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Schädling

Maiszünsler

Ostrinia nubilalis
PYRUNU

Der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis, EPPO-Code: PYRUNU) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im europäischen Maisanbau. Ursprünglich an Wildgräsern und Hopfen beheimatet, hat sich dieser Kleinschmetterling zu einem Hauptschädling in Körner- und Silomais sowie in Zuckermais entwickelt. Neben Mais können auch andere Kulturen wie Hopfen (Humulus lupulus) und Buschbohnen (Phaseolus vulgaris subsp. nanus) befallen werden.

Der wirtschaftliche Schaden entsteht primär durch die Fraßaktivität der Larven im Stängelinneren. Dies führt zu einer gestörten Nährstoff- und Wasserleitung, verminderter Standfestigkeit (Stängelbruch) und erschwert die Ernte erheblich. Zudem begünstigen die Fraßgänge Sekundärinfektionen durch Schadpilze, insbesondere Fusarium-Arten, was die Mykotoxinbelastung des Ernteguts drastisch erhöht und dessen Vermarktungsfähigkeit gefährdet.

Typ
Schädling
EPPO-Code
PYRUNU
Wirte
4 Kulturen
Generationen
In Mitteleuropa meist 1 Generation; in wärmeren Regionen zunehmend 2 Generationen pro Jahr.
Verbreitung
Der Maiszünsler ist in ganz Mitteleuropa weit verbreitet und dehnt sein Schadgebiet aufgrund des Klimawandels zunehmend nach Norden und Osten aus. Er verursacht jährlich Schäden in Millionenhöhe durch Ertragsverluste und Qualitätsminderungen infolge von Mykotoxinkontaminationen.
Erstbeschreibung
Hübner, 1796

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überwintert als vollentwickelte Larve in den im Boden verbleibenden Stoppelresten der Kultur. Nach der Verpuppung im Frühjahr schlüpfen ab Juni die Falter, deren Hauptflugzeit je nach Witterung und Region zwischen Mitte Juni und Ende Juli liegt. Die Eiablage erfolgt in Gruppen (Eispiegeln) auf den Blattunterseiten der Wirtspflanzen, bevorzugt im BBCH-Stadium 30 bis 50. Nach dem Schlupf fressen die Junglarven zunächst an den Blättern und bohren sich bald darauf in den Stängel ein, wo sie sich bis zum Herbst durch das Mark fressen und schließlich im bodennahen Stängelabschnitt in die Diapause übergehen.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring ist für die Festlegung des optimalen Behandlungszeitpunkts unerlässlich. Ab dem BBCH-Stadium 31 (Schossen) sollten Pheromon- oder Lichtfallen zur Überwachung des Falterflugs aufgestellt werden, ergänzt durch die visuelle Kontrolle von mindestens 100 Pflanzen pro Schlag auf Eispiegel (Schadensschwelle: ca. 15–20 % befallene Pflanzen bei Silo- und Körnermais). Die gezielte Bonitur der Blattunterseiten im mittleren Pflanzenbereich liefert präzise Daten über den optimalen Einsatzzeitpunkt von biologischen oder chemischen Pflanzenschutzmitteln, der idealerweise kurz vor dem Schlupf der Larven (Stadium des 'Schwarzkopfes' der Eier) liegt.

Symptome

Typische Symptome im Feld sind querreihige Lochfraßmuster an den jüngsten Blättern, die durch den Fraß der Junglarven im noch eingerollten Zustand entstehen. Im weiteren Verlauf zeigen sich Bohrlöcher an den Stängelknoten und Blattscheiden, aus denen helles, sägemehlartiges Kotmehl austritt. Ein klassisches Schadbild ist das Abknicken der Maisfahne oberhalb der Einbohrstelle sowie der spätere Stängelbruch bei Wind oder mechanischer Belastung. Bei starkem Befall kommt es zudem zu direktem Fraß an den Kolben und Spindeln, was oft mit rötlich-weißen Schimmelbelägen (Fusariosen) einhergeht.

Integriertes Management

Die integrierte Bekämpfung basiert auf einer Kombination aus mechanischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Die wichtigste ackerbauliche Maßnahme ist das gründliche Mulchen und tiefe Unterpflügen der Maisstoppeln direkt nach der Ernte, um das Überwinterungshabitat der Larven mechanisch zu zerstören. Biologisch hat sich der hochwirksame Einsatz von Trichogramma-Schlupfwespen (Eiparasitoide) etabliert, die mittels Trägerkapseln oder Drohnen während des Falterflugs ausgebracht werden. Chemische Pflanzenschutzmittel (z. B. Pyrethroide oder Diamide) müssen exakt zum Hauptschlupf der Larven appliziert werden, bevor sich diese in den Stängel einbohren. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien bei jeder Anwendung strikt einzuhalten.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie beeinflusst der Klimawandel das Auftreten des Maiszünslers in Mitteleuropa?

Durch steigende Durchschnittstemperaturen verschiebt sich nicht nur die Nordgrenze des Befallsareals, sondern es etabliert sich in warmen Regionen (wie dem Rheingraben) zunehmend eine zweite Generation (bivoltiner Stamm). Dies verlängert den Zeitraum der Eiablage und erfordert eine Anpassung des Monitorings sowie gegebenenfalls eine zusätzliche Behandlung im Spätsommer.

Warum ist das Mulchen der Stoppeln nach der Ernte so entscheidend?

Die Larven des Maiszünslers überwintern bevorzugt im untersten Stängelglied, direkt über dem Wurzelhals. Ein bodennahes, intensives Mulchen zerschlägt diese Stoppeln mechanisch, tötet einen Großteil der Larven direkt ab und entzieht den Überlebenden den Winterschutz, wodurch sie Frost und natürlichen Feinden schutzlos ausgeliefert sind.

Wie finde ich im Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen den Maiszünsler?

Nutzen Sie die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtern Sie nach der Kultur 'Mais' und dem Schaderreger 'Maiszünsler'. Achten Sie bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel auf die spezifisch ausgewiesenen BBCH-Anwendungsfenster und die jeweiligen Auflagen zum Gewässerschutz.

Welchen Einfluss hat die Sortenwahl auf das Schadrisiko?

Es gibt derzeit keine vollständig resistenten konventionellen Maissorten auf dem deutschen Markt. Allerdings weisen Sorten mit hoher Standfestigkeit und einer schnellen Jugendentwicklung eine bessere Toleranz auf; zudem verringert der Anbau von Sorten mit geringer Anfälligkeit für Kolbenfusarium das Risiko von Folgeschäden durch Mykotoxine.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für das Ausbringen von Trichogramma-Schlupfwespen?

Die biologische Bekämpfung muss exakt zum Beginn der Eiablage starten. In der Praxis erfolgt die erste Ausbringung der Nützlinge meist bei akutem Falterflug (ermittelt durch Pheromonfallen) und wird im Abstand von 10 bis 14 Tagen wiederholt, um das gesamte Zeitfenster der Eiablage abzudecken.

Wie unterscheidet sich die Schadschwelle bei Zuckermais im Vergleich zu Futtermais?

Bei Zuckermais liegt die wirtschaftliche Schadschwelle aufgrund der direkten Vermarktung für den Frischverzehr extrem niedrig (oft bei unter 3 % befallenen Pflanzen oder bereits bei den ersten Fängen in den Fallen). Schon geringer Larvenfraß am Kolben macht die Ware unverkäuflich, weshalb hier ein deutlich intensiveres Monitoring und frühere Pflanzenschutzmaßnahmen erforderlich sind.