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Kultur

Zurückgebogener Amarant

Amaranthus retroflexus
AMARE

Der Zurückgebogene Amarant (Amaranthus retroflexus, EPPO-Code: `AMARE`), auch bekannt als Rauhaariger Amarant, ist ein einjähriges, wärmeliebendes Unkraut aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Ursprünglich aus Nordamerika stammend, hat sich dieser Schaderreger weltweit in gemäßigten und warmen Klimazonen etabliert. Er tritt besonders massiv in spät auflaufenden Kulturen wie Mais, Zuckerrüben, Sojabohnen sowie in verschiedenen Gemüse- und Leguminosenkulturen auf, wo er aufgrund seiner enormen Konkurrenzkraft erhebliche Ertragsverluste verursachen kann.

Die wirtschaftliche Relevanz von Amaranthus retroflexus ergibt sich aus seinem rasanten Wachstum, der hohen Nährstoff- und Wasseraneignung sowie einer extremen Samenproduktion. Eine einzige gut entwickelte Pflanze kann unter optimalen Bedingungen bis zu 100.000 keimfähige Samen bilden. Zudem erschwert die späte Keimung im Frühjahr und Sommer die mechanische und chemische Regulierung, da viele Standardbehandlungen zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen sind.

Typ
Kultur
EPPO-Code
AMARE
Wirte
10 Kulturen
Generationen
1 Generation pro Jahr (mit mehreren Keimwellen)
Verbreitung
Weltweit in gemäßigten, subtropischen und tropischen Regionen verbreitet; in Mitteleuropa flächendeckend auf nährstoffreichen, humosen Böden mit hoher wirtschaftlicher Schadwirkung in Hackfrüchten und Gemüse.

Biologie / Lebenszyklus

Amaranthus retroflexus ist ein typischer Sommerannueller, dessen Keimung erst bei höheren Bodentemperaturen ab etwa 10 bis 12 °C einsetzt. Die Keimung erfolgt in mehreren Wellen von Mai bis in den Spätsommer hinein, meist aus den obersten Bodenschichten. Nach dem schnellen Auflaufen entwickelt die Pflanze eine kräftige Pfahlwurzel und wächst rasch empor, wobei sie innerhalb weniger Wochen eine Höhe von über einem Meter erreichen kann. Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis September, gefolgt von einer raschen Samenreife. Die langlebigen Samen fallen zu Boden, verbleiben im Samenvorrat des Bodens und können dort über Jahrzehnte hinweg ihre Keimfähigkeit behalten.

Bonitur

Die Überwachung von Amaranthus retroflexus sollte frühzeitig ab dem Auflaufen der Kulturen (z. B. BBCH 10–12 bei Soja oder Gemüse) beginnen, da junge Amarant-Pflanzen im Keimblattstadium am empfindlichsten auf Regulierungsmaßnahmen reagieren. Da es sich um einen Spätkeimer handelt, sind regelmäßige Feldbegehungen bis in die späten Entwicklungsstadien der Kulturen (BBCH 30–39) erforderlich, um späte Keimwellen zu erfassen. Eine feste wirtschaftliche Schadensschwelle existiert in der Praxis selten, jedoch gilt im integrierten Pflanzenschutz bereits ein Besatz von 1 bis 2 Pflanzen pro Quadratmeter in konkurrenzschwachen Kulturen als Toleranzgrenze, ab der eine gezielte Behandlung eingeleitet werden sollte.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches integriertes Management von Amaranthus retroflexus basiert auf einer Kombination aus pflanzenbaulichen, mechanischen und chemischen Maßnahmen. Fruchtfolgen mit einem hohen Anteil an winterannuellen Kulturen oder dichten Zwischenfrüchten unterdrücken den wärmeliebenden Schaderreger effektiv durch Lichtentzug. Mechanische Maßnahmen wie das Striegeln im frühen Keimblattstadium oder das Hacken zwischen den Reihen in späteren BBCH-Stadien der Kulturen zeigen gute Erfolge. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist auf ein konsequentes Wirkstoffmanagement zu achten, da Amaranthus retroflexus weltweit eine hohe Neigung zur Resistenzbildung (insbesondere gegen ALS-Inhibitoren, HRAC-Gruppe 2, und Photosynthesehemmer, HRAC-Gruppe 5) aufweist. Um Resistenzen vorzubeugen, müssen Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen in Spritzfolgen oder Tankmischungen kombiniert werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich das Keimverhalten von Amaranthus retroflexus von anderen Unkräutern im Frühjahr?

Im Gegensatz zu typischen Frühjahrsunkräutern keimt der Zurückgebogene Amarant erst bei deutlich höheren Bodentemperaturen ab ca. 10–12 °C (Optimum bei 20–30 °C). Dies führt dazu, dass er oft erst dann aufläuft, wenn die erste Herbizidmaßnahme im Vorauflauf bereits an Wirkung verliert oder mechanische Blindstriegel-Gänge in den Kulturen abgeschlossen sind.

Welche Rolle spielt die Saattiefe bei der Regulierung dieses Schaderregers?

Da Amaranthus retroflexus ein Licht- und Flachkeimer ist, stammen fast alle auflaufenden Pflanzen aus den obersten 0 bis 3 cm des Bodens. Ein tiefes Vergraben der Samen durch den Pflug reduziert den aktuellen Auflauf drastisch, konserviert die Samen jedoch im Boden. Ein flaches, falsches Saatbett im Frühjahr regt die Samen gezielt zur Keimung an, sodass sie vor der Aussaat der Hauptkultur mechanisch reguliert werden können.

Wie kann ich im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Amarant suchen?

Nutzen Sie die Suchmaske im Hub und filtern Sie nach dem EPPO-Code „AMARE“ oder dem wissenschaftlichen Namen „Amaranthus retroflexus“. Kombinieren Sie dies mit Ihrer spezifischen Kultur und dem aktuellen BBCH-Stadium, um ausschließlich für diese Anwendung zugelassene Pflanzenschutzmittel mit den entsprechenden Aufwandmengen und Wartezeiten angezeigt zu bekommen.

Warum versagen einige Standard-Herbizide zunehmend bei der Bekämpfung von Amaranthus retroflexus?

Der Schaderreger neigt stark zur Ausbildung von Resistenzen, insbesondere gegen Herbizide aus der HRAC-Gruppe 2 (ALS-Hemmer wie Sulfonylharnstoffe) und der HRAC-Gruppe 5 (Triazine). Wenn in der Fruchtfolge wiederholt Wirkstoffe mit demselben Mechanismus eingesetzt werden, selektieren Sie resistente Biotypen. Ein konsequenter Wechsel der HRAC-Klassen ist zwingend erforderlich.

Welche mechanischen Maßnahmen sind bei fortgeschrittenem BBCH-Stadium der Kultur noch effektiv?

Sobald die Kultur das Stadium für den Striegel überschritten hat, ist das präzise Hacken zwischen den Reihen die effektivste mechanische Methode. Dies sollte idealerweise bei trockenem, sonnigem Wetter erfolgen, damit die freigelegten Wurzeln des Amarants rasch vertrocknen und nicht wieder anwachsen.

Wie lange bleiben die Samen von Amaranthus retroflexus im Boden lebensfähig und was bedeutet das für die Fruchtfolge?

Die Samen weisen eine extreme Langlebigkeit auf und können im Boden 10 bis 40 Jahre überdauern. Für die Fruchtfolge bedeutet dies, dass ein Aussamen unbedingt verhindert werden muss. Schon ein einziges Jahr mit mangelhafter Regulierung und starker Samenbildung kann den Unkrautdruck für das nächste Jahrzehnt massiv erhöhen.