreger wie Botrytis oder Falschem Mehltau befallen, kann der Mykoparasit den Schaden kaum noch kurativ heilen. Die Behandlung muss daher vor den ersten Infektionsbedingungen erfolgen, damit die Kultur rechtzeitig Abwehrstoffe aufbauen kann.

Gibt es Einschränkungen bezüglich der Wasserqualität oder des pH-Werts beim Ansetzen der Spritzbrühe?

Ja, extrem saures oder stark alkalisches Wasser kann die Sporen schädigen. Ideal ist ein pH-Wert der Spritzbrühe zwischen 5,5 und 7,5. Zudem sollte kein stark chloriertes Leitungswasser verwendet werden, da Chlor die lebenden Sporen von Pythium oligandrum abtöten kann; Brunnen- oder unbelastetes Oberflächenwasser ist vorzuziehen.

Wie verhält sich Polyversum bezüglich der Wartezeit vor der Ernte?

Aufgrund seines biologischen Charakters und des Fehlens chemischer Rückstände ist für Polyversum in vielen Kulturen keine klassische Wartezeit in Tagen vorgeschrieben (oft als 'F' eingestuft). Dies ermöglicht einen hochflexiblen Einsatz bis unmittelbar vor der Ernte, um späte Infektionen (z. B. Graufäule an Weintrauben oder Erdbeeren) während der Reifephase effektiv abzuwehren.