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Schädling

Bekreuzter Traubenwickler

Lobesia botrana
POLYBO

Der Bekreuzte Traubenwickler (Lobesia botrana, EPPO-Code: POLYBO) gehört zur Familie der Wickler (Tortricidae) und gilt als einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im europäischen Weinbau. Die Larven dieses Kleinschmetterlings schädigen die Blütenanlagen und Beeren der Weinrebe (Vitis vinifera) direkt durch Fraßschäden, was zu erheblichen Ertragseinbußen führen kann.

Neben dem direkten Ertragsverlust durch den Fraß der Raupen wiegt der Sekundärbefall oft noch schwerer. Die verletzten Beeren bieten eine ideale Eintrittspforte für pilzliche Schaderreger, insbesondere für die Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea). Dies führt zu einer drastischen Qualitätsminderung des Leseguts und kann die Weinbereitung negativ beeinflussen.

Der Schädling ist wärmeliebend und findet in den Weinbauregionen Mitteleuropas optimale Lebensbedingungen vor. Durch den Klimawandel und steigende Durchschnittstemperaturen dehnt sich sein Aktivitätszeitraum aus, was die Bekämpfung in der Praxis zunehmend anspruchsvoller gestaltet.

Typ
Schädling
EPPO-Code
POLYBO
Wirte
1 Kultur
Generationen
2–3 Generationen pro Jahr (temperaturabhängig)
Verbreitung
Lobesia botrana ist im gesamten Mittelmeerraum, in Süd- und Mitteleuropa sowie in Teilen Westasiens und Nordafrikas weit verbreitet. In den wärmeren Weinbauregionen Mitteleuropas verursacht der Schädling regelmäßig erhebliche ökonomische Schäden durch Ertrags- und Qualitätsverluste.
Erstbeschreibung
Denis & Schiffermüller, 1775

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überwintert als Puppe in einem dichten Gespinst unter der Borke des Rebstamms oder in Pfahlritzen. Im Frühjahr (meist ab BBCH 09 bis 15) schlüpfen die Falter der ersten Generation, deren Weibchen nach der Paarung die Eier einzeln an den Gescheinen ablegen. Die daraus schlüpfenden Larven (Heuwürmer) fressen an den Blütenknospen und spinnen diese zusammen. Nach der Verpuppung schlüpft im Sommer die zweite Generation, deren Larven (Sauerwürmer) die grünen Beeren anbohren. In warmen Jahren oder südlichen Regionen entwickelt sich regelmäßig eine dritte Generation (Süßwürmer), die ab BBCH 79 bis 85 die reifenden Beeren schädigt.

Bonitur

Die Überwachung basiert auf dem Einsatz von Pheromonfallen zur Flugüberwachung der Männchen ab dem Knospenschwellen (BBCH 01–03). Zur Ermittlung der Schadensschwelle wird ein visuelles Monitoring durchgeführt: Für die erste Generation (Heuwurm) liegt die Bekämpfungsrichtschwelle bei einem Befall von 20 bis 30 Gespinsten pro 100 Gescheine (BBCH 53–57). Für die zweite Generation (Sauerwurm) liegt die kritische Schwelle deutlich niedriger, meist bei 5 bis 10 Eiern oder Junglarven bzw. angestochenen Beeren pro 100 Gescheine/Trauben (BBCH 71–75), da hier das Risiko von Sekundärinfektionen durch Botrytis cinerea drastisch ansteigt.

Symptome

Im Frühjahr zeigen sich zusammengesponnene Blütenknospen und Blütenstände (Gescheine), in denen kleine, grünlich-braune Raupen fressen (Heuwurmbefall). Ab dem Sommer sind an den grünen Beeren feine Einbohrlöcher erkennbar, die oft von feinen Gespinstfäden umgeben sind (Sauerwurmbefall). Befallene Beeren schrumpfen, verfärben sich vorzeitig violett-braun und faulen. Im Spätsommer weisen die reifenden Trauben großflächige Fraßstellen auf, die rasch von grauem Pilzrasen (Botrytis cinerea) überzogen werden und einen essigsauren Geruch verströmen.

Integriertes Management

Die integrierte Bekämpfung setzt primär auf die Verwirrungsmethode (Pheromondispenser), die flächendeckend im Frühjahr vor dem Erstflug ausgebracht wird und die Paarung der Falter verhindert. Biologische Maßnahmen umfassen den Schutz von natürlichen Gegenspielern wie Schlupfwespen und den gezielten Einsatz von Präparaten auf Basis von Bacillus thuringiensis oder Granuloseviren gegen die Junglarven. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten streng nach dem Warndienstaufruf und unter Berücksichtigung des optimalen Anwendungsfensters (meist zum Hauptschlüpfen der Larven) eingesetzt werden. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien (z. B. Wechsel zwischen Spinosynen, Häutungsbeschleunigern und Diamiden) zwingend erforderlich.

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich der Bekreuzte vom Einbindigen Traubenwickler im Feld?

Der Bekreuzte Traubenwickler (Lobesia botrana) bevorzugt wärmere, trockenere Lagen und bildet meist drei Generationen aus, während der Einbindige Traubenwickler (Eupoecilia ambiguella) feuchtere, kühlere Bedingungen bevorzugt und meist nur zwei Generationen entwickelt. Morphologisch unterscheidet sich die Larve von L. botrana durch einen hellgrünen bis grünlich-braunen Körper mit hellem Kopf, während die Larve von E. ambiguella rötlich-braun bis schmutzig-rot mit schwarzem Kopfschild ist.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung mit Bacillus thuringiensis?

Da Bacillus thuringiensis ein Fraßgift ist, muss die Anwendung exakt zum Zeitpunkt des Larvenschlupfes erfolgen, bevor sich die Jungraupen in die Beeren einbohren. Dies entspricht meist dem BBCH-Stadium 71 bis 73 für die zweite Generation. Die Spritzung sollte in den kühlen Abendstunden oder bei bedecktem Himmel durchgeführt werden, da der Wirkstoff UV-empfindlich ist.

Wie funktioniert die Verwirrungsmethode bei hohem Befallsdruck?

Die Verwirrungsmethode (Ausbringung von synthetischen Sexualpheromonen) stößt bei extrem hohem Befallsdruck oder in stark windexponierten Randlagen an ihre Grenzen, da sich Männchen und Weibchen trotz des Pheromonteppichs zufällig finden können. In solchen Fällen oder bei unregelmäßig geformten Kleinflächen muss die Methode im ersten Jahr zwingend mit gezielten Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln kombiniert werden, um die Population unter die kritische Schwelle zu drücken.

Welche Rolle spielen Laubarbeiten bei der Regulierung des Schädlings?

Eine sorgfältige Entlaubung der Traubenzone (BBCH 73–75) verbessert die Durchlüftung und verringert die relative Luftfeuchtigkeit im Mikroklima der Trauben. Dies erschwert nicht nur die Eiablage und Larvenentwicklung des Wicklers, sondern beschleunigt auch das Abtrocknen der Beeren, wodurch das Risiko für die nachfolgende Botrytis-Fäule drastisch gesenkt wird. Zudem verbessert eine freigestellte Traubenzone die Anlagerung und Benetzung bei eventuellen Pflanzenschutzmittel-Anwendungen.

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