Zurückgebogener Amarant
Der Zurückgebogene Amarant (Amaranthus retroflexus), auch bekannt unter dem EPPO-Code AMARE, ist ein einjähriges, wärmeliebendes Unkraut, das weltweit zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im Acker- und Gemüsebau zählt. Ursprünglich aus Nordamerika stammend, hat sich die Art in ganz Mitteleuropa etabliert. Sie konkurriert extrem stark mit den Kulturen um Licht, Wasser und Nährstoffe (insbesondere Stickstoff) und kann bei starkem Besatz zu massiven Ertragseinbußen führen.
Besonders problematisch ist das Unkraut in spät auflaufenden Reihenkulturen wie Mais, Zuckerrüben, Sojabohnen (Glycine max) sowie in verschiedenen Gemüsearten wie Kürbisgewächsen (Cucurbita spp., Cucumis sativus), Lauch (Allium porrum) oder Hülsenfrüchten. Durch seine enorme Samenproduktion von bis zu 100.000 Samen pro Einzelpflanze und die langlebige Samenbank im Boden stellt der Zurückgebogene Amarant ein langfristiges Problem für die Feldhygiene dar.
Biologie / Lebenszyklus
Als typischer Sommerannueller keimt *Amaranthus retroflexus* erst bei höheren Bodentemperaturen ab etwa 10 bis 12 °C, weshalb die Hauptkeimwelle im späten Frühjahr und Frühsommer liegt. Nach dem schnellen Auflaufen entwickelt das Unkraut eine tiefreichende Pfahlwurzel und wächst unter warmen, trockenen Bedingungen rasant heran. Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis September, wobei sich die unscheinbaren, grünlichen Blüten in dichten, scheinährigen Blütenständen am Stängelende konzentrieren. Die reifen, glänzend schwarzen Samen fallen im Spätsommer aus und überdauern im Boden, wobei sie ihre Keimfähigkeit über viele Jahre hinweg behalten.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte im späten Frühjahr beginnen, sobald die Bodentemperaturen steigen, und konzentriert sich auf das BBCH-Stadium 10 bis 30 der gefährdeten Kulturen (z. B. beim Auflaufen und der frühen Entwicklung von Soja oder Gemüse). Da junge Amarant-Keimlinge im Keimblattstadium leicht mit anderen Gänsefußgewächsen verwechselt werden können, ist eine genaue Bestimmung anhand der rötlichen Unterseite der Keimblätter und des leicht eingekerbten ersten Laubblattes wichtig. Eine wirtschaftliche Schadensschwelle liegt in anspruchsvollen Gemüsekulturen oft schon bei 1 bis 2 Pflanzen pro Quadratmeter, da die späte Konkurrenzkraft und die Erschwerung der Ernte den Schaden potenzieren.
Integriertes Management
Die Bekämpfung des Zurückgebogenen Amarants erfordert ein integriertes Management, das pflanzenbauliche, mechanische und chemische Maßnahmen kombiniert. Eine weite Fruchtfolge mit einem hohen Anteil an winterannuellen Kulturen unterdrückt den wärmeliebenden Schaderreger effektiv. Mechanische Maßnahmen wie das Striegeln im sehr frühen Keimblattstadium oder das Hacken zwischen den Reihen in späteren BBCH-Stadien der Kultur zeigen gute Erfolge. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist auf die HRAC-Klassifizierung zu achten, da weltweit bereits zahlreiche Resistenzen (insbesondere gegen ALS-Inhibitoren der HRAC-Gruppe 2 und Photosynthese-Inhibitoren der HRAC-Gruppe 5) dokumentiert sind. Ein Wirkstoffwechsel und die Kombination von Boden- und Blattherbiziden sind daher für ein nachhaltiges Resistenzmanagement unerlässlich.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidest du junge Amarant-Keimlinge sicher von der Weißen Melde?
Achte auf die Unterseite der Keimblätter: Beim Zurückgebogenen Amarant ist diese meist rötlich bis violett gefärbt. Zudem sind seine ersten Laubblätter an der Spitze leicht eingekerbt und besitzen eine winzige, aufgesetzte Stachelspitze, während die Blätter der Weißen Melde meist stark mehlartig bestäubt wirken.
Warum versagen Herbizide manchmal bei der Bekämpfung von Amarant auf deinen Flächen?
Dafür gibt es zwei Hauptgründe: Entweder war der Anwendungszeitpunkt zu spät, da Amarant ab dem 4-Blatt-Stadium eine hohe Toleranz gegen viele Blattherbizide entwickelt, oder es liegt bereits eine Herbizidresistenz vor. *Amaranthus retroflexus* neigt stark zur Ausbildung von Resistenzen gegen ALS-Hemmer (HRAC-Gruppe 2) und Triazine (HRAC-Gruppe 5). Nutze Wirkstoffmischungen und wechsle die HRAC-Klassen konsequent.
Welche Rolle spielt die Saattiefe der Kultur bei der Regulierung dieses Unkrauts?
Da der Zurückgebogene Amarant ein Licht- und Warmkeimer ist, keimt er hauptsächlich aus den obersten 0,5 bis 2 cm des Bodens. Wenn du deine Kultur zügig etablierst und durch eine optimale Saattiefe ein schnelles Schließen des Bestandes förderst, nimmst du dem Amarant das nötige Licht für die Keimung und unterdrückst den Schaderreger biologisch.
Wie kannst du die Samenbank im Boden langfristig reduzieren?
Vermeide unbedingt, dass reife Pflanzen aussamen, da eine einzige Pflanze bis zu 100.000 Samen bilden kann. Nach der Ernte der Kultur kann ein flaches Scheibeneggen oder Grubbern (falsches Saatbett) die Keimung anregen, um die aufgelaufenen Pflanzen anschließend mechanisch zu vernichten. Pflügen vergräbt die Samen zwar, konserviert sie aber auch für viele Jahre im Boden.
Wie findest du auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Amarant?
Navigiere im Hub einfach zum Bereich „Pflanzenschutzmittel“ und filtere nach der Kultur, die du anbaust. Gib anschließend den EPPO-Code AMARE oder den deutschen Namen „Zurückgebogener Amarant“ in die Schaderreger-Suche ein, um alle für deine spezifische Anwendung registrierten Herbizide inklusive Aufwandmenge und Wartezeit übersichtlich anzuzeigen.
Welchen Einfluss hat eine späte Stickstoffdüngung auf das Amarant-Wachstum?
Der Zurückgebogene Amarant ist ein extrem nitrophiler (stickstoffliebender) Schaderreger. Eine späte oder überhöhte Stickstoffgabe fördert das Wachstum des Unkrauts oft stärker als das deiner Kultur. Platziere den Dünger daher möglichst gezielt als Unterfußdüngung nahe an den Wurzeln der Kultur, um dem Unkraut den Nährstoffzugriff zu erschweren.