Maiszünsler
Der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis, EPPO-Code: PYRUNU) ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im Maisanbau Mitteleuropas. Als Kleinschmetterling aus der Familie der Zünsler (Pyralidae) befällt er neben dem Hauptwirt Mais (Zea mays) auch Sonderkulturen wie Hopfen (Humulus lupulus) und Buschbohnen (Phaseolus vulgaris subsp. nanus). Die Larven fressen sich durch das Mark der Stängel, was die Nährstoffversorgung unterbricht und die Standfestigkeit der Kultur massiv beeinträchtigt.
Die wirtschaftlichen Schäden entstehen nicht nur durch direkten Ertragsverlust infolge von Stängelbruch und Kolbenfraß, sondern auch durch Sekundärinfektionen. Die Fraßgänge dienen als Eintrittspforten für bodenbürtige Pilze wie Fusarium-Arten. Dies führt zu einer erhöhten Mykotoxinbelastung im Erntegut, was die Vermarktung als Lebens- oder Futtermittel stark einschränkt oder unmöglich macht.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überwintert als voll entwickelte Larve in den verbliebenen Stoppelresten auf dem Feld. Nach der Verpuppung im Frühjahr schlüpfen ab Juni die Falter, deren Hauptflugzeit je nach Witterung bis in den August hineinreicht. Die Eiablage erfolgt in Gruppen (Gelegen) auf den Blattunterseiten der Kulturen. Nach dem Schlupf fressen die Junglarven zunächst kurzzeitig an den Blättern, bohren sich dann aber rasch in den Stängel ein, wo sie sich durch das Mark fressen und gut geschützt vor äußeren Einflüssen bis zum Winter verbleiben. In wärmeren Regionen Mitteleuropas etabliert sich zunehmend eine zweite Generation im Spätsommer.
Bonitur
Ein präzises Monitoring ist für den Bekämpfungserfolg entscheidend. Du solltest ab dem BBCH-Stadium 30 (Beginn des Schossens) bis BBCH 55 (Rispenschieben) regelmäßig Gelb- oder Pheromonfallen aufstellen, um den Falterflug zu überwachen. Die visuelle Kontrolle auf Eiablage (Eigelege an den Blattunterseiten direkt unterhalb der Fahne) liefert die verlässlichste Entscheidungsgrundlage. Die Schadschwelle ist im Silo- und Körnermais bei etwa 15 bis 20 % befallenen Pflanzen (bzw. 1-2 Gelegen pro 10 Pflanzen) erreicht, während im empfindlichen Zuckermais bereits bei ersten Funden gehandelt werden muss.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind kleine Lochreihen in den Blättern (Fensterfraß), die durch die Junglarven vor dem Einbohren verursacht werden. Später zeigen sich Einbohrlöcher an den Stängelknoten und Blattachseln, aus denen oft helles Bohrmehl austritt. Ein klassisches Schadbild ist das Abknicken der Stängel oder der Maisfahne oberhalb der Einbohrstelle infolge von Wind oder mechanischer Belastung. Bei starkem Befall sind auch die Kolben direkt betroffen, wobei Fraßspuren an den Körnern und Spindeln sowie sekundäre Schimmelbildung sichtbar werden.
Integriertes Management
Die Bekämpfung des Maiszünslers erfordert ein konsequentes, integriertes Pflanzenschutzkonzept. Mechanische Maßnahmen nach der Ernte – wie das tiefe Mulchen und Zerkleinern der Maisstoppeln gefolgt von sauberem Unterpflügen – zerstören das Winterquartier der Larven und sind die effektivste Vorbeugung. Biologisch hat sich das Ausbringen von *Trichogramma*-Schlupfwespen zur Eiablagezeit hervorragend bewährt. Chemische Pflanzenschutzmittel (z. B. Pyrethroide oder Diamide, IRAC-Gruppe 28) müssen exakt zum Schlupfzeitpunkt der Larven appliziert werden, bevor diese sich in den Stängel einbohren. Achte beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel auf ein konsequentes Resistenzmanagement durch Wirkstoffwechsel.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie finde ich im Agronomy-Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen den Maiszünsler?
Du kannst im Hub über die Kultursuche (z. B. Mais) gehen und dort nach dem Schaderreger "Maiszünsler" filtern. Dir werden dann alle für diese Kultur registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer Aufwandmenge, Wartezeit und den spezifischen Anwendungsbestimmungen der BVL angezeigt.
Warum ist der optimale Anwendungszeitpunkt bei chemischen Pflanzenschutzmitteln so extrem kurz?
Sobald sich die Larven nach dem Schlupf in den Stängel eingebohrt haben (meist innerhalb weniger Stunden bis Tage), sind sie für Kontaktinsektizide nicht mehr erreichbar. Du musst die Behandlung daher exakt während des Larvenschlupfs durchführen, bevor sie das schützende Stängelinnere betreten.
Wie beeinflusst das Mulchen der Stoppeln im Herbst den Befallsdruck im Folgejahr?
Da die Larven im untersten Stängelglied direkt über dem Boden überwintern, zerstört das gründliche Mulchen direkt nach der Ernte ihre physischen Rückzugsorte. Wenn du die Stoppelreste zusätzlich tief unterpflügst, nimmst du dem Schaderreger die Überlebensgrundlage, was den Ausgangsbefall im Frühjahr drastisch senkt.
Welche Rolle spielen Temperatursummen (Gradtage) bei der Terminierung der Bekämpfung?
Der Falterflug und die Eiablage hängen stark von der Wärme ab. Agronomische Prognosemodelle nutzen die kumulierten Gradtage ab Jahresbeginn, um den optimalen Ausbringungszeitpunkt für Trichogramma-Schlupfwespen oder chemische Pflanzenschutzmittel präzise vorherzusagen, sodass du deine Bestände nicht blind kontrollieren musst.
Kann ich biologische Nützlinge und chemische Pflanzenschutzmittel auf derselben Fläche kombinieren?
Ja, das ist möglich, erfordert aber Fingerspitzengefühl. Wenn du Trichogramma-Schlupfwespen ausbringst, solltest du auf den gleichzeitigen Einsatz von breit wirksamen Insektiziden (wie Pyrethroiden) verzichten, da diese die Nützlinge schädigen. Selektive Insektizide (z. B. aus der IRAC-Gruppe 28) sind hingegen meist nützlingsschonender und lassen sich besser integrieren.
Wie unterscheidet sich das Schadbild des Maiszünslers von dem des Maiswurzelbohrers?
Während der Maiszünsler primär oberirdisch durch Stängelbruch, Einbohrlöcher und Bohrmehl auffällt, schädigt der Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera) im Larvenstadium die Wurzeln. Dies führt zu einer gestörten Wasseraufnahme und dem typischen "Gooseneck"-Symptom (säbelförmig gebogene Stängelbasis), nicht jedoch zu hohlen, zerfressenen Stängeln im oberen Bereich.